Morally Grey done right
Prinzessin der tausend Diebe – ChosenNachdem mich der erste Band nur phasenweise wirklich packen konnte, hat mich Chosen deutlich stärker abgeholt. Ich kam schneller in die Handlung hinein und hatte insgesamt einen viel besseren Leseflow. ...
Nachdem mich der erste Band nur phasenweise wirklich packen konnte, hat mich Chosen deutlich stärker abgeholt. Ich kam schneller in die Handlung hinein und hatte insgesamt einen viel besseren Leseflow. Besonders im letzten Drittel zieht die Geschichte nochmal spürbar an und sorgt dafür, dass man das Buch kaum noch aus der Hand legen möchte.
Im Mittelpunkt steht Jia, die als Protagonistin alles andere als eine klassische Heldin ist. Sie wirkt zu Beginn eher kühl, abgestumpft und distanziert, was sie gleichzeitig aber auch unglaublich interessant macht. Gerade weil sie sich selbst nicht als „gut“ oder heldenhaft sieht, hebt sie sich von vielen typischen Fantasy-Protagonistinnen ab. Im Laufe der Geschichte bekommt man immer mehr Einblicke in ihre Gedanken, ihre Beweggründe und ihre Vergangenheit. Besonders ihre persönliche Entwicklung – wie sie langsam wieder Vertrauen fasst, sich öffnet und beginnt, Dinge anders zu sehen – hat mir sehr gut gefallen und wirkte auf mich glaubwürdig.
Auch die Nebenfiguren tragen viel zur Dynamik der Geschichte bei. Die Beziehungen zwischen den Charakteren sind komplex und nicht immer eindeutig, was die Handlung zusätzlich spannend macht. Jeder scheint seine eigenen Motive zu verfolgen, wodurch sich immer wieder neue Spannungen und interessante Konstellationen ergeben. Gerade diese zwischenmenschlichen Dynamiken sorgen für viele intensive Momente.
Das Setting bleibt dabei atmosphärisch dicht und düster. Die Welt wirkt geheimnisvoll und teilweise auch bedrohlich, was gut zur Handlung passt. Intrigen, Geheimnisse und moralische Grauzonen ziehen sich durch die Geschichte und machen deutlich, dass hier nicht alles einfach in Gut und Böse eingeteilt werden kann.
Besonders im letzten Abschnitt überschlagen sich die Ereignisse noch einmal, wodurch die Spannung deutlich anzieht. Einige Entwicklungen und Wendungen haben mich wirklich überrascht und haben der Geschichte noch einmal zusätzlichen Schwung gegeben.
Insgesamt hat mir Chosen deutlich besser gefallen als der erste Band. Die stärkere Charakterentwicklung, die spannender werdende Handlung und die moralisch komplexen Figuren haben für mich sehr gut funktioniert. Für mich eine klare Steigerung zum Auftaktband – und ich bin gespannt, wie es weitergeht.