Essenskultur trifft Büromentalität
Für Nitani ist Essen Nahrungsaufnahme. Er würde sich am liebsten ausschließlich von Instantramen ernähren und versteht das Bohei, welches seine Arbeitskolleginnen ums Essen machen, nicht. Seine Kollegin ...
Für Nitani ist Essen Nahrungsaufnahme. Er würde sich am liebsten ausschließlich von Instantramen ernähren und versteht das Bohei, welches seine Arbeitskolleginnen ums Essen machen, nicht. Seine Kollegin Ashikawa, die nicht die fleißigste ist, bezirzt alle im Büro mit ihrer Backkunst und dem kann Nitani sich auf absurde Weise ebenfalls nicht entziehen, auch wenn er beim Bier mit Oshio darüber herzieht.
Junko Takase entführt mit ihrem schmalen Roman „Richtig gutes Essen“ in die japanische Bürowelt und Essenskultur. Gerade weil Protagonist Nitani sich so gegen den Genuss der Speisen ziert, wird dieser bemerkenswert anschaulich. Der Kontrast zu seinen Kolleginnen und seine Solidarität mit Oshio verdeutlichen das besonders. Neben dem Essen spielt auch die Arbeitsmentalität eine große Rolle und macht den Roman wunderbar rund.
Ich mag japanische Literatur sehr, nicht nur, weil es einen Einblick in eine andere Kultur schenkt, die in diesem Fall unserer gar nicht so unähnlich ist: Da sind diejenigen, die ranklotzen und diejenigen, die jedes Schlupfloch nutzen. Mit einer leichten Prise Humor legt Junko Takase genau dort den Finger drauf und holte mich damit sofort ab.
Alles in allem ist es unaufgeregt, berührte aber gerade deswegen so sehr. Auch die eingeschobenen Abschnitte von Oshio fand ich spannend, weil sie einen ganz eigenen Einblick auf Nitani und sein Verhalten geben. Manchmal rutscht es sogar ins Philosophische, ist dabei aber leicht zu lesen, doch „Richtig gutes Essen“ als Snack zwischendurch zu bezeichnen, wird dem Roman absolut nicht gerecht.
Ich werde auf jeden Fall noch mehr Bücher dieser fantastischen Autorin lesen.