Ein Herzensbuch voll Schönheit und tiefer Traurigkeit
Stunden wie TageDieses Buch ist ein richtiges Herzensbuch! Auch, wenn dieses beim Lesen mehrfach bricht. Über das Schicksal, welches die Figuren erleiden müssen. Und über den Umstand, dass so vieles gar keine reine Fiktion ...
Dieses Buch ist ein richtiges Herzensbuch! Auch, wenn dieses beim Lesen mehrfach bricht. Über das Schicksal, welches die Figuren erleiden müssen. Und über den Umstand, dass so vieles gar keine reine Fiktion ist, sondern Zeit, Zeitgeschichte und Figurenkonstellationen auf Historischem und realen Vorbildern beruhen.
Und gerade das macht die ganz besondere Sogkraft der Geschichte aus. Und die Empathie und Zuneigung, die ich den Figuren entgegenbringe. Ebenso wie deren ganz besondere, detaillierte Zeichnung, ihre Charakterschärfe und die Entwicklung, die sie über die Jahre und Jahrzehnte durchlaufen. Und die Erkenntnis, dass die Figuren, über deren Lebensweg, Schicksal und auch Tod wir mitfiebern, stellvertretend für unzählige Menschen in der Zeit des Nationalsozialismus stehen. In der Zeit der Pogrome, Verfolgung, Menschenhass und Mord. Die Einzelnen lassen das Leid von Generationen erahnen. Und dessen Auswirkungen bis in unsere heutige Zeit.
Martha ist die Figur, die Zentrum und Herz der Geschichte ist. Durch ihren Pragmatismus, ihre Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit und die Tiefe ihrer Gefühle. Als Hausbesorgerin für die Brüder Berkowitz verwaltet sie im Berlin der 1940er-Jahre ein Mietshaus und deren Bewohner mit ihren Anliegen, Sorgen und Ängsten. Und gerade Letztere nehmen stetig zu, nach der Machtergreifung Hitlers, mit Kriegsausbruch. Und auch Marthas eigenes wohlgeordnetes Leben gerät zunehmend ins Wanken. Gemeinsam mit ihrem Mann Willy hat sie eine enge Beziehung zu Liane, der Tochter von Henry und Katharina Berkowitz, aufgebaut. Und begleitet Liane über die Jahre hinweg auf ihrem Weg zu einer selbstbewussten jungen Frau. Die sich mit großem Mut und Widerstandskraft gegen das Unrecht und die Verbrechen ihrer Zeit und deren Menschen auflehnt. Mit verheerenden Folgen.
So schmerzhaft die Geschichte mit ihren Entwicklungen ist, so wichtig ist es, dass sie erzählt wird. In diesen kraftvollen Worten, der literarischen Sprache und der tiefen Recherche der Autorin in Archiven und Dokumenten. Das Ergebnis ist fasziniert und betörend zugleich. Von tiefer Traurigkeit und dem Glück, Zeit und Figuren in dieser Form zum Leben erweckt zu wissen. Und sich zusätzlich von der Fiktion hinwegtragen zu lassen.