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Veröffentlicht am 17.11.2016

Fulminanter Abschluss

Elbenthal-Saga Die Eisige Göttin
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„Dieser hatte die Kiefer fest zusammengepresst und umklammerte die Lehnen seines Throns so hart, dass das Weiß seiner Knöchel sichtbar wurde. Sein Gesicht war dunkel angelaufen und ließ die Narbe darauf ...

„Dieser hatte die Kiefer fest zusammengepresst und umklammerte die Lehnen seines Throns so hart, dass das Weiß seiner Knöchel sichtbar wurde. Sein Gesicht war dunkel angelaufen und ließ die Narbe darauf hell hervortreten. Sein hasserfüllter Blick galt Svenya.“ (S. 245)

Laurin hat das Tor zu Alfheim aufgestoßen und sich gemeinsam mit Svenya in sein altes Zuhause gestürzt. Dort angekommen muss er allerdings schnell erkennen, dass er nicht als zurückkehrender Herrscher gefeiert wird sondern, eine überlegene Elfenrasse das Reich übernommen und alle Elfen versklavt hat.

Svenya und er entkommen beim ersten Aufeinandertreffen mit den Fyrr nur knapp dem Tod und finden sich in einer lebensfeindlichen Grube wieder, wo jeder gegen jeden um Lebensmittel, Kleidung und Schlafplatz bis zum Tode kämpft.

Es bleibt ihnen nichts anderes übrig als sich zusammen zu tun um zu überleben und zu versuchen ihre eigene und die Situation der anderen Dunkelelfen und Elfen in Alfheim zu verbessern. Doch nicht nur die überall vorherrschende Hoffnungslosigkeit in den Reihen ihrer Art erschwert ihr Vorankommen. Svenya musste das für sie Schlimmste mit ansehen und macht sich schwerste Vorwürfe. Das und das Fehlen der ihr innewohnenden Magie führen sie zunehmend in einen Zustand der Resignation.

Der dritte und finale Band der Elbenthal-Reihe knüpft nahtlos an Teil 2 an und erlöst die LeserInnen von der beinahe unerträglichen Spannung, mit der sie der Autor am Ende von „Der schwarze Prinz“ zurückgelassen hatte.

Was im zweiten Band angedeutet wurde, findet in Band 3 zu seiner endgültigen Blüte. Ivo Pala reizt die gesamte Palette der nordischen Mythologie aus und versteht es geschickt, moderne Elemente damit zu verweben, Jugendsprache mit klassischem Stil zu mischen und so sowohl altgediente Fantasyhasen aber auch junge Neugierige in den Bann zu ziehen und für das Genre zu begeistern.

Wie immer können die LeserInnen Pala’s Handschrift bereits auf den ersten Seiten erkennen und es ist eine Freude die bereits aus den ersten Büchern bekannten Charaktere wieder zu treffen und zu sehen, dass Pala ihnen festgeschriebene Eigenschaften gegeben hat, mit denen er es mühelos schafft sie voneinander abzugrenzen und ihnen dennoch Luft lässt um sie mit fortlaufender Geschichte weiter zu entwickeln.

Die Geschichte erinnert in ihrer Gesamtheit an die Sagen und Legenden, die wir als Kinder gelesen haben und die uns schaudern ließen und vor deren Tragik wir in Erfurcht erstarrten.

Was Ivo Pala noch dazugibt ist das zeitgemäße Element, schnelle Kampfszenen, detailgetreu und explizit wie in einem Hollywoodstreifen verweben sich ebenso harmonisch mit den mythologischen Sequenzen wie aktuell dem Zeitgeist entnommene Dialoge der Charaktere.

Ein stimmiges Buch, das wie seine Vorgänger ein absolutes Leseerlebnis ist.

Veröffentlicht am 17.11.2016

Träumen

Stolperherz
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Gerade, als ich mich zum Gehen wenden wollte, tippte mir jemand auf die rechte Schulter. Erschrocken drehte ich mich um. Es war Greg.
„Hey, du bist irgendwie…strange.“
„Ist das gut oder…schlecht?“
„Komisch ...

Gerade, als ich mich zum Gehen wenden wollte, tippte mir jemand auf die rechte Schulter. Erschrocken drehte ich mich um. Es war Greg.
„Hey, du bist irgendwie…strange.“
„Ist das gut oder…schlecht?“
„Komisch eben.“
„Hm“ Damit wusste ich immer noch nicht, was das zu bedeuten hatte.
„Komm doch nachher mit in den Probenraum.“

Sanny ist der Inbegriff des uncoolen Mädchens an ihrer Schule. Blass und fad gekleidet, wegen ihres Herzfehlers übervorsorglich von der Mutter betreut, bleibt ihr kaum Luft zum Atmen geschweige denn sich zu entwickeln.

An der Schule gibt es eine Clique an coolen Kids. Die Schulband Crystal. Wie viele Mädchen, so ist auch Sanny heimlich in ein Bandmitglied verliebt aber große Chancen rechnet sie sich nicht aus, schließlich ist sie die graue Maus, das Mädchen, dass beim Sport nicht mitmachen kann, das Mädchen, dass unvermittelt einfach umkippt, diejenige mit dem Stolperherz.

Sannys Schicksal berührt auf den ersten Seiten und ihr Wunsch ein normales Leben abseits von Medikamenten und Arztbesuchen zu führen, wird auch sehr schnell zum Wunsch der LeserInnen. Als sich ihr die Chance bietet mit der Band Crystal auf Tour zu gehen, ergreift sie darum rasch die Möglichkeit zur Flucht.

Britta Sabbag beschreitet mit „Stolperherz“ neue Wege. Nach zwei erfolgreichen Frauenromanen, liegt ihr erstes Jugendbuch vor.

Sie verarbeitet darin zum Teil auch Erfahrungen ihrer eigenen Jugend.

Britta geht nicht den Weg einen tiefgründigen Roman zu schreiben sondern, sie wärmt uns LeserInnen das Herz indem sie uns auf eine abenteuerliche und teilweise unglaubliche Reise mitnimmt, auf der wir nicht nur Sanny näher kennen lernen sondern uns auch wieder selbst an die sternenbeschützten Nächte erinnern, die uns zum ersten Mal abheben ließen, die uns den Zauber der Liebe zwischen zwei Menschen spüren ließen und uns zeigten, wie wunderbar es ist das Herz einem anderen Menschen zu öffnen.

Ein kurzweiliges Buch, das zum Träumen verleitet.

Veröffentlicht am 17.11.2016

Ein großes Buch

Der Distelfink
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Ein großes Leid und eines, das ich erst anfange zu verstehen: Wir können uns unser eigenes Herz nicht aussuchen, Wir können uns nicht zwingen zu wollen, was gut für uns oder gut für andere ist. Wir können ...

Ein großes Leid und eines, das ich erst anfange zu verstehen: Wir können uns unser eigenes Herz nicht aussuchen, Wir können uns nicht zwingen zu wollen, was gut für uns oder gut für andere ist. Wir können uns nicht aussuchen, wer wir sind. (S. 1.008)

Theos Tag beginnt nicht besonders, er wurde von der Schule suspendiert und soll dort mit seiner Mutter vorstellig werden. Es regnet, die beiden sind wortkarg miteinander. Theo hat ein schlechtes Gewissen und dann auch wieder nicht, ein kleiner Fehltritt und schon macht die Schule ein Drama daraus. Aber seine Mutter zu enttäuschen tut ihm weh, ihr Schweigen, straft ihn.

Bereitwillig stimmt er deswegen zu, eine aktuelle Kunstausstellung niederländischer Künstler in der 5th Avenue zu besuchen.

Nicht lange nach ihrem Aufenthalt und als die beiden eigentlich schon wieder am Gehen sind, passiert das Schreckliche. Mehrere Bomben detonieren im Gebäude und richten eine Verwüstung sondergleichen an. Theodore bleibt wie durch ein Wunder so gut wie unverletzt. Auf der Suche nach seiner Mutter begegnet er einem Sterbenden, dessen Hand er hält. Das verwirrende Gespräch, dass er mit diesem Mann führt, leitet Theo dazu an, eines der bedeutendsten Gemälde der Ausstellung zu entwenden – den Distelfink von Carel Fabritius.

Im allgemeinen Chaos entschlüpft Theodore durch einen Hinterausgang und flüchtet sich in die elterliche Wohnung. Erst als seine Mutter nicht nach Hause kommt beginnt er zu fürchten, ihr sei etwas zugestoßen. Als einige Zeit später die Fürsorge vor der Tür steht ist es gewiss – sie ist im Museum zu Tode gekommen.
Für Theo beginnt ein Leben voller Unsicherheiten und die sich zunächst langsam drehende Abwärtsspirale droht bald ihn und alle seine Hoffnungen und Träume mit in den Abgrund zu reißen.

Wir begleiten Theo durch sein bewegtes Leben, dabei hilft die verwendete Ich-Form den LeserInnen ganz schnell Teil von Theo’s Welt zu werden.

Donna Tartt schreibt leichtfüssig einen Roman der genauso Gesellschaftskritik, wie Milieustudie aber auch Krimi oder metaphysische Weltanschauung sein kann. Dabei versteigt sie sich ab und an in wortreiche, detailgetreue Wiedergaben von Situationen, was aber nur in seltenen Fällen die Toleranz der LeserInnen übersteigen mag.

Für manche vielleicht nicht einfach zu verdauen ist Tartts Hang zur Metaphysik und der allzu smoothe Ausgang der Geschichte, der sich nicht recht mit der zuvor aufgebauten Dramaturgie verbinden will.

Insgesamt aber 1022 lesenswerte Seiten, die uns erschrecken und berühren werden und uns viele Gedanken in viele unterschiedliche Richtungen denken lassen werden.

Veröffentlicht am 17.11.2016

Bezauberndes Ende

Zeitenzauber
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„Wir dürfen keine Zeit verlieren. Ihr müsst zurück, bevor es nicht mehr geht.“
„Bevor es nicht mehr geht?“, wiederholte ich erschrocken. „Wieso sollte es denn nicht mehr gehen?“ (S. 99)

Anna und Sebastiano ...

„Wir dürfen keine Zeit verlieren. Ihr müsst zurück, bevor es nicht mehr geht.“
„Bevor es nicht mehr geht?“, wiederholte ich erschrocken. „Wieso sollte es denn nicht mehr gehen?“ (S. 99)

Anna und Sebastiano sind inzwischen routinierte Zeitreisende und springen regelmäßig in die Vergangenheit um den Zeitstrom im Auftrag eines Ältesten stabil zu halten. Sie verhindern unerwünschte Ereignisse oder stoßen andere an, damit die Zukunft nach Wünschen der Ältesten stattfindet.

Dabei erfahren sie erst nach und nach, dass die Ältesten eine Art Spiel mit der Zeit spielen und ihr gegenseitiger Wettkampf führt nicht nur Anna und Sebastiano in Lebensgefahr sondern droht auch alsbald alle Zeiten und Dimension in die Entropie zu führen.

Mit „Zeitenzauber – Das verborgene Tor“ begleiten wir Anna zum dritten Mal auf ihren Zeitreisen. Sie wirkt im dritten Band deutlich gereift, die Geschichte knüpft nicht direkt an die Geschehnisse von Teil zwei an sondern zeigt Anna und Sebastiano inzwischen als junge Erwachsene, die ein Studium betreiben und die Zeitreisen als Nebenjob betreiben.

Charmant beschreibt Eva Völler das London von 1813, sodass die LeserInnen sich oft an Jane Austen erinnert fühlen. Dabei bleibt Zeitenzauber „schwebend“ und führt uns durch die Geschichte als ob wir den Samen einer Pusteblume dahintreiben.

Hier und da verliert sich die Autorin in Schwärmereien für ihre Charaktere, aber einmal in die Geschichte eingetaucht, ist man und auch frau gern bereit ihr das zu verzeihen und sich mit Anna und Sebastiano in das nächste Abenteuer zu stürzen.

A propos nächstes Abenteuer – die Reihe könnte hier durchaus ein Ende führen, aber Eva Völler lässt sich eine Hintertür offen – so dürfen eingefleischte Fans vielleicht doch auf weitere Abenteuer von Anna und Sebastiano hoffen. Eva selbst schließt diese Möglichkeit zwar nicht ganz aus – allerdings ist derzeit nichts konkretes geplant. (Lest HIER ein Interview mit Eva.)

Die wunderbaren Illustrationen stammen auch in Teil 3 von Tina Dreher


Eine sehr schöne Trilogie für junge Menschen und Erwachsene, die sich nach ein paar Stunden voll Abenteuer und Liebe gewürzt mit schönen Kostümen und dem Zauber längst vergangener Zeiten sehnen.

Veröffentlicht am 17.11.2016

Die Kraft des Verlusts

Dornenherz
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„Die richtigen Entscheidungen. Wir müssen Entscheidungen treffen. Immer wieder. Natürlich. Aber gibt es überhaupt ein Richtig oder Falsch? Oder gibt es einfach nur Konsequenzen, mit denen wir nach jeder ...

„Die richtigen Entscheidungen. Wir müssen Entscheidungen treffen. Immer wieder. Natürlich. Aber gibt es überhaupt ein Richtig oder Falsch? Oder gibt es einfach nur Konsequenzen, mit denen wir nach jeder Entscheidung leben müssen“ (S. 176)

Anna ist nicht Ruth. Aber sie versucht es verzweifelt zu sein. Seit dem tragischen Unfalltod der älteren Schwester ist in Annas‘ Leben alles verkehrt. Die einst glückliche Familie versinkt in Trauer, Schmerz und Schuldgefühlen und kann sich gegenseitig nicht mehr helfen.

Am ersten Todestag von Ruth, rebelliert Anna und weigert sich mit zum Friedhof zu fahren. Stattdessen will sie auf einen anderen weitläufigen Friedhof um vielleicht wieder zu zeichnen. Gezeichnet hat sie seit Ruths‘ Tod überhaupt nicht mehr.

Auf der Suche nach einem passenden Motiv stößt Anna auf einen verwitterten Steinengel mit einer Rose in der Hand.

Ihn als Motiv zu wählen stößt eine Kette von Veränderungen in Annas‘ Leben an und kein Stein bleibt auf dem anderen.

Mit „Dornenherz“ erzählt uns Jutta Wilke auf berührende Art und Weise wie der Tod eine Familie ins Unglück stürzt und wir begleiten die Charaktere auf ihrem schmerzhaften Weg zurück ins Leben

Die Schwester zu verlieren ist tragisch, aber jeden Tag aufzuwachen und versuchen in ihren Schuhen zu laufen ist – unmöglich. Glaubhaft erzählt die Autorin wie Anna mehr und mehr sich selbst verliert und den Kontakt zu anderen Menschen erst recht.

Besonders schön sind die vielen Rosengedichte, die Jutta Wilke zusammengetragen hat um der Geschichte die richtige Atmosphäre zu verleihen.

Ein klassisch, schönes, melancholisches Buch für alle die gerne in Romantik gewürzt mit einem Hauch Mystik eintauchen möchten. Ihr werdet es nicht bereuen.