Wenn Freiheit gelernt werden muss
Like the First Breath – Based on Elena's StoryBücher können Emotionen vermitteln und LeserInnen durch Täler und Berge schicken. Noch intensiver wird diese Wirkung, wenn man weiß, dass eine Geschichte auf wahren Begebenheiten beruht. Elena wächst in ...
Bücher können Emotionen vermitteln und LeserInnen durch Täler und Berge schicken. Noch intensiver wird diese Wirkung, wenn man weiß, dass eine Geschichte auf wahren Begebenheiten beruht. Elena wächst in einer religiösen Gemeinschaft auf und teilt ihre Erfahrungen mit der Autorin des Buches. Daraus entsteht eine gefühlvolle, ruhige Geschichte über eine Frau, die ständig zwischen dem ringt, was sie gelernt hat, und dem, was sie tief in ihrem Inneren wirklich fühlt.
Die Handlung setzt nicht in Elenas Leben innerhalb der Gemeinschaft an, sondern zu dem Zeitpunkt, als sie diese für ein Studium vorübergehend verlassen darf. Elena ist ein sehr ruhiger Charakter und genauso ruhig erzählt sich auch der Roman. Früh begegnet sie Noah, der ihr zeigt, wie ein Leben aussehen kann, wenn Freiheiten selbstverständlich sind. Auch mit ihrer WG hat sie großes Glück. Doch Glück kann zerbrechlich sein, wenn man mit Überzeugungen aufgewachsen ist, die alltägliche Freiheiten zur Sünde erklären und sanktionieren.
Wir begleiten Elena deshalb bei ihrem ständigen Kampf gegen diese Denkmuster. Dabei gelingt es dem Buch, ihre innere Zerrissenheit darzustellen, ohne dass diese die gesamte Handlung vereinnahmt. Im Gegenteil. Elena wirkt stärker, als sie sich selbst oft zugesteht, und beginnt früh nach ihrem Umzug, ihre Prägungen zu hinterfragen.
Die Beziehung zu Noah hilft ihr dabei enorm. Wie ich es aus Nells Büchern kenne, ist er eine absolute Green Flag. Wer einen solchen Menschen an seiner Seite hat, kann sich glücklich schätzen. Gleichzeitig macht die Geschichte deutlich, dass selbst starke Freundschaften und Unterstützung nicht alle Prägungen überwinden können. Der Druck der Gemeinde bleibt bestehen und macht sichtbar, wie schwer ein Ausstieg tatsächlich sein kann. Regelmäßig gibt es Einblicke von Gemeinschaftsmitgliedern, wie einer Freundin von Elena oder ihrer Familie.
Insgesamt ist dies ein ruhiger, emotionaler Roman mit kleineren Höhen und Tiefen, aber ohne große Wendungen. Eine schöne Empfehlung für alle, die emotionsstarke Geschichten mögen und sich auf eine leise, nachdenkliche Entwicklung einlassen können.