"Bestie" - ein unglaublicher Debütroman und Jahreshighlight
BestieWow!!!
In dem Debütroman „Bestie“ von Joana June, geht es um Delia, die neu anfangen möchte. Dazu zieht sie nach Hamburg und mit dem That Girl Anouk in eine WG. Sie ändert ihr Leben. Delia wird zu Lilly ...
Wow!!!
In dem Debütroman „Bestie“ von Joana June, geht es um Delia, die neu anfangen möchte. Dazu zieht sie nach Hamburg und mit dem That Girl Anouk in eine WG. Sie ändert ihr Leben. Delia wird zu Lilly und möchte die Version von sich selbst werden, die sie immer sein wollte. Sie schließt neue Freundschaften und kommt ihrem Traum vom Leben einer Bühnenautorin immer näher. Besonders zwischen Anouk und Delia entwickelt sich eine besondere Beziehung.
Hier werden die Themen Feminismus, Selbstverwirklichung, Empowerment und Veränderung bzw. Verstellung behandelt.
Ich würde sagen: von außen nach innen… Ich liebe das Cover! Ich mag die Farbwahl. Die Zeichnung von Delia und Anouk ist so unglaublich schön und ist gleichzeitig irgendwie mysteriös und regt zum Nachdenken an. Ist die Pose freundschaftlich, oder ist das doch mehr? Ist sie vielleicht sogar negativ? Flüstert die eine Frau der anderen etwas Nettes oder Negatives ins Ohr? Redet sie überhaupt mit ihr? Oder tut sie nur so? Und wie passt sie zum Titel?
Der Titel „Bestie“ ist so unglaublich passend. Vor allem durch die Zweideutigkeit, die man wirklich erst nach dem Lesen versteht. Hier passt das Rot auf dem Cover sehr gut. Es ist gleichzeitig lieb und herzlich, auf der anderen Seite jedoch laut und catchy. Ich mag die Idee, dass man, nachdem man das Buch gelesen hat, selbst aussuchen kann, wie man den Titel mit der Geschichte im Hinterkopf lesen möchte.
Ich liebs!
Der Inhalt ist mindestens genau so gut wie das Cover, auch wenn beides zusammen den Roman wirklich perfekt macht. Die Geschichte ist in drei Akte aufgeteilt, was mir persönlich ziemlich gut gefallen hat und auch gut zur Geschichte und der Thematik gepasst hat. Die Interlude haben mich hingegen, auch wenn ich sie irgendwie cool fand, ziemlich verwirrt.
Der Handlungsstrang hat mir ziemlich gut gefallen, da alles sinnvoll aufeinander aufgebaut hat und es meiner Meinung nach einfach logisch war.
Für mich hat der Roman aber vor allem durch die Charaktere und deren Entwicklung sein Leben erhalten. Ich mochte Delia und Anouk als Protagonistinnen sehr gern. Delias „Verwandlung“ zu Lilly hat mich sehr angesprochen und in vielen ihrer Gedanken habe ich mich selbst wieder gefunden. Sie wirkte für mich auch in ihrer „Verstellung“ authentisch und nachvollziehbar. Zwar gab es auch Stellen, wo ich Delias Entscheidungen nicht verstehen konnte, aber das ist auch menschlich und deshalb war es völlig ok.
Anouk hingegen war für mich zum Ende hin eher die wahre Protagonistin bzw. ich habe das Gefühl gehabt, auch wenn ich mehr Einblicke in Delias Inneres bekommen habe, es wurde mehr über ihr Leben erzählt. Anouk, die erfolgreiche Influencerin, so hat man sie kennengelernt, doch so ist sie nicht. Ich habe es sehr gemocht, wie Joana ihre Gefühle dargelegt hat und auf welche Weise sie wirklich über ihren Job denkt und wie sie ihm ehrlich gegenübersteht. Man wusste, durch die zwei POV´s immer die Gedanken der beiden zu den gleichen Themen, auch wenn die Charaktere, die ihres Gegenübers noch nicht kannten. So konnte man manches mehr, oder auch mal weniger nachvollziehen, aber ich denke, jenes war genauso gewollt.
Das Setting, hier Hamburg, fand ich schön. Es war für mich nicht besonders, aber es ist mir positiv aufgefallen manche Orte zu kennen und zu wissen, wie es dort aussieht. Was den Roman für mich noch echter hat werden lassen.
Generell zum Leseerlebnis: Ich persönlich hatte beim Lesen nicht immer positive Emotionen und ich wurde auch oft zum Nachdenken angeregt, was ich ziemlich gut fand.
Das „offenere“ Ende fand ich gut. Auch den Raum zu Nachdenken, den der Roman und das Ende so bekommen hat, mochte ich. Ich werde jedoch nicht mehr dazu sagen, da ich nicht spoilern möchte.
Mein absolutes Highlight war Joanas Schreibstil. Sie schreibt so bildlich, poetisch und detailverliebt. Man konnte jeden Geruch „riechen“ und alles „schmecken“. Man hat im Moment gelebt und mir hat es das Eintauchen ins Buch noch erleichtert. An manchen Stellen hatte ich jedoch auch das Gefühl von Infodumping.
Abschließend kann ich nur sagen, dass dieses Buch definitiv ein Jahreshighlight für mich ist, und ich noch immer, im Positiven, darüber nachdenken muss. Ich empfehle dieses Buch jedem, der die Themen Feminismus, Selbstfindung und Empowerment gern liest und, der auch etwas zum Nachdenken haben möchte.
Große Empfehlung!