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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.03.2026

Ein Märchen aus uralten Zeiten?

Der Fährmann
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Nein, leider sind die Umstände und Ereignisse, die Regina Denk hier schildert, ausgesprochen realistisch, wenn auch teilweise zu sehr konzentriert auf den kleinen Flecken an der Salzach, in dem sich die ...

Nein, leider sind die Umstände und Ereignisse, die Regina Denk hier schildert, ausgesprochen realistisch, wenn auch teilweise zu sehr konzentriert auf den kleinen Flecken an der Salzach, in dem sich die Handlung vollzieht. Doch das tut meiner Begeisterung keinen Abbruch!

Zunächst begegnen wir den Mädchen Elisabeth und Annemarie im Kindesalter, sie sind beste Freundinnen und stehen füreinander ein. Der dritte im Bunde ist Hannes, bei dem sich schon in jungen Jahre folgendes abzeichnet: er wird einmal der absolute Mädchenschwarm, genau genommen ist er das ja schon. Und es steht jetzt schon fest, dass er, als jüngerer Bruder, seinem Onkel in den Beruf des Fährmannes, der quasi immer im Dienst ist, folgt. Und da darf man nicht heiraten.

Schon bald wachsen die Kinder heran und Klassenunterschiede zeichnen sich ab. Elisabeth ist die Tochter eines wohlhabenden Bauern, sie soll Josef heiraten, der einen entsprechenden Hof erbt. Und das, obwohl Hannes und sie schon seit Kindestagen nur Augen füreinander haben. Josef hat aber auch nach der Hochzeit einen großen Appetit auf Frauen und schnappt sich Wirtstochter Annemie, wann immer ihm danach ist. Die beiden jungen Frauen entfremden sich voneinander und haben auch nur noch wenig Kontakt zu Hannes , bis... ja, man darf gespannt sein!

Mich hat hier vor allem die Sprache in den Bann gezogen, die voller Symbolik und Vergleichen und Begriffen aus der Natur ist. Auch das Flüsschen Salzach spielt eine wichtige Rolle im Buch und wirkt stellenweise, als wäre es auch eine Figur. Ebenfalls hervorzuheben ist die Darstellung der Frauen - die Handlung ist zwar im frühen 20. Jahrhundert angesiedelt, doch sind die Frauen hier teilweise mit Attributen der Gegenwart ausgestattet, so dass sie uns Lesern im 21. Jahrhundert nicht allzu fremd sind!

Kraftvoll und eindringlich, so empfand ich diesen Roman, der leider viel zu rasch zu Ende war!

Veröffentlicht am 22.03.2026

Eine Ermittlung der besonderen Art

Noch fünf Tage
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Denn es ermittelt eine Todgeweihte! Dennoch ist dieser Fall nicht nur spannend, sondern auch witzig und überaus unterhaltsam!

Berichtet wird aus der Perspektive der Spitzenköchin Lis Castrop, die - obwohl ...

Denn es ermittelt eine Todgeweihte! Dennoch ist dieser Fall nicht nur spannend, sondern auch witzig und überaus unterhaltsam!

Berichtet wird aus der Perspektive der Spitzenköchin Lis Castrop, die - obwohl geistig noch sehr agil - auf dem Totenbett liegt. Ihr bleiben noch die im Titel erwähnten fünf Tage.

Was ist passiert? Eine reiche Familie wurde vergiftet - Vater, Mutter und zwei Kinder - und ist nicht mehr. Wie konnte das geschehen. Lis, die Köchin der Familie, die ebenfalls vergiftet wurde, bei der der Tod jedoch erst nach fünf Tagen eintreffen wird, versucht herauszufinden, wer es hätte sein können.

Dazu muss sie noch ihre Tochter Cosima unterbringen und vor allem - von ihrem baldigen Tod in Kenntnis setzen.

Einziges Szenario ist eine Luxusklinik in Davos, allerdings werden jede Menge Erinnerungen wach, die die Leser - ebenso wie die Protagonisten - an andere Orte versetzen.

Erstaunlich, dass ein so tragisches Sujet in mir eine solche Heiterkeit hervorrufen konnte - aber solche Dinge passieren ja nicht wirklich, sondern nur im Buch. Oder?

Veröffentlicht am 20.03.2026

Als kleine Aufmerksamkeit bspw. im Krankenbett

Der Rikscha-Fahrer, der dir das Glück zeigt
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Zum Aufmuntern, Trost-Spenden, Freude bereiten und viele (positive) Zwecke mehr soll dieses Buch dienen, das die Fahrten des Rikschafahrers Rahul und die jeweilige Kommunikation mit seinen Passagieren ...

Zum Aufmuntern, Trost-Spenden, Freude bereiten und viele (positive) Zwecke mehr soll dieses Buch dienen, das die Fahrten des Rikschafahrers Rahul und die jeweilige Kommunikation mit seinen Passagieren beschreibt. Er sieht sich nämlich als jemand, der ihnen zeigt, wo sie das Glück finden - und zwar jedem einzelnen.

Ich kann mir nicht helfen, aber ich empfinde Rahul als übergriffig seinen Passagieren gegenüber - nicht jeder will oder muss mit der Nase auf sein Problem gestoßen werden und nicht jeder will einen Fahrer vor sich sitzen haben, der immer alles bewertet und beurteilt. Das kann auch ganz schön lästig werden.

Meiner Meinung nach sollte man gut überlegen, wem man dieses Buch schenkt - allzu schnell können die guten Botschaften auch ins Negative umgekehrt werden!

Veröffentlicht am 20.03.2026

Durch Selbstfindung etwas für die Karriere tun

Einatmen. Ausatmen.
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Das soll Marlene Buchholz, eine ehrgeizige Managerin des Aviola-Konzerns, nun in einem zweiwöchigen Coaching in der Pampa (so verortet sie es selbst) tun, um eine Chance auf die Nachfolge des Chefs zu ...

Das soll Marlene Buchholz, eine ehrgeizige Managerin des Aviola-Konzerns, nun in einem zweiwöchigen Coaching in der Pampa (so verortet sie es selbst) tun, um eine Chance auf die Nachfolge des Chefs zu haben. Denn sie ist kein bisschen empathisch - so die generelle Ansicht aller Vorgesetzten, Kollegen und Mitarbeiter. Für Marlene selbst ist Empathie nichts Erstrebenswertes, sie findet es eher nervig und anstrengend, anderen auf diese Art und Weise zu begegnen.

Für Alex Grow, den Leiter der in einem Brandenburger Schloss angesiedelten "Academy", ist der Auftrag in harten Zeiten ein guter Fang, zumal ihm bei erfolgreichem Coaching eine langfristig Kooperation mit Aviola, die sein Institut retten könnte, versprochen wird.

Doch es kommt alles anders als gedacht, schon Marlenes Fahrt nach Brandenburg gestaltet sich ungewöhnlich und dort hat sie so einige unerwartete Begegnungen und Erkenntnisse und auch bei Alex läuft nicht alles nach Plan.

Ich habe den Roman als ausgesprochen vorhersehbar empfunden, doch da Autor Maxim Leo schreibt wie ein junger Gott, habe ich mich streckenweise durchaus unterhalten gefühlt.

Veröffentlicht am 16.03.2026

Mitreißender Roman (nicht nur) über den Beginn des genossenschaftlichen Wohnungsbaus

Das Haus in Charlottenburg
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Elise möchte als Schneiderin nicht nur Geld verdienen, sondern in ihrem Beruf, den sie liebt, auch kreativ sein und eigene Ideen verwirklichen können. Im ausgehenden 19. Jahrhundert im Wedding, einem ärmlichen ...

Elise möchte als Schneiderin nicht nur Geld verdienen, sondern in ihrem Beruf, den sie liebt, auch kreativ sein und eigene Ideen verwirklichen können. Im ausgehenden 19. Jahrhundert im Wedding, einem ärmlichen Viertel in Berlin, geradezu ein verwegener Wunsch. Doch sie lässt nicht locker und erhält durch Zufall tatsächlich eine Chance. Ebenfalls durch Zufall lernt sie den jungen Architekten Johann kennen, der sich für sozialen Wohnungsbau einsetzt und auch Möglichkeiten für ihre Familie darin sieht. Aber es gibt gegenteilige Interessen, die diese Möglichkeiten des sozialen Aufstiegs unterbinden wollen, wodurch auch ihre Beziehung zu Johann gefährdet ist. Ein wichtiger Protagonist ist auch Johanns Freund Louis, ein engagierter Arzt aus "guter Familie", durch dessen Einbindung auch ein fundierter Einblick in das Leben der Oberschicht, vor allem in das seiner Mutter, die anders als er nicht an Unterstützung der ärmeren Bevölkerung interessiert ist. Dadurch wird die Kluft zwischen arm und reich deutlich, die ebenso wie der Kampf der Frauen um einen Platz in der Arbeitswelt immer wieder zur Sprache kommt.

Wie man sieht, sind soziale Aspekte ein zentrales Thema dieses Romans und sie sind derart gegenständlich und "hautnah" dargestellt, dass auch Rezipienten, die dieses Thema nicht zu ihren vorrangigen Interessen zählen, begierig jede Information dazu aufsaugen werden

Ein historischer Roman, der einen tiefen Einblick in die sozialen Verhältnisse des späten Kaiserreichs gibt und die Leser*innen verstehen lässt, warum die deutsche Geschichte den uns heute bekannten Lauf nahm.