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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.04.2025

Zwischen Wolken, Wünschen und Wirklichkeit

Artemis – Abenteuer auf dem Meer der Wünsche
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“Artemis” ist kein typisches Kinderbuch, und das im besten Sinne. Die Geschichte entfaltet sich aus einer realistischen Ausgangssituation und wechselt dann überraschend in eine fantastische Welt über den ...

“Artemis” ist kein typisches Kinderbuch, und das im besten Sinne. Die Geschichte entfaltet sich aus einer realistischen Ausgangssituation und wechselt dann überraschend in eine fantastische Welt über den Wolken. Dort begegnet man einer Crew aus Kindern mit besonderen Fähigkeiten, einem schwebenden Schiff und einer Bedrohung, die größer ist, als es zunächst scheint.

Was das Buch auszeichnet, ist seine originelle Idee: eine Hauptfigur, deren vermeintliche Schwäche – ihre Leidenschaft fürs Zeichnen – in einer neuen Welt zur besonderen Stärke wird. Das ist nicht nur eine gelungene Wendung, sondern auch eine kluge Botschaft für junge Leser:innen, die sich mit eigenen Unsicherheiten identifizieren können.

Die fantastische Welt, in der sich Artemis plötzlich wiederfindet, ist kreativ und atmosphärisch beschrieben. Besonders das Schiff und die Idee des Meers der Wünsche wirken durchdacht, ohne mit fantastischen Elementen überfrachtet zu sein. Manche Elemente hätte man sich natürlich etwas ausführlicher gewünscht. Zum Beispiel einige Nebenfiguren und Konflikte bleiben eher angedeutet als vollständig entwickelt. Gerade an diesen Stellen merkt man, dass es sich um einen Einzelband handelt. Der Fokus liegt stark auf Artemis, wodurch ihre Entwicklung überzeugend gelingt, andere Aspekte aber etwas in den Hintergrund rücken.

Stilistisch ist das Buch gut lesbar, mit einer Sprache, die für die Zielgruppe gut geeignet ist. Einige Formulierungen wirken zwar leicht gestelzt oder ungewohnt, bremsen den Lesefluss jedoch nicht.

Positiv hervorzuheben ist auch das Ende: Es bietet einen runden Abschluss, bleibt dabei aber glaubwürdig und verzichtet auf eine zu einfache Lösung. Kleine Rückschläge und Zweifel gehören dazu – das vermittelt das Buch auf ruhige, einfühlsame Weise.

„Artemis – Abenteuer auf dem Meer der Wünsche“ bietet eine spannende Geschichte über Mut, Selbstvertrauen und die Kraft der Fantasie, ohne dabei in gängige Klischees zu verfallen. Für Kinder ab etwa zehn Jahren ist es eine schöne Möglichkeit, in eine originelle, abgeschlossene Fantasywelt einzutauchen. Ideal für alle, die keine langen Reihen lesen wollen, aber trotzdem das große Abenteuer suchen.

Vielen lieben Dank an den cbj Verlag. Es war eine wundervolle Reise über das Meer der Wünsche.

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Veröffentlicht am 14.04.2025

Wenn’s Egaal nicht mehr egal ist

Egal, sagt Aal
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Manchmal wäre es doch herrlich, sich einfach um nichts zu scheren. Aal, der unkonventionelle Held in diesem Bilderbuch lebt genau nach diesem Motto. Zumindest so lange, bis das Leben ihm eine kleine, aber ...

Manchmal wäre es doch herrlich, sich einfach um nichts zu scheren. Aal, der unkonventionelle Held in diesem Bilderbuch lebt genau nach diesem Motto. Zumindest so lange, bis das Leben ihm eine kleine, aber entscheidende Lektion erteilt.

Schon auf den ersten Seiten wird klar: Aal ist anders. Mit stoischer Gelassenheit lässt er die Sticheleien der Stichlinge an sich abprallen, begegnet Zweiflern mit Gleichgültigkeit und trotzt den Regeln der Forellen mit einem überlegenen Lächeln. Sein Selbstbewusstsein wirkt dabei erfrischend und inspirierend. Ein wunderbares Vorbild für kleine (und große) Leser:innen, die sich vielleicht allzu oft Sorgen darüber machen, was andere von ihnen halten. Doch das Buch bleibt nicht nur bei der Botschaft, dass man sich selbst treu bleiben sollte. Die Geschichte zeigt auf humorvolle Weise, dass ‘egal‘ nicht immer die beste Antwort ist, vor allem dann nicht, wenn es um die Gefühle anderer geht.

Besonders gelungen ist die Wendung, als Fred Flusskrebs auftaucht. Er ist der erste, der Aal nicht belehren oder kritisieren will. Und doch bringt er ihn ins Grübeln. Denn was, wenn es eben nicht ‘egal‘ ist, wie sich andere fühlen? Dieser Moment verleiht der Geschichte eine angenehme Tiefe, ohne belehrend zu wirken. Kinder erleben mit Aal, wie sich Selbstbestimmung und Empathie nicht gegenseitig ausschließen, sondern wunderbar ergänzen können.

Die Sprache ist lebendig und voller Witz. Kurze, prägnante Sätze machen die Geschichte leicht verständlich und dennoch pointiert. Die Dialoge sprühen vor Charme und die Tiere im Teich haben alle ihren ganz eigenen Charakter. Gerade das macht sie so einprägsam. Sie sind nicht nur Statisten, sondern kleine Persönlichkeiten, die Aal auf seiner Reise begleiten und ihn herausfordern.

Ein weiteres Highlight sind die Illustrationen. Sie fangen nicht nur die Unterwasserwelt wunderschön ein, sondern spiegeln auch perfekt Aals unbekümmertes Wesen wider. Die Farben sind kräftig, die Figuren ausdrucksstark und es gibt viele kleine Details zu entdecken, die das Vorlesen und gemeinsame Betrachten zu einem Vergnügen machen.

‘Egal, sagt Aal‘ ist ein Bilderbuch, das mehr bietet als eine einfache Botschaft. Es zeigt Kindern und Eltern, wie wichtig es ist, sich selbst zu lieben, aber auch, dass echtes Miteinander Empathie erfordert. Ein Buch, das zum Lachen, Nachdenken und immer wieder Lesen einlädt – und vielleicht sogar dazu inspiriert, das ‘Egal‘ in manchen Momenten über Bord zu werfen.

Ein von Herzen kommendes Dankeschön an CalmeMara und Vorablesen für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar!

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Veröffentlicht am 11.04.2025

Kleiner Kater ganz groß

Mut und Marmelade
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Mut ist eine seltsame Sache. Manchmal versteckt er sich genau dort, wo wir ihn am wenigsten vermuten: nämlich tief in uns selbst. Dieses Bilderbuch ab 4 Jahren erzählt von einem kleinen Hexenkater namens ...

Mut ist eine seltsame Sache. Manchmal versteckt er sich genau dort, wo wir ihn am wenigsten vermuten: nämlich tief in uns selbst. Dieses Bilderbuch ab 4 Jahren erzählt von einem kleinen Hexenkater namens Püssen, der sich fürchterlich vor der Dunkelheit fürchtet, sich vor Spinnen gruselt und dem schon beim Gedanken an große Höhen schwindelig wird. Dabei wäre er doch so gerne mutig!

Püssen ist sich sicher, dass Hexe Tilda ihm helfen kann. Die elf toten Fliegen und der Sack voll Hagebutten, die Püssen besorgen muss, sind zwar nicht unbedingt die leckersten Zutaten für seinen Zaubertrank, aber was tut man nicht alles, um endlich mutig zu werden. Als der kleine Kater im Wald vor einem riesigen Spinnennetz mit Fliegen steht und plötzlich bemerkt, wie tief die Sonne bereits am Horizont steht, wird ihm klar, dass hier genau die Dinge lauern, vor denen er sich fürchtet. Aber er will seinen Mutigtrunk um jeden Preis. Und so springt er schließlich in die Tiefe und sammelt mutig weiter Hagebutten, bis die Nacht hereinbricht. Er rennt um sein Leben, als ihn zwei leuchtende Augen verfolgen – nur um dann festzustellen, dass es zwei harmlose Glühwürmchen sind. Am Ende stellt sich heraus: Hexe Tilde brauchte die Zutaten gar nicht für Püssens Mutigtrunk. Und mittlerweile braucht auch Püssen den Mutigtrunk nicht mehr. Denn wahrer Mut zeigt sich nicht durch Zauberei, sondern in den Entscheidungen, die wir treffen, auch wenn wir Angst haben.

Was an diesem Bilderbuch besonders begeistert, ist die Art, wie es mit dem Thema Mut umgeht. Es geht nicht um Draufgängertum oder darum, Angst einfach zu überwinden. Vielmehr zeigt die Geschichte, dass Mut oft in kleinen Schritten entsteht. Dass er sich nicht laut ankündigt, sondern sich erst im Rückblick zeigt. Gerade für Kinder, die selbst manchmal vor Herausforderungen stehen, ist diese Botschaft wertvoll. Mut ist kein angeborenes Talent, sondern ein Prozess.

Die Illustrationen unterstreichen diese Geschichte auf interessante Weise. Mit einfachen geometrischen Formen und kindlichen Kritzeleien wirken sie fast so, als hätte ein Kind sie selbst gezeichnet. Die starken Kontraste zwischen warmen Gelb- und Erdtönen und tiefem Schwarz fangen die Atmosphäre des Waldes und Püssens innere Spannung wunderbar ein. Mein fünfjähriges Kind hat die Bilder mit großer Begeisterung betrachtet und immer wieder neue Details entdeckt.

Wenn überhaupt, hätte das Ende noch etwas mehr Raum bekommen können. Der Moment, in dem Püssen realisiert, dass er den Trunk gar nicht braucht, ist zwar stark, allerdings hätte ich mir gewünscht, noch etwas mehr vom mutig werdenden Hexenkater erleben zu dürfen.

Mut und Marmelade ist eine warmherzige, kluge Geschichte über Selbstvertrauen, über den Mut, der oft leise beginnt, und über die kleinen großen Abenteuer, die uns wachsen lassen. Eine klare Empfehlung für Kinder ab vier Jahren und für alle, die sich manchmal noch einen Mutigtrunk wünschen. Ein sehr gelungenes Buch.

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Veröffentlicht am 01.04.2025

Ein Bilderbuch über Leben, Abschied und das Weitergehen

Igel, Opa und ich
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Mit „Igel, Opa und ich“ erzählt Martin Klein eine einfühlsame Geschichte über die Vergänglichkeit des Lebens, über Fürsorge und den Wandel der Jahreszeiten. Das Buch begleitet einen Jungen und seinen Großvater, ...

Mit „Igel, Opa und ich“ erzählt Martin Klein eine einfühlsame Geschichte über die Vergänglichkeit des Lebens, über Fürsorge und den Wandel der Jahreszeiten. Das Buch begleitet einen Jungen und seinen Großvater, die sich um einen kleinen, geschwächten Igel kümmern. Sie bauen ihm ein Häuschen, füttern ihn und lesen ihm vor. Sie erleben einen Sommer voller gemeinsamer Momente, die in lebendigen Bildern eingefangen werden. Doch mit dem Herbst kommt auch die Veränderung: Der Igel muss sich auf den Winterschlaf vorbereiten und für die beiden Menschen beginnt ein neuer Abschnitt.

Die Geschichte wird in einer ruhigen, fast nostalgischen Erzählweise präsentiert. Besonders die Schilderung des Gartens ist gelungen. Es ist ein Ort voller Leben, Farben und Geborgenheit. Hier ist nicht nur die Natur ein wichtiger Bestandteil der Erzählung, sondern auch die Beziehung zwischen Enkel und Großvater. Die warme, vertraute Atmosphäre zieht sich durch das gesamte Buch und macht die Bindung zwischen den Figuren spürbar.

Ein zentrales Thema des Buches ist der Abschied. Während der Igel zunächst nur in den Winterschlaf geht, wird schnell klar, dass die Geschichte noch eine tiefere Ebene hat. Als der Frühling kommt, erwacht Herr Igel nicht mehr – und der Junge und sein Opa begraben ihn. Damit endet jedoch die Geschichte nicht. In den letzten Seiten zeigt sich ein erzählerischer Bruch: Der Enkel schaukelt allein und nascht heimlich Süßigkeiten im Heckenversteck. Hier bleibt die Erzählung bewusst offen. Ist der Opa noch da oder ist auch er gegangen? Das Buch gibt darauf keine klare Antwort, sondern überlässt es den Lesenden, ihre eigene Interpretation zu finden.

Die Illustrationen von Tobias Krejtschi tragen viel zur Stimmung des Buches bei. Die kräftigen Grün- und Erdtöne verleihen dem Garten eine natürliche, warme Ausstrahlung. Besonders schön ist, wie die Bilder den Lauf der Jahreszeiten widerspiegeln, vom lebendigen Sommer bis zum stillen Herbst.

„Igel, Opa und ich“ ist ein poetisches und vielschichtiges Bilderbuch, das Kinder sanft an das Thema Vergänglichkeit heranführt. Es zeigt, dass der Abschied von einem geliebten Wesen traurig sein kann, aber auch, dass das Leben weitergeht mit neuen Geschichten, neuen Erinnerungen und der Gewissheit, dass das Vergangene immer ein Teil von uns bleibt.

Vielen lieben Dank an den Tulipan Verlag für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar!

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Veröffentlicht am 24.03.2025

Ein lehrreiches Bilderbuch für kleine Entdecker

Aus klein wird groß. So wächst ein Schmetterling
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„Aus klein wird groß. So wächst ein Schmetterling“ von Sara Forster und Bianca Austria ist ein bezauberndes Sachbilderbuch für Kinder ab drei Jahren, das mit seinem einfühlsamen Ansatz die faszinierende ...

„Aus klein wird groß. So wächst ein Schmetterling“ von Sara Forster und Bianca Austria ist ein bezauberndes Sachbilderbuch für Kinder ab drei Jahren, das mit seinem einfühlsamen Ansatz die faszinierende Welt der Schmetterlinge näherbringt. Was dieses Buch besonders macht, ist die gelungene Mischung aus wissenschaftlich fundierten Informationen und liebevoll gestalteten Illustrationen, die Kinder sowohl visuell als auch inhaltlich ansprechen.

Schon der erste Blick zieht die Aufmerksamkeit durch die lebendigen und detailreichen Bilder von Bianca Austria auf sich. Schmetterlinge, Raupen und ihre Entwicklungsstadien werden in beeindruckender Detailtreue dargestellt, sodass Kinder auf jeder Seite neue Entdeckungen machen können. Besonders schön ist, dass die Tiere oft in Großaufnahme gezeigt werden. Das ermöglicht den kleinen Leser:innen, selbst kleinste Details zu entdecken, die in der Natur leicht übersehen werden könnten.

Das Buch beginnt mit einer anschaulichen Erklärung der Körperteile des Schmetterlings und geht dann auf die verschiedenen Entwicklungsphasen ein, vom Ei bis hin zum fertigen Schmetterling. Besonders spannend ist die Darstellung der Metamorphose. Es ist erstaunlich, wie aus einer winzigen Raupe ein prächtiger Schmetterling wird. Diese Entwicklung wird mit einfachen Texten beschrieben, die auch jüngeren Kindern leicht zugänglich sind.

Das Buch vermittelt dabei nicht nur grundlegendes Wissen über Schmetterlinge, sondern regt auch zur Beobachtung und Achtsamkeit gegenüber der Natur an. Kinder lernen nicht nur die Tiere kennen, sondern entwickeln auch ein Bewusstsein für die Wichtigkeit von Schmetterlingen im Ökosystem, insbesondere ihre Rolle bei der Bestäubung.

Was mir besonders gefallen hat, ist die interaktive Gestaltung des Buches. Neben den Sachtexten finden sich immer wieder kleine Impulse zum Staunen und Forschen. Das kann zum Beispiel ein Hinweis auf die Bedeutung von Farben bei Schmetterlingen oder die Frage sein, warum sich einige Schmetterlinge gerne sonnen. Diese Fragestellungen regen die Fantasie der Kinder an und laden zu eigenen Entdeckungen ein.

Insgesamt ist „Aus klein wird groß. So wächst ein Schmetterling“ ein wunderbar gelungenes Sachbuch, das auf altersgerechte und sehr anschauliche Weise Wissen vermittelt. Es ist nicht nur lehrreich, sondern auch ein optischer Genuss und fördert die Neugier und das Interesse an der Natur. Ein ideales Buch, um Kinder frühzeitig für die Wunder der Natur zu begeistern und sie spielerisch in die Welt der Wissenschaft einzuführen.

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