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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.08.2020

Reisen mal anders

Außergewöhnliche Hotels
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Das broschierte Buch ist recht einfach und übersichtlich gehalten, hat es aber in sich. Auf 120 Seiten beschreibt Martin Kaule außergewöhnliche Unterkünfte in Deutschland, auf den letzten 30 Seiten gibt ...

Das broschierte Buch ist recht einfach und übersichtlich gehalten, hat es aber in sich. Auf 120 Seiten beschreibt Martin Kaule außergewöhnliche Unterkünfte in Deutschland, auf den letzten 30 Seiten gibt es auch noch Tipps zu Österreich und der Schweiz. Auf jeder Seite ist eine Bleibe mit Foto, Adresse, aber auch Ausflugsziele und Sehenswürdigkeiten in der näheren Umgebung. Anhand einer Kategorisierung sieht der Leser auf den ersten Blick, ob die Unterkunft seinen Wünschen und Bedürfnissen entspricht und v.a. ob es zu seinem Geldbeutel passt. Denn Kaule teilt das Preisniveau in €-Zeichen von 1-5 und die Hotelkategorie in "Natur & Lage", "Themenhotel", "Unterkunft mit Geschichte" und "Designhotel" ein. Beim Anschauen hätte ich am liebsten sofort ein Übernachtung in einer Yurte, auf einem Hausboot oder gar in einem Baumhaus gebucht.

Das Buch liefert nicht nur in Corona-Zeiten viele Inspirationen, um in Deutschland Urlaub zu machen.

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Veröffentlicht am 17.08.2020

Van der Kwaast's Familienleben

Mama Tandoori
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Ernest van der Kwaast ehrt in "Mama Tandoori" seine Mutter, Veena Ahluwalia, die vor der Unabhängigkeit im heutigen Pakistan geboren wird und mit ihren Eltern als Säugling vor den Gemetzeln zwischen Hindus ...

Ernest van der Kwaast ehrt in "Mama Tandoori" seine Mutter, Veena Ahluwalia, die vor der Unabhängigkeit im heutigen Pakistan geboren wird und mit ihren Eltern als Säugling vor den Gemetzeln zwischen Hindus und Moslems nach Indien flieht. 1969 kommt sie nach Holland, um eine Ausbildung zur Krankenschwester zu machen und lernt dort ihren zukünftigen Mann, den Arzt Theodorus Henricus van der Kwast, kennen. Mit ihm hat sie drei Söhne. Der jüngste ist Ernest, 1981 in Mumbai bei einem Urlaub geboren; dabei haben sich die Eltern so sehr eine Tochter gewünscht.

Das binationale Familienleben der van der Kwaasts ist turbulent: Da gibt es einerseits die energische Mutter, andererseits den Vater, der Zuhause zur Bedeutungslosigkeit verdammt ist sowie einen geistig behinderten Bruder.

In zehn sehr unterhaltsamen Kapiteln beobachtet der Autor Mutter, Vater, Brüder, Onkel und Tanten. Er stützt sich dabei auf eigene Erlebnisse und Erinnerungen sowie darauf, was ihm aus der Verwandt­schaft zu Ohren gekommen ist.

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Veröffentlicht am 14.08.2020

"Erzähl mir von dir..." sagte er und lächelt.

Blind Date
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Bei einer Autorin wie Joy Fielding macht es Sinn, ihren Namen auf einem Cover größer zu halten als den eigentlichen Titel. Denn wer kennt sie nicht? Der Blut verschmierte Lippenstift sorgt ebenfalls für ...

Bei einer Autorin wie Joy Fielding macht es Sinn, ihren Namen auf einem Cover größer zu halten als den eigentlichen Titel. Denn wer kennt sie nicht? Der Blut verschmierte Lippenstift sorgt ebenfalls für Aufmerksamkeit. Die meisten ihrer Romane habe ich mit großer Begeisterung und Gänsehaut gehört; in diesem Hörbuch geht es, kurz gesagt, um vier Frauen und einen Serienmörder.

"Er nennt sich Mr Right Now - und das Profil auf seiner Datingseite ist äußerst attraktiv. Nichts weist darauf hin, dass der sympathische Mann mit dem gewinnenden Lächeln eine ganz besondere Neigung hat. Und dass er eine tödliche Überraschung bereithält, wenn der romantische Abend beendet ist. Zur gleichen Zeit suchen vier Frauen auf unterschiedliche Weise ihr Glück im Internet: die junge Paige, ihre beste Freundin Chloe, ihre Mutter Joan und ihre Cousine Heather. Sie alle sehnen sich nach einem Neubeginn in ihrem Leben. Und dann hat eine von ihnen ein vielversprechendes Date. Sein Name ist Mr Right Now..."

"Blind Date" ist nicht einer der besten Romane von Joy Fiedling. Es dauert etwas, bis die Geschichte Fahrt aufnimmt und auch Petra Schmidt-Schallers Stimme ist etwas gewöhnungsbedürftig. Dennoch für mich ein durchaus unterhaltsames Hörbuch.

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Veröffentlicht am 25.07.2020

Freiheit hat ihren Preis

Der Garten meiner Mutter
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1923 kam der deutsche Maler Walter Spieß nach Bali. Er interessierte sich jedoch nicht nur für die Bildenden Künste, sondern auch für Tanz und Musik. Sein Haus war ein Treffpunkt für internationale Künstler ...

1923 kam der deutsche Maler Walter Spieß nach Bali. Er interessierte sich jedoch nicht nur für die Bildenden Künste, sondern auch für Tanz und Musik. Sein Haus war ein Treffpunkt für internationale Künstler und Intellektuelle wie Charly Chaplin und Rabindranath Tagore. Auch Anuradha Roy hat es besucht und danach die Geschichte in "Der Garten meiner Mutter" weitergesponnen, indem sie Gayatri auf Walter Spieß treffen lässt, wodurch ihr Leben und das ihrer Familie komplett auf den Kopf gestellt wird. Dieses Prinzip heißt übrigens historical Fiction.

Gayatri, selbst Künstlerin und Mutter von Myshkin, droht an den Zwängen der indischen Gesellschaft zu zerbrechen, verlässt von einem auf den anderen Tag ihre Familie und ihren kleinen Sohn. Das Buch handelt jedoch nicht nur von der persönlichen Freiheit in Form einer künstlerischen Selbstfindung, sondern v.a. von den Konsequenzen, die ihr Verschwinden auf die Hinterbliebenen hat, v.a. für Myshkin. 60 Jahre später erzählt er rückblickend, wie er seine Mutter in Erinnerung hat in "Der Garten meiner Mutter". Sie war eine außergewöhnliche Frau, die im Sari Fahrrad fuhr, bis in den späten Vormittag schlief und ihrem Ehemann Widerworte gab. Roy betrachtet aber auch die Freiheit auf politischer Ebene, nämlich Indiens Unabhängigkeitskampf gegen die Kolonialmacht.

Treffender finde ich den englischen Titel "All the lives we never lived", der besser die Träume und Sehnsüchte nach einem anderen Leben, die sich im Roman und in der Wirklichkeit nur selten erfüllen, ausdrückt.

Anuradha Roy hat auch mit ihrem neuesten Buch bewiesen, warum sie zu meinen LieblingsautorInnen zählt. Sie schreibt einfühlsam, kritisch und poetisch, ihr Roman ist vielschichtig, lehrreich und jede einzelne Zeile lesenswert.

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Veröffentlicht am 23.07.2020

Cardell ermittelt

1793 (Winge und Cardell ermitteln 1)
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Kurz zum Inhalt: "Stockholm, 1793. Während in Frankreich die Revolution tobt, brodelt es in Schweden unter der adeligen Oberfläche. In einem See bei Stockholm finden Kinder den entstellten Leib eines Mannes, ...

Kurz zum Inhalt: "Stockholm, 1793. Während in Frankreich die Revolution tobt, brodelt es in Schweden unter der adeligen Oberfläche. In einem See bei Stockholm finden Kinder den entstellten Leib eines Mannes, dem Arme und Beine abgeschnitten wurden, dies allerdings von professioneller Hand. Dies bringt den Ermittler und Juristen Cecil Winge auf den Plan, der bei der Stockholmer Polizei für besondere Verbrechen zuständig ist. Durch eine Tuberkulose im Endstadium weiß er, dass dies sein letzter Fall sein wird. Zur Seite steht ihm der traumatisierte Kriegsveteran Mickel Cardell, dessen linker Arm eine Holzprothese ist."

Niklas Natt och Dag erhielt für 1793 den schwedischen Krimipreisfür den besten schwedischen Debütroman sowie den Publikumspreis Buch des Jahres 2018, m.E. zu Recht. Das Buch wurde in 30 Sprachen übersetzt und 2020 erschien bereits die Fortsetzung 1794, die ich so schnell wie möglich hören werde.

1793 ist nichts für schwache Nerven und zarte Gemüter. Völlig ungeschminkt und oft auch brutal beschreibt Niklas Natt och Dag die Suche nach dem Mörder und das Leben im 18. Jahrhundert in Stockholm. Der Leser sieht beim Hören vor seinem inneren Auge die Gossen, man kann den Dreck fast riechen, die Bordelle, Kriegsveterane und Invalide, hungernde Kinder, Krankheit, Menschen, die ihrem Schicksal völlig ausgeliefert sind, ohne auch nur ein Funken Hofnung. Aber gerade diese Brutalität macht 1793 glaubwürdig. Ich schwankte beim Hören zwischen Faszination und Ekel, was mich auch über die eine oder andere Länge hinwegsehen lässt.

Einige Minuten benötigte ich, bis ich mich in Natt och Dags Sprache einhörte. Die Sprecher Philipp Schepmann und Simon Roden sorgen fast 13 Stunden lang für echten Hörgenuss.

Für Liebhaber historischer Krimis, die hart im Nehmen sind, ein Muss.

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