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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.07.2026

Fesselnd, spannend & verstörend

Eisinsel
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„Eisinsel: Was du siehst. Was du weißt. Was du fürchtest.“ ist ein fesselndes und zugleich verstörendes Buch des Autors Hanno Rinke.

Im Mittelpunkt der Ereignisse steht Victor. Victor ist Krankenpfleger ...

„Eisinsel: Was du siehst. Was du weißt. Was du fürchtest.“ ist ein fesselndes und zugleich verstörendes Buch des Autors Hanno Rinke.

Im Mittelpunkt der Ereignisse steht Victor. Victor ist Krankenpfleger und kümmert sich aufopferungsvoll um seine Patienten. Er ist gut, in dem was er tut und obwohl es ein wenig widersprüchlich erscheint, sind Menschen und zwischenmenschlich Beziehungen nicht sein Ding.
Der Zwiespalt und die Widersprüchlichkeiten in Victors Persönlichkeit haben mich fasziniert.

Zunächst fand ich Victor schwer zu greifen und konnte seine Handlungen nur schwer einordnen. Was dann geschieht, hat mich erschreckt und abgestoßen. Es gibt viele grausame Details, die wirklich nichts für schwache Nerven sind. Dennoch war ich gefesselt und musste weiterlesen,um zu erfahren worauf das Ganze hinausläuft.

Der erste Blick ins Inhaltsverzeichnis zeigt einen interessanten Aufbau des Romans:
Davor, Dabei, Danach. Innerhalb dieser Abschnitte bauen sich die Kapitel auf und wieder ab.
Entsprechend ist die Handlung angelegt, die Spannung baut sich auf, erreicht ihren Höhepunkt und flacht wieder ab. Dieses Konstrukt fand ich genial.
Auch der atmosphärische Schreibstil hat mir sehr gut gefallen - leicht zu lesen und verstehen und gleichzeitig hatte ich den Eindruck, dass ich aufpassen muss, damit ich nichts verpasse. Eine geniale Kombination, um achtsam und aufmerksam zu bleiben.
Lediglich das Ende war nicht so rund, wie ich es mir erhofft hatte.

Mich hat das Buch erschüttert und entsetzt und genau dadurch wurde ich am Lesen gehalten.

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Veröffentlicht am 27.06.2026

Etwas absurd, aber sehr amüsant

00-Laschet
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„00-Laschet“ ist ein ausgesprochen unterhaltsames Buch des in Bremen lebenden Autors David Safier.

Titel und Cover machen bereits deutlich, um wen es hier geht: Armin Laschet.
Dieser hat seiner Meinung ...

„00-Laschet“ ist ein ausgesprochen unterhaltsames Buch des in Bremen lebenden Autors David Safier.

Titel und Cover machen bereits deutlich, um wen es hier geht: Armin Laschet.
Dieser hat seiner Meinung nach gerade unglaubliches Glück gehabt. Er ist nicht Kanzler geworden und muss sich somit nicht um so langweilige Dinge wie Kriege, Klima und Kilometerpauschalen kümmern. Stattdessen darf er nun als frischgebackener Bundespräsident Empfänge im Schloss Bellevue geben. Von seiner eigentlichen Aufgabe und dem, was im Keller seines Wohnsitzes vor sich geht, wird er dann ein wenig überrascht.

Zugegebenermaßen, die Handlung ist ein wenig absurd und skurril, aber dabei ist sie gleichzeitig ausgesprochen amüsant.
Es gibt zahlreiche Anspielungen auf Politiker, Prominente und das aktuelle Weltgeschehen. Vieles wird ein wenig überspitzt dargestellt und es werden auch so einige Klischees bedient. Das nimmt der Geschichte aber nicht ihren Unterhaltungswert, sondern hat dafür gesorgt, dass ich mich bestens amüsiert habe.

Ich habe die Geschichte als Hörbuch konsumiert. Dies wurde von Thomas Nicolai gelesen. Er spricht die unterschiedlichen Charaktere mit verschiedenen Stimmlagen. Sie sind leicht auseinander zu halten, aber einige habe ich beim Zuhören als ein wenig anstrengend empfunden.

Die Story ist spannend und witzig, hier wird weder an übertriebenen Peinlichkeiten noch an kleinen, gemeinen Seitenhieben gespart. Wer sich für Politik interessiert, die aktuellen Ereignisse ein wenig verfolgt hat und kein Problem mit Übertreibungen hat, wird hier sicherlich eine Menge zum Lachen bekommen.

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Veröffentlicht am 23.06.2026

Es brodelt

SIEBEN STUNDEN. Wen würdest du retten?
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„SIEBEN STUNDEN. Wen würdest du retten?“ ist ein spannender Thriller der in North Carolina lebenden Autorin Megan Miranda.
Es ist bereits zehn Jahre her, dass in Tennessee zwei Schulbusse in eine Schlucht ...

„SIEBEN STUNDEN. Wen würdest du retten?“ ist ein spannender Thriller der in North Carolina lebenden Autorin Megan Miranda.
Es ist bereits zehn Jahre her, dass in Tennessee zwei Schulbusse in eine Schlucht stürzten. Nur neun der jugendlichen Insassen haben überlebt und ein weiterer nimmt sich kurz darauf das Leben. Die übrigen acht verabreden sich, nun jedes Jahr zum Gedenken an dieses Unglück in einem Strandhaus zu treffen. Nun, zum zehnten Jahrestag, stirbt ein weiterer von ihnen in ihrem Zufluchtsort. Ein Sturm schneidet die Verbliebenen von der Außenwelt ab und die Stimmung kippt. Können sie einander noch trauen?
Direkt zu Beginn wird eine enorme Spannung aufgebaut und man wird direkt in die Geschichte hineingeworfen. Es ist keine Spannung, die auf Action basiert, sondern eine, die von der Atmosphäre, der Abgeschiedenheit, dem bedrohlichen Wetter und dem, was in der Vergangenheit im Dunklen bleibt, lebt.
Die vielen Andeutungen über die Vergangenheit sorgten bei mir für eine stetig wachsende Anzahl von Fragezeichen in meinem Kopf. Es ist ein verwirrendes Geflecht aus Schuldzuweisungen, Anklagen und Ungesagtem, das für ein ungutes Gefühl und Gänsehaut sorgt.
Die Protagonisten werden gut eingeführt und vorgestellt. Jeder von ihnen hatte seinen Platz in der Gruppe und mir hat das Verfolgen der Gruppendynamik richtig Spaß gemacht.
Sprünge in die Vergangenheit und unerwartete Wendungen sorgen dafür, dass die Spannung durchgehend hochgehalten wird.
Sicherlich hätte die Handlung an einigen Stellen ein wenig gestrafft werden können, aber mein Lesevergnügen hat das nicht wirklich mindern können - dazu fand ich die unterschwellige Spannung zu nervenaufreibend.
Mich hat der Thriller gefesselt und obwohl es meiner Meinung nach nicht das beste Buch der Autorin ist, kann ich es empfehlen, da Megan Miranda ihr Setting und die Atmosphäre einfach meisterhaft beschreibt - Gänsehaut pur.

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Veröffentlicht am 20.06.2026

Schwierig & sehr intensiv

Herzflut
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„Herzflut“ ist das Debüt der in London lebenden Autorin Charlotte Paradise.

Im Mittelpunkt der Handlung stehen Sara und Miles, die sich auf einer Party kennenlernen. Die beiden fühlen sich direkt zueinander ...

„Herzflut“ ist das Debüt der in London lebenden Autorin Charlotte Paradise.

Im Mittelpunkt der Handlung stehen Sara und Miles, die sich auf einer Party kennenlernen. Die beiden fühlen sich direkt zueinander hingezogen, aber Nähe bedeutet für Sara ein Problem. Sie fühlt sich unwohl in ihrem Körper und kann diese nicht zulassen. Miles ist sehr verständnisvoll und akzeptiert das.

Charlotte Paradise verwendet eine sehr direkte und deutliche Sprache. Sie scheut sich nicht davor Tabuthemen anzusprechen. Die beginnende zarte Liebe zwischen Sara und Miles ist die Grundlage, um auf Saras Vergangenheit und damit auf Themen wie Missbrauch und Trauma einzugehen.
Sara ist nach außen hin sehr taff, gibt sich stark und ist dabei so verletzlich, dass man sie am liebsten in den Arm nehmen möchte. Die tiefen Verletzungen der Vergangenheit, prägen ihr Leben. Mit Miles hat sie einen Glückstreffer gelandet, das macht aber ihre komplizierte Beziehung nicht weniger schwierig.
Während Sara und Miles sehr facettenreich dargestellt werden, bleiben die übrigen Charaktere ein wenig blass.

Der Fokus der Handlung liegt auf Saras Innenleben. Die Geschichte entwickelt sich sehr langsam, was gut zu den inneren Verletzungen von Sara passt. Auch diese brauchen viel Zeit, um zu heilen.

Mich hat Charlotte Paradise mit ihrem Debüt berührt und beeindruckt, so dass ich nun gespannt auf weitere Werke der Autorin bin.

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Veröffentlicht am 17.06.2026

Sehr düster & brutal

Insel der Ratten
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„Insel der Ratten“ ist eine düstere Dystopie des in Oslo lebenden Autors Jo Nesbø.
Eine Pandemie hat dafür gesorgt, dass das Leben der Menschen außer Kontrolle geraten ist. Auf den Straßen gilt das Gesetz ...

„Insel der Ratten“ ist eine düstere Dystopie des in Oslo lebenden Autors Jo Nesbø.
Eine Pandemie hat dafür gesorgt, dass das Leben der Menschen außer Kontrolle geraten ist. Auf den Straßen gilt das Gesetz des Stärkeren. Während die Wohlhabenden versuchen sich per Helikopter auf die "Insel der Ratten" abzusetzen, herrscht auf dem Festland Chaos. Auch Colin Lowe - ein reicher Unternehmer - flieht mit seiner Familie. Lediglich sein Sohn Brad, zu dem er schon immer ein schwieriges Verhältnis hatte, bleibt auf dem Festland zurück. Während der größte Teil der Bevölkerung aus der Not heraus plündert, sämtliche gesellschaftlichen und sozialen Normen sprengt, scheint Brad daran gefallen zu finden.
Die Stimmung ist bedrückend und düster. Jo Nesbø gelingt es ausgezeichnet darzustellen, wie die moralischen Dämme in einer Ausnahmesituation zusammenbrechen. Dabei stellt er ein sehr realistisches Zukunftsszenario dar, das bei mir für Gänsehaut gesorgt hat.
Neben den dystopischen Zuständen in der Bevölkerung steht die Beziehung zwischen Colin und Brad im Mittelpunkt der Handlung. Diese ist komplex und ausgesprochen schwierig.
Mit gerade einmal 208 Seiten in 17 Kapiteln ist das Buch schnell gelesen und obwohl ich es ausgesprochen spannend fand, hat mir das vollkommen ausgereicht. Noch mehr Gewalt, Brutalität, soziale Unruhen, Angst und menschliche Abgründe auf so engen Raum hätte ich kaum ertragen.
Es ist kein typischer Krimi von Jo Nesbø, sondern eine gesellschaftskritische Dystopie, die mich so schnell nicht mehr loslassen wird, da sie einfach zu realistisch ist, um sie direkt wieder zu vergessen.

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