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FranziskaBo96

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Veröffentlicht am 16.01.2023

Toller Auftakt - ich freue mich auf mehr!

This Vicious Grace - Die Auserwählte
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Alessa ist die Finestra - die gottgegebene Kriegerin, die die Insel Saverio bei einer epischen Schlacht anführen soll. Dazu braucht sie jedoch einen Fonte, einen Begleiter, der ebenfalls eine Macht besitzt, ...

Alessa ist die Finestra - die gottgegebene Kriegerin, die die Insel Saverio bei einer epischen Schlacht anführen soll. Dazu braucht sie jedoch einen Fonte, einen Begleiter, der ebenfalls eine Macht besitzt, die sie mit ihrer kombinieren kann. Blöd nur, dass Alessa bereits drei Fonte auf dem Gewissen hat, da sie alle zu schwach waren, um eine reine Berührung von ihr auszuhalten. In "This Vicious Grace" begleiten wir Alessa nun auf der Suche nach einem neuen Fonte, die immer stressiger wird...

Ich bin normalerweise kein großer Fantasy-Leser, aber diese Prämisse und eine erste Leseprobe hatten mir sofort zugesagt. Die Autorin schafft eine sehr spannende und einzigartige Welt, die viele Elemente aus der italienischen Kultur, Sagenwelt und Sprache entlehnt. Gern hätte das Wordbuilding von mir aus hier noch etwas tiefer gehen können. Allgemein fand ich, dass gerade mit weiterem Verlauf der Geschichte immer mehr der romantische und weniger der Fantasy-Aspekt in den Mittelpunkt rückte, was mir nur Recht war. Gerade die Liebesgeschichte war spannend geschrieben und vor allem die zweite Hälfte des Buches konnte mich wirklich überzeugen.

Besonders mochte ich, wie in diesem Buch psychische Gesundheit und Themen wie Einsamkeit verarbeitet werden. Ich fand auch, dass es einen sehr gesunden Umgang zu Sexualität - Sex und sexuelle Bedürfnisse wurden oberflächlich besprochen, es gibt aber (so weit ich mich erinnere) keine expliziten Sexszenen.

Für eine 5-Sterne-Bewertung hat mir aber an manchen Stellen noch das gewisse Etwas gefehlt. Es gibt keine großen Sachen, die mich gestört haben, aber an ein perfektes Buch ist es noch nicht herangekommen. Tatsächlich musste ich erst ein wenig darüber nachdenken und andere Rezensionen lesen, um fassen zu können, was genau mich gestört hat, aber am Ende kam es auf mehrere kleinere Aspekte heraus: der Wandel von lustigen zu sehr ernsten Szenen kam mir manchmal zu plötzlich und unpassend, die Charaktere waren an manchen Stellen für mich etwas zu oberflächlich und unorignell und allgemein ist die Handlung relativ vorhersehbar.

Trotzdem konnte mich das Buch packen und ich freue mich schon auf den zweiten Band dieses Jahr!

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Veröffentlicht am 09.01.2023

Kann man 2023 nicht noch etwas mehr erwarten?

Weihnachten im kleinen Café an der Mühle
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Im weihnachtlichen Wümmerscheid-Sollensbach ist eine Menge los. Peter und Sophie, Eigentümer des kleinen Cafés an der Mühle, haben nicht nur mit einer Erweiterung des Cafés, sondern auch mit dem zweijährigen ...

Im weihnachtlichen Wümmerscheid-Sollensbach ist eine Menge los. Peter und Sophie, Eigentümer des kleinen Cafés an der Mühle, haben nicht nur mit einer Erweiterung des Cafés, sondern auch mit dem zweijährigen Wirbelwind Lisa alle Hände voll zu tun - trotzdem ist Peter immer wieder abwesend, was Sophie ernsthafte Sorgen bereitet. Auch die zahlreichen anderen Charaktere des illustren Eiffelstädtchens haben alle mit ihren Problemchen zu kämpfen - allen voran mit einem Besuch einer Delegation der englischen Partnerstadt.

Vorneweg: Nein, ich gehöre mit Mitte 20 definitiv nicht zur Zielgruppe dieses Buches, ich kann mich auch nicht als regelmäßiger Leser dieses Genres bezeichnen. Doch gerade in der Weihnachtszeit bin ich doch recht offen für ein bisschen Kitsch und etwas übertriebene Heimatromantik - und das kann man auch gut hinbekommen, aber dieses Buch tut es einfach nicht.

Zweiter Punkt: Ich habe keine anderen Bände dieser Reihe gelesen. Ich konnte inhaltlich eigentlich problemlos folgen, nur kann es natürlich sein, dass ich gewisse Dynamiken zwischen Figuren nicht ganz richtig verstanden habe, aus denen vielleicht manche folgende Kritik entstanden ist.

Natürlich gibt es hier eine Menge genrebedingte Eigenheiten, über die man sich hier lustig machen und die man kritisieren könnte: Alle Figuren haben absurd deutsche Namen und sind wahrscheinlich genau so weiß, wie der Schnee, der in den passendsten Momenten immer wieder fällt (Ausnahme: Zwei schwarze Randcharaktere, über die aber auch recht seltsam geschrieben wird) - etwas anderes als heterosexuell ist hier natürlich auch keiner; Irgendwie entsteht nie ein wirklicher Konflikt, selbst als gegen Ende etwas scheinbar Schlimmes passiert, sind die Folgen nach wenigen Kapiteln auch wieder erledigt; Gefühlt das halbe Dorf hat sich mit einer pfiffigen Idee selbst verwirklicht und hat jetzt eine erfolgreiche selbstständige Tätigkeit; Alles ist einfach heile Welt, alle verstehen sich gut und es kommt nie zu wirklich ideologischen Reibungen. All das ist für mich beim Lesen eines solchen Buches vielleicht etwas belächelnswert, aber vollkommen okay und irgendwie erwartet man das ja auch und greift vielleicht auch deshalb zur Lektüre. Selbst die Tatsache, dass Wümmerscheid-Sollensbach scheinbar in den 80ern stehen geblieben ist (Google ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Fremdwort; dass jemand fließend Englisch kann, wird als total verrückt abgetan), hat mich gar nicht so wirklich gestört - bis auf eine Tatsache und das hat das Buch für mich echt kaputt gemacht.

Ich verstehe einfach nicht, warum man 2022 noch solche altbackene Geschlechterrollen schreibt. Am besten wird das deutlich an der Beziehung von Peter und Sophie. Sophie betreibt nicht nur das Café in der Mühle, sondern übernimmt so ziemlich die gesamte Care-Arbeit und den Großteil der Erziehung der kleinen Tochter (etwas anderes wird uns jedenfalls nicht vermittelt). Es gibt mehrere Szenen, in denen Sophie überfordert wirkt, aber die Idee, dass ihr Gatte mal etwas mehr Arbeit übernehmen könnte, wird nie geäußert. Der hat dafür genug Zeit, im Geheimen einen Tanzkurs zu machen. Ja, das soll als Überraschung für Sophie dienen, aber ich dachte mir die ganze Zeit, dass er seine Zeit lieber mit deiner Familie verbringen sollte. Was für den Außenstehenden eindeutig so wirkt, als würde Peter Sophie betrügen, nimmt Sophie erst so spät als solches war und nachdem sie Peter damit konfrontiert, nimmt sie ihm ziemlich schnell eine recht dämliche Ausrede ab. Es scheint außerdem vollkommen normal, dass alle Frauen in Sophies Alter vormittags Zeit haben zum Frisör zu gehen. Die zweijährige Lisa ist oft dabei, wenn ihre Mutter arbeitet, dafür erleben wir aber selten, dass Peter mit der Kleinen mal allein ist. Mein negativer Höhepunkt war die Zusammenkunft des zu diesem Zeitpunkt rein männlichen Dorfvereins, in dem diskutiert wurde, wie man die englischen Gäste bespaßen könnte. Die Männer kommen zu der Erkenntnis, dass sie aufgrund ihres Geschlechts nicht wissen, wie sie mit Gästen umgehen sollten. Daraufhin rufen sie ihre Ehefrauen an, die anschließend vorbeikommen - nachdem sie sich natürlich um die besagten Gäste gekümmert und denen das Essen gekocht haben - und ihre zahlreichen Ideen unterbreiten, u.a. Plätzchenbacken. An dieser Stelle war ich kurz davor, das Buch abzubrechen. Ach ja, an einer Stelle gibt es eine weibliche Handwerkerin - aber keine Angst, sie unterhält sich nach getaner Arbeit mit Sophie über Plätzchenrezepte.

Einziger Lichtblick (und der Grund, dass das Buch zwei Sterne bekommt), war die absolut hinreißende zweijährige Lisa (Welches zweijährige Kind heißt 2022 Lisa?), die immer für eine große Portion Humor und Niedlichkeit gesorgt hat. Mit süßen Kleinkindern kriegt man mich immer.

Vielleicht bin ich zu jung, vielleicht bin ich zu woke, aber das Buch war leider so gar nichts für mich. Ich hatte mich eingestellt auf schönen, leichten Weihnachtskitsch, aber ich finde, das kann man auch ohne angestaubte Geschlechterrollen gut schaffen. Wirklich schade, gerade am Anfang war ich noch voll offen für die Geschichte. Die sonst positiven Bewertungen dieses Buchs scheinen ja jedoch zu zeigen, dass die Zielgruppe hier wahrscheinlich bedient wird, daher will ich hier auch nicht komplett abraten.

Rant over.

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Veröffentlicht am 08.01.2023

Interessante Gedanken zum Feminismus gestern und heute

Die Clique
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In "Die Clique" verfolgen wir acht junge Frauen, die im Jahr 1933 gemeinsam das New Yorker Vasser College abschließen. Die Geschichte beginnt mit der Hochzeit der ersten Frau aus der Clique, im Laufe des ...

In "Die Clique" verfolgen wir acht junge Frauen, die im Jahr 1933 gemeinsam das New Yorker Vasser College abschließen. Die Geschichte beginnt mit der Hochzeit der ersten Frau aus der Clique, im Laufe des Buches lernen wir sie alle besser kennen und erfahren, wie es ihnen in den folgenden sieben Jahren geht. Dabei werden eine Vielzahl von Themen angeschnitten, zum Beispiel Verhütung, die Rolle der Frau am Arbeitsplatz, Kindeserziehung, Sex und Politik.

Ich habe immer etwas Probleme, solche "Klassiker" zu bewerten, da ja irgendwie klar ist, dass ein 730 Seiten langes Buch aus den 60ern irgendwie nicht mehr so ganz den heutigen Lesegewohnheiten entspricht. So kam es immer wieder zu enorm langen Stellen, in denen Dinge übermäßig beschrieben wurden und ich manchmal auch echt Pause von dem Buch brauchte. Ich glaube jeder, der solche Bücher schon mal gelesen hat, weiß, was ich meine.

Trotzdem habe ich immer wieder extrem spannende Gedanken zum Feminismus damals lesen können, die mich über heutige Zustände haben nachdenken lassen. Gerade die Ausführungen zu Verhütung, die Beziehung zum Sex und Männer fand ich unheimlich interessant. Auch die Bedeutung des Buches sollte man in dem Zusammenhang nicht unerwähnt lassen. Es wird deutlich, warum "Die Clique" oft als "erstes Chick Lit" bezeichnet wird, Einflüsse kann man heute noch z.B. in "Sex and the City" oder "Gilmore Girls" sehen.

Wer also Lust hat, in die Welt der Frauen der 30er-Jahre einzutauchen, wird hier eine Menge zu entdecken haben.

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Veröffentlicht am 01.01.2023

Einblick in die Geschichte einer ukrainischen Familie

Rote Sirenen
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In "Rote Sirenen" begleiten wir die Autorin Victoria Belim 2014 bei der Rückkehr in ihr Heimatland, der Ukraine, das sie im Alter von 11 Jahren erst für die USA und später für Belgien verlassen hat. Sie ...

In "Rote Sirenen" begleiten wir die Autorin Victoria Belim 2014 bei der Rückkehr in ihr Heimatland, der Ukraine, das sie im Alter von 11 Jahren erst für die USA und später für Belgien verlassen hat. Sie besucht ihre Großmutter auf dem Land und forscht dort in der Familiengeschichte, wobei sie auf ein paar sehr interessante Persönlichkeiten in der Vergangenheit trifft.

Ich finde, es gibt zwei Dinge, die man über das Buch im Vornherein wissen sollte: 1. Der Großteil des Buches wurde vor Putins Angriffskrieg 2022 geschrieben, daher geht die Haupthandlung nicht darauf ein, nur im Vorwort wird es kurz erwähnt. Zwar ist vieles immer noch aktuell - vielleicht sogar mehr als vorher, trotzdem denke ich, dass man mit dieser Erwartung an das Buch herangehen sollte.

2. Das Buch ist eine Übersetzung aus dem Englischen und meiner Meinung nach wird immer wieder deutlich, dass es sich vor allem an das amerikanische Publikum richtet. Ich komme aus Ostdeutschland und kenne daher einige Geschichten von Stasi und Sozialismus im Allgemeinen. Auch viele Aspekte der osteuropäischen Kultur, die in dem Buch als ungewöhnlich dargestellt werden, wirken auf viele deutsche Leser sicherlich unspektakulär und sind bekannt. So fand ich viele Geschichten, die über die sowjetische Geheimpolizei oder auch die postkommunistische Wirtschaft erzählt wurden, einfach nicht so spannend und neu, wie sie sicherlich rüberkommen sollten. Auf diese Weise zog sich gerade die Mitte des Buches für mich unheimlich und es kam doch große Langeweile zwischendurch auf.

Dafür muss ich jedoch den Anfang und das Ende lohnen. Es wurde eine sehr gute Brücke geschlagen, die gut illustrieren konnte, wie die "ukrainische Seele" aussieht und auch die schwierige und auch unterschiedliche Beziehung zu Russland wurde sehr gut dargestellt - hier stellt sich natürlich wieder eine gute Parallele zu heute auf.

Ich finde, wer das richtige Mindset für dieses Buch hat und sich vorher vielleicht noch nicht allzu intensiv mit Post-Ost-Geschichten auseinandergesetzt hat, wird hier sicher viele interessante Impulse finden.

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Veröffentlicht am 26.12.2022

Das Eintauchen in die Tonne

Auf der Tonnenseite des Lebens
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Als Merle über Joels Familie einzieht, ahnt er nicht, dass diese Bekanntschaft sein Leben verändern wird. Die Öko-Influencerin begeistert ihn bereits beim ersten Aufeinandertreffen und so lässt er sich ...

Als Merle über Joels Familie einzieht, ahnt er nicht, dass diese Bekanntschaft sein Leben verändern wird. Die Öko-Influencerin begeistert ihn bereits beim ersten Aufeinandertreffen und so lässt er sich schnell von ihr davon überzeugen, für ihren Blog zum Thema Containern zu recherchieren. Was für Joel zunächst ein etwas ekliges Projekt für Merle ist, wird für ihn schnell zur Herzenssache.

Für mich ist "Auf der Tonnenseite des Lebens" eine wunderbare Einführung für Jugendliche in ökologische und umweltschutztechnische Probleme. Wir begleiten Joel von Anfang an auf seiner "Container-Reise": Erst ist für ihn alles ziemlich eklig, dann ist er schockiert von dem Ausmaß der Lebensmittelverschwendung und dann setzt er sich gegen diese Praktik ein. Dabei lernen wir auch einige Nebencharaktere kennen, die die verschiedenen Motivationen hinter dem Containern sehr schön veranschaulichen.

Kritisch fand ich eigentlich nur eine Figur, die mir etwas zu sehr überzeichnet war. Zwar war diese Figur notwendig, um bestimmte Konflikte entstehen zu lassen, trotzdem denke ich, dass man das auch hätte schaffen können, ohne zu sehr in die Klischee-Kiste greifen zu müssen. Auch das Ende hätte man meiner Meinung nach noch etwas runder machen können.

Alles in allem ein ganz tolles Jugendbuch, das eine sehr gute, altersgerechte Einführung in das Thema Lebensmittelverschwendung gibt.

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