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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.08.2023

Inselbeobachtungen

Bin das noch ich
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Ein Mann begibt sich auf eine einsame Insel. Er muss den Verlust seiner Fähigkeiten verarbeiten. Er ist Geiger von Beruf. “Er ist nah daran, Mais These zu übernehmen, eine Insel könne einem helfen, wieder ...

Ein Mann begibt sich auf eine einsame Insel. Er muss den Verlust seiner Fähigkeiten verarbeiten. Er ist Geiger von Beruf. “Er ist nah daran, Mais These zu übernehmen, eine Insel könne einem helfen, wieder Herr über sein Leben zu werden, weil sie klar umgrenzt sei und man sich deshalb nicht so winzig vorkomme, trotz des großen Meeres ringsherum.”
So einfach wie die Hütte ist auch der Alltag auf der Insel: Simon beobachtet Seevögel, schreibt seine Gedanken auf, denkt nach. Man merkt, dass er durch und durch Musiker ist, hört er doch überall Tonfolgen, Klänge, die er mit seiner Leidenschaft verbindet. Zum Vogelbeobachter wird er erst dort beim Anblick brütender Möwen.
“Bin das noch ich” ist die Frage, die es zu beantworten gilt. Was bleibt, wenn die Musik geht? Stefan Moster behandelt dieses Thema auf eine feinfühlige Art, die bei seinen Lesern Saiten zum Klingen bringt. Darüber hinaus hätte ich mir gewünscht zu erfahren, wie der Protagonist neben seiner Kontemplation die Umgebung erlebt, dass er auch mal Hunger bekommt oder die Wand anschreit. Der Roman schafft ansonsten eine gelungene Atmosphäre für die Auseinandersetzung mit Musik und Ornithologie.

Veröffentlicht am 25.08.2023

Unkonventioneller Gartenratgeber

Werden Tomaten süßer, wenn ich sie mit Zuckerwasser gieße und kann ich mein Unkraut einfach aufessen?
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“Werden Tomaten süßer, wenn ich sie mit Zuckerwasser gieße und kann ich mein Unkraut einfach aufessen?” - Hinter dem nach einem Scherz anmutenden Titel verbirgt sich ein ernst gemeinter Ratgeber zum Thema ...

“Werden Tomaten süßer, wenn ich sie mit Zuckerwasser gieße und kann ich mein Unkraut einfach aufessen?” - Hinter dem nach einem Scherz anmutenden Titel verbirgt sich ein ernst gemeinter Ratgeber zum Thema Eigenanbau. Ungewöhnlich ist das Buch dadurch, dass jeweils einzelne Fragen auf ein bis zwei Seiten beantwortet werden. Diese sind in fünf Kategorien unterteilt (Was baue ich an?, Wo baue ich an?, Erlebnis Eigenanbau, Wer knabbert an meinen Pflanzen?, Ernten und Verarbeiten) und können durchaus ausgefallen sein. Neben dem Anbauplan für das Weihnachtsessen gibt es Rezepte oder Bauanleitungen.
An einigen Stellen bleibt das aber doch etwas oberflächlich. Wenn ich Topfnachbarschaften plane, würde ich mich beispielsweise damit beschäftigen, welche Pflanzen gut miteinander auskommen. “Es gibt immer mehr Beweise dafür, dass Pflanzen Partnerschaften eingehen, um sich gegenseitig zu unterstützen.” Für die konkreten Details muss ich zusätzliche Quellen heranziehen.
Die “außergewöhnlichen Gartenfragen” sind jedoch der Clou. Mir gefallen das originelle Konzept, die Vielseitigkeit der Themen und die hochwertige Verarbeitung des Buchs. Ich empfinde es als gelungene Ergänzung zu konventionellen Gartenratgebern.

Veröffentlicht am 06.08.2023

Freibad-Verführung

Seemann vom Siebener
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Es ist Sommer, das Freibad hat geöffnet. Wir befinden uns in einem kleinen Ort in Schwaben. Man kennt sich und die Geschichten von früher, auch jene von einem Unfall, der an diesem Ort passiert ist.
Die ...

Es ist Sommer, das Freibad hat geöffnet. Wir befinden uns in einem kleinen Ort in Schwaben. Man kennt sich und die Geschichten von früher, auch jene von einem Unfall, der an diesem Ort passiert ist.
Die Perspektive wechselt zwischen verschiedenen Figuren, Badangestellten und Badegästen. Allen voran sei Kiontke zu erwähnen, der Bademeister, der seine Gerätschaften als „Rüsselding“ bezeichnet oder beim Notieren der Wassertemperatur, in Erwartung eines sonnigen Tages, schon mal aufrundet. Auch lassen Formulierungen, wie „Er vertritt die vor Renate sorgsam gehütete Privatmeinung“, durchblicken, wie der Chef der Badeanstalt drauf ist.
Es reihen sich im Laufe des Buchs kleine Episoden aneinander, die erlauben, die unterschiedlichen Charaktere kennenzulernen. Da ploppen nach einem Tagtraum die Bestandteile der Umgebung wieder auf, da werden Spannerlöcher in den Umkleiden entdeckt, da erzählt der Budeninhaber Witze, da bereitet sich eine Kindergruppe aufs „Seepferdle“ vor, und eine Person übt den Seemann, einen Kopfsprung mit den Armen hinter dem Rücken.
Ich habe das Hörbuch als eine gelungene Mischung aus Feinfühligkeit und Humor empfunden. Der Sprecher tat sein Übriges, um die Figuren authentisch darzustellen, beispielsweise indem er, dem Wesen einer Figur entsprechend, Worte fremdsprachigen Ursprungs deutsch aussprach oder gar schwäbelte. Das Ende offenbart einen tieferen Sinn, und schon der Weg dorthin war ein Genuss.

Veröffentlicht am 04.08.2023

Umzugspläne

Eine vollständige Liste aller Dinge, die ich vergessen habe
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Die Kinder ziehen aus, und die Ich-Erzählerin muss sich auf ein Leben allein einstellen. Wer passt auf den Hund auf? Wann wird sie ihre Sprösslinge wiedersehen? Wo soll sie wohnen?
Das Buch beginnt humorvoll, ...

Die Kinder ziehen aus, und die Ich-Erzählerin muss sich auf ein Leben allein einstellen. Wer passt auf den Hund auf? Wann wird sie ihre Sprösslinge wiedersehen? Wo soll sie wohnen?
Das Buch beginnt humorvoll, ohne dabei vulgär zu wirken, mit einem kotzenden Hund. Nach dieser Episode und der Schilderung ihrer Lebensumstände, früher und heute, erstellt die Protagonistin tatsächlich die besagte titelgebende „Liste von Dingen, die ich verloren habe“. Ich klebe fleißig Zettelchen ins Buch und erfreue mich der Eloquenz und des Einfallsreichtums der Autorin.
Wir lernen die Kinder kennen, erwachsen und noch in einer Wohnung mit ihrer Mutter lebend. Und dann geht es los mit Beschreibungen von Wohnungen, dem Abwägen von Vor- und Nachteilen, der Einordnung von Preis und Lage. „Wohnungen, Häuser, Arbeitsplätze, Städte, Männer, es ist überall dasselbe. Man könnte sich zu früh und falsch entschieden haben und damit das Bessere, das Passendere, das echte Glück verpasst haben.“ Die Zettelchen werden weniger; ich muss mich aufraffen, überhaupt zum Buch zu greifen.
Es war mein erstes Buch von Doris Knecht, und es bekam schon meine Vorschusslorbeeren überreicht, so überzeugt war ich, dies sei der passende Roman für mich. Der Schreibstil, flüssig und angenehm zu lesen, gefiel mir gut. Was mir fehlte, war eine Entwicklung der Handlung, die immer wieder um das Thema Wohnung kreist. Insofern wurden meine hohen Erwartungen enttäuscht, nicht aber mein Vertrauen, dass es zwischen einem anderen Buch der Autorin und mir doch noch funken könnte.

Veröffentlicht am 30.07.2023

Persönliche Ratschläge

70 Aha-Momente zum Glücklichsein
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Anlässlich ihres 70. Geburtstags teilt Journalistin und Coach Sabine Asgodom eine Weisheit pro Lebensjahr mit uns. Basierend auf ihren eigenen Erlebnissen gibt sie uns Ratschläge, wie wir selbst ähnliche ...

Anlässlich ihres 70. Geburtstags teilt Journalistin und Coach Sabine Asgodom eine Weisheit pro Lebensjahr mit uns. Basierend auf ihren eigenen Erlebnissen gibt sie uns Ratschläge, wie wir selbst ähnliche Situationen reflektieren und verarbeiten können.
Die drei bis fünf Seiten langen Kapitel werden in sieben Kategorien eingeteilt (Vertrauen & Selbstbestimmung, Fehler & Fettnäpfchen, Wertschätzung & Lebensfreude, Glück & Unglück, Wandel & Veränderung, Ballast & Überfluss sowie Pläne, Wunder & Zufälle) und sind unterhaltsame Gedankenanstöße für zwischendurch.
Ich empfinde großen Respekt für die Autorin, die ihre unangenehmen Momente ganz offen und selbstkritisch mit ihrem Publikum teilt. „Wie du schon weißt - ich bin vom Sternzeichen her Klugscheißer, Aszendent Besserwisser. Ich habe aber meine Lektion gelernt: Erst mal Klappe halten. Dann nachfragen, verstehen wollen, abwägen.“
Der Schreibstil ist nicht etwa belehrend, sondern locker und humorvoll. Das Buch ist eine Einladung, von den Erfahrungen einer erfolgreichen Frau zu lernen, auf die ich mich mit Freude eingelassen habe.