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Veröffentlicht am 02.05.2026

Entsprach nicht den Erwartungen

Bachelorette Party
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Selten greife ich zu Krimi oder Thrillern, doch die "Bachelorette Party“ konnte mich mit einem spannenden Klappentext und der Location auf einer schwedischen Schäreninsel locken.

Das Buch startet mit ...

Selten greife ich zu Krimi oder Thrillern, doch die "Bachelorette Party“ konnte mich mit einem spannenden Klappentext und der Location auf einer schwedischen Schäreninsel locken.

Das Buch startet mit dem Mordfall zehn Jahre zuvor. Durch das ganze Buch hindurch wechselt stetig die Perspektive von heute auf damals, was prinzipiell ein interessantes Konzept ist.

Allerdings kommen beide Erzählebenen einher mit weiblichen Freundschaftsgruppen, also jeder Menge ähnlicher Namen, die ich ständig wieder vergaß, oder zeitlich falsch einordnete.

In der Neuzeit ist die Protagonistin Tessa, die auf einen Junggesellinnenabschied auf der Insel eingeladen wird, auf der damals eine Gruppe von Frauen spurlos verschwand. In ihrer Freizeit führt Tessa einen True Crime Podcast und dieser Fall hat ihre Aufmerksamkeit erregt und sie hofft, Hinweise darauf zu finden, was dort damals passierte.

Bei dem Junggesellinnenabschied soll es um Entspannung gehen. Yoga, Atemtechniken, gemütliches Zusammensitzen. Doch für mich kam kein so recht passendes Gefühl auf. Ständig war Tessa in Gedanken bei dem Mordfall, die Beziehungen zwischen den Freundinnen wurde nicht direkt gestärkt und Yoga und co. boykottierte sie lieber. Sehr schade, da das Gefühl des Titels so für mich verloren ging.

Relativ früh benannte die Autorin schon eine Verdachtsperson, die tatsächlich auch involviert war, was den Spannungsbogen komplett zerstörte, da ich durchgängig dachte, dass doch wesentlich mehr dahinterstecken muss. Zwar gibt es weitere Erklärungen und Verstrickungen, doch für mich hat dies einfach nicht gereicht und war zu offensichtlich.

Überraschend war zudem die gegen Ende teils sehr explizit beschriebenen Szenen, die eher für Horror statt Spannung sorgten. Nichts für schwache Nerven.

Das Ende konnte gut aufarbeiten, welche psychischen Folgen ein Mordfall für Beteiligte bedeutet und riss auch die umstrittene Bedeutung von True Crime-Podcasts erneut an.

Insgesamt bot das Buch spannende Szenarien und gute Beschreibungen, traf für mich jedoch nicht den Kern der Inhaltsangabe und des Titels. Zudem leider vorhersehbar.

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Veröffentlicht am 02.05.2026

Eine Geschichte, die bleibt

Ein Ort, der bleibt
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Als grüne Lunge werden oft Parks in Städten bezeichnet. Orte zum Durchatmen und Entspannen und um dem Alltag eine Weile zu entfliehen. Nach seiner Flucht vor den Deutschen führte Dr. Alfred Heilbronn, ...

Als grüne Lunge werden oft Parks in Städten bezeichnet. Orte zum Durchatmen und Entspannen und um dem Alltag eine Weile zu entfliehen. Nach seiner Flucht vor den Deutschen führte Dr. Alfred Heilbronn, geboren in Münster, das botanische Institut in Istanbul. Zusammen mit einer klugen jungen Frau, die sich ihre eigene Stellung als Professorin in ihrer Heimatstadt hart erarbeitete pflegte er jahrelang besagte grüne Lunge Istanbuls.

Das Buch ist ein Mehrgenerationenroman. Die Autorin nimmt ihre Leserschaft mit auf Mehpares Reise, wie sie als Frau im 20. Jahrhundert Karriere machen konnte. Magdas Reise erzählt die Geschichte der Heilbronns im Krieg und im Exil und Imke muss als Stadtplanerin viele Jahrzehnte später über das Schicksal des Gartens mitentscheiden.

Dabei sind die Perspektiven von Mehpare und den Heilbronns möglichst nah an den historischen Geschehnissen gehalten, während Imkes fiktive Sicht die aktuelle Debatte über den Garten deutlich hervorhebt.

Der Garten, der in späteren Jahren nach dem Wissenschaftler „Alfred Heilbronn Botanik Bahçesi“ benannt wurde, liegt zwar in der Türkei, prägt aber auch einen erheblichen Teil deutscher Geschichte und ist ein Vermächtnis aus Kriegszeiten. Ohne Krieg wären die Heilbronns wohl in Münster geblieben und wären dort wegen ihrer jüdischen Herkunft verurteilt worden.

Ein kleiner Garten in einem fremden Land mag für viele nicht sonderlich beachtenswert erscheinen, doch Lüpkes arbeitet mit vielen historischen Quellen und persönlichen Besuchen das Thema detailliert auf und haucht ihr Leben ein. Für mich fühlte es sich an, als wäre ich mit den Protagonist*innen selbst befreundet. Der Schreibstil war so flüssig, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Diese Geschichte vereint zwei Kulturen, zwei Länder und die Herzlichkeit des Landes las ich aus jeder Seite heraus. Auch mich brachte diese grüne Lunge für eine Weile zum Durchatmen.

Eine klare Empfehlung. Auch für Lesende, die keinen Bezug zur Botanik haben.

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Veröffentlicht am 19.04.2026

Interessant, aber zu komplex

Die Geister von La Spezia
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Einer der bekanntesten Romane der Welt dürfte wohl Mary Shelleys „Frankenstein“ sein. Doch wie so oft kennt man die Romane, aber selten das Leben der Autor*innen dahinter. Shelleys Ehemann verunglückte ...

Einer der bekanntesten Romane der Welt dürfte wohl Mary Shelleys „Frankenstein“ sein. Doch wie so oft kennt man die Romane, aber selten das Leben der Autor*innen dahinter. Shelleys Ehemann verunglückte in jungen Jahren auf dem Meer und Autor Plaschka wandelt dieses Schicksal in einen historischen Roman mit Fantasy-Elementen.

Der Anfang hat mich direkt in den Bann gezogen. In die Gedanken fremder Menschen eintauchen, ihre Leben leben. Sicherlich eine faszinierende Angelegenheit, die ich gerne mal erleben würde.

Doch so schnell mich das Buch in seinen Bann zog, so schnell verlor es mich leider auch wieder. Gerade am Anfang wurden viele Namen in die Geschichte gebracht, die alle einen ähnlichen Klang hatten und manche davon mit zusätzlichen Spitznamen daherkamen. Dies ist Historie und nicht die Schuld des Autors, hinderte mich jedoch im Lesefluss.

Für die Geschichte war es zum einen wichtig, dass die Beziehungen der Shelleys detailliert dargestellt wurden, zum anderen, dass der zeitliche Verlauf rückwirkend spielt. Die Gedankenreisende begibt sich Stück für Stück in der Geschichte zurück, sodass man Puzzleteil für Puzzleteil erhält, aber auch alles rückwirkend verstehen und zusammensetzen muss. Dabei hatten die Beziehungsparts oft Längen, die ich nicht immer einordnen konnte.

Das Buch war in mehrere Teile unterteilt und erst gegen Ende kam ein kompletter Teil aus einer neuen Perspektive, die sich komplett flüssig lesen ließ. So hätte ich es mir gerne gewünscht.

Sobald ich verstand, worauf der Autor abzielt, war auch das Ende des Buches schnell absehbar, welches dann auch zügig kam. Somit war das Buch für mich gefühlt eher 300 statt 400 Seiten lang. Gute 40 Seiten widmete der Autor dem Abspann, um einzelne Schicksale abzuschließen und Fäden zusammenzuführen. Dabei habe ich am Ende bereits nicht mehr alle Charaktere auf dem Schirm gehabt und hätte von den Infos wohl nur die Hälfte gebraucht. Dementsprechend habe ich leider stellenweise überflogen.

Abschließend eine herausragende Recherche mit interessanter fantastischer Interpretation, die leider in der Umsetzung nicht gänzlich überzeugen konnte.

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Veröffentlicht am 21.03.2026

Bei Grün darfst du gehen

Grüne Welle
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Eigentlich will sie nur ins Kino. Mit der Freundin. Doch auf dem Rückweg zwingt eine Baustelle sie zu einem Umweg und plötzlich gerät alles ins Rollen. Die Frau, die lange namenlos bleibt, steht sinnbildlich ...

Eigentlich will sie nur ins Kino. Mit der Freundin. Doch auf dem Rückweg zwingt eine Baustelle sie zu einem Umweg und plötzlich gerät alles ins Rollen. Die Frau, die lange namenlos bleibt, steht sinnbildlich für viele. Für Frauen, die in gewalttätigen Situationen stecken. Sie kann nichts für die Umleitung, nichts für die grüne Ampelwelle und deshalb fährt sie weiter, obwohl sie wirklich nach Hause möchte.

Grüne Welle erzählt von häuslicher Gewalt. Die Frau hatte einst Träume, eine eigene Identität, ein Leben. Sie begegnet einem charmanten Mann, und die Übergänge zur Gewalt verschwimmen. Was ist noch normal, was längst nicht mehr? Während der Fahrt bleibt ihr Zeit, über sich und ihr Leben nachzudenken. Ihre Entscheidungen wirken dabei nicht immer rational, aber oft nachvollziehbar. Dennoch hatte ich stellenweise das Gefühl, dass einzelne Handlungen eher konstruiert wirken, um der Geschichte mehr Würze zu verleihen.

Ergänzt wird die Handlung durch die Perspektive der Freundin der Frau. Durch sie erfahren wir, was zuhause geschieht: wie der Ehemann reagiert, wie die Situation von außen wahrgenommen wird. Diese Sichtweise fand ich bereichernd, auch wenn sie zugleich zeigt, wie schnell die Realität verkannt wird. Der Blick von außen bleibt oft oberflächlich und die Dringlichkeit der Situation, der Mangel an Alternativen und die Notwendigkeit von Hilfe werden nicht immer deutlich genug.

Das offene Ende passt grundsätzlich zur Thematik, auch wenn ich persönlich abgeschlossene Enden bevorzuge. Die wenigsten Frauen, die häusliche Gewalt erleben, schaffen beim ersten Fortlaufen den kompletten Absprung. Oft kehren sie viele Male wieder heim, manche schaffen es nie final.

Ein wichtiges, schweres Thema, das der Roman eindringlich aufgreift. Gleichzeitig bleibt vieles zwischen den Zeilen und muss interpretiert werden. Das verleiht dem Ganzen Tiefe, aber an einigen Stellen hätte auch direkter kommuniziert werden können.

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Veröffentlicht am 11.03.2026

Dark Vibes, Wölfe, Action - Highlight mit Abzügen

Dire Bound
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Dire Bound ist bisher mein Highlight des Jahres – auch wenn es am Ende knapp an der vollen Sternezahl vorbeigeschrammt ist.

Meryn wächst in den Armenvierteln auf und schlägt sich dort erstaunlich gut ...

Dire Bound ist bisher mein Highlight des Jahres – auch wenn es am Ende knapp an der vollen Sternezahl vorbeigeschrammt ist.

Meryn wächst in den Armenvierteln auf und schlägt sich dort erstaunlich gut durch. Trotz der schweren Krankheit ihrer Mutter hält sie die Familie über Wasser und hat zudem ihre große Liebe gefunden. Damit wären wir auch schon beim ersten Punkt: der Liebesgeschichte. Ihr Love Interest ist eine wandelnde Green Flag, und das Buch startet überraschend schnell mit Spice. Für manche Leser*innen mag der Beziehungsaufbau vielleicht etwas zu kurz geraten sein, ich persönlich konnte die Dynamik jedoch gut nachvollziehen. Er ist verständnisvoll und hilfsbereit. Hier lassen sich jedoch schon einige Entwicklungen im Buch erahnen.

AAls Meryns Schwester verschwindet möchte Meryn an die Front, da sie sie dort vermutet und zurückholen will. Stattdessen gerät sie unerwartet in den Bindungsprozess mit den Wölfen. Hier beginnt allerdings mein größter Kritikpunkt: Meryns Charakter. Obwohl wir selbstbewusste Protagonisten lieben, denkt Meryn, sie wäre komplett allein auf dieser Welt und geht überall mit dem Kopf durch die Wand, ohne Rücksicht auf Verluste. Besonders der Umgang mit ihrer Wölfin hat mich manchmal traurig gemacht. Meine Solidarität lag oft eindeutig bei der Wölfin.

Abgesehen davon bietet das Buch sehr viel Action: gefährliche Bindungsprüfungen, ein Rätsel, das sich langsam entfaltet, jede Menge Dark-Guy-Energy und auch einige wirklich herzerwärmende Begegnungen. Der Schreibstil hat mich komplett abgeholt. Ich bin förmlich durch die Seiten geflogen und hatte nie das Gefühl von Längen.

Allerdings war ein Großteil der Handlung recht vorhersehbar. Bis auf einen Twist am Ende konnte mich wenig wirklich überraschen. Mehrfach hätte ich Meryn am liebsten geschüttelt, weil sie offensichtlichen Hinweisen kaum nachgeht und wichtige Fragen nicht weiterverfolgt. Zudem fehlten einige Infos bezüglich des Krieges, die dann hoffentlich im folgenden Band kommen.

Trotz dieser Kritikpunkte gefällt mir die Welt sehr gut, und ich warte definitiv gespannt auf die Fortsetzung.

TW: Teilweise sehr brutal

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