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FranziskaBo96

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.06.2024

Der Glanz längst vergangener Zeiten

Die Perserinnen
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Im Iran der 70er Jahre lebten die Valiats als eine der bedeutendsten Familien des Landes in Saus und Braus. So geht es scheinbar auch erstmal weiter, als ein Großteil von ihnen aufgrund der Revolution ...

Im Iran der 70er Jahre lebten die Valiats als eine der bedeutendsten Familien des Landes in Saus und Braus. So geht es scheinbar auch erstmal weiter, als ein Großteil von ihnen aufgrund der Revolution in den Iran flüchten müssen. Doch ein eskalierendes Familientreffen in Aspen 30 Jahre später reißt alte Wunden wieder auf. Aus Sicht mehrerer Frauen der Familie erfahren wir nun, wie die Valiats zwischen glanzvoller Tradition und westlicher Zukunft das 21. Jahrhundert navigieren.

Zu Beginn konnte mich "Die Perserinnen" total überzeugen. Ich habe mich ehrlich gesagt noch nie intensiv mit der Iranischen Revolution auseinandergesetzt, aber die Sichtweise dieser reichen Exilfamilie Jahrzehnte später hat mir extrem gut gefallen. Vor allem in der zentralen Figur Shirin wird unheimlich gut deutlich, wie traditionelle Familienwerte, westliche Ideologie und das Mindset von Wohlhabenden dabei aufeinandertreffen. Einschübe von Verwandten, die im Iran geblieben sind und dort ein sehr anderes Leben führen, bildeten dazu einen passenden Kontrast.

Leider hatte ich so ein bisschen das Gefühl, dass das Buch im weiteren Verlauf an Richtung verlor. Ich hatte lange Zeit Schwierigkeiten, die verschiedenen Frauen auseinanderzuhalten und bei einigen von ihnen waren mir ihre Probleme schlichtweg egal. Am Ende war mir nicht so richtig bewusst, welchen Punkt die Autorin mit dem allen machen wollte.

Ich hatte an einigen Stellen den Eindruck, dass mir die Lektüre sicher besser gefallen hätte, wenn ich mehr Wissen über den Iran und vor allem die Iranische Revolution hätte. Ob man das jetzt dem Buch vorwerfen kann, ist sicher streitbar, aber es ist sicherlich erwähnenswert.

Leider konnte mich "Die Perserinnen" nicht so sehr überzeugen, wie es der Beginn des Buches versprach. Wer sich aber für die Iranische Gesellschaft interessiert, könnte vielleicht mehr aus diesem Werk ziehen.

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Veröffentlicht am 16.06.2024

Krisen über Krisen

Wellness
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Als sich Jack und Elizabeth 1993 kennenlernen, scheint ihre Liebesgeschichte beinahe märchenhaft. Die zwei kommen aus ganz unterschiedlichen Welten, denen sie beide versuchen, in der Kunstszene Chicagos ...

Als sich Jack und Elizabeth 1993 kennenlernen, scheint ihre Liebesgeschichte beinahe märchenhaft. Die zwei kommen aus ganz unterschiedlichen Welten, denen sie beide versuchen, in der Kunstszene Chicagos zu entfliehen und verlieben sich schnell ineinander. Doch 20 Jahre später, nach Heirat, Kind und einer Investition in eine Eigentumswohnung, bröckelt es gewaltig. Das einst so glückliche Paar sieht sich jetzt mit Vergangenheit und Gegenwart konfrontiert und muss für sich die Frage beantworten, ob ihre Ehe diese Krise(n) überleben kann.

Ich bin sonst eigentlich immer der Überzeugung, dass (für mich) kein Buch mehr als 600 Seiten hat, ohne langwierig und träge zu werden. Entsprechend vorsichtig ging ich die knapp 700 Seiten von "Wellness" an. Umso mehr freut es mich, dass sich das Buch in die bisher doch sehr kurze Liste der Ausnahmen dieser Regel einfinden kann.

Mir ist bewusst, dass die Zusammenfassung, die ich eingangs gegeben habe, sicherlich etwas dürftig ist, aber es ist wirklich sehr schwer, prägnant auszudrücken, worum es in diesem Buch geht - aber ich glaube, genau das hat mir hier auch so gut gefallen. Es bildet so wunderbar das moderne Leben und seine Probleme ab, vor allem Technologie ist ein wiederkehrendes Thema, aber das Elternsein, die Beziehung zu unseren Eltern und unseren Vorfahren, Kunst, Geschichten und so vieles mehr. Dabei wirkte die Erzählung aber auch nie überladen und ich hatte nie Probleme, dem roten Faden zu folgen - wirklich ein literarisches Kunststück.

Auch mit der Struktur experimentiert der Autor immer wieder mal, was mir auch sehr gut gefallen hat. Dieses Buch hat mich einfach super bei der Stange gehalten, was wie bereits erwähnt, bei der Länge schon wirklich schwierig bei mir ist.

Von mir bekommt "Wellness" eine große Empfehlung!

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Veröffentlicht am 10.06.2024

Gute Ideen in der Theorie konnten mich in der Umsetzung nicht überzeugen

Der Geschmack von Gold und Eisen
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Prinz Kadou hat aktuell eine Menge um die Ohren: Seine Schwester, die Königin, hat gerade ihr erstes Kind zur Welt gebracht, in die königliche Gilde wird eingebrochen und mit seinem neuen Leibwächter, ...

Prinz Kadou hat aktuell eine Menge um die Ohren: Seine Schwester, die Königin, hat gerade ihr erstes Kind zur Welt gebracht, in die königliche Gilde wird eingebrochen und mit seinem neuen Leibwächter, dem gefühlskalt scheinenden Evemer wird er nicht so richtig warm. Um seinen Beitrag zum Wohle des Volkes zu leisten, will Kadou herausfinden, was hinter dem Einbruch steckt, wobei er und Evermer sich nebenbei immer näher kommen.

Auf dem Papier hatte das Buch so viele Elemente, die mir eigentlich immer gut gefallen: ein royales Setting; nur eine Prise Fantasy; etwas ausgefalleneres Wordbuilding, hier mit orientalischen Einflüssen; eine matriarchale Gesellschaft. Besonders positiv zu erwähnen ist hier auch die LGBTQ-Aspekte in dem Buch: Es gibt homosexuelle Beziehungen und auch nonbinäre Charaktere, ohne dass ihre Queerness großartig diskutiert werden muss. Die Autorin hatte auf jeden Fall viele Ideen und ich denke, man kann ihr hoch anrechnen, dass sie viel Neues ausprobieren wollte.

Leider war das so der einzige positive Aspekt, denn in der Umsetzung konnte mich die Geschichte so gar nicht überzeugen. Mein größtes Problem war dabei vor allem die Länge des Buches und die damit einhergehende langwierige Erzählweise. Auf 700 Seiten passiert erstaunlich wenig, aber auch die Charaktere wurden meiner Meinung nach nicht gut genug ausgebildet, dass ich wirklich Interesse für sie und ihre Probleme entwickeln konnte. Der "Slow Burn" der zentralen Beziehung war hier so langsam, dass ich am Ende immer noch nicht so ganz nachvollziehen konnte, warum die beiden Figuren überhaupt so viel füreinander empfinden.

Ich denke, es wird viele geben, die dieses Buch gut gefallen wird, aber für meinen Geschmack war es einfach zu langweilig und eindimensional. Schade, auf diese Lektüre hatte ich mich wirklich gefreut.

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Veröffentlicht am 26.05.2024

Leider so gar nicht meins

Die Blumentöchter (Die Blumentöchter 1)
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Dalia ist gut behütet bei ihren Großeltern in Cornwall aufgewachsen, nachdem ihre Mutter bei ihrer Geburt gestorben ist. Wer ihr Vater ist, hat sie nie erfahren - bis nach dem Tod ihrer Großmutter ein ...

Dalia ist gut behütet bei ihren Großeltern in Cornwall aufgewachsen, nachdem ihre Mutter bei ihrer Geburt gestorben ist. Wer ihr Vater ist, hat sie nie erfahren - bis nach dem Tod ihrer Großmutter ein Brief aus Mexiko gefunden wird, der mehr Informationen gibt. Prompt steigt Dalia daraufhin in ein Flugzeug nach Lateinamerika auf der Suche nach ihrem Vater - und findet ganz nebenbei noch die große Liebe.

Wer nach so einem Buch greift, erwartet eine kitschige Liebesgeschichte, die vielleicht nicht immer super realistisch ist - und das wird hier auch abgeliefert. Das kann und will ich dem Buch nicht als Kritik vorwerfen und es gibt viele Autor*innen, die es schaffen, genau diese Atmosphäre gut zu übermitteln. Tessa Collins hat es nur leider für mich beim besten Willen hier nicht geschafft.

Nach etwa 100 Seiten passiert etwas so Dämliches und Unrealistisches, dass es eigentlich für mich sämtliche positive Gefühle, die ich bis dahin für die Geschichte hatte, komplett kaputt machte. Im Zeitalter des Internets ist einfach keine junge Frau so naiv und uninformiert, dass sie einen derartigen Fehler bei ihrer ersten großen Auslandsreise begehen würde.

Leider konnte mich auch die Atmosphäre Mexikos nicht überzeugen, oftmals hatte ich irgendwie das Gefühl, als würde ich nur eine Wikipedia-Seite zu dem entsprechenden Ort lesen. Die Menschen werden auch sehr klischeehaft beschrieben, ein bisschen mehr Nuance hätte ich mir da schon gewünscht. Und was ist bitte so komisch daran, Tortillas mit Nutella zu essen?

Das Fass zum Überlaufen brachte die Tatsache, dass Konflikte einfach immer auf dieselbe Art und Weise entstehen, nämlich dass jemand einen Streit verlässt, ohne die andere Person ausreden zu lassen, womit Missverständnisse in die Welt gesetzt werden. Das war nicht nur repetitiv, sondern in seiner Masse auch einfach total unrealistisch.

"Die Blumentöchter" konnte mich einfach überhaupt nicht überzeugen.

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Veröffentlicht am 12.05.2024

Verliebt in der Notaufnahme

Yours Truly
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Brianas Leben ist quasi ein Scherbenhaufen. Ihr Mann hat sie für ihre Freundin verlassen, ihr Bruder braucht dringend eine Spenderniere und abgesehen von ihrer Arbeit als Ärztin in der Notaufnahme gibt ...

Brianas Leben ist quasi ein Scherbenhaufen. Ihr Mann hat sie für ihre Freundin verlassen, ihr Bruder braucht dringend eine Spenderniere und abgesehen von ihrer Arbeit als Ärztin in der Notaufnahme gibt es auch sonst nichts, was ihr so richtig Freude im Leben bereitet. Auch ihr neuer Kollege Jacob ist da keine große Hilfe, denn obwohl er in sozialen Situationen eher ungelenk scheint, ist er ihr Konkurrent für die Stelle als Chefärztin. Doch das Blatt wendet sich, als Jacob Briana einen Gefallen schuldet und er sie daraufhin bittet, gegenüber seiner Familie seine Freundin zu spielen.

Ich glaube, ich habe beim Lesen eines Buches noch nie so sehr darüber hin und her geschwankt, wie viele Sterne ich am Ende vergeben werden. Die guten Stellen sind unheimlich gut, aber die schlechten auch so unheimlich schlecht. So hatte ich zum Beispiel eingangs irgendwie das Gefühl, dass sich die Autorin noch nicht so ganz "warmgeschrieben" hatte, weil ich den Schreibstil irgendwie hölzern fand (obwohl hier das Problem vielleicht auch in der Übersetzung gelegen haben kann). Auch dramaturgisch gibt es so viele Höhen und Tiefen, dass man am Ende des Buches schon ganz vergessen hat, was am Anfang alles los war, weil so manche Sachen auch irgendwann nicht mehr aufgegriffen werden.

Das Buch war gegen Ende dann eigentlich schon auf einem guten Weg zu einer Vier-Sterne-Bewertung von mir, da mir die Figuren inzwischen sehr ans Herz gewachsen waren und ich vor allem die romantischen Aspekte der Geschichte sehr gut geschrieben fand. Auf den letzten 50 Seiten gibt es aber dann eine Entwicklung, die für mich irgendwie sehr deplatziert und unnötig wirkte und meine Gesamtmeinung zu dem Buch wieder deutlich abschwächte. Dieser Teil der Geschichte hätte meiner Meinung nach ganz gestrichen werden können.

Nichtsdestotrotz hatte ich Spaß mit dem Buch, ich denke, Romance-Fans werden hier sicher Spaß haben. Auch ich freue mich, noch mehr von der Autorin zu lesen.

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