Ruhig und langsam auf Sinnliche
Statt aus dem Fenster zu schauenBei mir hat sich in diesem Monat einiges verändert, weshalb ich kaum Zeit fürs Lesen gefunden hatte. Deshalb war „Statt aus dem Fenster zu schauen“ genau das richtige Buch für mich. Es ist ein langsames, ...
Bei mir hat sich in diesem Monat einiges verändert, weshalb ich kaum Zeit fürs Lesen gefunden hatte. Deshalb war „Statt aus dem Fenster zu schauen“ genau das richtige Buch für mich. Es ist ein langsames, ruhiges und nachdenkliches Buch. Es passiert nicht viel im Äußeren, aber dafür ganz viel im Inneren.
Der Anfang hatte mich sofort gepackt. Sophie sitzt im Büro ihres langweiligen Praktikums und klickt sich durch Kleinanzeigen im Internet. Aus einem Impuls heraus kauft sie ein verfallenes Haus mitten im Nirgendwo im Osten Deutschlands für 3000 Euro und verlässt sofort, ohne jemandem Bescheid zu geben, ihre langweilige Praktikumsstelle. In ihrer WG-Wohnung angekommen, packt sie ihre wenigen Besitztümer in ihren Reiserucksack und ihre übrigen Sachen in eine Plastiktüte, mit einem Zettel als Info an die Mitbewohner, dass sie diese Tüte demnächst abholt. Sie nimmt ihr Fahrrad, kauft ein Bahnticket und fährt in die ostdeutsche Provinz. Dort angekommen, mitten in der Ruhe, kommt sie zum Nachdenken.
Was fast ein wenig romantisch klingt, ist gar nicht so romantisch. Das Haus hat ein Loch im Dach, liegt weit weg von der nächsten Ortschaft und Sophies Erspartes ist dank des Hauskaufs fast aufgebraucht. In ihrem Haus gibt es anfangs keinen Strom, Internet ist auch nicht vorhanden und dafür viel Zeit zum Grübeln. Zeit, in der Sophie darüber nachdenken kann, ob sie mit ihren 25 Jahren wirklich genau da angekommen ist, wo sie ankommen wollte, oder sich in ihrem Leben dort befindet, wo all die anderen sie sehen wollten. Ist es sinnvoll, nach dem Studium einem Job nachzugehen, der sie langweilt, oder allein in der Pampa ein Haus zu sanieren, einen Kartoffelacker anzulegen, Gemüse anzubauen und Hühner zu halten?
Mir hat dieses Buch richtig gutgetan und geholfen, in meinem momentan turbulenten Leben etwas zur Ruhe zu kommen. Gedanken fließen zu lassen, mitzuerleben, wie Sophie einfach anpackt, ohne darüber nachzudenken, wie es weitergeht. Bleibt sie wirklich in diesem Haus mitten im Nichts oder geht sie doch wieder zurück in ihr „vorgeplantes“ Leben? Es war eine Wohltat zu lesen, dass nicht immer alles Sinn machen muss und trotz allem sinnvoll sein kann. Ich kann dieses Buch nur empfehlen, für alle, die ein wenig eine Mischung aus Einsiedlerleben und Coming-of-Age lesen möchten.