Ausschnitt eines (potentiell) interessanten Autorinnenlebens
Ein Engel an meiner TafelIn der vorliegenden Autobiografie schreibt Janet Frame, neuseeländische Autorin (1924 bis 2004), über eine Zeit in ihrem Leben zwischen den Lebensjahren 20 und 35. Hauptsächlich geht es um ihre "Schizophrenie" ...
In der vorliegenden Autobiografie schreibt Janet Frame, neuseeländische Autorin (1924 bis 2004), über eine Zeit in ihrem Leben zwischen den Lebensjahren 20 und 35. Hauptsächlich geht es um ihre "Schizophrenie" sowie ihre Anfänge als Autorin.
Wer also eine vollständige Autobiografie erwartet, wird hier leider enttäuscht. Über die Kinderheit erfährt der Leser nur andeutungsweise ein paar wenige Einzelheiten, die früher Zwanziger werden sehr verworren geschildert, erst zum Ende hin bekommt das Buch eine Struktur. Sprachlich zeigt sich die Autorin durchaus poetisch, ihr Faible für Lyrik scheint durch. Inhaltlich war für mich vor allem der Aspekt der falsch diagnostizierten Schizophrenie und die darauffolgenden Klinikaufenthalte interessant. Und zwar nicht im Sinne der bereits zuhauf existierenden Psychiatrie-Horrorgeschichten von vor mehreren Jahrzehnten, sondern vielmehr weil die Autorin ehrlich zugibt, die Diagnose aktive genutzt zu haben und nicht vorhandene schizophrenietypische Symptome simuliert zu haben, um Aufmerksamkeit zunächst von Ärzten und später von Mitgliedern der Literaturbranche zu bekommen. Leider betont sie, abgesehen von dieser Offenbarung, ihre Opferrolle im Psychiatriesystem.
Schade, dass nicht ein größerer Zeitraum dieses interessanten Autorinnenlebens abgedeckt wird mit dem Buch. Hier muss man leider seine Neugier bei Wikipedia stillen.