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Veröffentlicht am 11.11.2022

Ein Roman, der seiner Zeit weit voraus war und heute ein bedrückendes Zeugnis ablegt.

Gebrauchtes Glück
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Beschreibung

Kanada, 1940. Die 19-jährige Florentine Lacasse strebt mit ihrer jugendlichen Schönheit nach Liebe und Glück. Sie stammt aus ärmlichen Verhältnissen und trägt, als einzige mit einem Job in ...

Beschreibung

Kanada, 1940. Die 19-jährige Florentine Lacasse strebt mit ihrer jugendlichen Schönheit nach Liebe und Glück. Sie stammt aus ärmlichen Verhältnissen und trägt, als einzige mit einem Job in der Familie, mit ihrem Kellnerinnengehalt bereits eine große Verantwortung auf ihren Schultern, denn sie ist stets umgeben von den Nöten und Sorgen ihrer Mutter und kleineren Geschwister. Die Liebe zu einem berechnenden Aufsteiger wecken in Florentine einen Lebenshunger und schürt in ihr die Hoffnung auf eine glänzende Zukunft.

Meine Meinung

Jedes Mal bereitet es mir auf ein neues Freude, meinen literarischen Horizont zu erweitern, ganz besonders sogar, wenn es sich um einen Roman handelt, der Zeitgeschichte konserviert wie es die Kanadierin Gabrielle Roy in ihrem Roman »Bonheur d’occasion« aus dem Jahr 1945 tut, der nun mit »Gebrauchtes Glück« zum ersten Mal in einer deutschen Übersetzung vorliegt.

Die Journalistin und Autorin gilt als Vorreiterin der modernen und feministischen Literatur Kanadas, da sie in ihrer fiktionalen Geschichte das Schicksal der Frauen in der kanadische Provinz Québec mit ihrem großen französischen Bevölkerungsanteil zur Zeit des Zweiten Weltkriegs in den Vordergrund rückt. Wie unter einem Brennglas beleuchtet Gabrielle Roy in der allumfassenden Draufsicht das Leben der zehnköpfigen Familie Lacasse in Montreal, die unter ärmlichen Verhältnissen den schweren Alltag bestreiten.

Im Mittelpunkt der Erzählung steht die junge Frau Florentine, die älteste Tochter von Rose-Anna und Azarius Lacasse, die derzeit als einzige in der Familie einer bezahlten Arbeit als Kellnerin nachgeht. Während Rose-Anna, schon wieder mit einem Kind schwanger, von Sorgen über ihre Zukunft, der Suche nach einer größeren Wohnung und ihrer prekären finanziellen Lage zerfressen wird, sodass sie sogar darüber den schlechten gesundheitlichen Zustand ihres jüngsten Sohnes vergisst.

Florentine sehnt sich nach einem schönen Leben und will nichts mehr, als dem Elend der Armut zu entkommen, da sie an ihrer Mutter Beispiel vor Augen hat, wie ermüdend und auszehrend der tägliche Kampf um eine Abmilderung des Elends ist.

Gabrielle Roy zeichnet in »Gebrauchtes Glück« ein ungeschöntes Bild der sozialen und gesellschaftlichen Missstände im frankophonen Kanada zur Zeit des Zweiten Weltkriegs. Ihre starken Heldinnen haben dabei unterschiedliche Kämpfe mit sich und ihrer persönlichen Situation auszufechten, die von den Umständen der Arbeitslosigkeit sowie insbesondere ihrer Rolle als Frau geprägt sind.

Natürlich wird auch etwas Licht in die Generation der jüngeren und älteren Männer im Umfeld der Familie Lacasse geworfen. Speziell die Darstellung von Azarius Lacasse, der mit seinen Träumereien und seiner leichtfertigen Arbeitslosigkeit als Familienvater hat mich schwer schockiert, gerade auch deshalb, weil es sich so authentisch für diese Zeit mit ihrer Politik und deren Auswirkungen auf das Leben der Leute anfühlt.

So sehr mich Gabrielle Roys Roman auch zum Mitfühlen verleitete, muss ich doch gestehen, dass ihrem Erzählstil etwas Angestaubtes anhaftet, was ich teilweise als Barriere empfunden habe und dem Geschehen den Anstrich eines Schaukastens verleiht.

Fazit

Gabrielle Roy gewährt mit »Gebrauchtes Glück« einen Blick durch den Spiegel der Zeit auf das Leben in Québec zu den 1940er Jahren mit besonderem Blick auf die heimlichen Heldinnen. Ein Roman, der seiner Zeit weit voraus war und heute ein bedrückendes Zeugnis über die Verquickungen von Krieg, Politik, der Sozialgesellschaft und Religion ablegt.

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© Bellas Wonderworld; Rezension vom 09.12.2021

Veröffentlicht am 11.11.2022

Eine feine Briefgeschichte, die prima als Ergänzung oder Einstieg in Volker Kutschers Kriminal-Reihe gelesen werden kann

Mitte
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Meine Meinung

Ich liebe Kat Menschiks Illustrationen und ihre abwechslungsreiche Reihe »Illustrierte Lieblingsbücher«, welche im Galiani Berlin Verlag erscheint. Im mittlerweile elften Band »Mitte« findet ...

Meine Meinung

Ich liebe Kat Menschiks Illustrationen und ihre abwechslungsreiche Reihe »Illustrierte Lieblingsbücher«, welche im Galiani Berlin Verlag erscheint. Im mittlerweile elften Band »Mitte« findet sich nach »Moabit« die zweite Geschichte von Volker Kutscher aus dem Universum seiner beliebten Krimireihe um Gereon Rath, die mittlerweile auch als TV-Serie unter dem Titel ›Babylon Berlin‹ zu sehen ist.

Auch für Leser*innen, die noch keinen der Kriminalromane um Gereon Rath gelesen haben (wie meine Wenigkeit), ist der Briefroman um einige der Charaktere aus Volker Kutschers Krimi-Reihe eine tolle Lektüre, um nicht zu sagen ein Amuse Gueule, das Lust auf mehr macht! Die Aufmachung des Büchleins im hochwertigen Leinenkleid ist ein richtiges Highlight, denn das kräftige Orange leuchtet regelrecht und bei den Illustrationen und der Kalligrafie im Buchinneren ergibt sich durch den Einsatz der Farbe Violett ein herrlicher Kontrast.

Volker Kutscher erzählt in »Mitte« ausschließlich über Briefe, die Geschichte von Fritze Thormann weiter, welche direkt an seinen achten Kriminalroman »Olympia« anknüpft. Fritze Thormann musste nach einer Reihe unglückseliger Vorfälle unter einem anderen Namen in Berlin Mitte untertauchen und schreibt aus seiner Einsamkeit heraus Briefe an seine einstige Pflegemutter Charly sowie seine Freundin Hannah, die in Breslau untergetaucht ist. Antworten dazu sind nicht abgedruckt und dennoch lässt sich aus diesem einseitigen Blickwinkel eine atmosphärische Spannung ziehen.

Sicherlich ist die Lektüre von »Mitte« um einiges interessanter, wenn man die Romane gelesen und die darin agierenden Persönlichkeiten bereits kennengelernt hat. Mit meinen Vorkenntnissen, aus ein paar Folgen der TV-Serie und der Graphic Novel »Der nasse Fisch« bestehend, hatte ich zumindest eine grobe Ahnung über Setting und Zusammenhänge einiger Figuren. In meinen Augen ist das jedoch für diese Geschichte überhaupt nicht notwendig, denn Fritze Thormann mit seiner jugendlichen Leichtigkeit in den politisch aufreibenden Jahren in den 30er Jahren spricht für sich und macht Neugierig auf mehr.

Die Brieftexte werden von den herrlichen Illustrationen Kat Menschiks untermalt, zeigen Personen und Örtlichkeiten der Geschichte und machen das Gelesene damit noch eindrücklicher.

Fazit

Eine feine Briefgeschichte, die prima als Ergänzung oder Einstieg in Volker Kutschers Kriminal-Reihe gelesen werden kann und mit den eindrucksvollen Illustrationen von Kat Menschik glänzt.

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© Bellas Wonderworld; Rezension vom 08.12.2021

Veröffentlicht am 11.11.2022

Eine klassische Schauergeschichte, gewürzt mit einem eingängigen Setting und ausgeklügelten Charakteren

Die stillen Gefährten
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Beschreibung

1866. Elsie ist überglücklich mit Rupert Bainbridge eine gute Partie gemacht zu haben, der sie auf der gesellschaftlichen Treppe höher bringt. Nur wenige Wochen nach ihrer Hochzeit ist Rupert ...

Beschreibung

1866. Elsie ist überglücklich mit Rupert Bainbridge eine gute Partie gemacht zu haben, der sie auf der gesellschaftlichen Treppe höher bringt. Nur wenige Wochen nach ihrer Hochzeit ist Rupert jedoch tot und Elsie zieht mit einem Kind unter dem Herzen und einer anverwandten Cousine in das alte Landgut ihres verstorbenen Gatten. In ihrem neuen Zuhause vernimmt sie des Nachts eigentümliche Geräusche, die aus einem verschlossenen Raum dringen. Eines Tages öffnet sich dessen Tür und offenbart ein zweihundert Jahre altes Tagebuch sowie eine lebendig wirkende Holzfigur und schon bald tragen sich merkwürdige Dinge im Anwesen ›The Bridge‹ zu…

Meine Meinung

Die herausragende Optik des Schauerromans »Die stillen Gefährten« von Laura Purcell kann sich sehen lassen. Das Hardcover in Lederoptik ist mit dem schwarzen Hintergrund und einem glänzenden Goldschnitt ein wahres Schmuckstück für jedes Bücherregal und passt perfekt zur Geschichte, die sich im viktorianischen England zuträgt.

Der Roman ist genau, wie im Untertitel versprochen, eine viktorianische Geistergeschichte, deren Atmosphäre sich sanft entblättert und durch wechselnde Abschnitte Schicht um Schicht der Komposition erkennen lässt. Zum einen erlebt man eine von den Ereignissen verstummte Elsie, die sich in einer Nervenheilanstalt befindet und zu der Vergangenheit befragt wird, da sie nicht sprechen kann, schreibt sie ihre Geschichte auf und als schließlich die Handlung bei einem zweihundert Jahre alten Tagebuch ankommt, erfährt man von den Schrecken, die sich durch das Wirken einer Bainbridge Vorfahrin in dem Landgut eingenistet haben.

Elsie zählt zu jenen Hauptprotagonistinnen, die einem nicht unbedingt mit ihrem Schicksal mitfiebern lässt, da sie keine Sympathiepunkte für sich gewinnen kann. Ihre Situation als starke Frau im 19. Jahrhundert kann man jedoch nachfühlen und daraus Schlüsse über ihre Eitelkeit und Hochmut gegenüber niedrigeren gesellschaftlichen Ständen ziehen. Das restliche Personal der Geschichte wird nur schwach umrissen, denn das Augenmerk der Story liegt definitiv bei den mysteriösen Todesfällen und Erscheinungen in ›The Bridge‹.

Wie üblich für einen Schauerroman zieht sich die Spannung aus einer subtilen Ahnung der Zusammenhänge, die sich lediglich erahnen lassen und zum Miträtseln einladen. Laura Purcell ist dieser Kniff sehr gut gelungen, da sich immer mehr Fragen ergeben und man alleine deshalb gespannt die Seiten umblättert. Der Gruselfaktor hält sich jedoch in Grenzen, da zu wenig auf die titelgebenden hölzernen Figuren eingegangen wird und sich der Effekt des gespenstischen Auftauchens der stillen Gefährten ziemlich schnell abnutzt.

Meine hohen Erwartungen konnten trotz guter Ansätze nicht ganz erfüllt werden, da Laura Purcell das Potenzial ihrer Geschichte nicht optimal ausgeschöpft hat. Obwohl sich die Ereignisse am Ende immer besser ineinanderfügen, habe ich zu lange einen roten Faden vermisst, der dem Gebilde den nötigen Halt und Struktur gibt. Außerdem bleiben noch einige fragwürdige Details offen, sodass kein runder Abschluss zustande kommt.

Fazit

Eine klassische Schauergeschichte, gewürzt mit einem eingängigen Setting und ausgeklügelten Charakteren, dem Gesamtkonzept fehlt es allerdings noch am Feinschliff.

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© Bellas Wonderworld; Rezension vom 07.12.2021

Veröffentlicht am 11.11.2022

Ein mitreißender Western-Comic, der alleine schon aufgrund der glänzenden Illustrationen Lamontagnes lesenswert ist.

Wild West. Band 2
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Meine Meinung

In »Wild Bill«, dem zweiten Band von Thierry Gloris und Jacques Lamontagnes Western-Comic-Serie »Wild West« wird zunächst das Schicksal des Kopfgeldjägers Wild Bill Hickok auf der Jagd nach ...

Meine Meinung

In »Wild Bill«, dem zweiten Band von Thierry Gloris und Jacques Lamontagnes Western-Comic-Serie »Wild West« wird zunächst das Schicksal des Kopfgeldjägers Wild Bill Hickok auf der Jagd nach lohnender Beute gefolgt und schließlich Calamity Janes Weg, die als Mann verkleidet in einem Regiment der Blauröcke durch das Land zieht und hofft in der Schönheit der unberührten Natur ihren Weg zu finden, aufgezeigt.

Bei einem Überfall eines Indianerstammes wird fast die gesamte Kompanie getötet, doch da sie Jane als Frau erkennen, wird sie verschont und aufgenommen. Durch Janes Augen erlebt man ausschnittweise den Alltag bei einem Indianerstamm, wie sie leben und sich ernähren. Außerdem findet Jane dort endlich etwas Ruhe für ihre geschundene Seele abseits des Gesetzes des stärkeren Mannes.

Das Künstlerduo stellt in diesem Band die Lebensweise der westlichen Bevölkerung direkt der Lebensweise der indigenen Völker des Landes dar mit einem expliziten Blick auf den Krieg zwischen den kontrahierenden Seiten. Während sich einige Frieden wünschen, gibt es jedoch auch immer rebellierende Gruppierungen und auch Menschen, die aus dem Krieg ihren Profit ziehen.

Historisches vermischt mit typischen Western-Motiven und vielschichtigen Charakteren macht »Wild West (2) Wild Bill« zu einem absolut lesenswerten Abenteuer. Bestechend sind zudem die herausragenden realistischen Illustrationen von Jacques Lamontagne, die den Blick gerne auch etwas länger auf den einzelnen Panels verweilen lassen.

Laut Eindruck vor dem Comic ist mit diesem Band der erste Zyklus abgeschlossen, es darf also auf eine Weiterführung der Story hingefiebert werden!

Fazit

Ein mitreißender Western-Comic, der alleine schon aufgrund der glänzenden Illustrationen Lamontagnes lesenswert ist.

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© Bellas Wonderworld; Rezension vom 03.12.2021

Veröffentlicht am 11.11.2022

Jeff Lemire stellt die Weichen für ein apokalyptisches Drama über Familienzusammenhalt und den Untergang der Menschheit.

Family Tree. Band 2
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Meine Meinung

Die anfängliche Kleinstadt-Horror-Story von Jeff Lemire wächst sich im zweiten Band »Family Tree – Samen« langsam aber sicher zu einem dystopischen Horror-Albtraum aus.

Megs Verwandlung ...

Meine Meinung

Die anfängliche Kleinstadt-Horror-Story von Jeff Lemire wächst sich im zweiten Band »Family Tree – Samen« langsam aber sicher zu einem dystopischen Horror-Albtraum aus.

Megs Verwandlung in einen Baum kann nicht mehr aufgehalten werden, woran ihre Mutter Loretta zu zerbrechen droht. Da ahnt sie noch nicht, dass ihnen die Gefahr weiterhin fest im Nacken sitzt. Doch Judd schlägt sich wacker und gibt sein bestes, um seiner Familie die best möglichste Rückendeckung zu gewähren, indem alles daran setzt, die Arboristen aufzuhalten.

Nun lässt es sich auch so langsam aus der Story herauslesen, dass sich die Natur ihr Territorium wieder zurückerobern will, indem es Menschen in Bäume verwandelt. Warum es sich dafür jedoch gerade ein junges Mädchen herausgesucht hat, steht hingegen noch in den Sternen. Durch kleine Blicke in die Gegenwart ist eines jedoch Gewissheit, Megan und dem Baumnetzwerk gelingt es, denn Josh berichtet als einer der letzten Menschen von der Katastrophe.

Das Grandiose an Jeff Lemires Story beruht in der besonders starken Familiendynamik, die aus einem festen Zusammenhalt trotz der individuellen Charaktere ihre Kraft zieht. Außerdem finde ich das Spiel zwischen den Seiten ›Gut‹ und ›Böse‹ aufregend, da es sich nicht gleich auf den ersten Blick beurteilen lässt, wer auf welcher Seite steht. Sind die Arboristen nicht ›gut‹, da sie das Überleben der Menschheit sichern wollen, aber aus Sicht der handelnden Familie ›böse‹, da sie dabei auch nicht vor Opfern wie kleinen Mädchen zurückschrecken?

Das Artwork von Phil Hester, Erid Gapstur und Ryan Cody ist durch das eckige und minimalistische Design auf jeden Fall Geschmackssache, trifft aber auf jeden Fall die bedrückend düstere Horror-Stimmung, die Jeff Lemires Geschichte innewohnt.

Fazit

In »Family Tree – Samen« stellt Jeff Lemire die Weichen für ein apokalyptisches Drama über Familienzusammenhalt und den Untergang der Menschheit.

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© Bellas Wonderworld; Rezension vom 03.12.2021