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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.05.2026

Verbundenheit

Der andere Arthur
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Liz Moore zeigt in ihrem frühen Roman ‘Der andere Arthur‘ eine stille, melancholische Seite ihres schriftstellerischen Könnens. Sie gibt zwei Außenseitern im gesellschaftlichen Gefüge eine Stimme, die ...

Liz Moore zeigt in ihrem frühen Roman ‘Der andere Arthur‘ eine stille, melancholische Seite ihres schriftstellerischen Könnens. Sie gibt zwei Außenseitern im gesellschaftlichen Gefüge eine Stimme, die einfühlsam und unaufgeregt berührende Lebensentwicklungen beschreibt. Ihre Sprache ist direkt, ansprechend, ohne dramatisieren zu wollen. Intensiv und ausführlich geht sie auf Ursachen und Umstände ein, die Menschen prägen können, die charakterliche Züge hervorrufen, diese verstärken und in eine beklemmende Einsamkeit, ja Isolation führen. Die Autorin lässt ihre beiden Protagonisten aus der Ich-Perspektive erzählen, was der Geschichte authentisch erlebbar macht.
Arthur Opp ein renommierter Literaturprofessor hat seine Berufung aufgegeben und lebt ohne jeglichen persönlichen Kontakt zur Außenwelt zurückgezogen in seinem Haus in Brooklyn. Er schaufelt Unmengen an Essen in sich hinein, was schließlich zu körperlichen Problemen bezüglich seiner Beweglichkeit führt. Er fügt sich in sein Schicksal und erlebt lediglich Momente der Freude, wenn ein Brief von seiner ehemaligen Studentin Charlene ihn erreicht. Beide verbindet ein freundschaftliches Verhältnis. Kel, Charlenes Sohn, ist siebzehn als seine Mutter stirbt. Wut und Selbstzweifel beherrschen ihn in diesen Tagen des Verlustes. Seine Welt gerät mehr und mehr ins Wanken. Seine Gedanken kreisen um seine Identität und um den letzten Wunsch seiner Mutter.
Die Geschichte setzt auf Freundschaft und Zusammenhalt, um neue Perspektiven zu schaffen.

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Veröffentlicht am 09.05.2026

Einsteigen, aussteigen und entdecken

Berlin mit der Ringbahn entdecken
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Der im BeBra Verlag erschienene Reiseführer ‘Berlin mit der Ringbahn entdecken‘ von Armin A. Woy geschrieben, zeichnet sich nicht nur durch sein strukturiertes und farbenfrohes Erscheinungsbild aus, er ...

Der im BeBra Verlag erschienene Reiseführer ‘Berlin mit der Ringbahn entdecken‘ von Armin A. Woy geschrieben, zeichnet sich nicht nur durch sein strukturiertes und farbenfrohes Erscheinungsbild aus, er beweist auch durch seine originelle, kompakte Darstellung, Wissenswertes und Informatives leicht verständlich und interessant geschrieben an jedermann zu bringen. Egal ob man die Fahrtrichtung im Uhrzeigersinn oder in der entgegengesetzten Richtung wählt, jede Station dieser S-Bahnlinie wird immer und immer wieder angefahren. Man steigt ganz nach Belieben ein und aus, verweilt dort, wo es gerade gefällt. Neben historischen Ereignissen zu den S-Bahnstationen enthält das handliche Buch, was übrigens in jede Hosentasche passt, einen kleinen Übersichtsplan, auf dem die Empfehlungen für einen kulinarischen Besuch oder einer sehenswerten Örtlichkeit eingezeichnet sind.
Ob in West oder Ost, überall gibt es etwas zu bestaunen, zu genießen oder einfach für einen ausgedehnten Spaziergang, um die Stadt abseits der bekannten Sehenswürdigkeiten kennenzulernen. Es macht nicht nur potenziellen Besuchern Spaß in den Seiten zu stöbern, nein auch Berliner finden den ein oder anderen Tipp, Neues zu erfahren und zu entdecken. Ich spreche da aus eigener Erfahrung.

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Veröffentlicht am 09.05.2026

Trügerische Illusion

Léon und die Frau im blauen Kleid
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Léon de Cavallier entstammt einem alten französischen Adelsgeschlecht, welches seit vielen Generationen an der Code d`Azur ansässig ist. Der enorme Reichtum seiner Familie, die in Valbonne ein ansehnliches ...

Léon de Cavallier entstammt einem alten französischen Adelsgeschlecht, welches seit vielen Generationen an der Code d`Azur ansässig ist. Der enorme Reichtum seiner Familie, die in Valbonne ein ansehnliches Chateau bewohnt in Mitten eines großzügigen Anwesens, könnte vermuten lassen, dass der junge äußerst attraktive und gepflegte Mann sich mit seinen neununddreißig Jahren ein genussvolles Leben gönnt, das einzig die Reize finanzieller Unbeschwertheit auskostet. Doch Léon steht in den Diensten des Staates Frankreich als Commissaire de Cavallier – Director de la Brigade. Er liebt es nach eigener Aussage, Rätsel zu lösen und begibt sich auf der Jagd nach kriminellen Verbrechern auch in persönliche Bedrängnis.
Nachdem sein langjähriger Kollege in den verdienten Ruhestand geht, bekommt Léon eine Kollegin aus Paris zugeteilt, mit der er sich einen bühnenreifen Schlagabtausch liefert. Sein nach außen gekehrtes, snobistisches Wesen ist in der Region bekannt, wovon sich Nadia Bentaleb allerdings nicht abschrecken lässt, ganz im Gegenteil. Als mitten in der High Saison die Leiche einer jungen Frau am Stand eines Nobelhotels angespült wird, beginnt für beide eine herausfordernde Zeit, im Kreise der Schönen und Reichen ihre Ermittlungsarbeit zu erledigen.
Alexander Oetker präsentiert im ersten Teil einer Fortsetzungsreihe mit dem Titel ‘Léon und die Frau im blauen Kleid‘ sehr eigenwillige, äußerst interessante Charaktere, die in einer wendungsreichen Geschichte die trügerische Illusion vermeintlicher Liebe in Zusammenhang mit Machenschaften tiefer menschlicher Abgründe in Szene setzt. Die wunderschönen Beschreibungen pittoresker Landschaften und Stadtbilder stehen dabei gekonnt im krassen Gegensatz zu Eitelkeit und Machtgehabe. Ein dramatischer Abschluss mit persönlichen Einblicken in die Vergangenheit der Protagonisten hält die Spannung auf Folgendes sehr hoch und erhöht die Vorfreude auf den im Frühjahr 2027 erscheinenden zweiten Teil um das Ermittlerduo de Cavallier und Bentaleb.

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Veröffentlicht am 03.05.2026

Entscheidungen und ihre Einflüsse

Die Namen
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Das Romandebüt ‘Die Namen‘ von Florence Knapp erzählt davon, welchen Einfluss die Namensgebung auf die persönliche Entwicklung eines Menschen nehmen kann. Hochspannend können wir den Lebensweg des Protagonisten ...

Das Romandebüt ‘Die Namen‘ von Florence Knapp erzählt davon, welchen Einfluss die Namensgebung auf die persönliche Entwicklung eines Menschen nehmen kann. Hochspannend können wir den Lebensweg des Protagonisten und seiner Familie, seiner Mitmenschen über einen Zeitraum von fünfunddreißig Jahre hinweg in zeitlichen Sprüngen von sieben Jahren verfolgen und das Ganze in drei sich grundsätzlich voneinander unterscheidenden Erzählsträngen.
Ausgangspunkt der Geschichte sind die Überlegungen der Mutter Cora, die sich mit ihrer neunjährigen Tochter Maia zur amtlichen Stelle begibt, um den Namen des Sohnes festzulegen und eintragen zu lassen. Für den Vater Gordon steht fest, dass entsprechend der Familientradition sein Name und der seiner Väter und Großväter weitergegeben wird. Cora hingegen wünscht sich einen Julian und Maia schwärmt von einem Bear. Was nun im Folgenden passiert, als Gordon davon erfährt, wie seinem Wunsch in zwei von drei Fällen nicht entsprochen wurde, ist eine äußerst spannende Reise in die Darstellung von Persönlichkeitsentwicklungen in Abhängigkeit von getroffenen Entscheidungen zur Namensgebung. Der gewaltbereite Ehemann wird zur unausstehlichen Bestie.
Emotional bewegend mit einer intensiven Auseinandersetzung menschlicher Verhaltensweisen gestaltet die Schriftstellerin ihren Roman. Zwischen den zeitlichen Verläufen braucht es ein konzentriertes Lesen, um die Zuordnung gedanklich richtig einzuordnen. Lebensnahe, lebendige Charaktere und ein moderner Sprachstil begeistern, erzeugen ein anregendes Lesevergnügen mit nachdenklichen Momenten.

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Veröffentlicht am 03.05.2026

Schöpferische Einsamkeit

Lass den Tag nicht vorübergehen
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Theodor ist anders. Seine Erfüllung sieht er in der Malerei, die ihm sogleich Heimat und ein Gefühl der Geborgenheit vermittelt. Zunächst muss er allerdings seinen Lebensunterhalt mit anderweitiger Arbeit ...

Theodor ist anders. Seine Erfüllung sieht er in der Malerei, die ihm sogleich Heimat und ein Gefühl der Geborgenheit vermittelt. Zunächst muss er allerdings seinen Lebensunterhalt mit anderweitiger Arbeit verdienen. Dabei lernt er einen überaus begüterten Mann kennen, der durch seine Kontakte und seinem Wohlwollen gegenüber der Kunst, die Theodor in steigender Perfektion schafft, ihm einem Weg in die Bekanntheit und damit finanziellen Erfolg ebnet. Doch Theodor bleibt bescheiden, kümmert sich aufopferungsvoll um einen alten, einsamen Mann und lebt für seine Kunst, scheu gegenüber fremden Kontaktversuchen.
Frank Wilmes stellt in seinem Roman ‘Lass den Tag nicht vorübergehen‘ einen weltfremden, dem Leben eher abgewandten Menschen in den Mittelpunkt seiner Geschichte. Seine Werke entstehen nach einer inneren Inspiration und werden in ekstatischem Wirken geschaffen, fernab von Zeit und Raum. So habe ich auch den Schreibstil empfunden, eher distanziert, reduziert, sachlich. Der Mensch als Künstler, der in seiner Fantasie lebt und sich genügt, durch seine Bilder die notwendige Lebensenergie schöpft.


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