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Veröffentlicht am 11.09.2024

Atmosphärisch, emotional und nachdenklich machend

In den Wald
1

Das Buch "In den Wald" von Maddalena Vaglio Tanet heißt im italienischen Original "Tornare dal bosco", also "Aus dem Wald zurückkehren".

Genau darum geht es in diesem atmosphärischen Buch: über das metaphorische ...

Das Buch "In den Wald" von Maddalena Vaglio Tanet heißt im italienischen Original "Tornare dal bosco", also "Aus dem Wald zurückkehren".

Genau darum geht es in diesem atmosphärischen Buch: über das metaphorische und tatsächliche Verschwinden in den Wald, nachdem etwas Schreckliches passiert ist. Und die Möglichkeit, irgendwann wieder zurück zu kehren in die Gesellschaft - oder nicht.

Das Buch spielt in ländlichen Gebieten im Piemont, im Nordwesten Italiens, und in den 1970er Jahren. Hier lebt und arbeitet die engagierte Lehrerin Silvia, sie ist zwar durch Verwandte sozial gut eingebunden im Ort, aber selbst unverheiratet, ohne Partner und kinderlos. Umso mehr steckt sie all ihre Energie in ihren Beruf und die Förderung und liebevolle Begleitung ihrer Schülerinnen und Schüler ist ihr ein Herzensanliegen.

Besonders am Herz liegt ihr die elfjährige Giovanna, die es noch nie leicht hatte im Leben, aus einer eher armen, kinderreichen Familie stammt, wenig gefördert wird, piemontesischen Dialekt spricht und sich mit Standarditalienisch sehr schwer tut und generell jedes Schuljahr darum kämpfen muss, dieses zu bestehen. Silvia fördert und unterstützt ihre Schülerin schon seit vielen Jahren zusätzlich zum Unterricht. Frühzeitig in der Pubertät angekommen, beginnt Giovanna gegen alles und jeden zu rebellieren, nimmt die Schule nicht mehr ernst... und dann geschieht das Unglück.

Zutiefst bestürzt über diese Nachricht, gibt sich die Lehrerin Silvia eine Mitschuld daran und verschwindet, von Emotionen überwältigt, in den Wald. Die Menschen aus dem Ort stellen Suchtrupps zusammen, um ihre geschätzte Lehrerin wieder zu finden, doch Silvia will nicht gefunden werden und bleibt unauffindbar. Je länger dieser Zustand andauert, umso unwahrscheinlicher scheint eine Rückkehr zu sein...

Das Buch ist sehr leicht und angenehm zu lesen. Es ist in kurze Kapitel unterteilt und die Autorin schreibt auf eine Art und Weise, die einen sofort packt und den Lesenden das Gefühl gibt, tatsächlich im Piemont der 70er Jahre dabei zu sein. Nebenbei lernt man noch so einiges über diese Region und diese Zeit, zum Beispiel über die immer noch spürbaren Nachwirkungen des 2. Weltkrieges, über soziale Unterschiede und solche zwischen Stadt und Land und vieles mehr.

Neben Silvia werden auch einige weitere Personen vorgestellt und es wird auch aus deren Perspektive erzählt, etwa der etwa 11-jährige Martino, der wegen seines Asthmas gemeinsam mit seiner Mutter aus Turin in diese ländliche Gegend mit besserer Luft ziehen musste und die Großstadt und seine Freunde sehr vermisst.

Ich mag auch die Metaphern sehr, mit denen dieses Buch spielt. Es lässt sich einerseits auf der Ebene des tatsächlichen Geschehens lesen. Andererseits ist das "in den Wald gehen" und "sich aus der Gesellschaft rausnehmen" aber auch eine sehr treffende Metapher für das Trauma und die grenzenlose Überforderung, die Menschen nach einem plötzlichen Todesfall völlig überwältigen können, umso mehr, wenn es ein Kind ist, das gestorben ist.

Thematisiert wird auch die Rolle der Lehrerin und was von einer solchen erwartet wird - und der Bruch, der damit einhergeht, diesen auf einmal nicht mehr zu entsprechen, nicht mehr für die Schülerinnen und Schüler da zu sein, sondern ohne Erklärung spurlos in den Wald zu verschwinden.

Sehr interessant sind auch die verschiedenen sozialen Rollen in den 70er Jahren, die dargestellt werden: es gibt verheiratete Frauen, die mehr oder weniger glücklich und mehr oder weniger treu sind... eine ältere Frau, die auf die baldige Legalisierung der Scheidung hofft, um sich endlich offiziell von ihrem Mann trennen zu können... und eben die Lehrerin Silvia, die ein unabhängiges Leben ohne Mann an ihrer Seite und ohne Kinder führt, und sich nur ihrem Beruf verschrieben hat.

Das Buch regt also auf vielen Ebenen zum Nachdenken und Mitfühlen an. Besonders spannend ist, dass es, wie man im Nachwort erfährt, auf einer wahren Geschichte aus der Familie der Autorin beruht. Ich kann es allen, die sich für gute Literatur interessieren, wärmstens empfehlen.

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Veröffentlicht am 09.09.2024

Sehr gutes Wissenschaftsbuch, aber schlechter Thriller

Die Abschaffung des Todes
5

Ich lese aus verschiedenen Gründen: um mich weiterzubilden und meinen Horizont zu erweitern, meine Empathie zu schulen und natürlich auch zur Freude und Unterhaltung.

Von einem Buch, das wie "Die Abschaffung ...

Ich lese aus verschiedenen Gründen: um mich weiterzubilden und meinen Horizont zu erweitern, meine Empathie zu schulen und natürlich auch zur Freude und Unterhaltung.

Von einem Buch, das wie "Die Abschaffung des Todes" eindeutig als Thriller beworben wird, wünsche ich mir gute Unterhaltung und Spannung. Wenn ich dann noch etwas dabei lerne, ist das ein zusätzlicher Bonus.

In diesem Buch hat sich dieses Verhältnis leider umgekehrt: ich habe sehr viel über wissenschaftliche und philosophische Überlegungen zum Thema Abschaffung des Todes und ewiges Leben gelernt und das war durchaus interessant. Hätte ich ein Sachbuch zu dem Thema gelesen, würde ich für diese Ausführungen fünf Sterne geben.

Aber: vom Unterhaltungsaspekt her war das Buch für mich sehr mühsam zu lesen. Über weite Teile ist absolut keine Spannung aufgekommen und selbst die Kapitel, die etwas thrillermäßiger waren (mit Verfolgungsjagden etc.) waren sehr langatmig geschrieben, mit vielen unnötigen Details (z.B. dazu, welches französische Gebäck die Protagonisten gerade essen, ohne dass dies für die Handlung relevant war).

Das Buch hat insgesamt über 600 Seiten und nach meiner Beurteilung hätte ihm ein Kürzen auf die Hälfte gut getan. So war es über weite Strecken sehr langatmig und ich habe mich die ganze Zeit gefragt, wann die Handlung endlich voranschreitet. Selbst die Auflösung am Ende war für mich relativ unbefriedigend. Hier würde ich also nur einen Stern geben.

Die Charaktere sind unterschiedlich detailliert ausgearbeitet, manche sehr detailliert, andere Figuren, die durchaus Potential gehabt hätten, wie etwa die Partnerin des Hauptcharakters, sind sehr blass gezeichnet. Insgesamt ist Charakterentwicklung keine der Stärken des Buches. Drei Sterne dafür.

Ich kann das Buch also nur mit Vorbehalt empfehlen. Für typische Krimi- und Thrillerfans ist es eher nichts, dafür ist es bei weitem nicht spannend genug. Es beinhaltet aber durchaus interessante Aspekte für die, die sich für den momentanen Stand von Wissenschaft und philosophischen Debatten zu den Themen Abschaffung des Todes und ewiges Leben und etwaige soziale Konsequenzen davon interessieren.

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Veröffentlicht am 08.09.2024

Empfehlung nur für Menschen mit Vorwissen über die DDR und die Wende

Verlassene Nester
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Ich habe mich sehr darauf gefreut, das Buch "Verlassene Nester" von Patricia Hempel zu lesen und gemeinsam mit anderen in einer Leserunde zu diskutieren. Über die Leserunde bin ich sehr froh, denn sonst ...

Ich habe mich sehr darauf gefreut, das Buch "Verlassene Nester" von Patricia Hempel zu lesen und gemeinsam mit anderen in einer Leserunde zu diskutieren. Über die Leserunde bin ich sehr froh, denn sonst wäre mir das Weiterlesen noch schwerer gefallen, als das eh schon der Fall ist.

Mein Hintergrund: ich sehe mich durchaus als sehr gebildet und vielfältig interessiert an, bin allerdings aus Österreich und habe kein umfangreiches Vorwissen über die DDR und die Wendezeit. Gerne hätte ich mehr darüber gelernt. Andere Bücher zu diesem Thema haben es schon geschafft, mein Wissen und Verständnis für diese spezielle Zeit zu vertiefen. Von "Verlassene Nester" habe ich mich aber tatsächlich beim Lesen oft verlassen gefühlt. Das Buch ist voll mit Andeutungen in Bezug auf die DDR-Zeit, die aber meistens so unklar bleiben, dass sie sich allein durch das Lesen, ohne zusätzliche Gespräche oder Nachgoogeln, nicht erschließen. Das hat mich immer wieder aus dem Lesefluss herausgerissen, weil ich einfach verwirrt war und nicht verstanden habe, worum es geht. Dazu möchte ich sagen, dass ich seit vielen Jahren unzählige Bücher aus den verschiedensten Kulturkreisen und Zeitepochen lese, und den meisten gelingt es, neuartige Konzepte wesentlich besser bzw. überhaupt zu erklären, entweder eingebettet in die jeweilige Geschichte oder mit Fußnoten oder einem Glossar. Das ist bei diesem Buch nicht der Fall, hier habe ich das Gefühl, ich hätte Brücken zwischen meinem Vorwissen und der Geschichte gebraucht, die mir von diesem Buch aber leider nicht gebaut wurden. Deshalb kann ich es nur Lesenden mit umfangreicherem DDR-Vorwissen, als ich das habe, empfehlen, und das auch nur unter Vorbehalt.

Das Buch verspricht, die Atmosphäre in der Zeit nach der Wende spürbar werden zu lassen. Das gelingt teilweise, aber eben eher, wie oben beschrieben, für Lesende, die schon einiges darüber wissen. Die Charaktere, die im Buch vorkommen, sind überwiegend unsympathisch und nicht empathisch bis richtig manipulativ und gemein gegenüber unterlegenen und schwächeren (jüngeren Kindern, Tieren, schüchterneren Kindern,..), das gilt insbesondere für die beschriebenen drei jugendlichen Mädchen. Wenn ich aus diesem Buch also etwas über die Jugendlichen, die die DDR hervorgebracht hat, herauslesen möchte, dann zeichnet das kein positives Bild. Es kommen also nur relativ wenige Menschen vor, mit denen man sich beim Lesen einigermaßen identifizieren und mitfühlen kann. Ein "schönes" Buch war es zum Lesen also nicht, und aufgrund oben erwähnter Unzulänglichkeiten auch keines, das mich auf emotionaler oder historischer Ebene weitergebracht und gebildet hätte.

2,5 Sterne, die ich hier auf 3 Runde, aufgrund der durchaus interessanten Sprache mit guten Metaphern und vereinzelten Einblicken in eine grundsätzlich sehr interessante Zeit. Dadurch, dass ich das Buch gemeinsam mit anderen hier gelesen habe, habe ich durchaus etwas für mich daraus mitnehmen können. Ich bin aber insgesamt froh, es nun hinter mir lassen zu können. Schade darum.

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Veröffentlicht am 06.09.2024

Die Frauen rund um das Haus auf den Klippen

Die Frauen von Maine
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"Die Frauen von Maine" von J. Courtney Sullivan ist im englischsprachigen Original unter dem Titel "The Cliffs" (Die Klippen) erschienen. Beide Titel sind treffend und beschreiben, worum es geht: um ein ...

"Die Frauen von Maine" von J. Courtney Sullivan ist im englischsprachigen Original unter dem Titel "The Cliffs" (Die Klippen) erschienen. Beide Titel sind treffend und beschreiben, worum es geht: um ein jahrhundertealtes Haus direkt an den Klippen von Maine, mit Blick auf das Meer. Und um die Frauen, die dieses Haus bewohnten oder damit in Verbindung stehen.

Der überwiegende Teil des Buches spielt in der heutigen Zeit, in der wir die knapp 40-jährige Jane miterleben. Jane stammt aus sozial benachteiligten Verhältnissen, ist gemeinsam mit ihrer Schwester bei der alkoholkranken Mutter aufgewachsen und hat es dennoch geschafft, zu studieren, einen interessanten Beruf im akademischen Umfeld auszuüben und eine langjährige Beziehung zu führen. Aber die Vergangenheit holt sie immer wieder ein, in vielerlei Hinsicht.

Wir erleben Janes Entwicklung, aber auch ihre Herausforderungen, mit ihrem familiären Erbe umzugehen und gleichzeitig ihre Faszination für das Haus an den Klippen, das sie als Jugendliche zufällig entdeckt und das sie nicht mehr los lässt.

Während also etwa 80 Prozent des Buches aus Janes Sicht erzählt werden, sind zwischendurch immer wieder kleinere Kapitel aus der Sicht weiterer Frauen eingeschoben, auch aus der ferneren Vergangenheit des Hauses. Das hat mir sehr gut gefallen, weil wir dadurch ein umfassenderes Bild bekommen. Und Schritt für Schritt zeigen sich die Verbindungen zwischen diesen Frauen und zwischen Vergangenheit und Gegenwart auf.

Sprachlich ist das Buch solide geschrieben (kein Meisterwerk voll von wunderschönen Metaphern, aber gut und angenehm zu lesen) und die Küste Maines und das Leben dort, jetzt und in der Vergangenheit, wird beim Lesen vor dem inneren Auge lebendig. Überwiegend war es ein Vergnügen, das Buch zu lesen und die Handlung hat mich neugierig gemacht, wie es weitergeht.

Wer in Betracht zieht, das Buch zu lesen, sollte offen für die Themen familiärer Alkoholismus, Geschichte und Leid der Native Americans sowie Geister und Okkultismus sein - all diese Themen ziehen sich stark durch das Buch.

Für mich, die ich diese Themen interessant finde, war das eine der Stärken und ich habe auch geschichtlich einiges Neues gelernt, wenn auch das Alkoholismus-Thema mir ein bisschen zu präsent war (das ist sehr oft in amerikanischen Büchern der Fall, es scheint dort ein besonders großes Thema zu sein) und sich die Geschichte insgesamt vielleicht auch ohne all die Geister erzählen hätte lassen (vielleicht aber auch nicht oder nur sehr anders).

Ich glaube, dass es auch für Männer eine bereichernde Erfahrung sein kann, Bücher von Frauen zu lesen, in denen es hauptsächlich um Frauen geht. Wer dieses Buch lesen will, dem sollte aber klar sein, dass der Titel dem Inhalt durchaus gerecht wird: es geht zu 99 % um Frauen und deren Perspektive und Männer kommen nur sehr am Rande und immer nur mit Bezug zu diesen Frauen, aber nie als eigenständige Erzähler vor.

Insgesamt ist es eine spannende und schön zu lesende Geschichte und auch ein Buch, das zum Nachdenken über Benachteiligung und Diskriminierung anregt und dazu, uns zu fragen, ob überhaupt, und wenn ja, wie historisches Leid wieder gut gemacht werden kann und welche Geschichten auch im akademischen Bereich und in Museen bis heute erzählt werden und wie diese Narrative diverser und damit fairer gestaltet werden können.

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Veröffentlicht am 02.09.2024

Der Platz für Kinder in unserem Leben - über verschiedene Wege

Furchen und Dellen
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"Furchen und Dellen" ist das zweite Buch von Ela Meyer. Es geht darin um alternative Familienmodelle und um das Glück, aber auch die Herausforderungen, die Elternschaft und Kinder bringen können. Darum, ...

"Furchen und Dellen" ist das zweite Buch von Ela Meyer. Es geht darin um alternative Familienmodelle und um das Glück, aber auch die Herausforderungen, die Elternschaft und Kinder bringen können. Darum, dazu ja zu sagen oder nein... oder auch die Entscheidung stückweise wieder zu revidieren.

Chris hatte eine schöne WG mit Doro und Antonia, und eine gute Freundschaft mit Rafa, der in der Wohnung darunter lebt. Alle leben in ihren späten 30ern bis frühen 40ern so fröhlich relativ frei und ungebunden vor sich hin, speziell die lesbische Doro sowie Antonia (nicht Doros Partnerin und nicht lesbisch) tragen sich mit einem unerfüllten Kinderwunsch.

Als Doro vorschlägt, gemeinsam mit Rafa, Antonia und Chris in Co-Elternschaft ein Kind zu bekommen und zu begleiten, sind alle begeistert dabei - außer Chris, die sich nicht vorstellen kann, ein Kind zu haben und sich darum zu kümmern. Und sich auch nicht vorstellen kann, unter diesen Umständen länger in der gemeinsamen WG zu leben. Hals über Kopf flieht Chris aus der WG und aus den Freundschaften, in ein unstetes Leben an verschiedenen Orten, sechs Jahre lang. Erst der Tod ihres Großvaters bringt sie in ihre Heimatstadt zurück und zu einer Annäherung an ihren alten Freundeskreis, mittlerweile mit einem kleinen Mädchen, Vivien, das von drei Verbliebenen gemeinsam erzogen wird.

Im Roman geht es um die Herausforderungen und das Glück, das damit einhergehen, sowie um verschiedene Lebenswege und die Möglichkeit oder Unmöglichkeit, einmal getroffene Entscheidungen zu revidieren. Kann Chris nun noch einen bedeutenden Platz im Leben der kleinen Vivien einnehmen? Ist das nötig, um ihr Glück zu finden? Und was hat ihre Familiengeschichte mit Chris' Leben und Einstellung zu tun?

Wir lernen auch weitere Personen kennen, etwa Chris' Bruder, der unter ähnlichen Umständen wie sie aufgewachsen ist, aber sich ein ganz anderes, sehr bodenständiges, Leben mit Frau und Kindern aufgebaut hat. Aber auch weitere Personen in Chris' Umkreis, die etwa trans sind.

Generell ist es ein sehr modernes Buch, das viele Themen und Debatten der aktuellen Zeit behandelt, in dem mit Sternchen gegendert wird, junge Menschen auf Klimademos gehen, das bei der Geburt zugeschriebene Geschlecht geändert werden kann und insgesamt einiges an alternativen Lebensstilen und Queerness vorkommt. Das macht es für mich sehr spannend und für mich fängt das Buch den aktuellen Zeitgeist damit sehr gut ein. Es braucht beim Lesen aber natürlich Offenheit für diese Themen.

Wer sich als Botschaft aufgrund des Klappentextes erwartet, dass es ein Buch ist, das darin bestärken würde, kinderfrei zu leben, dem kann ich sagen: so ist es nicht. Als klare Botschaft kommt heraus, wie sehr Kinder, ob nun leibliche oder nicht, das eigene Leben und die eigene Entwicklung bereichern. Wer gerade in einer Lebensphase ist, in der man sich nicht offen für so eine Botschaft fühlt, sollte das Buch eher nicht lesen. Allen anderen, die sich für verschiedene Familienmodelle und für die Aushandlung der uralten Themen Freiheit und Selbstverwirklichung vs. Familie, Freundschaft und Zugehörigkeit in einem modernen Rahmen interessieren, kann ich das Buch sehr empfehlen.

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