Emanzipation vs. Pflichtgefühl
Die Buchhändlerin: Die Macht der WorteEine Buchhändlerin auf Abwegen? Oder haben Frauen in den 60er und 70er Jahren kein Anrecht auf die Erfüllung ihrer Träume?
Das Cover hat einen guten Wiedererkennungseffekt mit Bezug zum ersten Teil. Der ...
Eine Buchhändlerin auf Abwegen? Oder haben Frauen in den 60er und 70er Jahren kein Anrecht auf die Erfüllung ihrer Träume?
Das Cover hat einen guten Wiedererkennungseffekt mit Bezug zum ersten Teil. Der Klappentext umreißt gut, worum es geht und doch ist da noch viel mehr.
In dem zweiten Buch geht es um Christa und ihrer großen Liebe Jago, ihre Leben stehen im Mittelpunkt der Geschichte. Einen Teil des Weges bestreiten sie gemeinsam, einen Teil gehen sie getrennt, doch im Herzen sind sie immer verbunden. Es geht vor allen Dingen um die Rolle der Frau und ihre Selbstbestimmung, sowie Emanzipation. Leider verliert Christa ihre Träume und Ziele aus dem Blick und stellt ihre Familie an erster Stelle. Gerade in der zweiten Hälfte des Buches wird es sehr politisch.
Bei meinem Lieblingsfiguren aus dem ersten Band bin ich ein wenig gespalten, wie sie sich entwickeln. Gerade Heinz und Christa tun teilweise Dinge, die ich nicht nachvollziehen konnte und kann. Es hat dabei sehr geholfen sich mit den Mitleser*innen und der Autorin während der Leserunde auszutauschen. Danke dafür, dennoch bleibt gerade bei einer Aktion von Heinz ein schaler Geschmack im Mund zurück.
Die Schatten der Vergangenheit und des Nationalsozialismus holen die Protagonisten immer wieder ein. Im zweiten Band steht nicht mehr die Buchhandlung im Mittelpunkt, sondern viel eher das Antiquariat, welches Heinz gründet. Am Ende war ich sehr glücklich, dass wir die Protagonisten auf die Frankfurter Buchmesse begleiten durften.
Der Schreibstil der Autorin ist sehr angenehm zu lesen, das Buch hat ein sehr hohes Temo. Am Anfang hatte ich teilweise das Gefühl in einem Zeitraffer gefangen zu sein. Die zweite Hälfte des Buches hat mir besser gefallen. Hier hatte ich das Gefühl teilweise bei den Ereignissen dabei zu sein und nicht von Ihnen im Nachhinein zu erfahren. Das Buch hat aufgrund des hohen Temos allerdings keine Längen. Allerdings habe ich teilweise die eine oder andere ausführliche Beschreibung vermisst, um ein wenig mehr das Flair in dem Buch fassen zu können.
Gut ist, dass man aufgrund des Prologs, nicht das Vorwissen des ersten Teils braucht. Man kann also beide Bände unabhängig voneinander lesen.
Ein Buch für alle, die sich gerne über die Gleichberechtigung der Frau in den 60er und 70er Jahren informieren möchten. Die eine oder andere Geschichte aus der Welt der Bücher bereichert den Roman zusätzlich.
Für mich ist Christa teilweise zu sehr auf Abwegen unterwegs und verliert ihre Träume und Ziele aus den Augen.