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Veröffentlicht am 20.09.2022

Female Empowerment

Spring Storm 1: Blühender Verrat
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Inhalt:


Mit sieben Jahren musste Cora dabei zusehen, wie ihre Eltern im Krieg der Dimensionen ums Leben kamen. Seitdem befand sich das Mädchen ständig auf der Flucht. Immer wieder ist sie Zeugin von ...

Inhalt:


Mit sieben Jahren musste Cora dabei zusehen, wie ihre Eltern im Krieg der Dimensionen ums Leben kamen. Seitdem befand sich das Mädchen ständig auf der Flucht. Immer wieder ist sie Zeugin von Angriffen geworden, immer wieder hatte sie Glück und war eine der wenigen Überlebenden.

Auf ihrer Flucht hatte Cora nie das Gefühl irgendwo dazuzugehören. Sie kämpfte sich durch das Leben, bis sie in den durch die Quellstrahlung verseuchten Wäldern endlich ein wenig zur Ruhe kommen konnte.

Doch irgendwann packt Cora erneut ihre Sachen. Sie verlässt die schützende Obhut der Wälder und geht zurück in die Stadt. Hier schließt sie sich, um für ihren Lebensunterhalt zu sorgen, einem Einsatzteam an, das sich täglich Aufgaben widmet, die der Quellstrahlungsverseuchung geschuldet sind. Diese Tätigkeit kann nicht jeder ausführen. Denn die Chance, dass ein Mensch den Kontakt mit der Strahlung überlebt, liegt lediglich bei 20 %. Diese glücklichen 20 % entwickelten eine sogenannte Cosmic Power. Cora hingegen schien eine der wenigen zu sein, die immun gegen die Strahlung ist und die zugleich auch noch dieses unglaubliche Glück hatte, bei Angriffen stets zu überleben. Der Nimbus der Unsterblichkeit umstrahlt sie.

Das machte Cora zu einem sehr wertvollen Teammitglied des Einsatzteams. Doch das schützt sie nicht vor einer Suspendierung als ein Mitglied durch Coras Verhalten verunfallt. Zwar hatte sie noch einen Zweitjob bei „Boss“, einem Gewürzhändler, doch sie benötigte die Einsätze dringend, um ihren Lebensstandard halten zu können.

Die Lösung sollte die Aufnahme in die „Academy of Cosmic Power“ sein. Mit einem bestandenen Test könnte Cora auch wieder zum Einsatzteam stoßen. Doch ihre Kommilitonen legen die Latte angesichts von deren Fähigkeiten sehr hoch. Schnell wird sich klären, ob das Glück oder ihre Fähigkeiten Cora hierher geführt hat.

Cora wird bis zum ersten Test zur Bewährung an der Akademie angenommen. Harte Arbeit und ihre Mitstudenten, die auf Konkurrenz und nicht auf Kooperation setzen, vergällen ihr den Alltag.
Und dann gibt es da noch King. Die Studentin, die Cora eigentlich als Mentorin zugewiesen wurde, die sie aus unerfindlichen Gründen aber ganz besonders zu hassen scheint.



Meinung:


Marie Graßhoff schreibt mit dem ersten Band ihrer „Spring Storm“-Reihe einen unglaublich spannenden und fesselnden Reihenauftakt. In Sachen Worldbuilding und kunstfertiger Umsetzung ihrer Ideen macht Marie Graßhoff keiner etwas vor.

Denn die Autorin liefert dem Leser nicht gleich alle Fakten auf dem Tablett, sie lässt ihn stattdessen nach und nach die Welt ihrer Geschichte erkunden. Was hat es mit dieser Quellenenergie bzw. den Fragmenten auf sich? Was geschieht in den Wäldern, in denen sich Cora so wohlfühlt? Mit geschickt eingebauten Rückblenden wird der Leser immer wieder aus der Gegenwart in die Vergangenheit geschickt. Hier erfährt er, wie Cora kriegsbedingt ihre Eltern verlassen musste. Welche einzelnen Stationen sie auf der Flucht durchlaufen ist. Nach und nach bekommt der Leser immer mehr Fakten geliefert, die dazu führen, dass man versteht, warum Cora zu dem Menschen geworden ist, der sie heute ist.

Charakterentwicklung und Handlungsführung sind äußerst gekonnt. Mit dem Besuch der Akademie findet das Mädchen innerhalb kürzester Zeit Freunde, auch, wenn das eigentlich gar nicht unbedingt ihr Plan war. Dieser Kniff der Autorin führt dazu, dass man auch als Leser eine enge Beziehung zu den Nebencharakteren aufbaut, die größtenteils mit ihren unterschiedlichen Fähigkeiten sowie Ecken und Kanten sehr interessant gestaltet sind.

Auf einem ihrer Einsätze in den Wäldern hat Cora zudem einen Gefährten gefunden. In den Wäldern ist die Quellstrahlung oft sehr hoch. Die Strahlung hat dazu geführt, dass die Pflanzen und auch einige Wesen Mutationen zeigen. So kommt es, dass Cora eine Katze bei sich aufnimmt, die die Auftraggeberin nicht zurückfordert. Anstatt Fell trägt „Bob“ am ganzen Körper wunderschöne Blüten und Blätter. Der Kater ist über das gesamte Buch hinweg stets an Coras Seite und wuchs mir als Leserin somit auch sehr ans Herz.

Die Geschichte spielt zu einem großen Teil an der „Academy of Cosmic Powers“. Hier weht ein rauer Wind. Die Studierenden besitzen, oft der Quellenergie ausgesetzt, starke Fähigkeiten. Diese variieren von Fall zu Fall. So kann ein/e Studierende/r z.B. das Gehör eines anderen Menschen beeinflussen, ein/e andere/r kann die Materie eines Gegenstandes verändern, Licht und Schatten erzeugen, Dinge innerhalb kürzester Zeit zerstören.



Fazit:


Marie Graßhoff will mit „Spring Storm – Blühender Verrat“ keine Liebesgeschichte erzählen. Ein Jugendbuch also, das zu überraschen versteht, allen voran die Protagonistin. Und fast jede dieser Überraschungen vermag zu überzeugen.

Der rote Faden, der sich durch die Storyline des Buches zieht, wird mit jeder Seite sichtbarer, weil jede Menge gekonnt zusammengeflochten wird. Das geschieht mit einer großen Prise Fantasie und einer guten Portion Female Empowerment. Fast alle Figuren zeigen dabei ein düsteres Geheimnis, das sich dem Leser sukzessive erschließt.

All dies sticht heraus und macht den Roman zu einem Lesehighlight.

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Veröffentlicht am 13.09.2022

Buchreihe für SciFi-Fans

Aurora erleuchtet
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Achtung: Diese Rezension enthält Spoiler zu den Vorbänden

Inhalt:


Scarlett, Finian und Zila sind verwirrt. Befanden sie sich eben nicht noch in einer großen Schlacht? Merkwürdig ist auch, dass die Planeten ...

Achtung: Diese Rezension enthält Spoiler zu den Vorbänden

Inhalt:


Scarlett, Finian und Zila sind verwirrt. Befanden sie sich eben nicht noch in einer großen Schlacht? Merkwürdig ist auch, dass die Planeten des Sonnensystems plötzlich verschwunden sind. Nirgendwo kann man auch nur noch einen einzigen Stern erkennen. Es herrscht vollkommene Dunkelheit.

Kaum sind sich die Freunde darüber bewusst geworden, dass sie dem Tod nochmal von der Schippe gesprungen sind, da sehen sie auch schon eine Rakete auf sich zukommen. Haben die drei überlebt, um jetzt sterben zu müssen?

Während Scarlett, Finian und Zila also dem Tod erneut ins Auge blicken müssen, befindet sich Tyler an einem ganz anderen Ort (und in einer ganz anderen Zeit). Vage erinnert sich der Anführer des Squad 312 an einen Kampf und daran, dass der „Sternentöter“ (Saediis und Kals Vater) vom Erdboden verschluckt schien und mit ihm die Waffe, die Aurora hätte helfen können, das Ra'haam zu besiegen. Nachdem Tyler wieder voll bei Sinnen ist, muss er feststellen, dass er sich auf einem fremden Schiff in der Gefangenschaft der Ungebrochenen befindet. Deren Anführerin ist keine andere andere als Saedii und die genießt es doch ein wenig zu sehr, das Kommando zu haben …

Aurora und Kal vagabundieren derweil durch Raum und Zeit. Sie müssen feststellen, dass sie irgendwie in die Zukunft gelangt sind. Hier gibt es eine ältere Version von Tyler – was erst mal stark gewöhnungsbedürftig ist - und irgendwie hat es das Ra'haam hier geschafft, die Herrschaft zu übernehmen.



Meinung:


Dieser Band, das sind die Leser von Jay Kristoff und Amie Kaufman vermutlich längst gewohnt, setzt die geheimnisvolle Geschichte um die Protagonisten nicht nur unterhaltsam und spannend fort, sondern weckt auch Interesse für die Philosophie hinter der Geschichte, ohne belehrend zu sein.

Nach der großen Schlacht am Ende des zweiten Bandes bestand nur noch wenig Hoffnung für das Squad 312. Im dritten Band müssen die Freunde feststellen, dass die hoffnungslose Situation, in der sie sich befanden, nicht besser geworden ist. Verbunden mit dem ungläubigen Staunen über das Phänomen, noch am Leben zu sein.

Denn nur einer der Gruppe ist – zumindest mit einer Version seiner selbst – in der Gegenwart verblieben. Nämlich Tyler. Er befindet sich jedoch in Gefangenschaft einer Gruppe Syldrathi, die unter der Führung der Tochter des Sternentöters, Saedii, stehen. Und die ist, das wissen Leser der Reihe, herrschsüchtig, brutal und autoritär. Ein falsches Wort, ja, eigentlich nur ein falscher Blick genügen, damit sie ihre Aggressionen auslebt.
Und wäre das nicht alles schon schwierig genug, so muss Tyler der Tatsache ins Auge blicken, dass seine geliebte Aurora Academy kurz davor ist, dem Ra'haam zum Opfer zu fallen.

Der Rest des Squads wurde in der Zeit verstreut. So befinden sich Scarlett, Finian und Zila in der Zukunft. Der verkleinerte Trupp muss schon bald feststellen, dass er mitten in einer Zeitschleife gefangen ist. Eine Zeitschleife, an deren Ende stets der Tod steht. Ihre Aufgabe besteht also zum einen darin zu überleben und gleichzeitig nicht die Wirklichkeit zu verändern, um keine neue Realität herzustellen.

Aurora und Kal haben es derweil mit einer dystopischen Zukunft zu tun. Nicht nur, dass die Waffe, die das Ra'haam hätte besiegen können, verschollen ist. Auch bekommen sie es bald schon mit dem verschollen geglaubten Despoten Caersan (dem Sternentöter) zu tun.

Der Anfang des Buches focussiert auf Zila, Scarlett und Finian. Die sich hierbei wiederholende Zeitschleife zeigt den Weg zur Meisterschaft schwarzhumoriger Erzählkunst.



Fazit:


Wer das Team des Squad 312 in den Vorbänden ins Herz geschlossen hat, weiß spannende, unterhaltsame und interessante Charaktere zu schätzen. Hinzu kommen im jüngsten Band vor allem die Schauwerte des Romans: Imposante Zerstörungsorgien, komplexe Helden und ein unüberschaubares Katastrophenszenario. Geschickt und routiniert baut das Autorenduo auch im dritten Band die Spannung auf und entwickelt mit großem Gespür für die Psychodynamik der Figuren das Tableau einer extrem komplexen Welt.

„Aurora erleuchtet“ reiht sich in den Kontext einer außergewöhnlichen Buchreihe ein, die ich jedem ans Herz legen kann.




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Veröffentlicht am 06.09.2022

Eine Marionette auf der Suche nach Freiheit

Abbys Traum
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Inhalt:

Als Marionette in der Kulisse eines Zirkus ist Abby schon viel herumgekommen. Jeder Tag beginnt in einer neuen Stadt mit fremden, lachenden Menschen. Jeder Tag endet mit dem Lob von Jack, dem ...

Inhalt:

Als Marionette in der Kulisse eines Zirkus ist Abby schon viel herumgekommen. Jeder Tag beginnt in einer neuen Stadt mit fremden, lachenden Menschen. Jeder Tag endet mit dem Lob von Jack, dem Puppenspieler. Abby ist gut, in dem, was sie tut. Sie jongliert mit seidenen Bällen und hat noch nie einen davon fallengelassen. Ihr bester Freund Urs der Bär ist stets an ihrer Seite.

Doch auch, wenn Abbys Leben unbeschwert klingt, so ist es alles andere als frei. Abby ist an ihre Fäden gebunden. Ihr Alltag, der sich in Routinen und Handlungsmaximen auflöst, endet allabendlich in einem Käfig. Sie sehnt sich nach wahrer Freiheit.

So fasst das Mädchen eines Tages einen Plan. Sie bricht aus dem Käfig aus und flüchtet. Der Rausch der Freiheit überkommt sie. Sie genießt den Sonnenschein und den endlosen Himmel, den Duft der bunten Blumen auf den endlosen Horizont.

Doch dieses Glück ist nur von kurzer Dauer. Denn vom Himmel herab ertönt der Ruf ihres Herrn, von Jack, dem Puppenspieler. Und die Häscher des Zirkusdirektors sind ihr auch schon auf den Fersen. Wird Abby die Freiheit finden, nach der sie sich Zeit ihres Lebens immer gesehnt hat?


Meinung:

Dem ein oder anderen wird das Bild auf dem Cover von „Abbys Traum“ vielleicht schon irgendwie bekannt vorgekommen sein. Kein Wunder, denn diese Geschichte basiert auf dem mehrfach ausgezeichneten Computer- und Konsolenspiel, „A Juggler's Tale“. Die Zeichnungen im Buch stammen von Kaleidoscube, einem deutschen Entwicklerstudio mit starkem Fokus auf Narration und Atmosphere, das bereits an verschiedenen Animationsfilmen und interaktiven Projekten gearbeitet hat.

Die Autorin Laurel Snyder erzählt hier die Geschichte von Abby, einer Marionette, die sich wünscht aus ihrem Alltag und ihrer Gefangenschaft im Zirkus auszubrechen. Als Abby die Flucht gelingt, bemerkt sie, dass sie jedoch längst noch nicht wirklich frei ist. Denn die Schnüre, die sie an ihren Herren, den Puppenspieler Jack, binden, bestehen fort, als sie die große weite Welt für sich erkundet.

Die Botschaft, die Laurel Snyder und das Team von Kaleidoscube hier rüberbringen wollen, ist universell und spiegelt die Erfahrungen vieler Menschen wider. Soziale Zwänge prägen den Alltag der meisten Menschen: Im Beruf heißt es Leistung zu bringen, ohne auf die eigenen Bedürfnisse Rücksicht zu nehmen. Das Privatleben ist oftmals fremdbestimmt von gesellschaftlichen Vorgaben, ein tolles Haus, ein repräsentatives Auto und weiteres vorzeigen zu können. Damit ist das Glück des Individuums nur selten verbunden.

Die Frage, die sich dem Leser hier unmissverständlich stellt, ist: Was ist Freiheit? Was bedeutet Freiheit für dich persönlich?

Besonders hervorzuheben sind die Zeichnungen im Buch, die unglaublich atmosphärisch daherkommen. Sie sind mithilfe eines Illustrators entstanden, der Screenshots aus dem Spiel, „A jugglers Tale“, in Buchillustrationen umgewandelt hat. Besonders erwähnenswert ist hier das Spiel aus Licht und Schatten, das einerseits die schönen Momente in Abbys Leben, aber zugleich auch die Düsternis hervorragend einfängt und an den Leser weitergibt.

Die Geschichte an sich wird zügig erzählt. Abby gelingt die Flucht aus dem Käfig. Ihr langjähriger Freund muss allerdings zurückbleiben. Wieso trauert Abby nicht? Auch die übrigen Figuren lassen nur leidlich Tiefe erkennen. Sie lassen sich auf wenige Charaktermerkmale festlegen und wandeln sich im Handlungsverlauf nicht. Aber: Es handelt sich um ein Kinderbuch. Daher kann man über diesen kleinen Kritikpunkt hinwegsehen.


Fazit:

„Abby Traum“ erzählt die bildgewaltige Geschichte eines Marionettenmädchens, das sich nach getaner Arbeit im Zirkus abends in einem Käfig wiederfindet. Abby sehnt sich nach Freiheit und möchte ihr Leben selbst bestimmen.

Das Buch ist für Jung und Alt geeignet und vereint eine Formel aus Abenteuer und universellen Botschaften, denen man sich nur schwer entziehen kann. Die Geschichte lässt sich unter den Schlagworten Fremdbestimmung freier Wille, Normierung und Ausbeutung subsumieren.

Die Illustrationen machen das Lese- oder Kinoerlebnis zu einer Erfahrung.

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Veröffentlicht am 30.08.2022

Home sweet home

Wieder zu Hause!
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Inhalt:

Der letzte Stein war gesetzt, die letzte Blume gepflanzt. Das Haus zitterte vor freudiger Erwartung auf den Einzug seiner Familie.

Jahre vergehen, in denen das Haus sich über die kleinen Kinderfüße ...

Inhalt:

Der letzte Stein war gesetzt, die letzte Blume gepflanzt. Das Haus zitterte vor freudiger Erwartung auf den Einzug seiner Familie.

Jahre vergehen, in denen das Haus sich über die kleinen Kinderfüße freut, die über den Boden tapsen, in denen der Duft von Frischgebackenem durch die Räume zieht, in denen Musik ertönt, Partys gefeiert und gemütlich beisammen vor dem Fernseher gesessen wird. Das Haus erlebt mit seiner Familie zauberhafte Momente, von denen es jeden einzelnen genießt.

Doch die Kinder werden älter, das Trippeln der Füße wird zum Stampfen. Die Familie wächst und es kommt der Tag, an dem plötzlich die Räume ausgekehrt werden. Es verschwinden Einrichtungsgegenstände und die Familie steht von einem Tag auf den anderen mit gepackten Kisten in der Haustür.

Das Haus ist verwirrt und irgendwann muss es feststellen, dass die Familie, die sich stets um seinen Zustand gekümmert hat, die so viel Wärme und Liebe mitbrachte, plötzlich verschwunden ist und wohl nie wiederkommen wird.

Nach und nach blättert der Putz von der Fassade ab. Die Fenster verdrecken, das Unkraut schießt aus dem Boden. Das Haus ist traurig. Es fühlt sich verlassen und einsam. Es verkommt.

Doch irgendwann stehen neue Menschen vor dem Gartenzaun, die das Haus besichtigen wollen. Das Haus jedoch weiß nicht, ob es überhaupt wieder Vertrauen aufbauen kann. Es wehrt sich mit allen Mitteln gegen die Eindringlinge. Wird es je wieder in Menschen Vertrauen fassen?


Meinung:

Ein Zuhause bietet in den meisten Fällen Sicherheit und Geborgenheit. Es ist ein Rückzugsort, wenn man sich vom wirren Alltag abgrenzen möchte. Hier sammelt man Erinnerungen, hier schreibt man seine Geschichte. Das Zuhause ist der Ort, an dem die Familie zusammenkommt. Eine Heimat, in deren Wänden man streitet, sich versöhnt, sich liebt, Geheimnisse teilt und Pläne schmiedet.

Diese Stimmung, dieses Gefühl von Geborgenheit, fängt die Autorin Colleen Rowan Kosinski in Zusammenarbeit mit Valerie Docampo, die das Buch mit detaillierten Zeichnungen und warmen Farben illustriert hat, auf jeder Seite ein.

Sie berichtet aus der Sicht des Hauses, das einerseits als stiller Beobachter die Momente sammelt, die sich in seinen Wänden abspielen. Zugleich zeigt es aber auch eine große Dankbarkeit gegenüber den Menschen, die eine symbiotischen Einheit mit ihm bilden. Die seine Wände streichen, die Fenster putzen, den Garten pflegen.

Colleen Rowan Kosinski berichtet davon, wie Rillen in den Türrahmen des Hauses geritzt werden, um die Größe der Kinder festzuhalten. Sie erzählt, wie der Duft von Frischgebackenem durch die Zimmer weht und wie jeder Tag, jeder Moment mit der Familie, das Haus mit Freude erfüllt. Es steckt eine tiefe Wärme und Herzlichkeit in dieser Geschichte, die den Leser auf jeder Seite die Liebe vermittelt, die das Haus für seine Bewohner verspürt.

Doch dann kommt der Umschwung. Die Familie verlässt das Haus. Einsamkeit wird spürbar, die Schattenseiten der Liebe, Alleinsein, Verlassenwerden.

Colleen Rowan Kosinski greift mit dem Verlauf ihrer Geschichte sehr wichtige Themen auf. Denn das Haus muss zwar eine schwere Zeit überstehen. Eine Zeit, in der es zu verkommen droht, in der es die Hoffnung verliert und in der es aufgibt. Aber dann kommen neue Menschen. Zwei Männer, die sich nicht um die knarzenden Bretter, um die tropfenden Wasserhähne und die Sprünge in den Wänden scheren. Als gleichsam traumatisierter Einzelgänger stemmt sich das Haus gegen die neuen Bewohner. Die Männer ignorieren das Zetern und Motzen des Hauses. Sie kümmern sich um das Haus. Die Übertragung ihrer Initiativkraft führt zu einer Reanimation des Hauses.

Die Geschichte, die die Autorin aus der Perspektive des Hauses erzählt, geht ans Herz. Sie ist gefüllt mit ausreichend Resilienz für alle Unbill dieser Welt. Sie wärmt und sie spendet Hoffnung. Darauf, dass selbst die schlimmsten Momente vorbeigehen.

Fazit:

Colleen Rowan Kosinski erzählt mit Unterstützung atmosphärischer Farbzeichnungen der Illustratorin Valeria Docampo eine herzerwärmende Geschichte über Behaustsein und dessen Gefährdung.

Der Subtext transportiert manch wertvolle Botschaft. Trotz aller erlittener Unbill muss das Haus seinen Frieden machen und sich an dem Schönen freuen, das es erlebt hat und noch erleben wird.

Das Ganze ist dabei herzerwärmend und berührend erzählt, so dass man eigentlich nirgendwo anders leben möchte als in diesem einen Haus.

Für mich eine absolute Leseempfehlung, die ich großen und kleinen Lesern ans Herz legen möchte.

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Veröffentlicht am 23.08.2022

Eine Geschichte über ein Tabuthema

Point of View
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Inhalt:

Als Lucas eines Morgens nach dem Aufwachen zum Handy greift und dieses nicht mehr funktioniert, gerät er in Panik. Der Laptop zeigt nur noch ein blinkendes Fragezeichen an. Beide Geräte sind, ...

Inhalt:

Als Lucas eines Morgens nach dem Aufwachen zum Handy greift und dieses nicht mehr funktioniert, gerät er in Panik. Der Laptop zeigt nur noch ein blinkendes Fragezeichen an. Beide Geräte sind, das wird Lucas schnell klar, von einem Virus befallen. Warum, das kann er sich erklären.

Als Lucas Vater von den funktionsunfähigen Geräten erfährt, lässt er nicht lange mit sich handeln. Handy und Laptop soll sich sein Kollege Jérôme anschauen. Sébastien arbeitet in einer Computerfirma, dort hat man Ahnung. Das Problem wird vermutlich schnell gelöst sein.

Durch das,was Sébastien jedoch kurze Zeit später erfährt, droht er vollends den Boden unter den Füßen zu verlieren. Jérôme zeigt ihm ein Foto seines Sohnes, das diesen vollkommen rasiert, mit Öl eingerieben abbildet. Ob Lucas Opfer eines Pädophilen geworden ist? Sébastien wird schnell von seinem Kollegen und langjährigem Freund beruhigt. Denn der zwar sorgfältig gelöschte, aber für Jérôme noch zugängliche Browserverlauf zeigt, dass Lucas alleine in einer Nacht über 140 Pornos angeschaut hat. Lucas ist pornosüchtig.

Lucas Zensuren sind unterdessen immer schlechter geworden. Die Lehrer berichten davon, dass er mitten im Unterricht einschläft. Er isst ungesund und zu viel, hat stark zugenommen und interessiert sich kaum noch für seine Körperhygiene. Er hat keine Freunde, sitzt nur noch zu Hause in seinem Zimmer und schläft zu wenig. Ist all dies seiner Pornosucht geschuldet? Sébastien scheut das Gespräch mit dem Sohn. Aber es scheint wohl unvermeidbar.



Meinung:

Patrick Bard spricht mit seinem Roman, „Point of View – Wenn du nicht wegschauen kannst“, kein leichtes Thema an, soviel steht fest. Völlig unverblümt, offen und unverstellt nähert sie sich Themen, die für die meisten mit Tabus behaftet sind. Lucas ist pornosüchtig. Mit elf Jahren hat er sich illegal Filme und Serien auf den PC geladen und ist dabei durch ein Pop-Up auf seinen ersten Pornofilm aufmerksam geworden. Vielleicht war es die Neugierde, die ihn weitergeführt hat. Mit vierzehn Jahren zeigt er bereits signifikantes Suchtverhalten.

Immer auf der Suche nach dem einen Mädchen mit dem bestimmten Merkmal, klickt er sich von einem Video zum nächsten. Er hat bereits tausende Pornos gesehen. Er kennt mittlerweile Praktiken, die er in seinem Alter nicht kennen sollte. Es gibt Filme zum Thema Cosplay, die ihn aktuell sehr beschäftigen. Da sieht man Wonder Woman, Vampire, Zombies oder Androide beim Akt. Es fallen Worte, die Lucas anfangs vielleicht noch nichts sagten. Also klickt er auf den Link.
Das zentrale eskalierende Moment in seiner Sucht. Das Buch nimmt sich das Recht, dabei auf Triggerwarnungen zu verzichten. Hier fragte ich mich, ob die Altersempfehlung, ab 14 Jahren, angemessen ist. Denn natürlich ist man auch als Leser/in neugierig. Wie schnell ist so ein Wort gegoogelt?

Jugendbücher sollen den Erfahrungshorizont der Gegenwart abbilden. Das tut Patrick Bard mit seinem Buch, das steht fest. Denn Lucas durchlebt seinen persönlichen Albtraum. Durch das Schauen von Pornofilmen findet er eine innere Sicherheit, eine Routine. Er kommt zur Ruhe. Ohne diese Filme findet er nicht mehr in den Schlaf. Ihm fehlt etwas. Er fühlt sich leer, einsam und unsicher. Der Autor stellt hier sehr gut dar, was eine Sucht bewirken kann. Daraus auszubrechen ist nicht einfach. Für Lucas ist das ein Ding der Unmöglichkeit.

Lucas benötigt die Hilfe seiner Eltern. Doch die Mutter leidet unter Depressionen und findet kaum Kraft den eigenen Alltag zu bewältigen. Der Vater ist resolut, er kämpft sich für seine Familie durch den Alltag. Das zusätzliche Problem ist eine Last für Sébastien. Ein Gespräch mit dem Sohn ist für ihn keine einfache Sache. Stellenweise greift Patrick Bard die Perspektive von Lucas Vater auf, was hilft, sich auch in dessen Perspektive zu versetzen. Sicher macht Sébastien auch Fehler, doch diese bleiben für den Leser nachvollziehbar.

Die Pornos prägen Lucas sexuelles Wissen, seine sexuelle Praxis und vor allem seine sexuelle Imagination. Sein erster Kontakt zu einem Mädchen verläuft nach dem game plan, den er durch die Videos vermittelt bekommen hat. Das mag auf den Leser schockierend und vielleicht auch kurzzeitig amüsant wirken. Lucas jedoch versteht die Welt nicht mehr. Er wird abgewiesen, ausgelacht und noch weiter ausgegrenzt. Und das ist vermutlich noch ein relativ harmloser Verlauf der Dinge, im Vergleich zu dem, was wohl passiert wäre, hätte das Mädchen, dem er ein Nacktfoto von sich schickt, dieses vielleicht noch im Internet geteilt.

Patrick Bard erzählt aber nicht nur von Lucas Sucht und den Auswirkungen dieser auf sein gesamtes Leben. Der Autor setzt zu dem Zeitpunkt an, in dem Lucas Suchtverhalten von seinen Eltern entdeckt wird. Psychologisch akkurat wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, wobei Zeitsprünge und Perspektivwechsel die Spannung erhöhen.

Gelegentlich werden kurze Blicke in die Zukunft eingeworfen. Beispielsweise wie sich Sébastien vor einem Richter wiederfindet, der ihn damit konfrontiert, dass er nicht gleich einen Therapeuten aufgesucht hat. Das macht neugierig.

Patrick Bard berichtet bis zu dem Zeitpunkt, als Lucas Sucht ein Ende findet. Und das in einem Buch, das lediglich 224 Seiten umfasst. Die Erzähl-Dynamik ist also hoch. Manchmal ging es mir persönlich aber ein wenig zu schnell.



Fazit:

Patrick Bards Romane wurden mehrfach ausgezeichnet. Bereits auf den ersten Seiten von Point of View ahnt man warum. In diesem Buch geht es um einen Jungen, der auf einen Link klickt und nach und nach in die Pornosucht abgleitet. Es erzählt von der Erotisierung einer Kindheit. Von Gewalt- und Pornographie-Darstellungen, die Ängste auslösen und mittelfristig zu Abstumpfung und Empathieverlust führen.

Dass der Leser, auch wenn es sich um einen Roman handelt, viel über extreme Pornografie lernen kann, wird schnell klar. Es ist sicherlich immer ein Balanceakt bei solchen Büchern. Eine kleine Triggerwarnung wäre aber sicherlich angezeigt gewesen.

Dennoch ist dieses Buch eine Bereicherung im Bereich Jugendbuch, zumal Pornosucht noch immer zu den absoluten Tabuthemen gehört.

Das Buch ist sicherlich ein Instrument der Reflektion und der Erkenntnis. Junge Menschen sollten dabei aber begleitet werden.

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