Roman mit vielen Fakten, Abenteuer und einem unvorstellbarem Betrug
Poyais. Ein Land, das es nie gabEine Geschichte über eine große Betrügerei, die viele Träume, aber auch zahlreiche Schicksale besiegelt hat. Die Handlung ist in zwei Erzählstränge aufgeteilt und erzählt vom Schicksal der Menschen, die ...
Eine Geschichte über eine große Betrügerei, die viele Träume, aber auch zahlreiche Schicksale besiegelt hat. Die Handlung ist in zwei Erzählstränge aufgeteilt und erzählt vom Schicksal der Menschen, die auf unterschiedliche Weise mit dem Hochstapler Gregor MacGregor konfrontiert werden.
Im einen Erzählstrang geht es um die junge Frankfurter Kaufmannstochter Julie, die sich gegen die gesellschaftlichen Erwartungen ihrer Eltern auflehnt und lieber ihren eigenen Weg gehen möchte. Sie verliebt sich in den Stallburschen Carl und träumt davon, mit ihm in der neuen Welt ein neues Leben zu beginnen. Doch aus diesem Traum wird ein Abenteuer, das sie persönlich stark verändern wird.
Im anderen Erzählstrang steht der irische Söldner Liam im Mittelpunkt, der in Mittelamerika vieles erlebt, das oft alles andere als schön ist. Beide Handlungsstränge finden später zusammen und ergeben eine in sich geschlossene Geschichte.
Julie ist eine selbstbewusste Frau, die für ihre Zeit sehr modern wirkt. Besonders gefallen hat mir ihre im zweiten Blick erkennbare Feinfühligkeit. Hinter ihr steckt deutlich mehr als nur das „trotzige, verwöhnte Mädchen“. Liam hat mir ebenfalls gut gefallen, auch wenn er für meinen Geschmack etwas eindimensional dargestellt wurde.
Sehr gelungen fand ich die detailreichen Schilderungen der damaligen Lebensumstände und der damit verbundenen Strapazen. Die Autorin hat viel Detailtiefe in ihre Erzählung eingebaut. Leider wirkten einige Passagen stellenweise etwas abgehackt und ich hätte mir an manchen Stellen fließender Übergänge gewünscht. Was mir persönlich ebenfalls gefehlt hat, war eine stärkere Rolle von Gregor MacGregor selbst. Zwar taucht er immer wieder in der Handlung auf, bleibt jedoch eher eine Randfigur.
Vor allem der zweite Teil des Romans entwickelt sich zu einem historischen Abenteuerroman, der besonders von seinem Setting und den eindrucksvollen Schilderungen lebt. Ich konnte mich sehr gut in das Schicksal der vielen Menschen hineinversetzen, die statt eines versprochenen Paradieses eher ein dschungelartiges Naturerlebnis vorfinden und plötzlich nur noch ums Überleben kämpfen müssen.
Der Schreibstil der Autorin ist gut lesbar und man kann der Geschichte problemlos folgen. Das Ende des Romans orientiert sich an den historischen Fakten und fällt deshalb letztlich so aus, wie es ausfallen musste.
Eine Erzählung mit kleinen Schwächen, die ich dennoch gerne weiterempfehlen kann.