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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.03.2026

Als kleine Aufmerksamkeit bspw. im Krankenbett

Der Rikscha-Fahrer, der dir das Glück zeigt
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Zum Aufmuntern, Trost-Spenden, Freude bereiten und viele (positive) Zwecke mehr soll dieses Buch dienen, das die Fahrten des Rikschafahrers Rahul und die jeweilige Kommunikation mit seinen Passagieren ...

Zum Aufmuntern, Trost-Spenden, Freude bereiten und viele (positive) Zwecke mehr soll dieses Buch dienen, das die Fahrten des Rikschafahrers Rahul und die jeweilige Kommunikation mit seinen Passagieren beschreibt. Er sieht sich nämlich als jemand, der ihnen zeigt, wo sie das Glück finden - und zwar jedem einzelnen.

Ich kann mir nicht helfen, aber ich empfinde Rahul als übergriffig seinen Passagieren gegenüber - nicht jeder will oder muss mit der Nase auf sein Problem gestoßen werden und nicht jeder will einen Fahrer vor sich sitzen haben, der immer alles bewertet und beurteilt. Das kann auch ganz schön lästig werden.

Meiner Meinung nach sollte man gut überlegen, wem man dieses Buch schenkt - allzu schnell können die guten Botschaften auch ins Negative umgekehrt werden!

Veröffentlicht am 20.03.2026

Durch Selbstfindung etwas für die Karriere tun

Einatmen. Ausatmen.
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Das soll Marlene Buchholz, eine ehrgeizige Managerin des Aviola-Konzerns, nun in einem zweiwöchigen Coaching in der Pampa (so verortet sie es selbst) tun, um eine Chance auf die Nachfolge des Chefs zu ...

Das soll Marlene Buchholz, eine ehrgeizige Managerin des Aviola-Konzerns, nun in einem zweiwöchigen Coaching in der Pampa (so verortet sie es selbst) tun, um eine Chance auf die Nachfolge des Chefs zu haben. Denn sie ist kein bisschen empathisch - so die generelle Ansicht aller Vorgesetzten, Kollegen und Mitarbeiter. Für Marlene selbst ist Empathie nichts Erstrebenswertes, sie findet es eher nervig und anstrengend, anderen auf diese Art und Weise zu begegnen.

Für Alex Grow, den Leiter der in einem Brandenburger Schloss angesiedelten "Academy", ist der Auftrag in harten Zeiten ein guter Fang, zumal ihm bei erfolgreichem Coaching eine langfristig Kooperation mit Aviola, die sein Institut retten könnte, versprochen wird.

Doch es kommt alles anders als gedacht, schon Marlenes Fahrt nach Brandenburg gestaltet sich ungewöhnlich und dort hat sie so einige unerwartete Begegnungen und Erkenntnisse und auch bei Alex läuft nicht alles nach Plan.

Ich habe den Roman als ausgesprochen vorhersehbar empfunden, doch da Autor Maxim Leo schreibt wie ein junger Gott, habe ich mich streckenweise durchaus unterhalten gefühlt.

Veröffentlicht am 16.03.2026

Mitreißender Roman (nicht nur) über den Beginn des genossenschaftlichen Wohnungsbaus

Das Haus in Charlottenburg
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Elise möchte als Schneiderin nicht nur Geld verdienen, sondern in ihrem Beruf, den sie liebt, auch kreativ sein und eigene Ideen verwirklichen können. Im ausgehenden 19. Jahrhundert im Wedding, einem ärmlichen ...

Elise möchte als Schneiderin nicht nur Geld verdienen, sondern in ihrem Beruf, den sie liebt, auch kreativ sein und eigene Ideen verwirklichen können. Im ausgehenden 19. Jahrhundert im Wedding, einem ärmlichen Viertel in Berlin, geradezu ein verwegener Wunsch. Doch sie lässt nicht locker und erhält durch Zufall tatsächlich eine Chance. Ebenfalls durch Zufall lernt sie den jungen Architekten Johann kennen, der sich für sozialen Wohnungsbau einsetzt und auch Möglichkeiten für ihre Familie darin sieht. Aber es gibt gegenteilige Interessen, die diese Möglichkeiten des sozialen Aufstiegs unterbinden wollen, wodurch auch ihre Beziehung zu Johann gefährdet ist. Ein wichtiger Protagonist ist auch Johanns Freund Louis, ein engagierter Arzt aus "guter Familie", durch dessen Einbindung auch ein fundierter Einblick in das Leben der Oberschicht, vor allem in das seiner Mutter, die anders als er nicht an Unterstützung der ärmeren Bevölkerung interessiert ist. Dadurch wird die Kluft zwischen arm und reich deutlich, die ebenso wie der Kampf der Frauen um einen Platz in der Arbeitswelt immer wieder zur Sprache kommt.

Wie man sieht, sind soziale Aspekte ein zentrales Thema dieses Romans und sie sind derart gegenständlich und "hautnah" dargestellt, dass auch Rezipienten, die dieses Thema nicht zu ihren vorrangigen Interessen zählen, begierig jede Information dazu aufsaugen werden

Ein historischer Roman, der einen tiefen Einblick in die sozialen Verhältnisse des späten Kaiserreichs gibt und die Leser*innen verstehen lässt, warum die deutsche Geschichte den uns heute bekannten Lauf nahm.

Veröffentlicht am 13.03.2026

Ein früher Start für Trude Teige

Der Gesang der See
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Nämlich hinsichtlich der Ansiedlung ihres ersten historischen Romans in der norwegischen Geschichte. Entgegen späteren, bereits in deutscher Sprache veröffentlichten Romanen ist die Handlung hier nicht ...

Nämlich hinsichtlich der Ansiedlung ihres ersten historischen Romans in der norwegischen Geschichte. Entgegen späteren, bereits in deutscher Sprache veröffentlichten Romanen ist die Handlung hier nicht in der Zeit des Zweiten Weltkriegs, sondern irgendwo in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts angesiedelt.

Es geht um Kristiane, die nach dem Tode ihres Vaters - und nun auch des Ehemannes - den angesehenen Lotsenposten in der Familie bewahren und damit ihr letztes Versprechen an den Vater halten möchte. Doch in dieser Zeit dürfen nur Männer als Lotsen arbeiten und ihr Ehemann ist ebenfalls bereits verstorben. Da trifft sie in der Stadt Fredrik aus reichem Hause - bei beiden ist es Liebe auf den ersten Blick - doch Kristiane sieht keine Zukunft für sie beide

Sie heiratet Lars, der sie schon seit der Kindheit vergöttert und auch mit ihrem Sohn bestens zurecht kommt. Doch kann sie Fredrik nicht vergessen - und er sie auch nicht...

Ein Roman, in dem Problematik, der die Bevölkerung Norwegens im 19. Jahrhundert ausgesetzt war, insgesamt eindringlich durchleuchtet wird. Doch scheint mir die Darstellung Kristianes als starke Frau, die ihren Mann steht, teilweise nicht ganz realistisch zu sein.

Ein interessanter Roman, dem aber aus meiner Sicht eine Überarbeitung durchaus guttun würde!

Veröffentlicht am 01.03.2026

Ein riesiger Generationenroman

Die Riesinnen
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Die Frauen der Familie sind hoch gewachsen, schmal und sie wissen, was sie wollen. Wir lernen Liese, Cora und Eva jeweils in Wittenmoos kennen, ihrem kleinen Herkunftsort im Schwarzwald. Liese ...

Die Frauen der Familie sind hoch gewachsen, schmal und sie wissen, was sie wollen. Wir lernen Liese, Cora und Eva jeweils in Wittenmoos kennen, ihrem kleinen Herkunftsort im Schwarzwald. Liese wird nicht gut behandelt von ihrer Umgebung - vor allem von der Familie, in die sie eingeheiratat hat, doch der Tod erlöst sie früh von ihrem Mann, einem Metzger und Schläger. Sie schafft es, sich gegen ihre Schwiegereltern durchzusetzen und die Metzgerei über Jahrzehnte zu führen.

Ihre Tochter Cora hat ganz andere Pläne: sie zieht in die Welt, kehrt jedoch zurück. Deren Tochter Eva wiederum muss länger suchen, bis sie findet, was sie braucht.

Ein wundervoller, klarer und starker Roman über drei Generationen von Frauen, die sich, jede auf ihre Art durchzusetzen wissen. Scheitern ist für keine von ihnen eine Option. Stark sind sie deswegen längst nicht immer, aber sie sind auf jeden Fall mutig genug, um ihren jeweiligen Weg zu finden. Unterschiede und Übereinstimmungen zwischen den Generationen halten sich die Waage und werden von der Autorin Hannah Häffner so klar, so eindringlich präsentiert, dass man als Leser:in gar nicht anders kann, als sie zu begleiten: es ist nicht möglich, sich davon nicht einfangen zu lassen. So geht es mir zumindest. Und ich bin sicher, dass manch anderer sich ebenso wenig entziehen kann.