Ein Märchen aus uralten Zeiten?
Der FährmannNein, leider sind die Umstände und Ereignisse, die Regina Denk hier schildert, ausgesprochen realistisch, wenn auch teilweise zu sehr konzentriert auf den kleinen Flecken an der Salzach, in dem sich die ...
Nein, leider sind die Umstände und Ereignisse, die Regina Denk hier schildert, ausgesprochen realistisch, wenn auch teilweise zu sehr konzentriert auf den kleinen Flecken an der Salzach, in dem sich die Handlung vollzieht. Doch das tut meiner Begeisterung keinen Abbruch!
Zunächst begegnen wir den Mädchen Elisabeth und Annemarie im Kindesalter, sie sind beste Freundinnen und stehen füreinander ein. Der dritte im Bunde ist Hannes, bei dem sich schon in jungen Jahre folgendes abzeichnet: er wird einmal der absolute Mädchenschwarm, genau genommen ist er das ja schon. Und es steht jetzt schon fest, dass er, als jüngerer Bruder, seinem Onkel in den Beruf des Fährmannes, der quasi immer im Dienst ist, folgt. Und da darf man nicht heiraten.
Schon bald wachsen die Kinder heran und Klassenunterschiede zeichnen sich ab. Elisabeth ist die Tochter eines wohlhabenden Bauern, sie soll Josef heiraten, der einen entsprechenden Hof erbt. Und das, obwohl Hannes und sie schon seit Kindestagen nur Augen füreinander haben. Josef hat aber auch nach der Hochzeit einen großen Appetit auf Frauen und schnappt sich Wirtstochter Annemie, wann immer ihm danach ist. Die beiden jungen Frauen entfremden sich voneinander und haben auch nur noch wenig Kontakt zu Hannes , bis... ja, man darf gespannt sein!
Mich hat hier vor allem die Sprache in den Bann gezogen, die voller Symbolik und Vergleichen und Begriffen aus der Natur ist. Auch das Flüsschen Salzach spielt eine wichtige Rolle im Buch und wirkt stellenweise, als wäre es auch eine Figur. Ebenfalls hervorzuheben ist die Darstellung der Frauen - die Handlung ist zwar im frühen 20. Jahrhundert angesiedelt, doch sind die Frauen hier teilweise mit Attributen der Gegenwart ausgestattet, so dass sie uns Lesern im 21. Jahrhundert nicht allzu fremd sind!
Kraftvoll und eindringlich, so empfand ich diesen Roman, der leider viel zu rasch zu Ende war!