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Veröffentlicht am 14.11.2024

Enttäuschend und banal

Mordscoach
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Eine Psychotherapeutin als Mörderin, das klang nach einer spannenden Geschichte!

Leider ist die Geschichte aber äußerst enttäuschend umgesetzt. Sophie, die Therapeutin, mordet munter vor sich hin, eine ...

Eine Psychotherapeutin als Mörderin, das klang nach einer spannenden Geschichte!

Leider ist die Geschichte aber äußerst enttäuschend umgesetzt. Sophie, die Therapeutin, mordet munter vor sich hin, eine Person nach der anderen, und niemals ist ihr die Polizei wirklich ernsthaft auf der Spur. Die Morde passieren auch so leicht, dass es fast schon unglaubwürdig wirkt, wie eine als zierlich beschriebene Person das körperlich zustande bringen soll, schließlich sind die meisten Ermordeten kräftigere Männer.

Wenn man gar nichts über Psychologie weiß, könnten vielleicht die eingeflochteten Bemerkungen über Psychologie und Psychotherapie ganz interessant sein. Wenn man sich mit dem Thema ein bisschen auskennt, bleiben aber auch diese auf sehr banalem Niveau und es geht sehr viel um Klischees und Küchenpsychologie.

Dazu endet das Buch noch an einer unerwarteten Stelle und hat keinen wirklichen Schluss... ich habe extra nachblättern müssen, ob da außer Werbung noch etwas kommt, kam aber nichts mehr.

Das Buch ist also leider nicht wirklich gut gelungen, nicht sehr spannend und interessant, die Charaktere eher flach gezeichnet und es eignet sich bestenfalls als anspruchslose Unterhaltung an einem Tag, an dem man mit Fieber im Bett liegt und nicht so viel nachdenken möchte und kann.

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Veröffentlicht am 10.11.2024

Ein wunderschönes Buch voll mit Begegnungen von Menschen, die sich mit dem Tod beschäftigen

Reden wir übers Sterben
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"Reden wir übers Sterben" von Petra Bartoli y Eckert ist trotz oder vielleicht sogar auch wegen des Themas und der dadurch inspirierten besonderen Gestaltung ein wunderschönes Buch. Das beginnt schon mit ...

"Reden wir übers Sterben" von Petra Bartoli y Eckert ist trotz oder vielleicht sogar auch wegen des Themas und der dadurch inspirierten besonderen Gestaltung ein wunderschönes Buch. Das beginnt schon mit dem einladenden Titelbild und zieht sich durch das ganze Buch.

Nachdem ihr Vater, zu dem die Autorin eine schwierige Beziehung hatte, gestorben war und sie am Ende noch ihren Frieden mit ihm gefunden hatte, beschließt sie, den Münchner Jakobsweg zu gehen, um ihre Trauer zu verarbeiten. Auf dem Weg möchte sie, teilweise geplant, teilweise spontan, mit Menschen über das oft tabuisierte Thema Tod ins Gespräch kommen.

Gleich zu Beginn werden wir im ersten Kapitel eingeladen, schon "am Anfang über das Ende" nachzudenken. Über unsere Haltung zum Thema Tod und wie sehr wir uns diesem Thema im alltäglichen Leben stellen oder es eher verdrängen. Dem folgen wunderschöne, kontemplative Landschafts- und Naturbilder vom Jakobsweg. Sofort hat mich diese Stimmung beim Lesen in das Buch gezogen und neugieriger gemacht.

Passend dazu heißt das nächste Kapitel "Die Sinne geschärft" - ja, das wurden sie definitiv durch diese einstimmenden Worte und die Bilder, auch bei mir als Leserin. Die Autorin selbst ist schon vor dem Beginn der Wanderung mit offenen Augen durch die Welt gegangen und hat darauf geachtet, wo sie Hinweise auf das Thema Tod und Trauer bekommt, und tatsächlich, wenn man hinschaut, finden sich diese an vielen Orten, z.B. Bestattungsunternehmen, Letzte-Hilfe-Kurse an der Volkshochschule, ein Studiengang Perimortale Wissenschaften und so einiges mehr.

Das erste längere Gespräch, das die Autorin zum Thema Tod und Trauer führt, ist mit einer Autorenkollegin, die ihre Schwester durch Suizid verloren hat. Berührend erleben wir mit, wie die Interviewte schließlich zu ihrer ganz persönlichen Akzeptanz dieser traurigen Entscheidung gefunden hat.

Und dann geht es auch schon los auf den Jakobsweg. Abwechselnd erleben wir die Abenteuer der Autorin auf dem Weg - von wunderschönen Ausblicken über den Bodensee bis hin zu Blasen an den Füßen und plötzlich einsetzendem Starkregen - und lesen eingebettet darin über ihre Begegnungen mit ganz besonderen Menschen und ihrem Zugang zum Tod: einer Bildhauerin, die sich auf Erinnerungskunst spezialisiert hat, einer Bestatterin, einer Trauerrednerin, einem Freitodbegleiter, einem Hospizbegleiter, einigen zufällige Weggefährten und Mitpilgern und noch so einigen mehr. Alle Begegnungen sind sehr interessant und berührend geschildert und es sind alles sympathische und reflektierte Menschen, die oft durch persönliche Wendungen und Schicksalsschläge diesen beruflichen Weg für sich gefunden haben.

Insgesamt ist es ein stilles, nachdenkliches und dabei so wohltuendes Buch. Eines, das keine Ratschläge gibt, wie man selbst mit Tod und Trauer umgehen soll, aber dafür ganz viele Impulse von anderen Menschen und ihrem ganz individuellen Umgang mit dem Thema.

Was es hingegen eher nicht ist: ein Buch der Aufarbeitung der Beziehung der Autorin zu ihrem verstorbenen Vater. Diese Erfahrung hatte zwar die Entscheidung, den Jakobsweg zu gehen und die Gespräche zu führen, ausgelöst, ist aber später nur mehr am Rande Thema.

Ich kann es allen Menschen, die sich im Leben früher oder später mit dem Thema Tod und Sterben auseinandersetzen müssen - und das sind letztlich wir alle - von Herzen empfehlen und es wird einen besonderen Platz in meinem Bücherregal bekommen.

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Veröffentlicht am 05.11.2024

Liebevolle Einführung in das Thema

Die Kunst der Hexerei
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"Die Kunst der Hexerei" von Iris Panhans, online als Vollmondfüchsin bekannt, ist ein sehr liebevoll und behutsam geschriebenes und wunderschön gestaltetes Büchlein zur Einführung in die Hexerei. Es geht ...

"Die Kunst der Hexerei" von Iris Panhans, online als Vollmondfüchsin bekannt, ist ein sehr liebevoll und behutsam geschriebenes und wunderschön gestaltetes Büchlein zur Einführung in die Hexerei. Es geht dabei um den bedachten Umgang mit den Energien, die nach diesem Glauben allem innewohnen: Menschen, Tieren, Pflanzen, der Natur und den Elementen.

In einem sehr persönlichen und zugewandten Stil lässt die Autorin uns an ihrer persönlichen Erfahrung mit Magie teilhaben. Es ist, wie wenn sie Interessierte an der Hand nimmt zu einer kleinen gemeinsamen Erkundungstour in diese Weltsicht und Lebensweise.

Schon in den Buchklappen finden sich spannende Informationen zur magischen Wirkung der verschiedenen Farben, zu Sigillen zum Nachzeichnen, zur magischen Wirkung von Pflanzen und eine kurze Basics-Einkaufsliste sowie ein wunderschönes Lesezeichen zum Herausschneiden.

Das Buch selbst beginnt mit einer Einführung in die Lebenseinstellung und den Glauben einer modernen Hexe, dabei werden auch die Parallelen zu der uralten und international verbreiteten Welt des Glaubens an Energien, ob nun Hexerei, Wicca, Schamanismus oder anders genannt, erklärt. Dabei räumt die Autorin auch mit verbreiteten Vorurteilen auf und macht auch die Grenzen der Hexerei klar (z.B. dass es damit natürlich nicht möglich sein wird, auf einem Besen herumzufliegen).

Danach geht es an die Grundlagen, praxisorientiert beinhaltet dieses Kapitel ein spannendes Experiment mit den eigenen Handflächen, um einen ersten Einblick darin zu gewinnen, Energien zu spüren. Danach geht es um äußere Energiequellen wie Pflanzen, Kräuter, Steine und Farben, den Mond und die Elemente und das Arbeiten mit Entitäten, letzteres jedoch, wie die Autorin klar betont, nur für Fortgeschrittene. Auch hier zeigt sich wieder der achtsame und bedachte Zugang der Autorin zu ihrem Thema, von dem sie begeistert ist, in das sie einführen, aber mit dem sie auch niemanden überfordern möchte.

Schließlich werden in den darauffolgenden Kapiteln einige Zauber und Rituale dargestellt, zu Themen wie Wohnungsschutz, Auflösung von Negativität oder Selbstliebe. Und am Ende des Buches finden sich noch ein paar Räuchermischungen.

Mir persönlich gefällt der liebevolle, pragmatische und achtsame Zugang der Autorin sehr gut und ich kann das Buch allen, die eine humorvolle und persönliche Einführung in dieses Thema suchen oder sich allgemein für den bewussten Umgang mit Energien, das Setzen von Intentionen und eine tiefere Verbindung zur Natur interessieren, sehr empfehlen.

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Veröffentlicht am 05.11.2024

Wunderschön gestaltetes vegetarisches Kochbuch mit saisonalen Rezepten

Lovis kocht
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Lovis Messerschmidt teilt schon seit längerem ihre Leidenschaft für Kochen und gutes Essen auf Instagram mit vielen Interessierten. Oft danach gefragt, hat sie sich nun entschlossen, ein Kochbuch mit ihren ...

Lovis Messerschmidt teilt schon seit längerem ihre Leidenschaft für Kochen und gutes Essen auf Instagram mit vielen Interessierten. Oft danach gefragt, hat sie sich nun entschlossen, ein Kochbuch mit ihren eigenen Rezepten herauszubringen, und dieses ist wirklich gelungen: wunderschön gestaltet, mit vielen Bildern und persönlichen Worten und aus hochwertigen Materialien.

Das Kochbuch beinhaltet ausschließlich vegetarische (und einige vegane) Rezepte und gliedert sich nach den Jahreszeiten in "Frühling", "Sommer", "Herbst" und "Winter". Das macht saisonales Kochen sehr einfach.

Im "Frühling" gibt es bunte Rezepte mit frischem Grün wie z.B. Gartensalat mit eingelegten Radieschen, Brennesselsuppe, Whipped Ricotta mit grünem Spargel und gepickeltem Rhabarber oder auch eine Nachspeise wie Rhabarbergrütze mit Grießklößchen und Grundzepte für Vanillesauce und Brioche. Auch einfache und kindertaugliche Rezepte wie Spaghetti mit Erbsen und Zitrone sind dabei.

Im "Sommer" gibt es frische Rezepte wie z.B. Gurkensuppe mit Pfifferlingen, Burrata mit Erdbeeren und Kapern-Basilikum-Marinade, Gartenrisotto mit pochierten Eiern oder Pfirsichkuchen und Johannisbeertarte.

Im "Herbst" gibt es gemütliche Rezepte wie French Toast mit Birnen, Feigen-Ziegenkäse-Tarte, Spinat-Ricotta-Lasagne und auch einige etwas Exoterischere wie Perlcouscous mit Trauben, Pistazien und Feta oder indisch inspiriertes Aloo Masala mit Spinat und Butter-Naan. Insgesamt sind aber fast alle Rezepte so, dass sich die Zutaten dafür in jedem gut sortierten, größeren Supermarkt finden und leicht nachkochen lassen.

Im "Winter" gibt es Wärmendes wie Borschtsch, mehrere Wintersalate, Kartoffelgratin mit Bergkäse und danach Pflaumenknödel mit Mohn und Quark oder Creme-Fraiche-Schokokuchen.

Besonders mag ich an dem Kochbuch, das jedem Rezept eine Doppelseite gewidmet ist: links das Rezept und rechts ein ansprechendes Foto der fertigen Speise. Das macht es mir viel leichter, zu gustieren und ein Gefühl dafür zu bekommen, was ich gerade ausprobieren möchte.

Lovis hat selbst drei Kinder. Ist es ein Familienkochbuch? Nicht explizit, obwohl sich einige Rezepte darin finden, die den meisten Kindern schmecken. Bei den anderen Rezepten hängt es davon ab, was für Kinder man hat: meine sehr experimentierfreudige Tochter würde wohl fast alles davon essen; Kinder, die sonst eher nur Nudeln mit Butter essen, wohl weniger.

Insgesamt ist es eine bunte Mischung von mitteleuropäischen Rezepten und Gerichten aus aller Welt. Ich empfehle es also insbesondere Menschen, die Freude an einem wunderschön gestalteten Kochbuch haben und offen für vielfältige, internationale, aber unkompliziert zu kochende Rezepte sind, und sich gerne inspirieren lassen.

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Veröffentlicht am 04.11.2024

Eine narzisstische Mutter und ihre beiden Töchter

Wenn nachts die Kampfhunde spazieren gehen
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Regina, Jahrgang 1948, wird Anfang der 1980er Jahre Mutter zweier Töchter: Wanda und Antonia. Sie arbeitet als psychologische Psychotherapeutin in einer eigenen Praxis, lebt mit Edgar in einer soliden, ...

Regina, Jahrgang 1948, wird Anfang der 1980er Jahre Mutter zweier Töchter: Wanda und Antonia. Sie arbeitet als psychologische Psychotherapeutin in einer eigenen Praxis, lebt mit Edgar in einer soliden, aber eher leidenschaftslosen Ehe und definiert sich über ihre Intelligenz, ihren Erfolg und ihre schlanke Figur. Kritisch und erbarmungslos richtet sie ihren wertenden Blick auf alle Menschen in ihrem Umfeld, besonders auf andere Frauen, und auf ihre Töchter. Von der stillen, einfühlsamen und etwas pummeligen Antonia ist sie maßlos enttäuscht. Wanda hingegen ist mehr eine Tochter nach ihren Erwartungen, sehr dünn und hübsch, hochintelligent und ehrgeizig, ein Ebenbild der Mutter in allen Bereichen. Dass Wanda eine ernsthafte Essstörung entwickelt und ebenfalls an den unerfüllbaren Erwartungen an sie leidet, will die Mutter lange nicht sehen, und ihren eigenen Anteil daran leugnet sie bis zuletzt.

Das knapp 400 Seiten lange Buch ist in drei Teile geteilt. Der erste Teil, knapp 200 Seiten, beschreibt die Familie im Jahr 1998 und im Jahr danach, als erst Wanda und dann Antonia Abitur machen. Der zweite Teil, etwa 100 Seiten, spielt im Jahr 2010: die Töchter sind um die 30, die Eltern sind deutlich älter geworden. Und schließlich begleiten wir die Familie auf den letzten 100 Seiten durch die Jahre 2019 bis 2020, bis zum Beginn der Coronapandemie. Beide Töchter werden auch selbst Mütter und wir erleben auch mit, wie sie nun mit ihren eigenen Kindern umgehen.

Es ist also auch neben einer Mutter-Töchter-Erzählung auch eine weibliche Entwicklungsgeschichte und wir erleben die Hoffnungen, Träume, Ziele, Pläne, aber auch Rückschläge und Enttäuschungen der drei Frauen über mehr als zwei Jahrzehnte mit. Begleiten die beiden Mädchen von der Teenagerzeit bis in ihre 40er-Jahre und erleben mit, wie sie sich schrittweise zu eigenen Persönlichkeiten entwickeln und nach und nach auch die Kraft entwickeln, der dominanten und urteilenden Mutter zumindest ein bisschen die Stirn zu bieten und für ihre eigenen Lebensentwürfe einzustehen.

Insgesamt ist es ein sehr interessantes und psychologisch feinsinniges Buch für alle, die sich für Mütter-Töchter-Beziehungen, für Entwicklungsromane und auch für die Unterschiede zwischen verschiedenen Generationen interessieren. Ich bin etwas jünger als die beiden im Buch vorkommenden Töchter und kenne viele Frauen aus der Generation von Regina - in vielem habe ich die Spannungen vieler Frauen meiner Generation im Verhältnis zu ihren Müttern wiedererkannt.

Da wird im Buch sehr gut aufgezeigt, welche Schattenseiten gerade auch die Anspruchshaltung an Frauen, sie sollten stark sein und alles verwirklichen, sollten gleichzeitig die traditionell männlich wie die traditionell weibliche Rolle erfüllen, beruflich sehr erfolgreich, intelligent, leistungsfähig und stark sein, aber auch die Familie im Griff haben und sich niemals schwach zeigen, mit sich bringt. Wie diese Sozialisierung oft zu Lasten des Zulassens der eigenen Emotionen, aber auch des Mitfühlens mit anderen geht, und damit echte Beziehungen zu anderen, auch zu den eigenen Kindern, unmöglich macht. Solche durch die gesellschaftlichen Umstände narzisstisch geprägten Frauen wie Regina gibt es viele, und auch viele ihrer Töchter, die ähnlich darunter leiden wie Antonia und Wanda. Hier ist das Buch also sehr authentisch und wirklich gelungen.

Insbesondere die zweite Hälfte des Buches hat mich beim Lesen auch sehr gefesselt. Auf den ersten 100 bis 150 Seiten hingegen war mir das Buch etwas zu langatmig, gerade die allererste geschilderte Lebensphase, um die Abiturzeit der beiden Mädchen herum, wird ausführlichst geschildert, ohne dass die Handlung wirklich viel voranschreitet. Anfangs war ich mir deshalb gar nicht sicher, ob ich das Buch wirklich zu Ende lesen will, rückblickend bin ich aber nun froh darüber und es ist in den späteren Abschnitten deutlich spannender geworden.

Ein Detail finde ich auch eher unrealistisch bzw. möglicherweise nicht so genau recherchiert: Reginas psychotherapeutische Privatpraxis wird als der leichtere Karriereweg im Vergleich zu einer wissenschaftlichen Karriere dargestellt, als etwas, das Regina halt neben den Kindern noch schnell erreichen konnte, während ein Doktoratsstudium zu dieser Zeit nicht mehr möglich gewesen wäre. Es wird beschrieben, dass Regina als junge Frau erst jahrelang ziellos Lehramt studiert hätte, dann Jahre in Südamerika verbracht hätte und danach dann noch schnell Psychologie studiert und Psychotherapeutin geworden wäre, während sie schon Anfang 30 ihre zwei Kinder bekommen habe.

Wer sich mit dem Psychologiestudium und der darauf folgenden anspruchsvollen postgraduellen Ausbildung auch nur ein bisschen auskennt, weiß, das ist zeitlich sehr unrealistisch, auch wenn man intelligent und ehrgeizig ist wie Regina. Und selbst wenn, dann bedeutet ein Psychologiestudium samt mehrjähriger psychotherapeutischer Weiterbildung einen Aufwand, der in Summe sicher nicht geringer ist als ein Psychologiestudium plus Doktorat. Wer das gemacht hat, so wie Regina in dem Buch, der würde das wissen, insofern wirkt das etwas unrealistisch. Zur narzisstischen Persönlichkeit Reginas passt es natürlich, dass sie sich unzulänglich fühlt und das Gefühl hat, ihr überragendes Talent beruflich nicht genug verwirklicht zu haben, doch hätte sich hier vielleicht ein passenderes Beispiel finden können.

Abgesehen von diesem Detail und dem, wie gesagt, etwas langatmigen ersten Teil, ist es aber ein durchaus sehr gelungenes und psychologisch tiefgründiges, authentisches Buch, das zum Nachdenken anregt. Wohlfühlbuch ist es aber eher keines, dafür sind die vorkommenden Konflikte zu heftig und insbesondere Regina in ihrer Unbarmherzigkeit deutlich zu unsympathisch.

Es ist ein gutes Buch, aber kein sonderlich schönes. Dazu passt dann wiederum auch wieder der etwas sperrige Titel, auf den im Buch nur kurz Bezug genommen wird und der sich erst bei genauerem Darüber-Nachdenken als Metapher erschließt.

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