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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.08.2026

Eine Reise durch die Wechseljahre

Freie Tage
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„Mit der Social-Media-Kampagne #wirsindneunmillionen - die Zahl verweist auf die Anzahl von Frauen in Deutschland, die potenziell in ihren Wechseljahren sind - forderten Menopause-Aktivistinnen, die Wechseljahre ...

„Mit der Social-Media-Kampagne #wirsindneunmillionen - die Zahl verweist auf die Anzahl von Frauen in Deutschland, die potenziell in ihren Wechseljahren sind - forderten Menopause-Aktivistinnen, die Wechseljahre zu enttabuisieren und ihnen auch in der gynäkologischen Praxis, im medizinischen Grundstudium sowie in der Fachärzteausbildung mehr Aufmerksamkeit zu schenken.“
Doch der Weg dahin war lang: von der Hexenverfolgung über die Entdeckung der Menopause bis zu ihrer Vermarktung. „Freie Tage“ reiht sich nicht in die Ratgeber für betroffene Frauen ein, sondern beleuchtet geschichtliche, gesellschaftliche und kulturelle Aspekte.
So lese ich hier zum ersten Mal, wie der Begriff im 19. Jahrhundert geprägt wurde oder dass die Symptome, abhängig von Herkunft und Wohnort, unterschiedlich empfunden werden können. Auch wenn die Belege in einer umfangreichen Quellensammlung angegeben werden, kann ich einige Dinge kaum glauben, zumal diese an anderen Stellen im Buch konträr dargestellt werden, ohne dass eine wissenschaftliche Einordnung erfolgt.
In meinen Augen kam die Autorin damit nicht auf den Punkt. Es wirkte wie eine lange Aneinanderreihung von Fakten, die mit persönlichen Episoden gespickt wurden. In teilweise recht langen Kapiteln ging mir mitunter der Kontext des Kapitels verloren beziehungsweise fehlte die Quintessenz. Das ist schade, denn thematisch fand ich die Auseinandersetzung durchaus interessant.

Veröffentlicht am 02.08.2026

Alte Muster

Tanz der inneren Kinder
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In „Tanz der inneren Kinder“ geht es um die Dynamiken innerhalb einer Paarbeziehung. Die Psychologin Susanne Vömel beleuchtet, warum wir aufgrund unserer unterschiedlichen Prägung in bestimmten Rollen ...

In „Tanz der inneren Kinder“ geht es um die Dynamiken innerhalb einer Paarbeziehung. Die Psychologin Susanne Vömel beleuchtet, warum wir aufgrund unserer unterschiedlichen Prägung in bestimmten Rollen agieren und wie dabei verschiedene Charaktere aufeinandertreffen.
Es ist schwer, dem inneren Kind zu entkommen, weder als psychologischem Konzept noch bei der Überwindung eigener Kränkungen. Im Paarverhalten schauen wir uns viel von unseren Eltern ab oder reagieren empfindlich auf manche Auslöser. Doch die Autorin macht Hoffnung: „Wenn wir uns selbst und einander in diesen Anteilen kennenlernen und den Schleier des Unbewussten etwas heben, verlieren alte Muster ihre Macht.“
Das Buch vermittelt Informationen über Partnerwahl und Bindungsstile sowie über kindliche Muster im Verhalten Erwachsener. Anschließend folgen Fallbeispiele, die von echten Therapiesitzungen inspiriert wurden. Auch wenn ich einige psychologische Erklärungen für bekannte Situationen finde, bin ich mehrmals irritiert von der Art der Darstellung.
So wird zur Illustration eines bestimmten Männertyps ausführlich geschildert, dass er sich jüngere Partnerinnen oder gar Sexpuppen sucht, ohne dass dies für den Zusammenhang relevant erscheint. Die Beispiele sind blumig formuliert, fast als handle es sich um einen Liebesroman („Das ist echt mega lieb von dir“ oder „Sie hängt an seinen Lippen wie Gloss“), was in einem starken Gegensatz zum wissenschaftlichen Anspruch des Buchs steht. Die Impulse zur Reflexion werden schließlich erst im Nachwort gegeben, so dass womöglich nicht alle Leser:innen die für sie passenden Schlüsse ziehen können.

Veröffentlicht am 31.07.2026

Muffins für die Massen

Gemeinsam vegan
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Carlotta Perego, die in Italien unter dem Namen „Cucina botanica“ vegane Rezepte im Internet veröffentlicht, wird mit diesem Kochbuch auch dem deutschen Publikum zugänglich gemacht.
In der Einleitung erzählt ...

Carlotta Perego, die in Italien unter dem Namen „Cucina botanica“ vegane Rezepte im Internet veröffentlicht, wird mit diesem Kochbuch auch dem deutschen Publikum zugänglich gemacht.
In der Einleitung erzählt sie ihre persönliche Geschichte, was passend und authentisch wirkte. Danach folgen Tipps zum Umgang mit Argumenten gegen den Veganismus sowie Anregungen, wie Treffen mit Freunden oder Familie gestaltet werden könnten. Das empfand ich als zu ausführlich, schließlich habe ich zu einem veganen Kochbuch gegriffen und meine eigenen Erfahrungen gemacht.
Auch die Listen verschiedener Zutaten, unterteilt in „Leicht zu finden…“ (Tomaten), „Vielleicht auch…“ (Gurken) und „Unterschätzt nicht…“ (Kohlrabi) schienen etwas belanglos. Für die deutsche Ausgabe hätte ich mir stattdessen Anpassungen der italienischen Zutaten (Mehl Type 0) oder zumindest Erklärungen (Stracchino) gewünscht. Bei der hohen Wahrscheinlichkeit, diese durch hier gebräuchliche Alternativen ersetzen zu müssen, wären Hinweise zur Wirkung hilfreich gewesen.
Doch mir geht es ums Kochen, also schauen wir auf die Rezepte. Diese sind in die Kapitel „Gemeinsam beim Aperitivo“, „Gemeinsam bei Tisch“ und „Gemeinsam naschen“ gegliedert – eigentlich eine gute Systematik, auch wenn ich einige Speisen anders einsortiert hätte. Die Ideen und ganzseitigen Fotos inspirieren mich jedenfalls dazu, neue Rezepte auszuprobieren.
Mein erster Kochversuch, Kichererbsen-Muffins mit buntem Gemüse, ist ein wenig eskaliert: Die für vier Personen angegebenen und von mir bereits reduzierten Zutaten ergaben eine wahnsinnige Menge. So kam ich nicht darum herum, einen Großteil einzufrieren und später meine Kollegen damit zu versorgen. Das Gute daran: So kann ich nicht nur meine eigene Meinung zum Ergebnis wiedergeben. Gelobt wurden die Fluffigkeit („Liegt das an den Eiern?“) und der Geschmack. Letzterer geht allerdings auf mein Konto, denn das Rezept kommt außer mit Salz ohne weitere Gewürze aus, so dass ich improvisiert habe. Herausgekommen ist somit ein überzeugendes Ergebnis bei erfreulich einfacher Zubereitung.
Meine Kritik bezieht sich vor allem auf Punkte, die ein sorgfältiges Lektorat hätte ausmerzen können. Die Lust, Carlottas vegane Küche weiter auszuprobieren, bleibt davon jedoch unberührt.

Veröffentlicht am 26.07.2026

Sommerfrische

Gut bei Hitze
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Die brauchen wir im Moment doch alle: „Gerichte, die schnell gemacht und leicht verdaulich sind, viel saftige Frische bringen und so abgeschmeckt sind, dass sie auch bei hohen Temperaturen Lust aufs Essen ...

Die brauchen wir im Moment doch alle: „Gerichte, die schnell gemacht und leicht verdaulich sind, viel saftige Frische bringen und so abgeschmeckt sind, dass sie auch bei hohen Temperaturen Lust aufs Essen machen“, verteilt auf die Kapitel „Zum Trinken“, „Kaltes“, „Warmes“ und „Süßes“, bei einer größtenteils veganen oder vegetarischen Auswahl.
Katharina Seiser besticht durch ihren Humor und ihr Wissen. In diesem Kochbuch stellt sie nicht nur Rezepte vor, die sommerliche Frische auf den Tisch bringen, sondern liefert neben ausführlichen Anleitungen auch Produktinformationen und zahlreiche Abwandlungsideen.
Ein wenig schrecke ich vor einigen Vorschlägen wie Kefir oder Fermentation zurück, bei denen über mehrere Tage etwas passiert, das ich nicht so recht steuern kann. Dafür fühle ich mich inspiriert, einmal selbst Eistee zuzubereiten, unbedingt kalte Suppen in mein Repertoire aufzunehmen oder die Ratatouille beim nächsten Mal einfach dem Ofen zu überlassen.
Der Sommer dauert noch ein bisschen, daher freue ich mich aufs Ausprobieren und empfehle schon jetzt „Gut bei Hitze“.

Veröffentlicht am 19.07.2026

Die falsche Verpackung

Insel der Ratten
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In den Wirren einer Welt nach einer Pandemie, in der es den Menschen vor allem ums Überleben geht, verschwindet eine Frau. Ihr Vater sinnt nach Rache und versucht gleichzeitig, dem Gesetz zu folgen, um ...

In den Wirren einer Welt nach einer Pandemie, in der es den Menschen vor allem ums Überleben geht, verschwindet eine Frau. Ihr Vater sinnt nach Rache und versucht gleichzeitig, dem Gesetz zu folgen, um den Entführer zu überführen.
Mit 208 Seiten beziehungsweise 4,5 Hörstunden fällt „Insel der Ratten“ vergleichsweise kurz aus. Ursprünglich erschien die Geschichte in einem Erzählband. Vielleicht erklärt das nicht nur den knappen Umfang, sondern auch, warum sich der typische Nesbø-Sog für mich nicht ganz entfaltet.
Dennoch bleibt der Autor sich treu, schafft authentisch wirkende Szenarien und lässt in Konfliktsituationen die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen. Obwohl der Schwerpunkt auf ethischen Fragen und zwischenmenschlichen Auseinandersetzungen liegt, scheut er sich nicht, Handlungen in aller Brutalität zu schildern: „Ich wollte, dass das Einschussloch ein gleichwinkliges Dreieck mit den Augen bildete.“ Der Wechsel der Sprecher passt dabei gut zu den unterschiedlichen Blickwinkeln.
In meinen Augen liegen die Defizite des Buchs in seiner Vermarktung als Roman. Als Teil einer Sammlung weiterer Erzählungen hätte es andere Erwartungen geweckt und ein stimmigeres Gesamtbild ergeben.