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Veröffentlicht am 04.04.2026

Entwicklungsroman mit ganz viel Heimatgefühl

Spielverderberin
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Drei Freundinnen, eine Großstadt. Und ein dunkles Geheimnis, das ihren Weg überschattet. Den Weg von der Jugend ins Erwachsensein. Und den Weg hinaus aus der vermeintlichen Geborgenheit ihres dörflichen, ...

Drei Freundinnen, eine Großstadt. Und ein dunkles Geheimnis, das ihren Weg überschattet. Den Weg von der Jugend ins Erwachsensein. Und den Weg hinaus aus der vermeintlichen Geborgenheit ihres dörflichen, ländlichen Lebens. Und direkt hinein in die große, weite Welt. Direkt hinein nach Köln.
Es ist kompliziert: zwischen Romy, Sophie und Lotte. Eine Freundschaft zu dritt, brüchig, mit Ecken und Kanten. Und mit starken, tiefgehenden Gefühlen. Die ebenso zusammenschweißen wie sie destabilisieren, auseinandertreiben und zerstören. Und mit ihrer Wut und Eifersucht letztendlich in eine Katastrophe führen. Eine Katastrophe, die schon zu Beginn ihrer Dreiecksbeziehung angelegt ist. Denn während Sophie und Lotte im Süthland gemeinsam Leben, Kindheit und Jugend miteinander verbracht haben, stößt Romy erst spät in Freundschaft und Bauerschaft dazu. Und sprengt den Zweierbund.
Und damit nimmt das Drama seinen Lauf. Und der Anfang vom Ende. Oder doch der Anfang von etwas ganz Neuem- Einer Entwicklung, die in Gang gesetzt wird. Denn Sophie, die sich unerwartet in der Außenseiterrollen wiederfindet, kämpft um die Liebe und Anerkennung ihrer Freundinnen. Und insbesondere um Romy und einen Platz ganz nah an ihrer Seite. Und ihrem Herzen. Und sehr konkret: um ein gemeinsames WG-Leben in Köln.
Doch in Köln gelten ganz andere Flugkräfte. Und während Romy zunehmend in weite Ferne rückt, tritt auf einmal Lotte wieder in ihr Leben und ihre Wohnung. Und Sophies Schuld und dunkles Geheimnis drängen nach und nach ans Tageslicht.
Und damit ist diese Geschichte für mich auch ganz viel: ein Entwicklungsroman mit Spannung inklusive, ein Roman über das Stadt-Landgefälle. Und ganz wichtig: für mich als Kölnerin auch ein Heimatroman. Und das Debüt einer so vielversprechenden Autorin.

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Veröffentlicht am 29.03.2026

Ein Herzensbuch voll Schönheit und tiefer Traurigkeit

Stunden wie Tage
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Dieses Buch ist ein richtiges Herzensbuch! Auch, wenn dieses beim Lesen mehrfach bricht. Über das Schicksal, welches die Figuren erleiden müssen. Und über den Umstand, dass so vieles gar keine reine Fiktion ...

Dieses Buch ist ein richtiges Herzensbuch! Auch, wenn dieses beim Lesen mehrfach bricht. Über das Schicksal, welches die Figuren erleiden müssen. Und über den Umstand, dass so vieles gar keine reine Fiktion ist, sondern Zeit, Zeitgeschichte und Figurenkonstellationen auf Historischem und realen Vorbildern beruhen.
Und gerade das macht die ganz besondere Sogkraft der Geschichte aus. Und die Empathie und Zuneigung, die ich den Figuren entgegenbringe. Ebenso wie deren ganz besondere, detaillierte Zeichnung, ihre Charakterschärfe und die Entwicklung, die sie über die Jahre und Jahrzehnte durchlaufen. Und die Erkenntnis, dass die Figuren, über deren Lebensweg, Schicksal und auch Tod wir mitfiebern, stellvertretend für unzählige Menschen in der Zeit des Nationalsozialismus stehen. In der Zeit der Pogrome, Verfolgung, Menschenhass und Mord. Die Einzelnen lassen das Leid von Generationen erahnen. Und dessen Auswirkungen bis in unsere heutige Zeit.
Martha ist die Figur, die Zentrum und Herz der Geschichte ist. Durch ihren Pragmatismus, ihre Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit und die Tiefe ihrer Gefühle. Als Hausbesorgerin für die Brüder Berkowitz verwaltet sie im Berlin der 1940er-Jahre ein Mietshaus und deren Bewohner mit ihren Anliegen, Sorgen und Ängsten. Und gerade Letztere nehmen stetig zu, nach der Machtergreifung Hitlers, mit Kriegsausbruch. Und auch Marthas eigenes wohlgeordnetes Leben gerät zunehmend ins Wanken. Gemeinsam mit ihrem Mann Willy hat sie eine enge Beziehung zu Liane, der Tochter von Henry und Katharina Berkowitz, aufgebaut. Und begleitet Liane über die Jahre hinweg auf ihrem Weg zu einer selbstbewussten jungen Frau. Die sich mit großem Mut und Widerstandskraft gegen das Unrecht und die Verbrechen ihrer Zeit und deren Menschen auflehnt. Mit verheerenden Folgen.
So schmerzhaft die Geschichte mit ihren Entwicklungen ist, so wichtig ist es, dass sie erzählt wird. In diesen kraftvollen Worten, der literarischen Sprache und der tiefen Recherche der Autorin in Archiven und Dokumenten. Das Ergebnis ist fasziniert und betörend zugleich. Von tiefer Traurigkeit und dem Glück, Zeit und Figuren in dieser Form zum Leben erweckt zu wissen. Und sich zusätzlich von der Fiktion hinwegtragen zu lassen.

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Veröffentlicht am 16.03.2026

Eine literarische Spurensuche

Grüne Welle
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Eine Frau auf der Flucht zu sich selbst. Und dabei begann der Abend für die Frau gewohnt. Für diesen einen Abend im Monat zumindest. Denn an diesem besucht sie gemeinsam mit ihrer ehemals engsten, innigsten ...

Eine Frau auf der Flucht zu sich selbst. Und dabei begann der Abend für die Frau gewohnt. Für diesen einen Abend im Monat zumindest. Denn an diesem besucht sie gemeinsam mit ihrer ehemals engsten, innigsten Freundin das örtliche Kino. An diesem einem Abend, an dem ihr Mann es ihr gestattet. Oder es ihr zumindest nicht verwehrt. Wie doch so vieles.
Auf dem Rückweg dann erst die Umleitung, die nächtliche Fahrt durch die einst vertrauten Straßen, in denen sie glücklich war. Dann die Ausfahrt und zwar die eine Ausfahrt zu spät auf die Allee. Und damit die Fahrt heraus aus dem Bekannten, der häuslichen Enge, hinein in die Dunkelheit. Und hinein in die „grüne Welle“. Denn die eine rote Ampel, welche die Frau zum Halten, zum Orientieren, zum Umkehren bestimmt hat, sie will einfach nicht kommen. Und immer weiter, immer tiefer geht so die Fahrt. Tiefer in die Nacht und tiefer in die Abgründe ihrer Erinnerungen, ihrer Gefühle. Und auch ihrer Ängste und ihrer Verzweiflung. Und nach und nach erscheint beides als das, was es bereits seit vielen Jahren für die Frau ist: bodenlos.
Und aus eben diesem scheint auch das Reh gewachsen zu sein, welches der Frau unvermittelt den Weg versperrt. Und dann tot auf diesem liegt. Und Assoziationen bei der Frau zu ihrem längst vergangenen jüngeren Selbst auslöst. Mit dem Reh im Kofferraum geht es dann weiter ins Unbekannte. Den grünen Ampeln und ihren Gedanken folgend. Und immer tiefer, tiefer hinein.
Und eben diesem Sog, diesem Drang weiter-, weiter- und weiterzufahren, erliege auch ich. Also dem Lesen. Seite um Seite. Ich konnte nicht mehr stoppen! Fasziniert vom Aufbau, der literarischen Sprache, der Tiefgründigkeit, Komplexität der Zeichnung und Ausgestaltung der Figuren. Und davon, so einen großartigen Roman in den Händen zu halten.

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Veröffentlicht am 14.03.2026

Eine Familiengeschichte über Herkunft, Flucht und Stärke

Das schönste aller Leben
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Dieser Roman macht mir schon seit vielen Woche und Monaten schöne Augen. Schon in seinem Entstehungsprozess hat er mich auf Bookstagram angezwinkert. Und wir haben uns zu einem Date verabredet. Kurz nach ...

Dieser Roman macht mir schon seit vielen Woche und Monaten schöne Augen. Schon in seinem Entstehungsprozess hat er mich auf Bookstagram angezwinkert. Und wir haben uns zu einem Date verabredet. Kurz nach dem Erscheinungstermin verabredet.
Und was soll ich sagen: Es hat gefunkt! Und das schon nach wenigen Seiten. Das liegt zum einen an dem äußerst raffinierten, geschickt verschränkten Aufbau der Geschichte. Oder eigentlich eher der drei Geschichten. Oder Erzählstränge. Die doch ein großes Ganzes ergeben. Und zwar eine beeindruckende und zugleich verstörende wie hoffnungsfrohe Familiengeschichte. Über zwei starke Frauen. In ihrem Kampf um ein selbstbestimmtes Leben. Und mit Vio und ihren Eltern in der Auseinandersetzung mit ihrer Flucht aus Rumänien nach Deutschland. Dem Leben in der neuen Heimat. Das doch eigentlich eine Heimkehr sein sollte. Und doch an allen Ecken und Enden kneift und drückt. Wie ein zu enges Kleid, das einfach nicht richtig passen will. Und auf der Haut kratzt.
Und was mein Herz zum anderen höher schlagen lässt: Das ist die Lebendigkeit, Tiefe und Glaubhaftigkeit in der Ausgestaltung der Figuren. Die allesamt an eben dieses wachsen: an das Herz der Leser*innen. Und von ihrem eigenen Herz zugleich in ihr weiteres Leben geleitet werden. Ein Leben, in dem sie Entwicklungen durchlaufen. Aufgrund seiner Hürden und Herausforderungen. Und Reifung erfahren. Und zugleich Stärke erlangen, die über Generationen lang, lang hinwegreicht.
Von langer Dauer ist für mich auch das Ende der Geschichte. Der Kreis, der sich schließt. Der Hoffnung und Versöhnung bedeutet. Und einen Frieden in sich birgt, der Heilung verspricht. Womöglich nicht nur für Vio und ihre Familie. Sondern über Einzelpersonen hinausreicht. Und mich darin bestärkt, dass dieses Date das perfekte Match war.

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Veröffentlicht am 01.03.2026

Der Meister der Erzählkunst

Königin Esther
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Wenn John Irving erzählt, vergesse ich Zeit, Raum und dass morgens ganz früh mein Wecker klingelt. Und klingelt. Ich vergesse allerdings nie, warum das so ist. Denn Irving ist Erzähler. Und seine Romane ...

Wenn John Irving erzählt, vergesse ich Zeit, Raum und dass morgens ganz früh mein Wecker klingelt. Und klingelt. Ich vergesse allerdings nie, warum das so ist. Denn Irving ist Erzähler. Und seine Romane sind große Erzählkunst. Jeder für sich und doch alle gemeinsam. Sein Ton ist lakonisch, immer mit feinem Witz und schwarzem Humor. Und seine Figuren wachsen sofort ans Herz. Gerade weil sie solche Typen sind, häufig etwas schrullig, immer besonders. Wie auch die Handlung, die skurrile Abzweigungen und Verläufe nimmt.
Und all das, was auch Irving immer so besonders macht, habe ich Seite für Seite in „Königin Esther“ gefunden. Esther ist Waisin und ein ungewöhnlich kluges Kind als sie ins Waisenhaus in Maine gebracht wird. Ihre Mutter: gerade verstorben, von Antisemiten getötet. Und Esther ist ein gebildete junge Frau, geradlinig und mit Argumenten und Überzeugungen als sie von den Winslows als Kindermädchen für ihre jüngste Tochter Honor adoptiert wird. Ihr Wunsch, sich Jane Eyre als Zitat quer über den Oberkörper tätowieren zu lassen, schreckt die Winslows nicht ab.
So beginnt die Geschichte rund um Jimmy Winslow, der zwei Mütter hat: Esther seine leibliche und Honor die Frau, die ihn aufzieht und innig liebt. Und während Jimmy in New Hampshire eine behütete Kindheit verbringt, bleibt Esther ein Geist, ein Mysterium in der Ferne. Zuerst in Wien, später in Israel. Mit unklarem Auftrag und Ziel, auf den Spuren ihres Jüdischseins. Und auch Jimmy verbringt als Student ein Auslandsjahr in Wien. In einer schier unglaublichen Wohngemeinschaft, als Ringer – was auch sonst! – und in seinen letzten Tagen in der Stadt als werdender Vater. Und gedanklich immer auf der Suche nach Esther, in Wien auf ihren Spuren.
Und wir begleiten Jimmy in seinem Erwachsenwerden, das kuriose Wendungen und unerwartete Entwicklungen nimmt. In seinem Kampf gegen die tätowierte Tellerwäscherin. In Sorge um Siegfried, der Plastiksoldaten mit einer Knoblauchpresse verstümmelt. Und in seiner großen Liebe für Hard Rain, einem einsamen Schäferhund. Und wachen aus diesem Leben erst wieder auf, wenn der Wecker am Morgen ganz früh klingelt.

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