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Veröffentlicht am 18.08.2022

Ein Mitmachbuch, das von der ersten, bis zur letzten Seite Spaß macht

Rille: Wann ist bald?
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Inhalt:

Was ist denn das?! - Rille staunt nicht schlecht, als er beim Mangosuchen ein riesiges buntes Ei findet. Nirgendwo ist eine Ei-Mama oder ein Ei-Papa zu sehen. Kurzerhand entscheidet sich Rille ...

Inhalt:

Was ist denn das?! - Rille staunt nicht schlecht, als er beim Mangosuchen ein riesiges buntes Ei findet. Nirgendwo ist eine Ei-Mama oder ein Ei-Papa zu sehen. Kurzerhand entscheidet sich Rille eine seiner Mangos zurückzulassen und dafür das Ei mit nach Hause zu nehmen. Dort warten auch schon seine Freunde.

Pepe, der blaue Papagei, ist sofort aus dem Häuschen: Rille hat scheinbar einen neuen Fußball mitgebracht und Tante Tate wittert ein leckeres Omelett in dem Mitbringsel. Doch Rille legt sofort schützend seine Arme um das Ei. Er sucht einen schönen, warmen und weichen Platz, an dem das Ei-Baby schlüpfen kann.

„Wann kommt denn endlich jemand aus dem Ei?“, fragt Rille, der schnell die Geduld verliert, ungeduldig. Tante Tatu erwidert aus ihrer Wurzelhöhle: „Bald!“

Doch wann ist bald? In seiner Ungeduld teilt sich etwas vom Zeiterleben des Wartenden mit. Umso mehr man grübelt, umso langsamer vergeht die Zeit.

Gemeinsam erfinden die Freunde Spiele zum Zeitvertreib, sie überlegen sich, ob man vielleicht durch Schütteln und Rütteln den Bewohner des Eis hervorlocken kann.



Meinung:

„Wie lange dauert's noch? Wann sind wir da?“ Diese Frage kennen vermutlich viele Eltern nur zu gut. Die Antwort, „bald“, ist da nicht immer zufriedenstellend. Das muss auch Rille feststellen, als er mit einem Ei zu seinen Dschungelfreunden nach Hause kommt und sehnsüchtig darauf wartet, dass ein Lebewesen daraus schlüpft.

Doch gemeinsam mit den Freunden, die ihm helfen, ein schönes, weiches Bett für das Ei zu finden, die mit ihm Spiele spielen und Lieder singen, um die Wartezeit zu überbrücken, und die auch überlegen, wie man das Prozedere vielleicht beschleunigen könnte, ist das Warten auf „bald“ irgendwie gar nicht mehr so schlimm.

Fee Krämer bringt ihren jungen Lesern und Leserinnen in ihrem neuesten Rillebuch bei, dass Warten auch etwas Schönes sein kann. Wer im Moment lebt, für den ist die Vergangenheit vorbei. Für den gibt es die Zukunft noch nicht. Wer im Moment lebt, genießt die Gegenwart.

Das Besondere an, „Wann ist bald? - Rille und die Geduld“, ist aber nicht nur der Lebensnutzen des Themas und die farbigen Illustrationen von Nikolai Renger, die zum Erkunden und Entdecken der vielen kleinen Details auf den Buchseiten einladen. Denn bei diesem Buch wird der Leser durch viele kleine Mitmachprojekte auch direkt mit ins Geschehen eingebunden. So kann man auf einer Seite gemeinsam mit Rille die Mangos suchen. Das Ei muss erst mal vom Sand befreit werden. Da muss man kräftig auf die Seite pusten! Magst du vorsichtig beim Ei anklopfen? Vielleicht meldet sich ja jemand aus dem Inneren? Um die Zeit zu vertreiben, kann man auch gemeinsam ein Lied singen.

Viele kleine, schöne Aufgaben enthält dieses Buch, die Rille, seinen Freunden und der kleinen Leserschaft helfen werden, die Wartezeit zu überbrücken. Bis dahin kann man ja auch schon ein wenig rätseln, welches Tier sich wohl hinter der Schale befindet!

Und für alle, die das Buch schon durchgelesen haben und für kommende Situationen ein paar Zeitvertreiber benötigen, gibt es im Anschluss noch einen QR-Code, der zur Vorlagenseite des Verlages führt. Hier gibt es viele schöne Ausmalbilder, einen Test, „wie geduldig bist du?“, ein Rezept für einen Orangentee für (Dschungel-)Freunde, Memorykarten zum Selbstausmalen u.v.m..
Alles soll helfen, dass bald alles seine Zeit hat und die Zeit schnell vergeht.



Fazit:

Die Autorin Fee Krämer schafft in Zusammenarbeit mit dem Illustrator Nikolai Renger erneut einen ganz zauberhaften Rille-Band, in dem Leser wieder tief in den Dschungel eintauchen und die Urwaldbewohner, die süßen Wasserschweine, den frechen blauen Papagei Pepe, den Jaguar Onza, das Gürteltier Tante Tatu u.v.m. wiedertreffen können.

„Wann ist bald? - Rille und die Geduld“ ist aber kein normales Dschungelabenteuer. Bei diesem Buch handelt es sich um ein Mitmachbuch, in dem interaktiv und kontextbezogen mitgerätselt, mitgeholfen und mitgesungen wird. Zwischen Kurzweil und Unterhaltung vergeht die Zeit wie im Fluge.

Spielend leicht vermittelt die Autorin ihre Botschaft an den Leser. Der Lebensnutzen, insbesondere auch für Kinder, liegt offen zu Tage. Wer warten kann, ist bekanntlich erfolgreicher. So kann der Marshmallow-Test ja bekanntlich schulische und soziale Fähigkeiten voraussagen.

Ein zauberhaftes Buch, das ich daher von ganzem Herzen an Eltern empfehlen kann.

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Veröffentlicht am 09.08.2022

Eine berührende Geschichte

In unserem Universum sind wir unendlich
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Inhalt:


Ansels großer Traum wäre es gewesen, direkt nach dem Abitur ins Medizinstudium zu starten. Leider hatte das nicht geklappt und somit macht er das Beste aus der Situation und beginnt ein Praktikum ...

Inhalt:


Ansels großer Traum wäre es gewesen, direkt nach dem Abitur ins Medizinstudium zu starten. Leider hatte das nicht geklappt und somit macht er das Beste aus der Situation und beginnt ein Praktikum auf einer Intensivstation in einem Krankenhaus.

Als er auf Emil, einen Patienten trifft, markiert das für ihn eine persönliche Wasserscheide. Denn die beiden Jungen verstehen sich vom ersten Moment an. Emil berichtet Ansel von einem Paralleluniversum, in das man sich ganz schnell wegträumen kann. Es handle sich um einen paradiesischen Ort.

Doch bald schon muss Ansel feststellen, dass Emil nicht mehr lange zu leben hat. Die Metastasen in seinem Kopf breiten sich immer weiter aus. Eine Heilung ist nicht mehr möglich. Emil wird entlassen und für Ansel bricht eine kleine Welt zusammen.

Die beiden Jungen beschließen, sich privat weiter zu treffen. Sie kommen sich näher, und fassen an einem Nachmittag einen spontanen Entschluss. Emil wünscht sich nichts mehr, als noch einmal eine Reise zu machen. Über Paris nach Schottland. Spontan stellt Ansels Bruder den beiden seinen Van zur Verfügung. Ansel und Emil packen ihre Sachen und starten zu einer letzten gemeinsamen Reise.



Meinung:


Der Klappentext des Buches verriet bereits, dass diese Geschichte keine leichte sein würde. Emil ist an unheilbarem Hirnkrebs erkrankt. Der Roadtrip wird die letzte Reise sein, auf die er sich begeben wird. Das war mir beim Griff zum Buch bewusst. Ich erhoffte mir aber neben der Krankheitsgeschichte auch ein wenig angenehme Kurzweil einer Reise sowie einen Einblick in die Tiefen einer besonderen Freundschaft.

Leser, die mit der gleichen Erwartung an dieses Buch herangehen, muss ich vorwarnen. Dieses Buch legt seinen Fokus stark auf Emils Krankheitsverlauf. Die Autorin beschönigt nichts. Sie berichtet davon, wie Emil immer mehr abbaut, wie der Roadtrip sogar zu scheitern droht, weil der aggressive Krebs schnell voranschreitet. Nichtsdestotrotz gibt es hier aber auch positive Momente. Denn Sarah Sprinz zeigt, dass auch eine Odyssee, die von den meisten sicher nicht angetreten worden wäre, für Emil und Ansel eben doch genau das Richtige war.

Die Geschichte beginnt damit, dass sich Emil und Ansel im Krankenhaus auf der Intensivstation kennenlernen. Ansel ist jemand, der sein Handeln hinterfragt. Eigentlich eine sehr lobenswerte Eigenschaft, die jedoch auch mit Unsicherheit einhergeht. Auch ist er mit seiner derzeitigen Lebenssituation nicht unbedingt zufrieden. Er hätte gerne ein Medizinstudium absolviert, was jedoch nicht geklappt hat. Er wünscht sich mehr Nähe zu seinem Bruder, der ihm aber mit seiner freizügigen und lockeren Art viel zu fremd erscheint. Sein bester Freund steht nur in vertrauter Umgebung zu ihm. In der Öffentlichkeit schließt er sich den Lästereien über Ansel an, der angesichts seiner Homosexualität gerne zur Zielscheibe von Gleichaltrigen wird. Ansel gelingt es nicht, sein Leben in die eigene Hand zu nehmen. Das ändert sich, als er Emil kennenlernt.

Denn Emil ist so ganz anders als Ansel. Trotz seiner aktuellen Lebenssituation (oder vielleicht auch gerade deswegen) beginnt er jeden Tag mit guter Laune. Er begegnet seinen Mitmenschen mit einer unglaublichen Geduld und Freundlichkeit.

Als Emil und Ansel aufeinandertreffen, prallen zwei Welten aufeinander, die sich jedoch vom ersten Moment an perfekt verstehen. Emil gelingt es, Ansel zu erreichen. Er hilft ihm dabei, die schönen Momente des Lebens zu erkennen und aus seiner Komfortzone auszubrechen. So stiftet er ihn z.B. zu einer Nachtwanderung im Krankenhaus an. Etwas, was vielleicht nicht verboten ist, aber Emil schon einiges an Mut abverlangt. Schließlich könnten Dritte die beiden erwischen und zur Rechenschaft ziehen.

Ansel hingegen weiß genau, wie man sich einem Patienten gegenüber in Krisensituationen zu verhalten hat. Er weiß welche Handgriffe erforderlich sind, wenn Emil zu krampfen beginnt, er weiß, wie er mit seinem Gegenüber sprechen muss, um Panikattacken in den Griff zu bekommen.

Die beiden sind komplementär angelegt und ergänzen sich perfekt.

Erst ab der Mitte des Buches beginnt der Roadtrip, den der Klappentext bereits ankündigt. Die Jungs beginnen die Reise ihres Lebens, die mit einigen schönen Momenten, aber auch einem riesigen Haufen Problemen behaftet ist. Immer wieder fordert Emils Körper Ruhe ein, er wird von Zusammenbrüchen, Schmerzen und Ängsten heimgesucht. Ansel gerät hier nicht selten an seine Grenzen. Und doch machen beide Jungen immer weiter.

Über allem liegt immer dieses düstere Gefühl, dieser dunkle Schatten des wachsenden Krebsgeschwüres, worin ein Stück weit natürlich auch die Moral der Geschichte liegt. Nämlich die, dass Zeit relativ ist. Vielleicht sind es manchmal nur ein paar Minuten, ein paar Stunden oder wenige Tage, die dir mit einem wichtigen Menschen vergönnt sind oder die dir besondere Erfahrungen und wichtige Momente bringen. Diese bleiben dir allerdings für die Ewigkeit.



Fazit:


Mit „In unserem Universum sind wir unendlich“ schreibt Sarah Sprinz eine sehr intensive Geschichte über zwei Menschen, denen nur noch wenige gemeinsame Tage miteinander verbleiben. Die Geschichte ist keine Variation des Feel-Good-Spiritualismus; oft vielmehr wie ein Schlag in die emotionale Magengrube.

Auf beeindruckend unaufdringliche Weise wirbt das Buch allerdings für Achtsamkeit. Sarah Sprinz zeigt, dass sich aus unser aller Endlichkeit ableitet, dass jeder Moment des Existierens als wertvoll zu erachten ist.

Das Buch ist traurig. Die Geschichte tut stellenweise weh. Doch zugleich hilft sie auch dabei einen Weg zu finden, wie man mit Verlust umgehen kann.

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Veröffentlicht am 03.08.2022

Eine sehr bewegende Geschichte

Mein letzter Livestream – und alle schauen zu
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Inhalt:

Butter war schon immer übergewichtig. Mittlerweile wiegt er 423 Pfund. In der Schule ist sein Gewicht der sprichwörtliche rosa Elefant im Raum. Butter spürt die Blicke, wenn er einen falschen ...

Inhalt:

Butter war schon immer übergewichtig. Mittlerweile wiegt er 423 Pfund. In der Schule ist sein Gewicht der sprichwörtliche rosa Elefant im Raum. Butter spürt die Blicke, wenn er einen falschen Schritt macht, wenn er nur den Mund öffnet, um irgendwas zu sagen. Ein kleiner Fehler und er steht im Mittelpunkt. Etwas, was Butter unbedingt vermeiden möchte. In der Mensa hat er seinen eigenen Tisch und seine eigene Bank, da die übrigen Stühle sein Körpergewicht nicht tragen. Hier sitzt er alleine. Ein Behindertenparkplatz soll ihm den Weg zur Schule möglichst angenehm machen. Denn längere Strecken zu laufen, stellt eine große körperliche Herausforderung für ihn da.

Nach der Schule ist Butters Leben ebenso trostlos. Seine Mutter gibt zwar ihr Bestes, um die Situation irgendwie im Griff zu behalten. Doch viel zu oft scheint sie überfordert. Schlimmer ist Butters Vater, der seinen Sohn aufgegeben hat und ihn mit Schweigen und missbilligenden Blicken straft. Und dann gibt es noch Butters Arzt, der mit Enthusiasmus an ihn glaubt, aber nicht in der Lage ist, dem Jungen Mut zu machen, da es scheinbar keinerlei Fortschritte auf der Waage zu geben scheint.

Es gibt nur eine Person, die Butter Trost spendet. Und das ist Anna. Das Mädchen aus der Schule, mit dem er Abends gerne chattet. Doch Anna weiß nicht, wer Butter wirklich ist. Sie hofft auf ein erstes Treffen mit dem Jungen ihrer Träume. Butter hingegen tut alles, um dieses zu vermeiden. Denn er weiß, wenn Anna wüsste, wer hinter seinem Pseudonym steckt, dann würde er die einzige Person verlieren, die ihm wirklich wichtig ist.

Das Leben ist für Butter ein wahrer Hindernislauf. Sein Alltag ist deprimierend, ja demütigend.

So geschieht es an einem Abend, mitten in der Nacht, als Butter einen folgenschweren Entschluss fasst. Nicht einmal eine Viertelstunde dauert es, bis er am Computer eine Website erstellt hat. Und diese trägt den Titel „ButtersLastMeal.com“. Butters Finger huschen über die Tastatur, während er die ersten Worte tippt. Er kündigt an, dass er am 31. Dezember auf dieser Seite einen Livestream zeigen wird. Einen Livestream, in dem er sich zu Tode essen wird.

Am nächsten Morgen, als Butter erwacht, erhofft er sich eine Veränderung. Diese beginnt auch schon am Frühstückstisch. Denn seit langem hat er keinen wirklichen Hunger.

Erst in der Schule wird klar, dass die E-Mail eine Wasserscheide war. Denn plötzlich wird er von den Mitschülern angesprochen. Sie gratulieren ihm, schenken ihm ihre Aufmerksamkeit. Plötzlich stehen sie ihm scheinbar positiv gegenüber. Sogar die Freunde von Butters ärgstem Feind wollen ihn plötzlich an ihrem Tisch sitzen haben und laden ihn zu einer gemeinsamen Veranstaltung ein.

Butter stellt fest, dass er über Nacht siebenundzwanzig Kommentare auf seiner Website erhalten hat. All diese Kommentare fordern ihn auf, sein Projekt fortzusetzen.

Allmählich merkt Butter, dass es nur einen Weg für ihn gibt: Sein Projekt durchzuziehen. Bis zum point of no return möchte er die neu gewonnene Aufmerksamkeit in vollen Zügen genießen.



Meinung:

„Mein letzter Livestream und alle schauen zu“ ist die Neuauflage des Buches „Butter“, das auch verfilmt wurde. Ich habe zuvor weder das Buch gelesen, noch den Film gesehen.

„Mein letzter Livestream und alle schauen zu“ ist kein leichtes Buch, das verrät bereits der Klappentext. Die Autorin Erin Jade Lange greift hier schwere Themen wie Binge Eating, Mobbing, Suizidgedanken, Bodyshaming und Sensationsgier auf. Auch, wenn das Buch nicht mit leicht zugänglichen Typisierungen zur Identifikation auffordert, so ging mir diese Geschichte nahe. Wer in seinem Leben Bezug zu den obengenannten Themen sieht, sollte sich überlegen, ob er zu dem Buch greift.

Erin Jade Lange erzählt in ihrem Buch von einem Jungen namens Butter, der Zeit seines Lebens mit Übergewicht zu kämpfen hatte. Butter hat mittlerweile die Hoffnung aufgegeben, jemals ein „normales“ Leben führen zu können. Zwar gibt es einige Menschen, die ihm positiv zugetan sind, jedoch hilft ihm das nicht über die Einsamkeit und über den Frust hinweg, dem er tagtäglich ausgesetzt ist.

Es gibt z.B. Tucker, diesen Jungen, der ebenfalls übergewichtig war und der mittlerweile durch harte Disziplin und Besuche in einem speziellen Camp für Übergewichtige abgenommen hat. Tucker spricht Butter gut zu. Er versucht ihn zu motivieren. Doch die Ziele, die Tucker erreicht hat, liegen für Butter einfach viel zu weit weg, um sie anzusteuern. Dann gibt es den Professor an der Schule, der Butters Leidenschaft fürs Saxophonspielen unterstützen und ihn fördern möchte. Doch Butter hat einfach zu viel Angst, dass seine Leidenschaft eine Konfrontation mit Publikum nicht überstehen würde. Und es gibt Anna, das Mädchen, mit dem Butter nächtelang chattet. Doch auch diese Beziehung ist mehr als fragil. Wüsste Anna, wer er wirklich ist, dann wäre, seiner Meinung nach, Schluss. Denn in der Schule würdigt sie ihn nicht eines Blickes.

An der Schule gibt es dann noch diese Gruppe von Jungs. Einer davon ist Butters größter Widersacher. Jeremy, der ihm einst seinen Spitznamen verpasst hat. Jeder von ihnen ist stets gewillt, sich über Butter lustig zu machen. Jeder von ihnen hofft darauf, dass etwas passiert, was ihr Leben aufregender machen würde. Kein Wunder, dass Butter ab dem Zeitpunkt, an dem er seine Website erstellt, ihre volle Aufmerksamkeit erhält.

Es ist schockierend zu beobachten, wie fragil Butters Leben doch ist. Der Junge, der eigentlich von seiner Statur her furchteinflößend wirken könnte, trägt ein sehr weiches und gutes Herz in der Brust. Butter weiß, dass zu hohes Gewicht nicht nur optische, sondern auch gesundheitliche Probleme mit sich bringt. So leidet er z.B. unter Diabetes. Das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, ist sehr hoch. Hinzu kommt, dass seine Bewegungsfähigkeit stark eingeschränkt ist. Eine kleine Drehung, eine längere Wegstrecke zurücklegen - all das ist für Butter ein großes Problem. Und als wäre das nicht alles schon schlimm genug, ist er fest davon überzeugt, den Status als Paria der Schule übergewichtig nicht verlassen zu können.

Erin Jade Lange realistisches Werk offenbart das manchmal misanthropische Wesen junger Menschen. Denn ab dem Moment, in dem Butter einen folgenschweren Entschluss fasst, nämlich sein Leben zu beenden, erhält er endlich Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeit, nach der er sich lange gesehnt hat. Seine Mitschüler sehen ihn. Sie sind „nett“ zu ihm. Doch sie zeigen ihm auch bald, dass diese Nettigkeit eben auch ein Preisschild trägt. Denn Butter soll ihr Leben interessanter machen. Er soll ihnen die Langeweile nehmen, die sie im Leben empfinden und ihre Sensationsgier befriedigen.



Fazit:

„Mein letzter Livestream und alle schauen zu“ eröffnet einen freien Blick auf die düstere Seele von manch jungem Menschen. Es ist die unglaublich bewegende Geschichte eines übergewichtigen Jungen, der, anstatt diesem Leben zu entkommen, eigentlich nur dazugehören will.

Erin Jade Lange bringt anrührend und unglaublich eindringlich menschliche Abgründe zum Ausdruck. Mobbing beginnt hier bereits im Elternhaus und geht in der Schule weiter. Wie ein Mensch einen sozialen Stempel verpasst bekommt, In-Group-Out-Group-Verhalten, psychische Gewalt und krankhafte Persönlichkeiten werden schonungslos analysiert.

„Mein letzter Livestream und alle schauen zu“ ist als Schullektüre zu empfehlen.

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Veröffentlicht am 26.07.2022

Eine außergewöhnliche Geschichte

Nothing Left for Us (deutsche Ausgabe von Radio Silence)
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Inhalt:


Als Jahrgangsbeste ist es für Frances wichtig, jeden Tag für die Schule zu lernen, um nicht zurückzufallen. Es zieht sie an die Eliteuniversität Cambridge. Dieses Vorhaben hat für sie die höchste ...

Inhalt:


Als Jahrgangsbeste ist es für Frances wichtig, jeden Tag für die Schule zu lernen, um nicht zurückzufallen. Es zieht sie an die Eliteuniversität Cambridge. Dieses Vorhaben hat für sie die höchste Priorität. Ausgleich zum Stress findet sie in ihrer Leidenschaft, dem Zeichnen von Fanarts zu ihrem Lieblingspodcasts „Universe City“.

Eines Tages passiert etwas Unglaubliches. Frances mag ihren Augen kaum trauen, als sie plötzlich eine Nachricht von „Universe City“ auf Twitter empfängt, in der sie gefragt wird, ob sie vielleicht Visuals für eine neue Folge des Podcast erstellen möchte. Frances hat zwar aufgrund ihrer Ambitionen keinerlei Zeit für Hobbys, doch diese Chance kann sie sich einfach nicht entgehen lassen. Sie sagt zu.

Bislang kannte noch keiner den Podcaster, der hinter „Universe City“ steckt. Dieses Geheimnis soll auch den Reiz der Show ausmachen. Doch durch einen Zufall kommt Frances ihrem Idol näher. Bei diesem handelt es sich um Aled. Aled, der beste Freund von Daniel. Frances hat sich schon immer gefragt, was diese beiden charakterlich so unterschiedlichen Menschen zusammengeführt hat. Denn Daniel ist das genaue Gegenteil von Aled. Er teilt sich mit Frances den Posten des Schülersprechers und denkt nicht lange über das nach, was er sagt. Er ist überhaupt nicht feinfühlig bei seiner Wortwahl.

Aled hingegen ist still und unscheinbar. Als Frances ihn von einer Party nach Hause bringt, kommen sich beide näher. Beide merken, dass der jeweils andere ein paar schräge Vorlieben und Hobbys hat. Frances merkt bald, dass sie sich in Aleds Gegenwart frei, unbeschwert und verstanden fühlt. Es entsteht eine Freundschaft in einer Intensität, wie sie weder Aled noch Frances zuvor gekannt haben.

Als dann aber von einem Tag auf den anderen Aleds Podcast viral geht und sein größtes Geheimnis, nämlich das, wer hinter „Universe City“ steckt, auffliegt, droht sowohl für Aled, aber auch bald für Frances eine Welt zusammenzubrechen.



Meinung:


Alice Oseman erzählt in ihrem neuesten Roman „Nothing Left for us“ eine Geschichte über zwei Außenseiter, die sich über ihre gemeinsame Liebe zu einem Podcast kennenlernen.

Beeindruckend ist vor allem die Charakterzeichnung der Figuren. Hier gibt es zum einen die Protagonistin Frances, die alles dafür tut, um in der Schule die Klassenbeste zu bleiben. Dieses Ziel hat für sie höchste Priorität, führt aber zu einem von wachsendem Leistungsdruck beherrschten Alltag.

Diesen gleicht Frances mit dem Hören ihres Lieblingspodcastes „Universe City“ aus. Ganz nebenbei zeichnet sie hierzu Skizzen und veröffentlicht sie auf Tumblr. Als plötzlich kein geringerer als der Podcaster von „Universe City“ auf Frances aufmerksam wird, verändert sich für diese plötzlich ihr ganzes Leben.

Aled hat einige Geheimnisse. So möchte er Frances zum Beispiel auf keinen Fall in die Nähe seiner Mutter lassen. In seinem Kleiderschrank hat er eine Menge Nerdklamotten, die er aber nie trägt. Und dann gibt es noch Aleds besten Freund Daniel. Die Gegensätze zwischen den beiden Freunden könnten größer nicht sein. Zudem hat Aled auch noch eine Zwillingsschwester. Das Mädchen, in das Frances einst verliebt war und das von einem Tag auf den anderen von Zuhause weglief. Niemand wusste warum.

Aber auch die Randfiguren sind mit viel Liebe zum Detail gezeichnet und machen neugierig. Besonders gefallen hat mir z.B. die Mutter von Frances, die mit ihrem Einhornhausanzug am Abend vor dem Fernseher Games of Throne schaut und immer für ihre Tochter da ist, um sie in ihren Vorhaben zu unterstützen.
Oder auch die merkwürdige Klassenkameradin von Frances. Raine, die Frances ohne Grund und ohne die Situation zu hinterfragen vor den anderen in Schutz nimmt, wenn diese merkwürdige Fragen stellen oder Frances emotional in die Ecke treiben.

Im Fokus des Romans steht der Podcast „Universe City“, den Aled im Geheimen betreibt und dessen Folgen Frances mit ihren Zeichnungen schmücken darf.
Die Geschichte von „Universe City“ ist eine futuristischen Phantasie. Hier geht es um einen androgynen Studierenden, der einen Anzug trägt und als Detektiv einen Ausweg aus der monsterverseuchten Sci-Fi-Universität sucht. Immer wieder werden auch in den Roman kurze Stellen von „Universe City“ eingebaut, die der Leser mitverfolgen kann und ihn in das Podcastgeschehen mitnehmen.

Auch in ihrem neuen Roman geht es Alice Oseman um Perspektiven auf Diversität und Heterogenität. Denn wie bereits Heartstopper und Loveless ist auch Nothing Left for Us wieder eine selbstbewussten Erwiderung auf heteronormative Strukturen.

Wichtig ist Osemann auch stets der Wert der Freunde; schlechte und gute Freunde, die Freundschaft zwischen Mann und Frau und die oft wechselvolle Biografie von Freundschaften.

„Hör auf deine eigene Stimme“, lässt Alice Oseman auf das Cover schreiben. Mit der Selbstbestimmtheit ihrer Protagonisten schafft sie es zu formulieren, wie sie sich das Leben vorstellt. Manchmal benötigt es allerdings Fingerspitzengefühl und Mut, die innere Stimme zu finden und ihr zu vertrauen. Und nicht immer ist es einfach einen neuen Weg zu gehen.

Alice Oseman schreibt intensiv, sie schreibt berührend.



Fazit:


Alice Oseman liefert mit „Nothing Left for Us“ einen herrlich nerdigen und unglaublich unterhaltsamen Blick auf das Leben. Getragen wird der Roman von zwei Jugendliche, deren Ansichten und geheime Leidenschaften äußerst unkonventionell sind.

Die Autorin erzählt von der Verwirklichung und Verteidigung von Jugend- und Lebensträumen, oft gegen die schmerzhafte, banale Realität, in der sich ihre Protagonistinnen wiederfinden.

Die Darstellung von Diversität in jeglicher nur erdenklicher Form ist ein Anliegen, das die Autorin bereits in der Vergangenheit verfolgte. Diese bezaubernde Diversität, die uns unsere Welt zu bieten hat, trägt auch diesen Roman.

Ich empfehle dieses Buch daher Lesern, die auf der Suche nach einer wirklich außergewöhnlichen Geschichte sind.

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Veröffentlicht am 20.07.2022

Ein rasantes Abenteuer in einem Themenpark der besonderen Art

StoryWorld (Band 1) - Amulett der Tausend Wasser
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Inhalt:

Da geschah es. In dem Moment, als Frodo, der Wellensittich, plötzlich anfing zu sprechen, erlebte Sascha eine Art Erweckungserlebnis.

„Hilfe! Er kommt!“, das waren Frodos erste Worte, die er ...

Inhalt:

Da geschah es. In dem Moment, als Frodo, der Wellensittich, plötzlich anfing zu sprechen, erlebte Sascha eine Art Erweckungserlebnis.

„Hilfe! Er kommt!“, das waren Frodos erste Worte, die er aus dem wilden Lockenkopf seiner Besitzerin kreischte. Kurz darauf öffneten sich auch schon die Flügeltüren zum Speisesaal der Privatschule „St. Anna“ und gaben den Blick auf einen Jungen mit einem großen Falken an seiner Seite frei.

Die Schülerinnen waren in völliger Aufruhr, als sie erfuhren, dass der Neuankömmling für den Gewinner des diesjährigen Lesewettbewerbs einen ganz besonderen Preis ausgelobt hatte. Ein Wochenende in StoryWorld, einem Themenpark der ganz besonderen Art. Die Gewinnerin durfte sich eine Begleiterin aussuchen. Diese beiden Mädchen mussten sofort abreisen und sollten den Park noch vor der offiziellen Eröffnung kennenlernen.

Sascha machte sich Hoffnungen, denn in diesem Jahr hatte sie sich ganz besonders ins Zeug gelegt. Sie hatte schon im Vorfeld erfahren, dass die Seriensiegerin des Wettbewerbs, ihre Erzfeindin Chloe, ein Buch weniger auf ihrem Lesestapel liegen hatte. Als dann wirklich ihr Name verkündet wurde, konnte Sascha es dennoch kaum fassen.

Sascha wird aber nicht nur vom Leben, sondern auch von sich selbst überrascht. Als Reisebegleitung wählt sie sich spontan ausgerechnet ein hochnäsiges Mädchen, das sie eigentlich gar nicht leiden kann.

Kurz darauf befinden sich die beiden verfeindeten Mädchen auf dem Weg in Richtung Neblund, einer Insel mitten im Meer, wo StoryWorld verortet ist. Bald schon müssen die beiden zusammenarbeiten, um sich gegenseitig zu retten.



Meinung:

Von Beginn an war ich dem Buch zugeneigt, der Klappentext klang unglaublich vielversprechend: Ein Abenteuer mitten auf einer geheimnisvollen Insel im Meer? Ein Freizeitpark, der seine Besucher erst in eine riesige Bibliothek führt, in der sich diese eines der blütenweißen Bücher aus dem Regal wählen und ihre eigene Geschichte im Park selber schreiben sollen. Das klang unglaublich spannend.

Als Sascha und Chloe im Park ankommen, ist ihnen sofort unwohl. Chloe fürchtet sich vor Monstern, die gerüchteweise hier auf sie warten. Frodo, Saschas Wellensittich, der sich stets in den wilden Locken seiner Besitzerin versteckt, macht es mit seinen Kassandrarufen nicht besser. Er verkündet fortlaufend Unheil. Zudem muss sich Sascha ständig fragen, was sie sich dabei gedacht hat, Chloe als Reisebegleitung auszuwählen. Das Mädchen geht ihr auf die Nerven und es kommt immer wieder zu kleinen Auseinandersetzungen.

Die beiden Protagonistinnen sind sehr verschieden und müssen lernen, zusammenzuarbeiten, um gemeinsam zu überleben. Es beginnt schon damit, dass nach der Wahl des Buches und mit Eintritt in den Park ein Raum aufzusuchen ist, in dem alles, was die Mädchen am Körper tragen, zurückzubleiben hat und eine Abenteuerausrüstung ausgewählt werden muss. Sowohl Sascha als auch Chloe wollen sich aber von ihren liebgewonnen Haustieren auf keinen Fall trennen. Hier heißt es gemeinsam einen Plan schmieden.

Sascha und Chloe haben sich für ein Buch entschieden, das in einer Wasserwelt spielt. Der Buchtitel lautet: Das Reich der tausend Wasser. Sie landen also mitten am Meer. Die Reise führt die Mädchen auf Schiffwracks und an Wasserfälle. Sie bestreiten eine rasante Bootsfahrt und treffen auf magische Meerwesen. Durch dieses Abenteuer sollte die beiden Parkbesucherinnen eigentlich Henry begleiten. Doch dieser ist eher Last als Hilfe. Bald schon muss die ungleiche Gruppe ums Überleben kämpfen. Hinter der schönen Fassade, das müssen die Mädchen sehr schnell feststellen, lauert das Abgründige.

Unterstützt wird dieses spannende und rasante Abenteuer durch Illustrationen von Melanie Korte, die nach ihrer Arbeit als Werbeillustratorin als Charakter- und Hintergrunddesignerin in der Spieleindustrie arbeitete. Diese Vita spiegelt sich in den detailreichen Schwarz-Weiß-Zeichnungen des Buches wieder, die ikonischen Disney-Motiven in nichts nachstehen.



Fazit:

„StoryWorld – Amulett der tausend Wasser“ ist ein rasantes Abenteuer, das hält, was der Klappentext verspricht. Ein Themenpark, fernab von jeglicher Zivilisation auf einer Insel mitten im Meer, die von einem geheimnisvollen Nebel umgeben ist. Eine Bibliothek, die von einem riesigen weißen Regal mit sieben Fächern und unzähligen blütenweißen Büchern mit leeren Seiten dominiert wird, führt die Besucher/innen mitten hinein in ein Abenteuer der besonderen Art. Denn die Geschichten, die hier entstehen, müssen erst noch geschrieben werden.

Wer eine Lustreise in einen Freizeitpark erwartet, wird enttäuscht werden. Denn in StoryWorld gibt es keine Karussells. Es gibt gefährliche, fantastische Wesen. Es gibt Schiffswracks, die erkundet werden wollen. Zauberhafte Wasserfälle inmitten in einer grünen Pflanzenwelt. Grotten, in denen Ungeheuer leben, und mittendrin zwei zunächst verfeindete Mädchen und ihre frechen bzw. niedlichen tierischen Begleiter, die von einem Tag auf den anderen zusammenarbeiten müssen, um das größte und wohl gefährlichste Abenteuer ihres Lebens zu überstehen.

Für junge Leser und Leserinnen ist das Buch ein Stück gelungener Eskapismus, der perfekte Unterhaltung liefert. Zu hoffen bleibt, dass der Freizeitpark bald wieder für seine Leser/innen die Pforten öffnen wird.



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