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Veröffentlicht am 04.05.2021

Fesselnd, packend, außergewöhnlich – Climate Fiction zwischen Deutschland und Indien

Exit this City
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Klimawandel, Killerbienen und eine Geschichte voll Spannung und Fantasie, welche die Kilometer zwischen Indien und Deutschland klein werden lässt – und uns zugleich die Auswirkungen der Globalisierung ...

Klimawandel, Killerbienen und eine Geschichte voll Spannung und Fantasie, welche die Kilometer zwischen Indien und Deutschland klein werden lässt – und uns zugleich die Auswirkungen der Globalisierung groß und bildgewaltig vor Augen führt.
Deutschland versinkt im Schlamm und hat seine Vormachtstellung in der Welt schon lange verloren. Die Menschen werden als Lehnarbeiter auf den Feldern ausgebeutet, sind verarmt, haben ihre Kultur und Traditionen abgelegt. Der Kampf ums tägliche Leben und Überleben überlagert alles. Und dann Indien: hochtechnologisiert, gereift von den Früchten und Erträgen Deutschlands und mit Delhi als urbanem Zentrum und Pulsgeber des internationalen Warenstroms. Vieles hat sich im Vergleich zu heute verändert, wirkt wie auf den Kopf gestellt und zeigt uns doch zugleich, die menschlichen Nöte und Bedürfnisse sind die gleichen geblieben – nur die Verteilung von Macht und Einfluss ist veränderbar.
Mit Veeru hat die Not und Verzweiflung in Deutschland ein Gesicht erhalten – und zwar das Gesicht einer indischen Göttin, asketisch, aschfahl, unnahbar. Ihrer Mission, die Menschen aus der Ausbeutung und Unterdrückung zu führen, hat sie alles untergeordnet, auch ihr eigenes Leben, ein mögliches Glück. Marti, auf der anderen Seite der Welt, in Indien, versucht derweil seinen eigenen Weg zu finden, zurück zu seinem fernen Planeten oder doch erstmal in sein Gedächtnis, seine Erinnerungen, die ihm verschlossen bleiben. Ein sprechender Hund ist ihm dabei Gefährte, Wegbegleiter und auch Lotse durch den gigantischen Großstadtdschungel.
Dieses Setting ist so wunderbar abgedreht, rasant, so reich an Ideen, Einfallstum und mit einer Energie, welche die Leserin und den Leser tief in die Geschichte hineinzieht – und mit der Geschwindigkeit eines Autocopters über die Seite fliegen lässt. Das macht großen Spaß und für mich persönlich auch schon mal die Nacht zum Tag. Und nicht nur das: Es macht mich auch neugierig auf Indien, seine Geschichte, Kultur, seine Menschen. Und vor allem macht es mich neugierig auf alles, was die Autorin sicherlich auch zukünftig für uns bereithalten wird – in Indien, Deutschland oder einer Welt voll Fantasie und Abenteuer.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
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Veröffentlicht am 14.04.2021

Eine spannungsreiche Jagd durch die Welt der Kryptowährungen

Montecrypto
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Ich bin ein Fan! Aber nicht von Krimis und Thrillern im Allgemeinen, jedoch davon, wie es Hillenbrand schier meisterlich gelingt, vor dem Hintergrund der Geld- und Finanzwirtschaft und insbesondere der ...

Ich bin ein Fan! Aber nicht von Krimis und Thrillern im Allgemeinen, jedoch davon, wie es Hillenbrand schier meisterlich gelingt, vor dem Hintergrund der Geld- und Finanzwirtschaft und insbesondere der für viele noch geheimnisvoll anmutenden Welt der Kryptowährungen eine Geschichte voller Spannung, überraschenden Wendungen und mit nerdigen Typen und schrägem Humor zu entwickeln. Großartig! Ich wurde wunderbar unterhalten, war fasziniert von der gut konstruierten und mit Bonmonts, Pointen und Cliffhangern gewürzten Story und musste dank Wortwitz und einer gewissen unkonventionellen sprachlichen Heftig- und Deftigkeit mit Blick auf die Hauptfigur immer wieder laut und gerne lachen.
Und ganz nebenbei, quasi als Zusatz und didaktisches Meisterstück habe ich es verstanden – verstanden, welche Faszination Bitcoins & Co. auszuüben vermögen, und dass es sich hierbei nicht etwa um ein Ideenkonstrukt oder theoretisches Gebilde einzelner sondern möglicherweise gar um die Zukunft unseres Währungssystems handelt. Beeindruckend – und in diesem Fall Grundlage, Kulisse und Motivation einer Schnitzeljagd, die uns durch Länder und über Kontinente führt und gerade in Zeiten einer scheinbar nicht endenwollenden Pandemie Vielfältiges auszulösen vermag: Spannung, Sehnsucht, surrealistisches Staunen.
Ich war Dantes Quatermain, seine getreue Weggefährtin auf dem Weg zum großen Schatz und bereit, mir für die Auflösung der trickigen Rätselaufgaben die eine oder andere Nacht um die Ohren zu schlagen. Und nicht nur das: Hätte meine Hausbar es hergegeben, hätte ich mich zu gerne auch dem Barkeeper in Dante anvertraut und seiner Vorliebe für Cocktails nicht nur eine gewisse Offenheit entgegengebracht. So aber blieb mir nur, mit kühlem Kopf Puzzlestein für Puzzlestein aneinanderzufügen – und das Bild das entstand, zeigte einen Thriller, der so außergewöhnlich wie hochkarätig war.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.03.2021

Durch kalte, tiefe Wasser – Zweifel und Suche des jungen Mönchs Lukas

Aus der Mitte des Sees
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Auf dem ruhigen See seiner Gedanken bin ich mit Lukas geschwommen. Habe mich tragen lassen von seinen Erinnerungen, Reflexionen, Sehnsüchten, mich mit ihm auf eine Sinnsuche begeben, die zu einer Suche ...

Auf dem ruhigen See seiner Gedanken bin ich mit Lukas geschwommen. Habe mich tragen lassen von seinen Erinnerungen, Reflexionen, Sehnsüchten, mich mit ihm auf eine Sinnsuche begeben, die zu einer Suche nach seinem Ich, seinem künftigen Leben wurde – und dabei auch so manche Untiefe und Länge in der Handlung umschifft. Und doch habe ich die einzelnen Schwimmzüge genossen, gerne Strecke mit Lukas gemacht und Seemarken mit ihm gemeinsam erreicht und auf diese zurückgeblickt. Verloren hat er mich dabei zu keiner Zeit.
Heger ist es mit seiner ruhigen, langsam fließenden Erzählung gelungen, intime Einblicke in das Leben des jungen Mönches Lukas zu gewähren und den Leser und die Leserin in seiner unaufdringlichen Art mit den großen Fragen des Lebens zu konfrontieren – Fragen, denen auch Lukas sich mit Blick auf seine Begegnung mit Sarah stellen muss und die ihm Entscheidungen und Konsequenzen abverlangen. In diesem Prozess gewinnt in Lukas die Erkenntnis Raum, dass neben der Liebe zu Gott auch die Liebe zu einer Frau in ihm bestehen kann und keine Ausschließlichkeiten darstellen – anders als mit Blick auf die konkrete Ausgestaltung seines Lebens. Das Ende der Handlung schwankt dann auch zwischen Vorhersehbarkeit und Unglaubwürdigkeit und bricht für mich in puncto Sinnhaftigkeit und Kraft seiner Bedeutung.
Die Worte, die Heger für die Suche des jungen Lukas wählt, stehen hierzu für mich im klaren Gegensatz. Sie sind häufig geprägt von eben dieser Liebe zu Bild und Botschaft und erinnern in ihrer Prägnanz an Aphorismen und Sinnsprüche. Sie bleiben im Kopf, Lukas Weg durch tiefe Gewässer kann dies auch.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.03.2021

Ungewöhnlich, herausfordernd – gewollt

Die nicht sterben
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Einiges abverlangt hat mir der Roman – mit seinen zahlreichen Anspielungen, Bezügen und einer Bedeutungsebene, die vieles im Unklaren und Verborgenen lässt. Besonders – und vielleicht auch besonders gewagt ...

Einiges abverlangt hat mir der Roman – mit seinen zahlreichen Anspielungen, Bezügen und einer Bedeutungsebene, die vieles im Unklaren und Verborgenen lässt. Besonders – und vielleicht auch besonders gewagt – ist aber auch die Konstruktion, der Grundgedanke, den Dana Grigorcea hervorgebracht hat: Die Geschichte des postkommunistischen Rumäniens verwebt sie mit der Saga von Vlad dem Pfähler, dem Tyrannen, auf dem die bekannte Dracula-Geschichte beruht.
Hört sich ambitioniert an? Ich es auch – möglicherweise. Vielleicht ist es aber auch ein Zuviel an Metaphorik, Verschränkungen und erhofften und geschaffenen Parallelen, das zu einer Überforderung des Gegenübers führen kann. Und genau diese Frage hat sich mir gestellt und mich während des gesamten Romans nicht mehr losgelassen: Wie sieht der ideale Leser oder die ideale Leserin für Dana Grigorcea aus, mit einem Wissen und Erfahrungsschatz, das befähigt, Bezüge in schier unbekannter Zahl auszumachen, herzustellen und so in der Lage zu sein, die losen Fäden und Stränge zusammenzuführen – und Erkennen zu befördern, vielleicht sogar Erkenntnis zu erlangen. Wer könnte das sein? Die zahlreichen fremdsprachlichen Aussagen – viele davon in Latein – erschweren diese herausfordernde Aufgabe dabei zusätzlich und mögen auf die Leserschaft als das Bemühen Grigorceas um Distinktion verstanden werden. Zumindest bei mir war das so.
Jedoch will ich nicht verschweigen, dass es auch immer wieder Passagen in dem Roman gab, die in mir dank der Wiederaufnahme des Handlungsfadens – den ich in seiner Stringenz leider häufig vermissen musste – Gefühle des Interesses, der Neugierde und sogar der Spannung hervorriefen und somit dann doch zu einer gewissen Lesefreude beitrugen. Doch allzu selten waren für mich diese Momente, als dass ich sagen könnte, die Stunden mit dem Text hätten mir tatsächlich Vergnügen bereitet.
Was ich allerdings durchaus zu schätzen weiß, ist der Ausflug in eine für mich in weiten Teilen unbekannte Geschichte und Kultur der Menschen und eines Landes, das gefühlt leider häufig weiter entfernt ist als die Geographie es zu rechtfertigen vermag. Und dazu die Sprache Grigorceas, die mich durch die Geschichte getragen hat und mir mit ihrem poetischen Klang und einer bemerkenswerten Klarheit und Kraft aus ihrer Präzision heraus weiterhin im Ohr ist.

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Veröffentlicht am 10.03.2021

Ein Buch, das einfach glücklich macht

Jedes Jahr im Juni – Der romantische Bestseller des Jahres
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Traumhafte Lesestunden! Jede Zeile, jede Seite, jede einzelne Minute, die ich mit Anna und Lucas verbringen durfte, hat mich davon überzeugt: Das ist das richtige Buch zur richtigen Zeit für mich! Ich ...

Traumhafte Lesestunden! Jede Zeile, jede Seite, jede einzelne Minute, die ich mit Anna und Lucas verbringen durfte, hat mich davon überzeugt: Das ist das richtige Buch zur richtigen Zeit für mich! Ich habe mit Anna mitgefiebert, mitgelitten, mitgehofft – und ich habe mich mit ihr zusammen gesehnt, nach Zeichen der tiefen Liebe von Lucas und nach einem Happy End, das mein Herz zum Schmelzen bringt. Ja, manchmal brauche ich das: eine Geschichte, die mich mit Emotionen flutet, mich packt und nicht mehr loslässt. Und dafür mache ich dann auch schon mal die Nacht zum Tag und tausche den deutschen Winter gegen die heiße Sonne Nordfrankreichs – morgens um halb 4 in meinem Bett.
Überhaupt: die Orte, Landschaften, die wunderschöne Kulisse, vor der die Geschichte spielt. Mit ganz viel Fernweh habe ich mich an diese Sehnsuchtsorte geträumt und die Reisen in meinem Kopf so genossen. Die Idee des zum Teil täglichen Pendelns zwischen Frankreich und England hat mich dabei fasziniert und nicht mehr losgelassen – ja, es sind nur 120 Meilen. Und Freundschaft und Liebe sind auch über Distanz möglich. Selbst in Zeiten von Brexit und Pandemie.
Das Buch werde ich nicht nur meiner Freundin empfehlen sondern auch meinem Mann und eigentlich jedem, der ein wenig „Glück in Seiten“ braucht oder einfach mal den Alltag hinter sich lassen möchte. Und ich gebe zu: Auch das glitzernde, rosafarbene Cover hat es mir sehr angetan – denn steckt nicht in jedem von uns „etwas Mädchen“.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere