Profilbild von dasbuchzuhause

dasbuchzuhause

Lesejury Profi
offline

dasbuchzuhause ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit dasbuchzuhause über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.07.2026

Was wäre wenn

Pina fällt aus
0

Es braucht ein Dorf, um ein Kind großzuziehen. Und genau so ein Dorf braucht es auch, um sich um ein Kind oder einen Erwachsenen zu kümmern, der nicht allein leben kann.

In "Pina fällt aus" erzählt Vera ...

Es braucht ein Dorf, um ein Kind großzuziehen. Und genau so ein Dorf braucht es auch, um sich um ein Kind oder einen Erwachsenen zu kümmern, der nicht allein leben kann.

In "Pina fällt aus" erzählt Vera Zischke davon, was passieren könnte, wenn eine alleinerziehende pflegende Mutter ausfällt. Ihr Sohn Leo ist schon 20, wird jeden Morgen zur Werkstatt gebracht und kann nicht allein leben. Das muss er allerdings von einem Tag auf den anderen, denn seine Mutter Pina fällt aus, sie wird krank.

Niemand kommt zunächst auf den Gedanken, dass Leo in seinem Alter gar nicht allein leben kann. Das merkt die Hausgemeinschaft des Hauses, in dem er wohnt, erst am nächsten Tag und da niemand bekannt ist, der sich um ihn kümmern könnte, übernimmt das die Truppe schräger Vögel, wie sie sich selbst bezeichnen. Die lebensmüde Rentnerin Inge, die wütende Zola und der sozial gehemmte Wojtek versuchen ihr Möglichstes, damit Leo die Zeit übersteht, in der seine Mutter im Krankenhaus ist.

Vera Zischke hat einen Roman über das "Was-sein-könnte" geschrieben und wie wir pflegende Eltern als Gesellschaft unterstützen können, wie Inklusion anders gelebt werden könnte.

Es fängt im Buch schon damit an, dass im Haus in der Hansastraße niemand weiß, was mit Leo ist. Das erfahren sie erst im Laufe der Zeit. Die einfachste Lösung, dass Leo ins Heim kommt, ist vielleicht gar nicht die beste, weder für Pina noch für Leo.

Der Roman schafft ein besseres Verständnis für die Probleme pflegender Eltern und unseren Umgang als Gesellschaft damit. Es ist Vera Zischke gelungen, eine Geschichte zu erzählen, die trotz des Ernstes des Themas unterhaltsam ist und vor allem dem Thema Sichtbarkeit gibt.

Es ist ein würdiger Nachfolgeroman von "Ava liebt noch", Vera Zischkes Debütroman und greift ein zu wenig beachtetes Thema auf. Leseempfehlung!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.07.2026

Haltung

Perfekt. Glatt. Wirkungslos.
0

Zu glatt, zu perfekt, zu unpersönlich, zu wenig Ecken und Kanten, zu wenig Greifbares und oftmals auch zu viele Emojis. Das denke ich oft, wenn ich durch meinen Feed hier scrolle, Websites besuche, E-Mails ...

Zu glatt, zu perfekt, zu unpersönlich, zu wenig Ecken und Kanten, zu wenig Greifbares und oftmals auch zu viele Emojis. Das denke ich oft, wenn ich durch meinen Feed hier scrolle, Websites besuche, E-Mails oder Newsletter lese.

Da ist mir das aktuelle Buch von Daniel Caroppo gleich aufgefallen, fasst es das alles doch schon im Titel zusammen: „Perfekt. Glatt. Wirkungslos."

Aber er haut nicht einfach auf die böse KI drauf, die aus Texten KI-Einheitsbrei zubereitet. Ihm geht es darum herauszuarbeiten, was KI mit unserer Sprache macht und wie wir wieder wirksam kommunizieren können, also Texte erstellen, die etwas zu sagen haben.

Er beleuchtet sehr intensiv, wie generative KI mittlerweile genutzt wird und was dabei – je nach Nutzung – herauskommt. Sagt der Text etwas aus? Ist herauszuhören, dass da jemand Verantwortung übernimmt, oder ist es besagter Einheitsbrei? (Die Gedankenstriche weiter oben sind übrigens meine eigenen, kein KI-Reflex.)

Das ist sein Kernpunkt, und damit würde ich das Buch zusammenfassen: Wird Haltung gezeigt? Ist eine Meinung zu erkennen, wird Verantwortung für eine Entscheidung übernommen, oder ist alles bis zur Unkenntlichkeit glatt gebügelt? Caroppo verteufelt KI nicht, aber der Mensch sollte im wahrsten Sinne das letzte Wort haben.

Darum geht es, und es gibt viele Fall- und Praxisbeispiele, Reflexionsfragen und Gedanken zu den gesellschaftlichen Folgen der Nutzung generativer KI.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
Veröffentlicht am 04.07.2026

Warum schwimmen wir?

Warum wir schwimmen
0

Gehörst du auch zu denjenigen, die in aller Herrgottsfrühe an der Kasse vom Schwimmbad stehen, die Badekleidung schon unter der Straßenkleidung, damit es schneller ins Wasser geht?

Dann ist "Warum wir ...

Gehörst du auch zu denjenigen, die in aller Herrgottsfrühe an der Kasse vom Schwimmbad stehen, die Badekleidung schon unter der Straßenkleidung, damit es schneller ins Wasser geht?

Dann ist "Warum wir schwimmen" von Bonnie Tsui ein Buch für dich.


Selbst begeisterte Schwimmerin, hat die Autorin und Journalistin ein Sachbuch geschrieben, das sich dem Schwimmen sowohl von der sportlichen, aber auch von verschiedenen anderen Seiten nähert.


So geht es darum, warum wir überhaupt die Gefahr auf uns nehmen, ins Wasser zu gehen, denn ein Ertrinken ist ja immer möglich. Nahrungssuche war und ist ein Grund dafür.


Dann ist es essenziell wichtig, dass schon Kinder schwimmen lernen, um sich besser gegen die Gefahr des Ertrinkens zu wappnen. Das Beispiel eines isländischen Fischers, der sechs Stunden im kalten Meer überlebte, zeigt das eindrucksvoll. Es zeigt aber auch, dass manche Menschen andere genetische Voraussetzungen haben, um so etwas überhaupt zu überleben.


Wie gesund das Schwimmen für uns ist, egal ob jung oder alt, beschreibt sie auch (es hilft gegen hohen Blutdruck und bei Arthritis), dass es Gemeinschaft fördert und einfach Freude bereitet.


Bonnie Tsui geht einmal durch die Geschichte des Schwimmens und erzählt uns von der besonderen Schwimmkunst der japanischen Samurai und davon, wie die modernen Schwimmstile entstanden.


Ein Buch, das Lust auf Meer, See, Frei- oder Hallenbad macht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
Veröffentlicht am 04.07.2026

Die unendlichen Weiten der Sprache

Schleifen
0

Franziska ist mal wieder an der Pest erkrankt, was aber nicht weiter schlimm ist, denn sie hat eine seltene Krankheit, bei der sie nur an den Symptomen leidet, aber nicht vom Virus selbst befallen ist.

So ...

Franziska ist mal wieder an der Pest erkrankt, was aber nicht weiter schlimm ist, denn sie hat eine seltene Krankheit, bei der sie nur an den Symptomen leidet, aber nicht vom Virus selbst befallen ist.

So beginnt Elias Hirschl sein Buch "Schleifen" und lässt uns den weiteren Lebensweg von Franziska Denk ab den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts begleiten. Sie wächst recht isoliert auf, da sie sofort erkrankt, wenn sie Gesprächsfetzen hört, in denen über Krankheiten gesprochen wird. Ihre Hauptbeschäftigung ist das Lesen (natürlich nur von Literatur, in der nicht über Krankheiten geschrieben wird) und das Erlernen von Sprachen, denn ihr ist aufgefallen, dass Symptome weniger stark oder gar nicht auftreten, wenn sie in einer anderen Sprache davon erfährt.

Durch einen zufälligen Brief lernt sie ihren späteren Lebensgefährten Otto Mandl kennen, mit dem sie die Leidenschaft für Sprachen und die Entwicklung einer Universalsprache teilt. "Nebenbei" ist Otto noch Mathematiker.

Elias Hirschl schreibt aber nicht einfach nur über eine Liebesgeschichte zweier Hochbegabter, sondern jongliert in "Schleifen" mit Sprache und erzählt Geschichten in einer Geschichte, bis mir fast schwindlig wurde und ich erstaunt feststellen musste, dass er die verschiedenen Bälle virtuos in der Luft hält, auch wenn ich manchen Ball erst beim zweiten oder dritten Lesen eines Abschnitts wiedergefunden habe.

Es ist kein Buch, dass sich locker an einem Nachmittag lesen lässt, es ist eher ein Buch für diejenigen, die Freude an Sprache, Wortspielen und ausschweifenden Erzählungen auch über scheinbar Nebensächliches haben (manche Fußnote geht über Seiten) und es in Ordnung finden, Abschnitte mehrfach zu lesen. Es geht um Kafka, der Wiener Kreis, Philosophen, Forscher*innen (ob echt oder erfunden, ist nicht immer ganz klar) findet Erwähnung und Außerirdische spielen eine Rolle, genauso wie ein asiatischer Tofu-Verkäufer und eine Verkehrsinsel in Japan, auf der Menschen stranden.

Dieses Buch quillt über vor Erzählfreude und Fantasie und wenn du Lust auf ein ungewöhnliches Buch mit Tiefgang hast, das Hochgeistiges mit Trivialem kombiniert und durch Nebensächlichkeiten begeistert, ist das ein Buch für dich. Ich werde es wohl noch einige Male lesen, um es wirklich zu verstehen und den letzten Wortwitz und die wirklich beste Formulierung zu finden.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.07.2026

Um jeden Preis

Gym
0

Hast du im Vorstellungsgespräch schon mal gelogen?

Die namenlose Protagonistin des Buchs "Gym" von Verena Kessler bekommt mit einer mehr als dreisten Lüge ihren Job hinter der Theke des MEGA GYMS. Sie ...

Hast du im Vorstellungsgespräch schon mal gelogen?

Die namenlose Protagonistin des Buchs "Gym" von Verena Kessler bekommt mit einer mehr als dreisten Lüge ihren Job hinter der Theke des MEGA GYMS. Sie erklärt ihren leicht aus der Form geratenen Körper im Vorstellungsgespräch einfach damit, dass sie vor kurzem entbunden hätte und deshalb noch nicht ganz wieder ihren Pre-Baby-Form wäre.

Auf diese faustdicke Lüge folgen natürlich weitere, denn die neuen Kolleg*innen im Fitnessstudio wollen Fotos vom Kleinen sehen und sie muss auch das Abpumpen der Muttermilch vortäuschen. Zum Glück fängt der Kleine früh mit Beikost an und sie kann sich der Rückbildung ihres Körpers widmen und beginnt erst langsam und dann immer stärker mit der Neuerschaffung ihres Körpers.

Als die Body-Builderin Vick im MEGA GYM zu trainieren beginnt, brechen alle Dämme und es wird gleichzeitig immer klarer, was mit der "Heldin" des Buches nicht stimmt.

Verena Kessler hat dieses Buch ohne sprachliche Bremse geschrieben und seitdem kann ich das Wort "Protein" nicht mehr lesen, ohne an dieses Buch zu denken, aber sie hat mich mit "Gym" ganz großartig unterhalten.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere