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Veröffentlicht am 16.10.2021

Der Duft der Träume

Das Haus der Düfte
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Anouk träumt von einem Leben als Parfumeurin, seit sie bei ihrer Rückkehr nach Paris nach Ende des Zweiten Weltkriegs als junges Mädchen DEN ultimativen Duft erschnupperte. Obwohl sie im wahrsten ...

Anouk träumt von einem Leben als Parfumeurin, seit sie bei ihrer Rückkehr nach Paris nach Ende des Zweiten Weltkriegs als junges Mädchen DEN ultimativen Duft erschnupperte. Obwohl sie im wahrsten Sinne des Wortes eine Spürnase hat, die normalerweise jede Nuance bestimmen kann, ist dies ihr hier nicht möglich und seitdem ist sie geradezu besessen davon, das Handwerkszeug zu erlangen, um jede einzelne Duftnote, die dieses Parfum enthält, herauszuarbeiten. Und natürlich, um weitere wundervolle Duftkreationen zu schaffen.

Nur leider ist ihre Mutter da gar nicht auf ihrer Seite: die Apothekerin hat von einer Verwandten eine Apotheke in Paris geerbt, die sie gern gemeinsam mit Anouk führen möchte - über den Freund und Kollegen der Mutter bekommt Anouk Kontakt zu einem jungen Mann aus der Parfummetropole Grasse im Süden, der zudem Spross einer angesehenen Parfumeursfamilie und bereit ist, Anouk über diese Schiene eine Chance zu geben. So weit, so gut - seine Familie ist jedoch nicht unbedingt begeistert über den unerwarteten Neuankömmling.

Doch Anouk schafft es, dort Fuß zu fassen und einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Dennoch werden ihr Steine in den Weg gelegt - sowohl von erwarteter als auch von unerwarteter Stelle. Andererseits erhält sie unerwartete Unterstützung und stößt auf merkwürdige Hinweise. Auch und gerade in Bezug auf den Duft, der ihr vor langer Zeit begegnete.

In dieser Story spielt König Zufall eigentlich die Hauptrolle - so viele unvorhergesehene Ereignisse kann es in einem ganzen Leben eigentlich gar nicht geben, wie sie Anouk hier in kürzester Zeit widerfahren. Deswegen schon konnte ich durchgehend keine rechte Nähe zu der Handlung entwickeln. Dazu kam ein nicht allzu eindringlicher Schreibstil, der die Charaktere nicht so lebendig erschaffen konnte, dass man sie beim Lesen vor Augen hatte. Normalerweise reichen mir dafür schon einige wenige Anstöße.

So dümpelte die Geschichte trotz des spannenden Settings in der Parfumindustrie der Nachkriegszeit so vor sich hin. Gute Ansätze, maximal mittelmäßige Realisierung. Ein Buch, das aus meiner Sicht nicht zwingend gelesen werden muss.

Veröffentlicht am 13.10.2021

Begraben unter dem Schnee - mit den Manen der Vergangenheit

Unter dem Schnee
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Luise von Schwan ist tot: die Matriarchin der Familie, die die Baumschule seit fünf Jahrzehnten mit eiserner Hand führte - und vor der die ganze Familie kuschte, weil Wohl und Wehen von ihr abhingen.

Doch ...

Luise von Schwan ist tot: die Matriarchin der Familie, die die Baumschule seit fünf Jahrzehnten mit eiserner Hand führte - und vor der die ganze Familie kuschte, weil Wohl und Wehen von ihr abhingen.

Doch beerdigen kann man sie nicht - es ist das Ende des Jahres 1978 und Norddeutschland ist von einem Schneesturm ohnegleichen heimgesucht worden - alle sind mehr oder weniger eingeschneit und kommen kaum aus dem Haus heraus. An das Öffnen und Schließen eines Grabes ist nicht zu denken.

Dafür öffnet sich anderes - lange zurückgehaltene Informationen treten auf und irgendwann auch eine Frau aus Frankreich, die behauptet, zur Familie zu gehören.

Es ist klar, dass hier einiges aufzuarbeiten ist. Im Mittelpunkt: Isa Wollin, Köchin auf dem Hof und seit Jahr und Tag Luises Vertraute. Wie laufen hier wohl die Fäden zusammen?

Ein spannender Roman, der nach dem Ersten Weltkrieg beginnt. Die Älteren werden mit vielen Erinnerungen konfrontiert, die Jüngeren erkennen, dass vieles eigentlich ganz anders war und ist. Eine recht ungewöhnliche Darstellung einer deutschen Familie im 20. Jahrhundert - leider hörte es an manchen Stellen genau dann auf, wo es erst spannend wurde. Oder bestimmte Informationen wurden erst ab der Mitte eingestreut, so dass man den Eindruck hatte, dass einiges - oft das Wesentliche - fehlte.

Insgesamt jedoch ein unterhaltsamer Roman - und für mich die Erinnerung an einen Winter, der auch im heimischen Rheinland ein (schnee)stürmischer war und mich zu meiner großen Freude tagelang am Schulbesuch hinderte!

Veröffentlicht am 13.10.2021

Was führte zur Tragödie?

Das Dorf und der Tod
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Drei Menschen werden umgebracht, der Mörder begeht Selbstmord - das alles trägt sich in einem idyllischen Bergdorf zu, wo man im Leben nicht ein solches Verbrechen verorten würde. Zumal es "in Echt" passiert ...

Drei Menschen werden umgebracht, der Mörder begeht Selbstmord - das alles trägt sich in einem idyllischen Bergdorf zu, wo man im Leben nicht ein solches Verbrechen verorten würde. Zumal es "in Echt" passiert ist und Autorin Christiane Tramitz den Geschehnissen, die sich über fast hundert Jahre hinweg entwickeln, auf ihre ganz eigene Art nachspürt.

Der Leser schliesst Bekanntschaft mit den Familien des Ortes, die am engsten ins Geschehen eingebunden sind und lernt, dass hier in vielerlei Hinsicht Kälte und Hass regiert.

Ein Kind wird viel zu früh gezeugt und der werdende Kindsvater ist gar bereit, das "gefallene Mädchen" zu heiraten. Aber deren Eltern gestatten es nicht und zwingen sie in eine Ehe mit einem viel älteren, natürlich ungeliebten Mann.

Auch sonst gehen Liebe und Hass seltsame Wege und es braut sich über viele Jahrzehnte hinweg etwas zusammen. Etwas, das zum Schluss hin offenbar nicht mehr zu vermeiden war.

Es ist schwere Kost: mir wollte einfach nicht in den Kopf, warum mit Absicht der schmerzlichste Weg für die junge Mutter gewählt wird, die nicht einmal ihren aus Liebe gezeugten Sohn bei sich aufwachsen lassen darf.

Ein kaltes Leben und zwar nicht nur für eine Person. Und zwar so dargestellt, dass es im Nachhinein tatsächlich nachzuempfinden ist. Wenn auch in meinem Fall mit großem Unverständnis in bezug darauf, was nahe Verwandte imstande sind, einander anzutun.

Veröffentlicht am 10.10.2021

Was ist Glück?

Die Kunst, einen Elefanten zu reiten
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Leider werden diese Glücksbücher zumeist - und hier leider auch - in einer stark vereinfachten Sprache geschrieben. Warum eigentlich? Es ist etwas, das mich nervt und wo ich mich als Leserin ein wenig ...

Leider werden diese Glücksbücher zumeist - und hier leider auch - in einer stark vereinfachten Sprache geschrieben. Warum eigentlich? Es ist etwas, das mich nervt und wo ich mich als Leserin ein wenig für dumm verkauft fühle. Als ob ich komplexere Gedanken zu dem Thema nicht bewältigen könnte.

Max und Balduin führen ein Luxusleben, finde ich: wer hat schon Zeit und Geld, es sich fast täglich für eine längere Zeit im Café gut gehen zu lassen. Mit Kaffee und Kuchen, Speisen, Wein und Sekt.

Ich glaube, ich mag sie nur ein bisschen, denn auf mich wirken sie ausgesprochen oberflächlich, ebenso wie ihre Schlussfolgerungen zum Glück. Gut, in Österreich haben die Menschen vielleicht etwas mehr Zeit, sich in den schönen Kaffeehäusern herumzutreiben - dennoch ist es eine komplett andere Welt. Irgendwie eine, in die der Ernst des Lebens, der graue Alltag, nicht immer Eingang findet.

Veröffentlicht am 10.10.2021

Eine Geschichte, die niemand erleben will

Kleine Paläste
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Hanno kehrt zurück in sein Elternhaus, wo er seit 28 Jahren nicht mehr war - er ging damals als junger Mann im Streit mit seinem Vater. Nun ist dieser schon seit längerem dement und auch körperlich ein ...

Hanno kehrt zurück in sein Elternhaus, wo er seit 28 Jahren nicht mehr war - er ging damals als junger Mann im Streit mit seinem Vater. Nun ist dieser schon seit längerem dement und auch körperlich ein Pflegefall. Aufgrund des plötzlichen Todes seiner Mutter übernimmt Hanno fürs Erste.

Nach der Beerdigung und dem ersten Eingewöhnen empfindet Hanno zunächst die neue Situation gar nicht als so schlimm wie befürchtet, da er unerwartete Hilfe durch seine Kindheitsfreundin Susanne, die im Nachbarhaus wohnt, erhält. Fast könnte man meinen, dass zwischen ihnen beiden eine Annäherung erfolgt, doch eine solche verläuft jedes Mal im nichts.

Begleitet wird die Szenerie aus der Sicht sowohl von Hanno als auch von Susanne. Auch Hannos verstorbene Mutter Sylvia steuert ihre Beobachtungen bei - sie erlebt nun alles sozusagen von der anderen Seite und zwar in Gesellschaft von Susannes ebenfalls verstorbenen Eltern.

Eine Handlung, die zwar ruhig, aber unweigerlich auf ein Drama hinsteuert, das sich in etwa ab Mitte des Romans mehr als deutlich anbahnt. Dadurch geht eine Menge Dynamik verloren. Auch werden bestimmte relevante Ereignisse, die ebenfalls eine Rolle spielen, nur angedeutet.

Auch wenn der Roman zunächst vielversprechend begann und sprachlich einiges bot, war ich im Endeffekt doch eher enttäuscht. So richtig eine tiefergehende Botschaft ist für mich nicht rübergekommen.