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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.09.2019

1. Band der Stuttgarter Schokoladentrilogie

Die Schokoladenvilla
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Stuttgart war in der Tat um die Jahrhundertwende eine Schokoladenhochburg bevor es eine Automobilstadt wurde. So beginnt auch Maria Nikolais 1. Band ihrer Trilogie rund um die Stuttgarter Fabrikantenfamilie ...

Stuttgart war in der Tat um die Jahrhundertwende eine Schokoladenhochburg bevor es eine Automobilstadt wurde. So beginnt auch Maria Nikolais 1. Band ihrer Trilogie rund um die Stuttgarter Fabrikantenfamilie Rothmann im Jahr 1903. Die Handlung dreht sich zum einen um die Protagonistin Judith Rothmann, Tochter des Schokoladenfabrikanten, die sich gegen die von ihrem Vater arrangierte Heirat mit dem Bankierssohn Albrecht von Braun und gegen gesellschaftliche und soziale Zwänge wehrt. Zum anderen erzählt der zweite Handlungsstrang das Leben ihrer Mutter, die sich durch lange Kuraufenthalte am Gardasee, der unglücklichen Ehe entzieht.

Als Schokoladenliebhaberin und Schwäbin, die viele Jahre in Stuttgart lebte, haben mich die detaillierten Beschreibungen div. Stuttgarter Stadtteile und Dialektausdrücke besonders angesprochen. Ich kann mit Judith Rothmann mitfühlen und bin immer wieder überrascht, wie stark Frauen während dieser Zeit unterdrückt wurden und Zwängen unterlagen. Dabei nimmt Nikolai nicht nur Bezug auf das privilegierte Leben höherer Töchter, die Vätern und Ehemännern Gehorsam schuldeten, sondern auch auf das armer Frauen und Mädchen, die einen großen Teil der Bevölkerung Stuttgarts ausmachten und in furchtbaren Verhältnissen und ohne Rechte leben mussten. Dabei fliegen die Hörminuten nur so dahin und der Hörer brennt förmlich darauf wie die Geschichte weitergeht.

Allerdings hat eine Tatsache stark mein Hörvergnügen eingeschränkt und deshalb zog ich auch ein Stern in meiner Bewertung ab. Das Hörbuch wird von Beate Himmel sehr gut gelesen, dabei macht sie jedoch einen großen Fehler: Sie lässt manche Personen im Dialekt sprechen, vor allem schwäbisch, aber auch rheinisch und das ging gehörig daneben. Das Schwäbische zeichnet sich eben nicht dadurch aus, dass alle S grundsätzlich als Sch gesprochen werden, um nur ein Beispiel zu nennen.

Ich bin schon sehr auf den zweiten Band gespannt, der glücklicherweise in der Zwischenzeit erschienen ist.

Veröffentlicht am 15.09.2019

Ready to detox?

Detox für Eilige
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Detox (Entgiftung) ist in aller Munde und ich gebe zu, ich war skeptisch beim xten Buch zu diesem Thema. Zumal Maria Lohmann dem Leser noch so allerhand verspricht: Es ginge leicht und schnell und sei ...

Detox (Entgiftung) ist in aller Munde und ich gebe zu, ich war skeptisch beim xten Buch zu diesem Thema. Zumal Maria Lohmann dem Leser noch so allerhand verspricht: Es ginge leicht und schnell und sei trotzdem sehr effektiv.

Mittlerweile kann ich sagen, dass sie nicht zu viel verspricht. Nach einer kurzen Erklärung wie Gifte und Schlacken entstehen bzw. welche Lebensmittel den Stoffwechsel belasten sowie welche einen positiven Effekt haben und wie man Übersäuerung erkennt, legt die Autorin auch schon mit Rezepten und Tipps los. Diese sind, wie versprochen, einfach und schnell; beispielsweise tun bestimmte Nahrungsmittel unseren Organen gut, Basenbäder, aber auch Mudras und Entspannung entsäuern und machen uns fit.

Ein gutes Drittel des Buches füllen jede Menge Detox-Rezepte wie z.B. Express-Kartoffel-Rezepte, div. Smoothies und Getränke, aber auch To go-Rezepte, Salate und Suppen. Alle Rezepte kommen ohne exotische Zutaten aus und sind leicht nachzukochen.

Maria Lohmann hat mich auf knapp 100 Seiten davon überzeugt, Detox immer wieder in meinen Alltag zu integrieren. Vielen Dank!

Veröffentlicht am 15.09.2019

Whysky, Nessie und Dudelsäcke

Fettnäpfchenführer Schottland
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Ich mag die Fettnäpfchenführer des Conbook Verlags als Sekundärliteratur zur Vorbereitung einer Reise neben den gewöhnlichen Reiseführern sehr. Sie haben so einiges an Zusatzmaterial zu bieten, so auch ...

Ich mag die Fettnäpfchenführer des Conbook Verlags als Sekundärliteratur zur Vorbereitung einer Reise neben den gewöhnlichen Reiseführern sehr. Sie haben so einiges an Zusatzmaterial zu bieten, so auch Ulrike Köhlers Schottland-Führer.
Die Autorin konnte durch zahlreiche Reisen ihr Wissen über Land und Leute vertiefen.

Sie erschuf die Protagonistin Franziska, eine junge Ärztin, die sich für ein knappes Jahr in einer Wohngemeinschaft in Inverness einmietet, um an einer Studie im örtlichen Krankenhaus mitzuwirken. Der Leser tritt nun zusammen mit Franziska in ihrem beruflichen und privaten Alltag in das eine oder andere Fettnäpfchen und lernt noch ganz nebenbei etwas über die schottische Kultur, Geschichte und Sehenswürdigkeiten kennen. Gleichzeitig wuchs bei mir die Vorfreude, eine Reise in das Land im wilden Norden Großbritanniens zu planen und die Highlands mit eigenen Augen zu sehen.

Veröffentlicht am 12.09.2019

Wahrheit und Wahnsinn

Die Einsamkeit der Seevögel
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Gohril Gabrielsen erzählt die Geschichte einer Wissenschaftlerin, die an den äußersten Zipfel Norwegens reist, um das Schwinden der Zugvögelpopulationen und Klimaveränderungen zu untersuchen. Nach einer ...

Gohril Gabrielsen erzählt die Geschichte einer Wissenschaftlerin, die an den äußersten Zipfel Norwegens reist, um das Schwinden der Zugvögelpopulationen und Klimaveränderungen zu untersuchen. Nach einer gescheiterten Ehe sehnt sie sich nach Ruhe und Einsamkeit und wartet auf die Ankunft der Vögel und die ihres neuen Freundes.

Jutta Seifert verleiht der atmosphärisch dichten Erzählung auf brillante Weise ihre Stimme. Der Hörer hört förmlich den Schnee knirschen, spürt die Weite der weißen Landschaft, das tosende Meer und die rauen Naturgewalten, der die Protagonistin ausgesetzt ist. Mit der Zeit verschwimmen die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Wahn. Auch der Hörer kann nicht mehr unterscheiden. Alles ist offen, selbst der Name der Protagonistin und gekrönt wird das Ganze durch einen, nach allen Seiten offenen, Schluss. Das ist mir zu unverbindlich und m.E. hat es sich Frau Gabrielsen damit zu leicht gemacht.

Veröffentlicht am 26.08.2019

Eine Liebesgeschichte

Die Gärten von Monte Spina
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Sowohl Klappentext als auch Cover lassen eine zweite Kate Morton erahnen. Ist das so?
Henrike Scriverius ist Landschaftsgärtnerin, so spielt ihr Debüt-Roman auf der kleinen Canaren-Insel Monte Spina, für ...

Sowohl Klappentext als auch Cover lassen eine zweite Kate Morton erahnen. Ist das so?
Henrike Scriverius ist Landschaftsgärtnerin, so spielt ihr Debüt-Roman auf der kleinen Canaren-Insel Monte Spina, für die ein Gärtner gesucht wird. "Außer Stille und Einsamkeit hat die kleine Privatinsel wenig zu bieten. Doch das kommt der dreißigjährigen Gärtnerin Toni gerade recht, denn ihr Mann ist bei einem Autounfall gestorben und der Sinn ihres Lebens und all ihre Liebe mit ihm.
Weit draußen im Atlantik trifft sie auf eine karstige Landschaft und auf Menschen, die sie nicht gerade herzlich empfangen. Aber Sonne und harte Arbeit wecken neben ihren Lebensgeistern vor allem eins: ihre Neugier. Denn auf der schweigsamen Insel am Ende der Welt gibt es eine ganze Reihe von Merkwürdigkeiten und Geheimnissen: Warum blieben Tonis Vorgänger immer nur wenige Wochen? Wieso ist das oberste Stockwerk des Haupthauses tabu für sie? Und was steckt hinter dem abwesenden Besitzer der Insel, dem geheimnisvollen Bror, von dem alle nur im Flüsterton sprechen?"
Kurz: Eine Frau mit Schicksalschlag, ein Mann mit Vergangenheit und eine abgelegene Insel.

Die Dialoge sind flappsig und obwohl die Insel dazu einlädt, genauer beschrieben zu werden, verschwendet Henrike Scriverius darauf kaum Zeit. Eine gewissen Tiefe vermisse ich ebenfalls. Trotzdem, der Roman ist gut aufgebaut und es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.