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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.09.2024

Ungewöhnliche Zeitreise

Das Geheimnis der Glasmacherin
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Eine ungewöhnliche Geschichte über eine alte Handwerkskunst eingepackt in ein wunderschön gestaltetes Buch dessen Farbschnitt so aussieht wie man sich die Perlen vorstellt die die Hauptprotagonistin ...

Eine ungewöhnliche Geschichte über eine alte Handwerkskunst eingepackt in ein wunderschön gestaltetes Buch dessen Farbschnitt so aussieht wie man sich die Perlen vorstellt die die Hauptprotagonistin Orsola anfertigt. Ungewöhnlich daher, da uns Orsola und ihre Familie über mehrere Jahrhunderte hinweg begleiten (dabei selbst aber nur wenige Jahre altern) und uns die Geschichte der Glaskunst auf Murano näherbringt.
Am Anfang auch etwas befremdlich (da ich Bücher in dieser Art so noch nicht gelesen habe) aber auch raffiniert. Die Autorin verwebt viele historisch belegte Personen, unter anderem Giacomo Casanova und Kaiserin Josephine, mit fiktiven Personen um eine große Geschichte in Zeiten von Pest, Besetzung, Weltkriegen bis hin zur Corona-Epidemie zu erzählen. Immer eingebettet in die wechselreiche und eindrucksvolle Geschichte Venedigs.
Sehr gut bis in kleinste Einzelheiten recherchiert, in einem flüssigen Schreibstil erzählt, erwachen die gut gezeichneten Charaktere, vor einer schillernden und gläsernen Silhouette zum Leben. Politische und gesellschaftliche Entwicklungen kommen auch nicht zu kurz.
Und wenn man dann auch mal den kleinen Italienisch Kurs entdeckt hat der sich am Ende des Buches versteckt, macht das lesen noch viel mehr Spaß.

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Veröffentlicht am 08.09.2024

Starker Start

Sing, wilder Vogel, sing
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Unheimlich stark beginnt der Roman über eine der größten Katastrophen Irlands in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Eine Hungersnot unbekannten Ausmaßes. Sehr einfühlsam und lebendig beschreibt ...

Unheimlich stark beginnt der Roman über eine der größten Katastrophen Irlands in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Eine Hungersnot unbekannten Ausmaßes. Sehr einfühlsam und lebendig beschreibt die Autorin das Leben der kleinen Honora. Eine Kindheit ohne Mutter, da diese bei der Geburt verstorben war und ohne Vater, da dieser mit dem Kind nichts anzufangen wusste. Ein Leben geprägt von irischen Aberglauben, von Elend, Hunger und Anderssein. Auch ihr Leben als Erwachsene in dem sich Not und Elend perlengleich aneinanderreihen wird sehr detailliert dargestellt. Als Not und Hunger ihren Höhepunkt erreichen und fast das gesamte Dorf, inclusive ihres Ehemannes, den Tod findet beschließt sie unter vielen Mühen und kaum vorstellbaren Strapazen für ein besseres Leben nach Amerika auszuwandern.

Ab der Überfahrt als blinde Passagierin und einem wieder von viel Arbeit und Not geprägten Leben in Amerika hat sich der Schreibstil etwas verändert. Was vordem sehr gut recherchiert und flüssig geschrieben war wirkt ab der Zeit in Amerika etwas gekünstelt und mühsam zusammengestückelt; irgendwie fast unglaubwürdig.

Nichtsdestotrotz ist es ein schöner und gut geschriebener Roman, der einem ein trauriges und sehr düsteres Kapitel europäischer Geschichte näherbringt - durchgängig überschrieben mit dem Wunsch nach Freiheit.

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Veröffentlicht am 20.08.2024

Historisch belegter Roman

Die Gräfin
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Dem Roman "Die Gräfin" von Irma Nelles liegt eine historisch belegte Geschichte der Gräfin von Reventlow-Criminil zugrunde. Diese hat tatsächlich zur Zeit des 2. Weltkrieges sehr abgeschieden ...

Dem Roman "Die Gräfin" von Irma Nelles liegt eine historisch belegte Geschichte der Gräfin von Reventlow-Criminil zugrunde. Diese hat tatsächlich zur Zeit des 2. Weltkrieges sehr abgeschieden und für ihre Verhältnisse einfach auf einer Hallig im Wattenmeer gelebt was für eine Frau dieser Zeit äußerst außergewöhnlich war. Über sie gibt es zahlreiche Anekdoten - eine davon ist Grundlage für den vorliegenden Roman.
Die Gräfin war weithin bekannt für ihr Engagement. Sehr einfühlsam und detailreich beschreibt die Autorin nicht nur den Lebensalltag der Gräfin und ihrer Helfer sondern auch ihre Hilfsbereitschaft und ihren Mut gegenüber Flüchtlingen des Nationalsozialismus. In diesem kleinen Buch wird nicht nur die Hilfe und Menschlichkeit gegenüber einem einzelnen gestrandeten britischen Piloten thematisiert sondern auch die Würde des Menschen, die Hilflosigkeit des Alterns, und die Werte des Lebens wie Entschlossenheit und innere Stärke im allgemeinen.
Dieser kurze und sehr authentische Roman der sich nur über ein paar Tage des Lebens erstreckt gibt einen herausragenden Einblick in die damalige Zeit.
Die kleinen Fluchten ins plattdeutsche des Kutschers werden von jedermann verstanden und machen die Geschichte umso glaubwürdiger.
Leider bleibt das Ende über das Schicksal des Piloten in diesem Buch offen; gerne hätte ich hier noch weitergelesen.

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Veröffentlicht am 18.08.2024

Schäfer und Wölfe - eine Symbiose?

Von Norden rollt ein Donner
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Ich muss zugeben, ich habe etwas gebraucht bis ich in dem Buch angekommen bin. Aber dann hat es mich von Seite zu Seite mehr fasziniert und ich habe mir über Dinge Gedanken gemacht über die ich vorher ...

Ich muss zugeben, ich habe etwas gebraucht bis ich in dem Buch angekommen bin. Aber dann hat es mich von Seite zu Seite mehr fasziniert und ich habe mir über Dinge Gedanken gemacht über die ich vorher einfach hinweggesehen habe. Ich denke über den Inhalt sagt der Klappentext genügend aus - ich möchte hier auch keine Zusammenfassung darüber schreiben.
Der Autor schafft es in diesem Roman zeitgemäße Jugend mit einem traditionellen Beruf und einem uralten Angstgefühl oder ist es ein Aberglaube? in eine gelungene Symbiose zu stellen. Er hat einen gelungenen Schreibstil, spannungsgeladen, detailreich ohne zu sehr abzuschweifen, leichtgängig/flüssig aber tiefgründig. Einfach gut zu lesen. Er beschreibt das Leben der Schäferfamilie mit sämtlichen Höhen und Tiefen, menschlicher und unternehmerischer Natur sehr eindrucksvoll und von vielen Seiten beleuchtet. Alles sehr gut recherchiert.
Auf alle Fälle ein zeitgeschichtlicher Roman der einen zum Nachdenken über die aufgeworfene Problematik anregt.

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Veröffentlicht am 10.08.2024

Spannend und solide

Glutmoor (Janosch Janssen ermittelt 2)
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Ich habe Teil 1 mit diesem Ermittlerduo nicht gelesen, bin aber trotzdem schnell mit den Figuren warm geworden; ich hatte auch nicht das Gefühl, dass mir wichtige Hintergrundinformationen fehlen. ...

Ich habe Teil 1 mit diesem Ermittlerduo nicht gelesen, bin aber trotzdem schnell mit den Figuren warm geworden; ich hatte auch nicht das Gefühl, dass mir wichtige Hintergrundinformationen fehlen. Die Bücher können also unabhängig voneinander gelesen werden. Band 1 werde ich mir aber trotzdem noch holen, einfach weil der Autor einen schönen, klaren und mitreißenden Schreibstil hat.
Die Geschichte wird sehr realistisch dargestellt, genau mit dem richtigen Spannungsaufbau, so dass es von Anfang bis Ende glaubwürdig bleibt. Immer wieder wird man mit kleinen Ausflügen in die Vergangenheit auf eine neue Spur geführt. Der "Fall" nimmt dadurch einige nicht vorhersehbare Wendungen, welche aber immer begründet und nachvollziehbar dargestellt werden. Das Ende hat mich dann doch etwas überrascht - hatte ich so nicht auf dem Schirm; aber gut gelöst.
Sämtliche Protagonisten agieren mit dem richtigen Maß an Einfühlsamkeit und Professionalität und wirken dadurch sehr menschlich.
Für diesen gelungenen soliden Krimi mit dem nötigen Spannungsfeld möchte ich daher eine klare Leseempfehlung geben.

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