Cover-Bild Der Garten meiner Mutter
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22,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Luchterhand
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: historischer Roman
  • Genre: Romane & Erzählungen / Erzählende Literatur
  • Seitenzahl: 416
  • Ersterscheinung: 25.05.2020
  • ISBN: 9783630876320
Anuradha Roy

Der Garten meiner Mutter

Roman
Werner Löcher-Lawrence (Übersetzer)

„In meiner Kindheit war ich als der Junge bekannt, dessen Mutter mit einem Engländer durchgebrannt war“, so beginnt die Geschichte von Myshkin und seiner Mutter Gayatri. Es sind die dreißiger Jahre, Indien hadert mit der britischen Kolonialherrschaft. Da kommen zwei Fremde in den kleinen Ort am Himalaya, der deutsche Maler Walter Spies und eine Tänzerin, und Gayatri, die immer Künstlerin sein wollte, ergreift ihre Chance, der traditionellen Ehe zu entfliehen. Ein großes zeitgeschichtliches Panorama und die ergreifende Geschichte einer ungewöhnlichen Frau, die für ihre Kunst und Freiheit lebt.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.03.2021

wundervoll erzählt

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Anuradha Roy verwirkt in ihrem Roman „Der Garten meiner Mutter“ Fiktion und Wirklichkeit auf fesselnde Art; stets bemerkt man, weviel Hintergrundwissen und Lesen verschiedener Biographien und weiterer ...

Anuradha Roy verwirkt in ihrem Roman „Der Garten meiner Mutter“ Fiktion und Wirklichkeit auf fesselnde Art; stets bemerkt man, weviel Hintergrundwissen und Lesen verschiedener Biographien und weiterer Texte miteingeflossen sind. Man kann gar nicht umhin immer wieder zur Vertiefung im Internet weiter zu recherchieren, sich Bilder, auch von Pflanzen und Orten, anzuschauen, um noch intensiver in diese ausgefeilt und poetisch erzählte Geschichte einzutauchen.

Erzählt wird die Geschichte, die ihren Anfang in den 1930er Jahren in dem kleinen, fiktiven Ort Muntazir in Indien, unterhalb des Himalya nimmt. Gayatri, die als Kind von ihrem Vater gefördert wurde, mit ihm Studienreisen unternahm, wurde als Jugendliche unmittelbar nach dem Tod ihres Vaters verheiratet und lebt mit Schwiegervater, Ehemann und Sohn Myshkin in eben diesem kleinen, fiktiven Ort. Zwar genießt sie ein paar kleine Freiheiten, vermisst jedoch vieles, träumt von einem freiheitlichen Leben wie zu Zeiten mit ihrem Vater. Sie singt, tanzt und malt gerne, ist ob der vielen Verzichte eher unglücklich. Als der Maler Walter Spiess und dieTänzerin Beryl de Zoete sie kennenlernen und als Führerin wählen um den indischen Tanz zu studieren, entwickelt sich eine Freundschaft, zwischen ihnen, die darin mündet, dass die Drei zusammen nach Bali reisen. Gayarti hatte geplant, ihren Sohn mitzunehmen, aber leider war er nicht pünktlich, so dass die Beiden getrennt wurden. Seitdem war Myshkin der Außenseiter, dessen Mutter mit einem Engländer durchgebrannt war….

Man erlebt Myshkins Kindheit in einem sich wandelnden Indien; nicht nur seine Mutter, auch sein Vater, der politisch aktiv war auf Ghandis Wegen, das ganze Land ist auf der Suche nach Freiheit. Widerstand gegen die Briten, Ghandis gewaltlose Methoden, dessen und auch vieler anderer Tod, flankieren die Geschichte um um persönliche und nationale Freiheit. Gayatri ist bemüht, genug Geld zu verdienen um ihren Sohn nachzuholen; aber die Zeit und Umstände arbeiten gegen sie…

Ungefähr im letzten Drittel des Buches erhält Myshkin die Briefe seiner Mutter an ihre beste Freundin und kann so die letzten Jahre aus Sicht der Mutter nachempfinden, betont selber, dass seine Erinnerungen trügerisch sein können. Tatsächlich ist er ihr in vielem ähnlicher als er wohl angenommen hatte, kann sich mit einigem aussöhnen und plant, ihre Reise nachzuerleben, vielleicht auf Bali Leute zu treffen, die sie kannten….

Großartig erzählt Anuradha Roy diee Geschichte; man taucht beim Lesen in Landschaften, Farben und sehnsüchte mit ein, wird in eine andere Zeit und Welt entführt. Die Beschreibungen und Biographien von Walter Spiess, Beryl de Zoete oder Collin Mc Phee fand ich sehr interessant; der Kampf und Wandel im Land und in den einzelnen Protagonisten wurde wunderbar beschrieben. Man fragt sich zusammen mit Gayatri, wieviele mögliche Leben sich einem bieten, was man aufgibt um seines zu finden und wie andere damit klarkommen.

Nicht nur Gayatri, auch der Leser hat das Gefühl in dieser beschriebenen Welt eine Zeit lang zu Besuch zu sein… Insgesamt hat mich dieser Roman bezaubernd unterhalten und in seinen Bann gezogen; gerne würde ich mehr als 5 Sterne vergeben.

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Veröffentlicht am 25.07.2020

Freiheit hat ihren Preis

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1923 kam der deutsche Maler Walter Spieß nach Bali. Er interessierte sich jedoch nicht nur für die Bildenden Künste, sondern auch für Tanz und Musik. Sein Haus war ein Treffpunkt für internationale Künstler ...

1923 kam der deutsche Maler Walter Spieß nach Bali. Er interessierte sich jedoch nicht nur für die Bildenden Künste, sondern auch für Tanz und Musik. Sein Haus war ein Treffpunkt für internationale Künstler und Intellektuelle wie Charly Chaplin und Rabindranath Tagore. Auch Anuradha Roy hat es besucht und danach die Geschichte in "Der Garten meiner Mutter" weitergesponnen, indem sie Gayatri auf Walter Spieß treffen lässt, wodurch ihr Leben und das ihrer Familie komplett auf den Kopf gestellt wird. Dieses Prinzip heißt übrigens historical Fiction.

Gayatri, selbst Künstlerin und Mutter von Myshkin, droht an den Zwängen der indischen Gesellschaft zu zerbrechen, verlässt von einem auf den anderen Tag ihre Familie und ihren kleinen Sohn. Das Buch handelt jedoch nicht nur von der persönlichen Freiheit in Form einer künstlerischen Selbstfindung, sondern v.a. von den Konsequenzen, die ihr Verschwinden auf die Hinterbliebenen hat, v.a. für Myshkin. 60 Jahre später erzählt er rückblickend, wie er seine Mutter in Erinnerung hat in "Der Garten meiner Mutter". Sie war eine außergewöhnliche Frau, die im Sari Fahrrad fuhr, bis in den späten Vormittag schlief und ihrem Ehemann Widerworte gab. Roy betrachtet aber auch die Freiheit auf politischer Ebene, nämlich Indiens Unabhängigkeitskampf gegen die Kolonialmacht.

Treffender finde ich den englischen Titel "All the lives we never lived", der besser die Träume und Sehnsüchte nach einem anderen Leben, die sich im Roman und in der Wirklichkeit nur selten erfüllen, ausdrückt.

Anuradha Roy hat auch mit ihrem neuesten Buch bewiesen, warum sie zu meinen LieblingsautorInnen zählt. Sie schreibt einfühlsam, kritisch und poetisch, ihr Roman ist vielschichtig, lehrreich und jede einzelne Zeile lesenswert.

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Veröffentlicht am 19.11.2021

Eine traurige Familiengeschichte im Indien der 30er Jahre

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Was fühlt ein kleiner Junge, dessen Mutter ihn von einem Tag auf den anderen verlässt, um mit einem Maler und einer Tänzerin nach Bali zu ziehen? Erst im hohen Erwachsenenalter versucht Myshkin zu verstehen, ...

Was fühlt ein kleiner Junge, dessen Mutter ihn von einem Tag auf den anderen verlässt, um mit einem Maler und einer Tänzerin nach Bali zu ziehen? Erst im hohen Erwachsenenalter versucht Myshkin zu verstehen, was mit seiner Mutter damals, im Indien der 30er Jahre, geschah und warum sie das getan hat.

Eine vielversprechende Geschichte, die Wahrheit und Fiktion miteinander vermischt und aus der Sicht des zurückgelassenen Sohnes erzählt wird. Er, der sich sein ganzen Leben lang mit der Frage herumschlagen musste, ob seine Mutter ihn nicht wirklich geliebt hat.

„Der Garten meiner Mutter“ erzählt sehr detailverliebt, was geschah und beleuchtet die Geschichte aus Sicht des Protagonisten Myshkin, aber auch aus Sicht der Mutter. Es wird über die Zeit bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Mutter die Familie verlässt, sehr genau erzählt und dann später fast nur noch über Briefe, was vieles langsam klar werden lässt.

Der Sohn ist Zeit seines Lebens von dieser Frage geprägt und auch sein Leben hat sich danach komplett geändert. Wie wäre es verlaufen, wenn die Mutter ihn nicht allein bei seinem Vater zurückgelassen hätte? Eine interessante Art, die Geschichte zu erzählen, die Anuradha Roy sich überlegt hat. Man fühlt mit dem Jungen mit, wie er leidet und seine Mutter vermisst. Aber man bekommt auch einen Überblick über die damalige Zeit, was bewegte sich in Indien und wie sehr war auch der Vater noch in seiner traditionellen Rolle gefangen, obwohl er sich für die Reformideen einsetzte. Und auch die Seite der Mutter ist zu verstehen, niemand wird komplett an den Pranger gestellt.

Insgesamt hat mir „Der Garten meiner Mutter“ gut gefallen, allerdings hatte es durch die teilweise sehr detaillierte Erzählweise Längen, die der Geschichte ein wenig den Schwung genommen haben und ich zeitweise gedacht habe, dass es kürzer besser gewesen wäre. Ohne diese Ausschweifungen hätte es mich richtig fesseln können. Aber das ist ja wie immer auch Geschmacksache.

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Veröffentlicht am 24.08.2020

Viel Potential, dass nicht richtig ausgeschöpft wurde...

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Zum Inhalt:
Myshkin wächst in einem kleinen Dorf am Rande des Himalayas als Kastenloser auf, seine Familie ist also von jeglicher Gemeinschaft ausgeschlossen und unprivilegiert. Dank des Ansehens seines ...

Zum Inhalt:
Myshkin wächst in einem kleinen Dorf am Rande des Himalayas als Kastenloser auf, seine Familie ist also von jeglicher Gemeinschaft ausgeschlossen und unprivilegiert. Dank des Ansehens seines Großvaters, dem eine Klinik gehört, können sie dennoch ein vergleichsweise gutes Leben führen.
Als der Junge gerade einmal neun Jahre alt ist, verlässt seine Mutter die Familie, um mit zwei europäischen Künstlern gemeinsam das Dorf zu verlassen und sich auf Bali selbst zu verwirklichen. Das Kind bleibt einige Jahre lang bei seinem Großvater, der sich liebevoll um ihn kümmert, da sein Vater sich „auf die Suche nach sich selbst“ begeben hat und sich nicht mehr um Myshkin kümmern kann.
Später dann kehrt sein Vater mit einer neuen Frau zurück, die jedoch nie die Rolle seiner Mutter ausfüllen kann und die von dem inzwischen elfjährigen mehrfach zurückgestoßen wird. Niemand kann ihm den Schmerz nehmen, den er über den Verlust seiner Mutter in seinem Herzen trägt.
Als erwachsener Mann findet der ehemals verlassene Junge einige Briefe seiner Mutter an ihre Freundin, in denen sie darüber schreibt, wie sehr sie ihren Sohn über die Jahre vermisst hat.
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Meine Meinung:
„Der Garten meiner Mutter“ hat mich tatsächlich leider sehr enttäuscht. Besonders durch den Klappentext hatte ich mir erhofft, dass dieses Buch eine Geschichte über eine um ihre Unabhängigkeit kämpfende Frau wäre, die alles hinter sich lassen muss, um sich selbst zu finden. Diese Erwartungen wurden durch die Geschichte aus der Perspektive des zunächst traurigen und später verbitterten Sohnes leider nicht aufgefangen.
Auch mit der Erzählweise hatte ich über den Verlauf des Buches so meine Probleme. Die zwei Zeitstränge - einmal die Kapitel aus Myshkins Kindheit und zum zweiten die Abschnitte aus seinem Leben als Erwachsener - sind nicht als diese gekennzeichnet und folgen in keinem erkennbaren Muster aufeinander, sodass man zu Beginn der meisten Kapitel erst einmal rätseln muss, in welchem Zeitabschnitt man sich denn nun gerade befindet.
Auch hätte ich mir für die Geschichte gewünscht, dass entweder der Junge selbst oder auch seine Mutter zu einem späteren Zeitpunkt die Chance ergriffen hätten, sich noch einmal wiederzusehen, um die Verletzung und den Schmerz abarbeiten zu können.
Insgesamt eine Geschichte, in der so viel Potential gesteckt hätte, welches aber durch die Erzählweise und -perspektive aus meiner Sicht nicht optimal genutzt werden konnte.

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