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Veröffentlicht am 26.06.2025

Glitzerbuntes Wiesenabenteuer

Meine liebsten Vorlesegeschichten für 3, 5 und 10 Minuten - Luna Libella – Zauber auf der Feenwiese
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Zwischen Pusteblumen, Tautropfen und Feenstaub schwirrt Luna Libella durch die Seiten. Sie ist eine kleine Libellenfee mit großen Ideen und einem Händchen für magisches Durcheinander.

Zusammen mit ihren ...

Zwischen Pusteblumen, Tautropfen und Feenstaub schwirrt Luna Libella durch die Seiten. Sie ist eine kleine Libellenfee mit großen Ideen und einem Händchen für magisches Durcheinander.

Zusammen mit ihren Freunden lebt sie mitten in einer verwunschenen Wiesenwelt: in Pilzhäuschen, Seerosen oder anderen kleinen Naturverstecken. Die Feen und Wiesenwesen erleben allerlei kleine Abenteuer, die nie größer sind als nötig, aber genau die richtige Portion Zauber, Witz und Wärme mitbringen, um Herzen zu berühren.

Mal ist es ein geheimnisvoller Mondscheinabend, mal sorgt eine Glitzerwolke für Aufregung und manchmal ist es einfach nur ein besonderes Gefühl, das zwischen Freunden entsteht beim Feentanz, beim Basteln oder wenn jemand sich plötzlich ganz klein und mutlos fühlt.

Dass die Geschichten in 3, 5 oder 10 Minuten vorgelesen werden können, macht das Buch zu einem wahren Alltagsliebling. Ob für die letzte kleine Geschichte am Abend, für eine kurze Auszeit am Nachmittag oder als gemütliche Pause im turbulenten Familienleben, die Geschichten können passend zum Moment gewählt werden.

Auch optisch ist das Buch ein kleines Kunstwerk. Die stimmungsvollen und liebevoll gezeichneten Illustrationen von Winona Kieslich tragen viel dazu bei, dass Luna und ihre Welt beim Vorlesen sofort lebendig werden. Überall glitzert, flattert und wuselt es, wie ein kleines Wimmelparadies voller Details, in das man sich gerne vertieft.

Sehr gelungen ist die Figurenvielfalt. Schlecki Schneck flitzt in seinem angebrochenen Schneckenhaus mit Flügelantrieb durch die Gegend und backt die besten Kuchen, Mini Marini ist winzig, aber mutig wie ein Riese, Gigi Grasimir fürchtet sich vor fast allem und wächst oft über sich hinaus, und Holla Hummelchen braucht zwar eine große Brille auf der Nase, sieht damit aber auch ohne oft mehr als alle anderen zusammen.

Und wenn Lunas Feenstaub mal wieder verrückt spielt? Keine Sorge. Schlecki hat meistens ein Stück Torte zur Hand und irgendwer hat immer eine Idee, wie aus dem Durcheinander wieder etwas Gutes wird.

Ein wunderbares Vorlesebuch für Kinder ab 4 Jahren. Es ist liebevoll und fantasievoll. Genau richtig für alle, die sich gern verzaubern lassen mit Geschichten, die kurz genug für müde Augen und bunt genug für lebhafte Köpfe sind.

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Veröffentlicht am 17.06.2025

Bei 3 ist die 2 mit drin

Pelles Papa
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Pelle hat’s gut – zumindest am Anfang. Sein Papa ist entspannt, Pelle sowieso, und das Leben läuft in genau den richtigen, leicht chaotischen Bahnen. Doch dann beginnt Papa, sich zu verändern. Er wird ...

Pelle hat’s gut – zumindest am Anfang. Sein Papa ist entspannt, Pelle sowieso, und das Leben läuft in genau den richtigen, leicht chaotischen Bahnen. Doch dann beginnt Papa, sich zu verändern. Er wird komisch. Grinst vor sich hin. Trällert alberne Lieder. Und plötzlich steht eine Fremde vor der Tür. Ada.

Was wie eine typische Patchwork-Geschichte beginnt, nimmt in „Pelles Papa – Was guckst du?!“ eine angenehm unerwartete Wendung. Jutta Nymphius schreibt nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit einem feinen Gespür für kindliche Logik, leise Irritationen und große Missverständnisse. Denn Pelle erwartet eine böse Stiefmutter wie aus dem Märchenbuch, bekommt aber Ada, die Chemikerin, die sich mit Molekülen auskennt, Pizza bestellt und sich nicht im Geringsten daran stört, wenn das Wohnzimmer aussieht wie nach einem Wäscheorkan.

Erzählt wird das Ganze in einer abwechslungsreichen Kombination aus klassischem Erzähltext und wunderbar dynamischen Comic-Sequenzen. Volker Fredrichs Illustrationen sind kein bloßes Beiwerk, sondern treiben die Handlung weiter, liefern Zwischentöne, Blicke und kleine Pointen, die ohne Worte auskommen, aber viel sagen. Die Übergänge zwischen Text und Bild sind so gestaltet, dass man beim Umblättern immer wieder überrascht wird. Nicht selten ergeben sich gerade aus der Gegenüberstellung von Text und Bild neue Ebenen, kleine Widersprüche oder ironische Brechungen, die vor allem lesefreudige Kinder ab etwa 8 Jahren sehr ansprechen dürften.

Thematisch trifft das Buch einen Nerv. Patchwork-Familien sind längst keine Ausnahme mehr und doch fühlt sich die Perspektive hier erfrischend neu an. Pelle darf eifersüchtig, misstrauisch und unfair sein. Ohne dass ihm das moralisch angekreidet wird. Und Ada? Die ist keine Superpädagogin mit Zaubertrickkiste, sondern einfach ein Mensch mit Ecken, Interessen und trockenem Humor. Dass sich die Beziehung zwischen ihr und Pelle nicht in Zuckerwatte auflöst, sondern langsam entwickelt – mit kleinen Schritten und echtem Staunen – macht das Buch glaubwürdig und nahbar.

Kritisch ließe sich allenfalls anmerken, dass die Erwachsenen hier sehr geduldig agieren – fast schon übermenschlich gelassen. Aber vielleicht ist das gar nicht schlimm. Vielleicht braucht es genau solche Geschichten, in denen Konflikte nicht durch lautstarkes Drama gelöst werden, sondern durch das Zulassen von Chaos, Neugier und ein bisschen Pizza.

“Pelles Papa” ist keine Anleitung für das Funktionieren als Patchwork-Familie, sondern eine kluge, visuell wie inhaltlich originelle Geschichte über Erwartungen, Veränderungen und das überraschend Unkomplizierte am Zusammenleben.

Vielen lieben Dank an den Tulipan-Verlag für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar!

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Veröffentlicht am 12.06.2025

Mäusestarkes Lesenlernen

Das Muskeltiere-ABC
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Wenn vier Nagetiere durchs Alphabet marschieren, darf man sich sicher sein: Es wird nicht langweilig, es wird nicht leise und schon gar nicht gewöhnlich. Das Muskeltiere-ABC ist kein trockenes Lehrbuch ...

Wenn vier Nagetiere durchs Alphabet marschieren, darf man sich sicher sein: Es wird nicht langweilig, es wird nicht leise und schon gar nicht gewöhnlich. Das Muskeltiere-ABC ist kein trockenes Lehrbuch mit A wie Apfel und B wie Ball, sondern ein waschechtes Abenteuer mit Sprachwitz, Käsekrümeln und dem wohl lautesten Schnarcher der Kinderbuchwelt. Ein Bilderbuch, das sich anschickt, dem Alphabet Leben einzuhauchen mit ordentlich Schwung und einem charmanten Augenzwinkern.

Der Handlungsrahmen ist schnell zusammengefasst: Die Muskeltiere wollen ein Fest feiern. Wer eingeladen wird, wird natürlich in alphabetischer Reihenfolge diskutiert. Leider kommen zuerst die frechen Ratten vorbei, entdecken den gefüllten Müllsack und verputzen kurzerhand alles. Als die anderen Gäste eintreffen, ist nichts mehr übrig. Zum Glück wissen die Mäuse Rat. Schließlich tanzen alle Gäste im Mondlicht um das improvisierte Festmahl.

Besonders gelungen sind die Darstellungen der Buchstaben selbst. Ob als Parade am oberen Seitenrand oder als Teil der Illustration. Sie begegnen den Leser:innen auf mehreren Ebenen. Das erleichtert Kindern ab vier Jahren den Zugang, fördert das Wiedererkennen und macht das Ganze einfach anschaulich. Wer genau hinschaut, entdeckt auch Sonderlaute wie ‘ä’, ‘ei’ oder ‘sch’. Manchmal ziehen oder balancieren die Muskeltiere diese Buchstaben höchstpersönlich durch die Seiten. Spracherwerb mit Muskelkraft, sozusagen.

Auch grafisch überzeugt das Buch auf ganzer Linie. Ute Krauses Illustrationen sind gewohnt charmant, liebevoll verspielt und voller kleiner Details, die entdeckt werden wollen. Die Mimik der Figuren ist herrlich komisch und die Einbindung der Buchstaben in die Handlung funktioniert nicht nur pädagogisch, sondern auch ästhetisch hervorragend. Auch ohne lange Textpassagen entsteht eine vollständige Geschichte, die beim Vorlesen ebenso gut funktioniert wie beim eigenständigen Entdecken.

Hilft das Ganze nun beim Lesenlernen? Ja, und zwar auf die beste Art, nämlich mit Spaß. Das Muskeltiere-ABC ist kein klassisches Lehrbuch, sondern weckt die Freude an Sprache und Buchstaben auf kreative Weise. Es regt zum Mitsprechen, Nachdenken und Erfinden eigener Wörter an. Am Ende dürfen Kinder sogar selbst weitere Wortbeispiele sammeln.

Insgesamt ein fröhliches, kluges ABC-Buch mit warmherzigen Helden. Für alle, die Buchstaben nicht nur erkennen, sondern auch feiern wollen – am besten bei Mondschein und mit einer ordentlichen Portion Futter.

Wir bedanken uns beim Verlag für das mäusestarke Rezensionsexemplar!

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Veröffentlicht am 03.06.2025

Wie ein ganz normaler Tag mit Kindern

Känguru Knickohr – Huhu, Känguru! Was hörst denn du?
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Wer mit Kindern zusammenlebt, weiß: Gesagt ist nicht gleich gehört und verstanden schon gar nicht. Genau diesen Alltagsmomenten widmet sich „Känguru Knickohr“, ein Bilderbuch voller Reimspaß, Wortverdrehungen ...

Wer mit Kindern zusammenlebt, weiß: Gesagt ist nicht gleich gehört und verstanden schon gar nicht. Genau diesen Alltagsmomenten widmet sich „Känguru Knickohr“, ein Bilderbuch voller Reimspaß, Wortverdrehungen und herrlich kindlicher Logik.

Das kleine Känguru Knickohr ist ein Meister darin, nur das zu hören, was ihm gerade in den Tagesplan passt. Wenn Mama sagt: „Aufräumen!“, versteht Knickohr „noch mehr bauen!“ Und bei „Zähne putzen“ kommt vielleicht „Schokolade futtern“ an – zumindest fast. Die Reime, mit denen Knickohr auf elterliche Ansagen reagiert, sind verspielt, kreativ und mit viel Witz getextet. Ob man darüber lacht oder innerlich seufzt, hängt davon ab, ob man gerade liest – oder selbst versucht, ein Kind zum Anziehen zu bewegen.

Parallel zur Reimgeschichte darf eine kleine Spinne beobachtet werden, die regelmäßig fragt, was Knickohr wohl diesmal gehört hat. Ein Suchspiel für Kinder, ein wiederkehrendes Element für den Rhythmus der Geschichte – und ein charmanter Kniff, um Kinder zum Mitdenken einzuladen. Die Spinne kommentiert nicht, sie urteilt nicht – sie stellt nur Fragen. Wie ein gutes Bilderbuch eben.

Textlich spielt Britta Sabbag gekonnt mit Sprachrhythmus, Lautmalerei und Alltagsnähe. Die Reime haben Schwung und laden zum Mitsprechen ein – wobei nicht immer alles streng im Versmaß bleibt. Einige Passagen sind dialogisch erzählt, was das Ganze auflockert. Igor Langes Illustrationen tun ihr Übriges: Warm, witzig und voller kleiner Details fangen sie Knickohrs Welt liebevoll ein. Besonders schön: Die Mimik der Figuren ist ausdrucksstark, ohne überdreht zu wirken – und das Känguru bleibt trotz seiner Eigenwilligkeit durchweg sympathisch.

Und die Botschaft? Sie schwingt mit, ohne sich aufzudrängen: Kinder hören oft nicht falsch – sie hören selektiv. Was aus Erwachsenensicht nach Trotz klingt, ist manchmal einfach ein anderes Verständnis von Prioritäten (Kuscheln schlägt Aufstehen, Bauen schlägt Aufräumen). Wer hier pädagogische Tiefe sucht, findet sie – aber in lockerer Verpackung. Der erhobene Zeigefinger bleibt in der Kängurutasche.

„Känguru Knickohr“ ist ein Bilderbuch für alle, die sich in den kleinen Alltagsduellen zwischen Kind und Erwachsenem mit einem Augenzwinkern wiedererkennen. Es ist lustig, ohne albern zu sein, klug, ohne sich wichtig zu machen.

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Veröffentlicht am 27.05.2025

Täuschend echt – ein Sachbilderbuch, das Augen öffnet

Tricksen, Täuschen, Tarnen
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„Tricksen, Täuschen, Tarnen“ ist eines dieser Bücher, die man beim ersten Durchblättern eigentlich nur anschauen möchte und beim zweiten Mal merkt, wie viel Wissen darin steckt. Es geht um Mimikry und ...

„Tricksen, Täuschen, Tarnen“ ist eines dieser Bücher, die man beim ersten Durchblättern eigentlich nur anschauen möchte und beim zweiten Mal merkt, wie viel Wissen darin steckt. Es geht um Mimikry und Mimese, zwei Begriffe, die man vermutlich nicht in einem Bilderbuch für Kinder ab vier erwarten würde. Und ja, genau das ist auch ein kleiner Knackpunkt.

Aber von vorn: Das Buch zeigt Tiere, die sich tarnen oder andere Lebewesen imitieren. Alles, um zu überleben. Die Schwebfliege, die sich als Wespe ausgibt, der Fetzenfisch, der wie ein altes Blatt aussieht, oder der Polarfuchs, der mit seinem weißen Fell in der Schneelandschaft praktisch verschwindet. Solche Beispiele werden sehr bildhaft dargestellt, nicht nur durch die Texte, sondern vor allem durch die Illustrationen. Rinah Lang gelingt es, die Tiere so in ihre Umgebung einzubetten, dass man als Leser fast suchen muss, wo sie sich verstecken. Das macht Spaß, lädt zum Entdecken ein und funktioniert auch schon mit kleineren Kindern sehr gut.

Anders sieht es mit den Texten aus. Die sind durchweg gut geschrieben, informativ und nie trocken, aber für ein vierjähriges Kind sind sie allein schwer zugänglich. Die Begriffe werden erklärt, aber nicht auf eine Weise, die sich ganz selbstverständlich beim Vorlesen erschließt. Für Vorschulkinder, die sich für Tiere interessieren, ist das Buch mit etwas Unterstützung der Erwachsenen gut geeignet. Wer allerdings hofft, dass das Kind sich das Buch allein anschaut und „nebenbei“ etwas über Biologie lernt, wird vermutlich enttäuscht.

Was das Buch besonders macht, ist die Auswahl der Tiere. Es sind nicht nur die üblichen Verdächtigen wie Chamäleon oder Eule, sondern auch viele eher unbekannte Arten, die man so noch nie gesehen oder bewusst wahrgenommen hat. Gerade das macht es spannend, auch für Erwachsene. Man lernt selbst beim Vorlesen noch etwas dazu. Es ist also definitiv kein typisches Kinderbuch, das man nach dem dritten Mal auswendig kennt. Vielmehr ist es ein Titel, zu dem man immer wieder zurückkehrt, weil man neue Details entdeckt.

Insgesamt ist es kein einfaches Buch für den schnellen Vorlesemoment, sondern ein wunderbar gestaltetes Sachbilderbuch, das die faszinierenden Tricks der Natur in Szene setzt. Für Kinder mit großem Wissenshunger und für Erwachsene, die gern mitlernen. Ein bisschen anspruchsvoll, aber lohnend.

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