Ein Jahreshighlight!
Schon jetzt ein absolutes Jahreshighlight!
„Die Riesinnen“ von Hannah Häffner habe ich letzten Monat gemeinsam mit meinem Buchclub gelesen und wir waren uns schnell einig, dass dieses Buch etwas ganz Besonderes ...
Schon jetzt ein absolutes Jahreshighlight!
„Die Riesinnen“ von Hannah Häffner habe ich letzten Monat gemeinsam mit meinem Buchclub gelesen und wir waren uns schnell einig, dass dieses Buch etwas ganz Besonderes ist.
Es ist ein warmes, wundervolles Werk, das mich vor allem sprachlich tief beeindruckt hat. Ganz hohe Erzählkunst! Immer wieder gab es Sätze, bei denen ich nur dachte: Wow – wie kann man so schreiben? Diese sprachliche Gewandtheit trägt die Geschichte und verleiht ihr eine besondere Tiefe.
Der Roman erzählt von drei Generationen von Frauen. Es sind Liese, Cora und Eva, die als „Riesinnen“ bezeichnet werden. Sie leben in einem Dorf im Schwarzwald, sind anders, fallen auf, und man redet über sie.
Liese ist in der Nachkriegszeit geboren und lebt in einer Welt, in der Frauen vor allem ihre Pflicht zu erfüllen haben. Selbstverwirklichung ist kein Thema. Ihre unglückliche Ehe mit Bernhard steht exemplarisch für diese Zeit. Dennoch beeindruckt sie mit einer unglaublichen inneren Stärke. Sie weiß, was sie will, und nimmt es sich, wenn sich die Gelegenheit bietet. Besonders berührend ist ihre Liebe zu ihrer Tochter Cora. In ihr zeigt sich: Weitermachen ist keine Option, sondern eine Notwendigkeit.
Cora wiederum schafft es, aus dem engen Dorf auszubrechen, die Welt zu sehen. Sie ist freiheitsliebend und entschlossen, ihren eigenen Weg zu gehen. Als sie schwanger wird und zurückkehrt, steht sie vor der Frage: Bleiben oder gehen? Besonders stark fand ich ihre Haltung gegenüber Ludwig, dem sie selbstbewusst entgegentritt und klar macht: Das ist nicht ihr Leben, sie hat ihr eigenes, und das hat sie sich verdient.
Mit Eva schließt sich der Kreis. Sie verbindet Vergangenheit und Gegenwart.
Auch Eva hat mich sehr beeindruckt, gerade weil sie Dinge hinterfragt und ein feines Gespür für die Bedeutung von Zeit und Erinnerung entwickelt. Eine Szene ist mir besonders im Kopf geblieben. Auf einer Party steht sie an der Bar und beobachtet die anderen. Alle sind da, weil sie genau dort sein wollen. Nur sie und ihr Freund David scheinen außen vor zu sein. Während David vorschlägt, einfach zu gehen, spürt Eva, dass es um mehr geht, nämlich um diese Jahre, die nicht wiederkommen, die etwas bedeuten müssen. Sie fragt sich, was eigentlich bleibt, wenn es keine Erinnerungen gibt, an denen man sich festhalten kann. Diese Reflexionen verleihen ihrer Figur eine besondere Tiefe und machen deutlich, wie stark das Thema Erinnerung und Bedeutung durch alle Generationen hindurch wirkt.
Besonders gelungen ist, wie jede Generation ihren eigenen Raum bekommt und doch alles miteinander verwoben bleibt. Es geht um Herkunft, um Entscheidungen und um das Weitermachen. Immer weiter, egal wie schwer es ist.