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Veröffentlicht am 14.05.2026

Ein Buch, das glücklich macht

Einatmen. Ausatmen.
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Ein Wohlfühlbuch! In das ich mich am liebsten einkuscheln würde. Zwischen den Seiten verlieren. Mit dem ich gemeinsam auf einer Frühlingswiese im hohen Gras liege. Mit Sonnenlicht, das mir warm ins Gesicht ...

Ein Wohlfühlbuch! In das ich mich am liebsten einkuscheln würde. Zwischen den Seiten verlieren. Mit dem ich gemeinsam auf einer Frühlingswiese im hohen Gras liege. Mit Sonnenlicht, das mir warm ins Gesicht scheint. Ein Buch zum Glücklichsein.
All das Schöne hat der neue Roman von Maxim Leo vermocht. Und dabei hat er mich ganz wunderbar unterhalten. Und zum Lachen, Schmunzeln und langen Lesestunden gebracht. Denn die Geschichte von Marlene gleicht einem Aufeinandertreffen zweier Welt, einem Aufprall, der alles erschüttert und ins Wanken bringt. Und Neues erschafft. Und das ganz unerwartet: Denn als knallharte Managerin ist Marlene es gewohnt, Erfolg vor Gefühle zu stellen. Lange Arbeitstage vor Freundschaften oder gar Beziehungen. Und eigene Sehnsüchte und Träume fernab einer Beförderung zum CEO scheint es nicht zu geben.
Und dann der gruselige Alptraum für Marlene: Sie wird zu einem Achtsamkeitsseminar verpflichtet. Ihrer Mitarbeitendenführung fehlt es an Empathie und Sensibilität. Das kommt nicht überraschend, auch nicht für Marlene. Was allerdings für sie sehr wohl ganz undenkbar war: Unter der harten Schale ist etwas, was auf Coach Alex Grow mit seinem Künstlernamen und Methoden anspringt. Und Wirrungen nicht nur in ihrem Irren sondern auch in seiner „Academy“ mit ihren Menschen auslöst. Und nach dem ersten Schrecken allen Beteiligten sehr gut tut. Mich als Leserin eingeschlossen.
„Einatmen Ausatmen“ hat mich nachdenklich gemacht. Mich reflektieren lassen. Und vor allem in vielem sehr gestärkt und beruhigt. Denn die Suche nach Glück, Sinn und Selbstverwirklichung ist universell. Und zwar ein Thema von großer Tiefe, hier aber mit sehr viel Leichtigkeit, Freude und Lachen erzählt. Und macht damit bereits beim Lesen glücklich.

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Veröffentlicht am 01.05.2026

Stark und eindringlich in Sprache und Thema

Die Routinen
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Wer von Euch kann ein Rad? Was mit einer so harmlos wirkenden Frage beginnt, ist ein Anfang. Und der Einstieg in die Welt des Leistungssports. In eine Kindheit und Jugend des Trainings, der Siege, des ...

Wer von Euch kann ein Rad? Was mit einer so harmlos wirkenden Frage beginnt, ist ein Anfang. Und der Einstieg in die Welt des Leistungssports. In eine Kindheit und Jugend des Trainings, der Siege, des Erfolgs. Und ebenso der Entbehrungen und des Leids. Und in diesem Fall: des Missbrauchs.
Son Lewandowski richtet ihren klaren, unverstellten Blick auf das, was hinter dem Rampenlicht, dem Applaus und dem Lächeln der Gewinnerinnen liegt. Auf ein System, welches junge Mädchen auf ihren Körper und die Leistungen reduziert, welche dieser zu erbringen vermag. Auf die Psyche, die für einen Platz auf dem Siegertreppchen gebrochen wird. Auf die Grenzüberschreitungen, welche diesen Weg durchziehen. Schmerzhaft und traumatisierend für die Betroffenen. In der jeweiligen Situation selbst. Und oftmals noch viele Jahre und Jahrzehnte später.
Was sie aus Quellen zusammentragen und in Beziehung setzen kann und schließlich in Form eines fiktionalen Textes aufarbeitet, ist erschreckend. Voll unterschwelliger Grausamkeiten und offensichtlichem Leid. Und von einer hohen literarischen Qualität. Mit einer überzeugenden, eindringlichen Figurenzeichnung, welche nach und nach Systematik und Struktur der Ausbeutung mit ihren desaströsen Konsequenzen ans Tageslicht befördert. Mit einer Sprache, die präzise, pointiert und zugleich von einer tiefen Schönheit und mit starken Bildern ist. Und einen Rhythmus und Erzählfluss erzeugt, der durch die Kapitel und von Trainingseinheit zu Wettkampf zu Tränen und durchwachten Nächten am Krankenbett trägt. Und von ihrer ganz eigenen Meisterschaft ist.
Für mich ist „Die Routinen“ das Überraschungsbuch meines bisherigen Lesejahres. Dass ich einen besonderen Text in meinen Händen halte, ließ die Buchvorstellung bereits erkennen. Dass dieser von einer solchen Reife, sprach- und wortgewaltig ist und ein schweres, verstörendes Thema sensibel wie eindringlich zu vermitteln vermag, hat sich mir von Zeile zu Zeile, von Seite zu Seite erschlossen. Und mich sehr für den Roman begeistert.

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Veröffentlicht am 23.04.2026

Drei Frauen und ein Dorf in den Wäldern und Bergen

Die Riesinnen
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Drei Generationen, drei außergewöhnliche Frauen, ein Dorf – das sind die Riesinnen. Liese, Cora und Eva. Von der Großmutter zur Tochter, zur Enkelin. Und das ist Wittenmoos. Ein kleines Dorf im Schwarzwald. ...

Drei Generationen, drei außergewöhnliche Frauen, ein Dorf – das sind die Riesinnen. Liese, Cora und Eva. Von der Großmutter zur Tochter, zur Enkelin. Und das ist Wittenmoos. Ein kleines Dorf im Schwarzwald. Ihre Heimat.
Doch vor allem ist „Die Riesinnen“ ein Roman, der fasziniert und begeistert und von einer großen Sogkraft und Schönheit ist, wie auch der dunkle, dichte Wald für die drei Frauen- Der sie umgibt und umfängt, ihnen Zuflucht und der Ort ist, an dem sie sich geliebt und geborgen fühlen. Denn ihr Leben in der engen, verschworenen Dorfgemeinschaft ist von Ausgrenzung, Anfeindung und übler Nachrede geprägt und wird so zu einem Lebens- und Überlebenskampf. Zumindest bei Liese und später bei ihrer Tochter Cora ist dies so. Und so stark ausgeprägt. Liese, die unter der Dominanz und Vorherrschaft ihres Mannes leidet, der sie klein und gefügig hält. Und dessen Tod es ihr erst erlaubt, zu Selbstbewusstsein und Selbstständigkeit zu finden. Ganz anders Cora mit ihrem Freiheitsdrang und unangepassten Verhalten, die es sehr schnell sehr in die Ferne zieht. Und dann noch Eva. Bei Eva ist alles anders.
Und dass Evas Leben und ihre Akzeptanz in Wittenmoos sich so sehr von dem ihrer Großmutter und auch Mutter unterscheiden, ist Zeichen und Folge der Entwicklung, welche die Familie von Generation zu Generation durchläuft. Und ebenso das Dorf mit seinen Bewohnern, die nur auf den ersten, oberflächlichen Blick der Zeit und den äußeren Einwirkungen zu trotzen scheinen. Doch ist es auch Ergebnis der Stärke und des Muts der drei Frauen. Ihrer unbeugsamen Charaktere. Und ihres Willens, trotz der Erwartungen anderer ihren eigenen Weg zu finden. Und diesen auch zu gehen.
Ich selbst bin ganz ohne Erwartungen auf diesen Roman getroffen. Und hatte ein Leseerlebnis, das mögliche Erwartungen noch übertroffen hätte. Denn die Sprache ist präzise, treffend und in Worten und Bildern, die mich haben innehalten lassen. Und die Geschichte ist schön und traurig zugleich, ließ mich durch die Seiten fliegen und doch wünschen, dass sie nicht enden mag.

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Veröffentlicht am 04.04.2026

Entwicklungsroman mit ganz viel Heimatgefühl

Spielverderberin
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Drei Freundinnen, eine Großstadt. Und ein dunkles Geheimnis, das ihren Weg überschattet. Den Weg von der Jugend ins Erwachsensein. Und den Weg hinaus aus der vermeintlichen Geborgenheit ihres dörflichen, ...

Drei Freundinnen, eine Großstadt. Und ein dunkles Geheimnis, das ihren Weg überschattet. Den Weg von der Jugend ins Erwachsensein. Und den Weg hinaus aus der vermeintlichen Geborgenheit ihres dörflichen, ländlichen Lebens. Und direkt hinein in die große, weite Welt. Direkt hinein nach Köln.
Es ist kompliziert: zwischen Romy, Sophie und Lotte. Eine Freundschaft zu dritt, brüchig, mit Ecken und Kanten. Und mit starken, tiefgehenden Gefühlen. Die ebenso zusammenschweißen wie sie destabilisieren, auseinandertreiben und zerstören. Und mit ihrer Wut und Eifersucht letztendlich in eine Katastrophe führen. Eine Katastrophe, die schon zu Beginn ihrer Dreiecksbeziehung angelegt ist. Denn während Sophie und Lotte im Süthland gemeinsam Leben, Kindheit und Jugend miteinander verbracht haben, stößt Romy erst spät in Freundschaft und Bauerschaft dazu. Und sprengt den Zweierbund.
Und damit nimmt das Drama seinen Lauf. Und der Anfang vom Ende. Oder doch der Anfang von etwas ganz Neuem- Einer Entwicklung, die in Gang gesetzt wird. Denn Sophie, die sich unerwartet in der Außenseiterrollen wiederfindet, kämpft um die Liebe und Anerkennung ihrer Freundinnen. Und insbesondere um Romy und einen Platz ganz nah an ihrer Seite. Und ihrem Herzen. Und sehr konkret: um ein gemeinsames WG-Leben in Köln.
Doch in Köln gelten ganz andere Flugkräfte. Und während Romy zunehmend in weite Ferne rückt, tritt auf einmal Lotte wieder in ihr Leben und ihre Wohnung. Und Sophies Schuld und dunkles Geheimnis drängen nach und nach ans Tageslicht.
Und damit ist diese Geschichte für mich auch ganz viel: ein Entwicklungsroman mit Spannung inklusive, ein Roman über das Stadt-Landgefälle. Und ganz wichtig: für mich als Kölnerin auch ein Heimatroman. Und das Debüt einer so vielversprechenden Autorin.

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Veröffentlicht am 29.03.2026

Ein Herzensbuch voll Schönheit und tiefer Traurigkeit

Stunden wie Tage
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Dieses Buch ist ein richtiges Herzensbuch! Auch, wenn dieses beim Lesen mehrfach bricht. Über das Schicksal, welches die Figuren erleiden müssen. Und über den Umstand, dass so vieles gar keine reine Fiktion ...

Dieses Buch ist ein richtiges Herzensbuch! Auch, wenn dieses beim Lesen mehrfach bricht. Über das Schicksal, welches die Figuren erleiden müssen. Und über den Umstand, dass so vieles gar keine reine Fiktion ist, sondern Zeit, Zeitgeschichte und Figurenkonstellationen auf Historischem und realen Vorbildern beruhen.
Und gerade das macht die ganz besondere Sogkraft der Geschichte aus. Und die Empathie und Zuneigung, die ich den Figuren entgegenbringe. Ebenso wie deren ganz besondere, detaillierte Zeichnung, ihre Charakterschärfe und die Entwicklung, die sie über die Jahre und Jahrzehnte durchlaufen. Und die Erkenntnis, dass die Figuren, über deren Lebensweg, Schicksal und auch Tod wir mitfiebern, stellvertretend für unzählige Menschen in der Zeit des Nationalsozialismus stehen. In der Zeit der Pogrome, Verfolgung, Menschenhass und Mord. Die Einzelnen lassen das Leid von Generationen erahnen. Und dessen Auswirkungen bis in unsere heutige Zeit.
Martha ist die Figur, die Zentrum und Herz der Geschichte ist. Durch ihren Pragmatismus, ihre Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit und die Tiefe ihrer Gefühle. Als Hausbesorgerin für die Brüder Berkowitz verwaltet sie im Berlin der 1940er-Jahre ein Mietshaus und deren Bewohner mit ihren Anliegen, Sorgen und Ängsten. Und gerade Letztere nehmen stetig zu, nach der Machtergreifung Hitlers, mit Kriegsausbruch. Und auch Marthas eigenes wohlgeordnetes Leben gerät zunehmend ins Wanken. Gemeinsam mit ihrem Mann Willy hat sie eine enge Beziehung zu Liane, der Tochter von Henry und Katharina Berkowitz, aufgebaut. Und begleitet Liane über die Jahre hinweg auf ihrem Weg zu einer selbstbewussten jungen Frau. Die sich mit großem Mut und Widerstandskraft gegen das Unrecht und die Verbrechen ihrer Zeit und deren Menschen auflehnt. Mit verheerenden Folgen.
So schmerzhaft die Geschichte mit ihren Entwicklungen ist, so wichtig ist es, dass sie erzählt wird. In diesen kraftvollen Worten, der literarischen Sprache und der tiefen Recherche der Autorin in Archiven und Dokumenten. Das Ergebnis ist fasziniert und betörend zugleich. Von tiefer Traurigkeit und dem Glück, Zeit und Figuren in dieser Form zum Leben erweckt zu wissen. Und sich zusätzlich von der Fiktion hinwegtragen zu lassen.

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