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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.11.2020

Stille leben

stille ist
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Was für ein Buch! Hier beschreiben Menschen, was Stille für sie bedeutet. Es sind Menschen, die besonderes erlebt oder ungewöhnliche Berufe ergriffen haben. Auch blickt ein jeder auf eine ganz besondere ...

Was für ein Buch! Hier beschreiben Menschen, was Stille für sie bedeutet. Es sind Menschen, die besonderes erlebt oder ungewöhnliche Berufe ergriffen haben. Auch blickt ein jeder auf eine ganz besondere Art auf die Welt und sein leben.

Manu Theobald, die Autorin, ist von Haus aus Fotografin, und sie stellt einen jeden ihrer Protagonisten auf ihre ganz besondere Art dar. Ein besonderes Geschenk an die Menschen, die sie hier erwählt hat, wie ich finde! Jeder findet ein Forum, das er auf seine ganz eigene Art füllt. Und für jeden ist die Stille ein Gefährte, nicht Bedrohung oder gar Feind.

Ich habe hier Menschen kennenlernen dürfen, die mich durch die wenigen Informationen, die ich über sie habe, mehr inspieren, als so mancher Dichter, Denker und Politiker. Wobei sie alle Schaffende sind, jeder auf seine Art und Weise, auch wenn sie an vollkommen unterschiedlichen Stationen ihres Lebens stehen.

Ein sehr besonderes Buch, dass sich wie ein weiches, samtenes und wärmendes Tuch um meine Seele gelegt hat. Eine Inspiration der ganz besonderen Art!

Veröffentlicht am 22.11.2020

Rule Britannia!

Teatime mit Lilibet
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Das ist nicht einfach, wie man es sich denken kann - unerwartet kommt die junge schottische Lehrerin und Idealistin Marion Crawford zu Beginn der 1930er Jahre dem Thron ganz nahe. Sie wird als Erzieherin ...

Das ist nicht einfach, wie man es sich denken kann - unerwartet kommt die junge schottische Lehrerin und Idealistin Marion Crawford zu Beginn der 1930er Jahre dem Thron ganz nahe. Sie wird als Erzieherin für die Töchter des Herzogs von York eingestellt und das sind Elisabeth, genannt Lilibet, keine andere als die jetzige Königin von England und deren jüngere Schwester Margaret, zunächst noch ein Kleinkind. Und das, wo sie eigentlich in die Slums ziehen wollte, um dort vor allem Mädchen Bildung nahezubringen.

Doch einmal in der Herzogsfamilie angekommen, kommt sie auch nicht so leicht weg, man appelliert an ihre Treue und vor allem verfällt sie Lilibets Charme - die ist wirklich ein ganz besonderes Mädchen.

Und bald auch nicht mehr Herzogstochter: aus ihrem schüchternen Vater Bertie wird der englische König Georg VI und aus ihrer plumpen, vorlauten Mutter die Königin. Und das bedeutet auch für sie eine große Veränderung: sie ist es, die ihren Vater auf dem Thron beerben wird.

Wir gehen mit Marion, die von allen nur Crawfie genannt wird, und der Königsfamilie durch schwere Zeiten. Und lernen auch andere Mitglieder des Hofstaats kennen, wobei mir sehr zupass kam, dass ich ein großer Fan der Netflix-Serie "The Crown" bin - sonst wäre ich wohl das eine oder andere mal orientierungsmäßig auf der Strecke geblieben.

War ich zunächst absolut begeistert, trat mehr und mehr die Ernüchterung ein: mir kamen einige Entwicklungen doch mehr als abenteuerlich vor. Ein guter und ausgesprochen vielversprechender Ansatz, bei dem, wie ich finde, vieles hätte eleganter gelöst werden können!

Veröffentlicht am 21.11.2020

Robinson als Lebensgefährte

Robinsons Tochter
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Wir treffen auf Polly Flint in ihrer frühesten Jugend, als sie sechsjährig bei ihren alten und frommen Tanten im gelben Haus landet. Wo sie bald - ohne es so festzumachen - spürt, dass man auch auf konventionelle ...

Wir treffen auf Polly Flint in ihrer frühesten Jugend, als sie sechsjährig bei ihren alten und frommen Tanten im gelben Haus landet. Wo sie bald - ohne es so festzumachen - spürt, dass man auch auf konventionelle Art unkonventionell und bei sich selbst bleiben kann. Die älteren Schwestern ihrer verstorbenen Mutter fahren nämlich durchaus ihren eigenen Stiefel und so gestaltet sich auch Pollys Leben nicht unbedingt der Norm entsprechend.

Auch wenn ihr vieles fehlt, eines hat sie im Überfluss, nämlich Bücher und schon früh kristallisiert sich Robinson Crusoe, den sie quasi als Mitbewohner annimmt, mit dem sie spricht und den sie wieder und wieder rauf und runter liest, als ihre hauptsächliche und maßgebliche Bezugsperson heraus. Gerade auch, wenn jemand aus ihrem Umfeld sie einmal mehr wissentlich oder ohne Absicht enttäuscht hat.

Polly Flint ist eine Geberin und das spüren die Menschen um sie herum. Doch am Ende ihres Lebens blickt sie auf ein reiches, buntes Gesamtbild zurück.

Dies ist ein Werk von Jane Gardam aus dem Jahre 1985, das erst jetzt übersetzt wurde und wie froh bin ich, darauf gestoßen zu sein! Ein wahres Kleinod ist es, eine Art Hymne auf die Großzügigkeit, ein Aufruf, seinen eigenen Weg zu gehen und sich davon nicht abbringen zu lassen. Jane Gardam, die Grande Dame des klassischen britischen Romans mit Pfiff, hat wieder einmal ein wundervolles Werk voller Humor, Wärme und Esprit geschaffen. Nur dominierte Robinson aus meiner Sicht die Handlung stellenweise doch zu stark.

Veröffentlicht am 20.11.2020

Schwabenschicksal

Aus und davon
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Hier geht es um Cornelia, eine Frau in ihren Vierzigern, geschieden, Mutter und Physiotherapeutin. Und um ihre Mutter Elisabeth, die bei den Kindern in Stuttgart blebt, während sich Cornelia in die Staaten ...

Hier geht es um Cornelia, eine Frau in ihren Vierzigern, geschieden, Mutter und Physiotherapeutin. Und um ihre Mutter Elisabeth, die bei den Kindern in Stuttgart blebt, während sich Cornelia in die Staaten begibt, um einem Kapitel der Familiengeschichte nachzuspüren.

Sie ist nicht nur von Cornelia verlassen worden, sondern auch von ihrem Mann Hinz, der nach einem Schlaganfall die Reha in Richtung einem neuen Leben verlässt und zum Kurschatten zieht.

Dazwischen sind mythenartige Sequenzen gepackt, die ein älteres Kapitel der Familiengeschichte beleuchten.

Schöne neue Welt - die scheint sich den Männern: Elisabeths Mann Hinz und Cornelias Exmann Dimi zu eröffnen, denen sich beiden neue Möglichkeiten eröffnen, doch was ist mit den dazu gehörenden Frauen? Müssen sie sehen, wo sie bleiben?

Autorin Anna Katharina Hahn kümmert sich um alle Generationen, auch Cornelias Kindern Bruno und Stella wird genug Aufmerksamkeit gewidmet - eine Familiengeschichte der anderen, der modernen Art. Eben ein ganz normales Familienleben in Stuttgart und drum herum. Ein Schwabenleben.

Veröffentlicht am 20.11.2020

Botschaften von der Insel

Ein Jahr mit C. S. Lewis
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Diese wurden von einem wirklich großen Briten gesandt, nämlich von C.S. Lewis: Literaturprofessor, Theologe und Autor großartiger, ewig aktueller Werke, allem voran der "Chroniken von Narnia".

Ein Andachtsbuch ...

Diese wurden von einem wirklich großen Briten gesandt, nämlich von C.S. Lewis: Literaturprofessor, Theologe und Autor großartiger, ewig aktueller Werke, allem voran der "Chroniken von Narnia".

Ein Andachtsbuch für das ganze Jahr, zusammengestellt mit Texten aus verschiedenen seiner Bücher. Alle Texte sind klug und erkenntnisreich, ja, sie sind auch weise. Was mich ein bisschen gestört hat, hat nichts mit den Worten des großen Mannes zu tun: Ich lese gerne zwischendurch mal an einem beliebigen Tag, der für mich von Bedeutung ist, sei es als Geburtstag eines lieben Menschen, sei es eine wichtige Wegmarke für mich wie der Tag, an dem ich mein Universitätsexamen ablegte oder auch meinen ersten "echten" Arbeitstag beging, oder eben auch einer mit besonders traurigen Gedanken, bspw. der Todestag eines lieben Menschen. Natürlich gibt es auch besonders fröhliche Tage wie den Hochzeits- oder Jahrestag.

Ich bin also eine, die gerne einzelne Tage voneinander losgekoppelt nachliest. Und genau damit tue ich mich schwer. Denn es folgen oft in logischer Folge mehrere zueinander gehörende Texte und man verliert den Faden.

Das ist für mich nicht der Sinn eines Andachtsbuches, auch wenn ich das Vorgehen natürlich verstehe und es den Texten nichts von ihrer Qualität raubt. Aber zu mir passt es nicht so ganz - dafür sicher zu vielen anderen Lesern!