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Veröffentlicht am 29.03.2026

Koch doch mit Magie

Maries Glücksküche – Die Schule am Meer
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Die bekannte SPIEGEL Bestseller-Autorin Claudia Schaumann hat mit “Maries Glücksküche- Die Schule am Meer” den ersten Band ihrer neuen “Glücksküche“- Reihe vorgelegt. Auf dem phantasievollen Hardcover, ...

Die bekannte SPIEGEL Bestseller-Autorin Claudia Schaumann hat mit “Maries Glücksküche- Die Schule am Meer” den ersten Band ihrer neuen “Glücksküche“- Reihe vorgelegt. Auf dem phantasievollen Hardcover, das sofort Urlaubsgefühle herbeizaubert, sieht man bereits, wie nett das Leben am Strand mit einem phantastischen Picknick sein kann.

Marie ist mit ihren Eltern und ihren zwei Geschwistern aus dem regnerischen Hamburg in den kleinen Ort Saint Amour an der Atlantikküste gezogen. Zu Oma Aveline, bei der sie bereits die Ferien verbracht hat. Doch Marie ist nicht glücklich, sie spricht schlecht Französisch und hat keine Freunde. Und wer will schon in einer alten Turnhalle wohnen? Doch Maries Mutter und ihre Oma sind Schulköchinnen in der deutschen Schule, die Marie besucht. Oma vertraut ihr ein Geheimnis an: Essen kann glücklich machen! Dazu braucht es natürlich besondere Zutaten und ein bisschen Magie. Marie ist fasziniert- kann sie das auch? Ihr erster Kochversuch geht schrecklich schief, aber endlich findet sie dadurch eine Freundin, die reiche Coco, für die es aber viel interessanter ist, wie Marie lebt und was sich in Omas Schrank verbirgt- die magischen Zutaten!

Claudia Schaumann hat ein heiteres und kindgerechtes Buch über das Glück geschrieben, das entsteht, wenn mit Liebe gekocht wird und wenn man dieses Glück mit Freunden teilen kann. Natürlich sind die magischen Zutaten dabei sehr hilfreich: Bananenpaste für gute Laune, Grinseblümchentee zur Beruhigung und vieles mehr. Für die aufgeweckte und neugierige Marie ist es schwer, Omas Geheimnis zu bewahren, denn Mama mag keine Magie. Doch nur mit Magie lässt sich das große Schulbuffet vorbereiten, das unbedingt gelingen muss, damit Mama ihre Arbeit behält. Ob Marie das hinbekommen wird?

“Maries Glücksküche- Die Schule am Meer” bietet mit fröhlichen Texten, kurzen Kapiteln und liebenswerten Charakteren ein schmackhaftes Lesevergnügen. Besonders werden sich Kinder angesprochen fühlen, die gerne in der Küche helfen oder sogar schon selbst kochen. Doch die Geschichte, die Lust auf Sonne, Strand und leichtes Lebensgefühl macht, wird sicher auch Kochmuffel begeistern. Das Buch ist für Kinder ab neun Jahren empfohlen. Die gelungenen schwarz- weiß Illustrationen von Nadine Jessler passen gut zum Text des Buches und lockern die Erzählung gekonnt auf. Mit Marie hat Claudia Schaumann ein starkes Mädchen beschrieben, das lernt, dass ein Neuanfang vielleicht nicht gleich problemlos klappt, dass man aber mit Hilfe von Freundschaft viele Hindernisse überwinden kann. Die Begeisterung der Autorin für gute Küche und die französische Lebensart ist ansteckend und im ganzen Buch zu spüren. Dabei finden die Kinder nicht nur Rezepte am Schluss des Buches, sondern im Text wird immer wieder darauf eingegangen, welche Eigenschaften Lebensmittel haben und wie sie Gefühle beeinflussen können- auch ganz ohne Magie.

Ich habe das Buch mit meiner neun Jahre alten Enkelin gelesen, die gerne kocht und dabei mit Vorliebe auch etwas Neues ausprobiert. Uns hat das Buch sehr gut gefallen und wir würden sofort nach Saint Amour reisen, um auch einmal die magischen Gerichte von Oma Aveline zu kosten. Vielleicht bekommen die Kinder ja Lust uns dorthin zu begleiten und dieses fröhliche Buch zu lesen, das wir gerne weiterempfehlen.

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Veröffentlicht am 28.03.2026

Love hurts: Mein Herz in deiner Hand

Where We Belong
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Der Debütroman der Autorin Wiktoria A. Wieczorek “Where We Belong: Bis wir uns fanden” erzählt die Geschichte von Zofia, einem Mädchen, das sich, aus Polen mit ihrer Familie eingewandert, im noch fremden ...

Der Debütroman der Autorin Wiktoria A. Wieczorek “Where We Belong: Bis wir uns fanden” erzählt die Geschichte von Zofia, einem Mädchen, das sich, aus Polen mit ihrer Familie eingewandert, im noch fremden Deutschland schwer zurechtfindet. Dennoch geht es in diesem Roman mit stark autobiographischen Bezügen nicht nur um Zugehörigkeit, sondern auch um Zuneigung. Schon das schöne, intime Cover und der dreiseitige Motivfarbschnitt des Buches vermitteln, dass die Autorin in diesem Jugendbuch über die Liebe geschrieben hat.

Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen, Zofias Schulzeit und dann, Jahre später, Zofias Studienzeit. Allerdings möchte Zofia jetzt Nessy genannt werden, um mit ihrer Vergangenheit abzuschließen.

Zofia kommt nach Deutschland, ohne die Sprache zu können, dennoch geht sie ins Gymnasium. Obwohl sie die Sprache schnell lernt, ist sie eine Außenseiterin, die anders ist, die kaum beachtet wird. Zofia hat immer das Gefühl, nicht zu genügen, daher bemüht sie sich, nicht aufzufallen. Dennoch trägt sie in ihrer Familie viel Verantwortung, denn die Eltern, die selbst schlecht Deutsch sprechen, brauchen ihre Hilfe. Die Situation bessert sich, als der aus reichem Haus stammende Jonas sich um sie bemüht. Für Zofia ist es Freundschaft, für Jonas Liebe. Doch die droht er zu verlieren, denn Jonas fühlt, dass er neben seinem Freund Nils nur die zweite Wahl ist. Nils trifft Zofia in der Nacht, als er ein Graffiti an die Schulmauer sprayt, einen Vogel, der aus einem Käfig in die Freiheit zu fliegen scheint. Endlich denkt auch Zofia, die mit Hingabe zeichnet, dass sie gesehen wird, dass sie Nils etwas bedeutet. Doch dann verliert Sofia plötzlich alles….

Wiktoria A. Wieczorek beschreibt die Zweifel und Seelenpein, die Zofia während ihrer Zeit als Schülerin erlebt. Als sie mit Verrat konfrontiert wird, als sie hasst, was sie einmal geliebt hat. Um zu vergessen, ändert Zofia ihren Namen, denn so will sie nicht mehr angesprochen werden, jetzt ist sie Nessy, ein Mädchen, das dazugehört. Jahre später in ihrem Studium trifft sie wieder auf Nils, sie versucht alles, um ihm aus dem Weg zu gehen. Auch Nils weiß: Seinen vor Jahren begangenen Fehler kann er wahrscheinlich nie wieder gut machen. Und doch, langsam kommen Zofia und Nils einander näher. Gibt es eine zweite Chance auf Glück?

“Where We Belong- Bis wir uns fanden” erzählt eine eindringliche Geschichte über Pflicht und Schuld. So hat Nils aus Angst vor seinen Eltern Zofia im Stich gelassen, als sie ihn am meisten brauchte. Auch wenn er alles versucht, seinen Verrat zu entschuldigen, lernt er trotzdem noch lange nicht, was Loyalität zu einer Partnerin bedeutet. Wieder wird Zofia verletzt, und doch scheint der Vogel, er aus seinem Käfig in die Freiheit fliegt, dieses wunderschöne Bild, Zofia zu erreichen und ihr zu vermitteln, dass die Liebe auch ihr, der Verlorenen, endlich Halt gibt.

Mein Fazit:

“Where We Belong: Bis wir uns fanden” ist eine einfühlsame, herzenswarme und nachdenklich machende Erzählung über die erste Liebe und die eigenen Wurzeln. Sowohl Zofia/ Nessy als auch Nils erzählen aus der Ich- Perspektive ihre Geschichten, die von Vorurteilen und falsch verstandenem Gehorsam handeln. Wiktoria A. Wieczorek ist es gelungen, die Unsicherheit der Jugend und die Verunsicherung über die eigene Bedeutung, die schwierige erste Liebe und den Mut zu beschreiben, der, wenn er fehlt, jede Beziehung zerstören kann. Der Roman, der ab vierzehn Jahren empfohlen wird, ist ein Jugendbuch im besten Sinn, das viel Intimität und Zuneigung, aber auch widersprüchliche Gefühle behandelt. In sensibler, aber dennoch unterhaltsamer und leicht lesbarer Sprache zeichnet die Autorin ein beeindruckendes Bild von der Suche nach dem Glück und einem selbstbestimmten Leben. Ich fand dieses Buch wirklich lesenswert, daher eine klare Leseempfehlung und fünf Sterne von mir.

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Veröffentlicht am 27.03.2026

Coaching mit Hindernissen

Einatmen. Ausatmen.
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Mit “Einatmen. Ausatmen” hat der SPIEGEL Bestseller- Autor Maxim Leo ein herrlich unterhaltsames Buch über Selbstoptimierung und ihre Tücken geschrieben. Das wunderschöne Umschlagsmotiv zeigt ein Wiesenstück ...

Mit “Einatmen. Ausatmen” hat der SPIEGEL Bestseller- Autor Maxim Leo ein herrlich unterhaltsames Buch über Selbstoptimierung und ihre Tücken geschrieben. Das wunderschöne Umschlagsmotiv zeigt ein Wiesenstück des bekannten österreichischen Malers der Biedermeierzeit, Franz Xaver Petter.

Marlene soll in ihrer Firma zum CEO aufsteigen, leider tut sie sich mit den dazu nötigen soft skills schwer. So hat sich eine Kollegin über ihren Führungsstil beschwert. Dennoch wissen alle Mitarbeiter, dass das Firmenwachstum durch Marlenes Geschick zustande gekommen ist.
Um den Karrieresprung zu machen, muss Marlene ein Achtsamkeitsseminar besuchen, bei Alex Grow, dem Seelenflüsterer, der jedoch wirtschaftlich mit seiner viel zu schnell gewachsenen Academy vor dem Bankrott steht. Nur wenn Alex bei Marlene Erfolg hat, bekommt er Folgeaufträge und seine Firma wird überleben.

Maxim Leo beschreibt in witziger Weise die Spannungen, die zwischen Marlene und Alex von Anfang an bestehen, aber auch, dass Marlene langsam lernt, dass das Leben nicht nur aus Zahlen und Fakten, sondern auch aus Gefühlen besteht. Als sie sich im Wald verirrt und neben einem sterbenden Wildschwein ausharrt, lernt Marlene nicht nur sich selbst besser kennen, sondern auch den Hausmeister der Academy, Günther Mattissen. Und Marlene versteht, dass er ihre Hilfe braucht, denn auch seine Mutter liegt im Sterben. In einer sehr berührenden Szene erkennt Marlene, dass es im Leben nicht wichtig ist, was man hat, sondern, wer man ist und ob man geliebt hat und geliebt wurde. Trotzdem stellt sie verwundert fest, dass die Verstorbene viele Dinge besitzt, von denen auch ihr Sohn nichts weiß.

Langsam kristallisiert sich heraus, warum Marlene nur auf ihren Verstand hört, ihre Gefühle aber verdrängt. Aus einer unglücklichen Kindheit kommend meint sie, dass die Menschen zu zimperlich und zu leicht beleidigt seien. Dieses ständige Vergleichen mit ihrer eigenen Jugend und ihrem Werdegang führte dazu, dass sie den Anliegen ihrer Mitarbeiter zu wenig Beachtung schenkte. Marlene ist nun verunsichert, welchen Weg sie in Zukunft gehen möchte. Aus diesem Grund ist der Schluss des Buches positiv, lässt aber allen Charakteren Raum für weitere Entwicklung.

“Einatmen. Ausatmen” ist ein heiterer, aber durchaus tiefgründiger Roman, der mit subtilem Humor, feiner Ironie und einer satirischen
Note überzeugt. Dennoch werden ernste Probleme thematisiert. Ein minderjähriges Mädchen, aus schwierigen familiären Verhältnissen kommend, ist von zu Hause ausgerissen und hat sich Waldbesetzern angeschlossen. Als es von der Polizei verfolgt wird, findet es Zuflucht bei Alex und Marlene wird sofort zur “Wahl- Patentante”. In dieser Beziehung und auch beim Zusammensein mit Mattissen beginnt Marlene, sich zu öffnen und zu hinterfragen, was Glück wirklich bedeutet.

So ist “Einatmen. Ausatmen” eine warmherzige, klug beobachtende Erzählung, die nicht nur Marlenes Entwicklung beleuchtet, sondern das Wertesystem einer ganzen Gesellschaft auf heitere Weise auf den Prüfstand stellt. Die Frage, was Glück für den Einzelnen bedeutet, wird in diesem beschwingt und mit leichter Hand geschriebenen Buch zwar nicht beantwortet, aber es lohnt auf jeden Fall, die Protagonisten auf ihrer Suche und ihrem Weg zu begleiten.

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Veröffentlicht am 24.03.2026

Ein frecher Reim kommt nicht allein

Sag mal Ananas! ... Deine Hose ist nass!
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Der renommierte Duden- Verlag hat mit “Sag mal Ananas” ein lustiges Reimbuch herausgegeben, das Kinder dazu anregen soll, selbst mit der Sprache spielerisch umzugehen. Farbenfrohe Illustrationen von Barbara ...

Der renommierte Duden- Verlag hat mit “Sag mal Ananas” ein lustiges Reimbuch herausgegeben, das Kinder dazu anregen soll, selbst mit der Sprache spielerisch umzugehen. Farbenfrohe Illustrationen von Barbara Jung unterstützen die “Sag mal” Quatschreime der Autorin Andrea Weller- Essers. Das fröhliche und ansprechende Hardcover lässt schon erkennen, dass hier ein Buch vorliegt, das gerne Quatsch macht und diesen mit den kleinen Bücherwürmern teilen möchte.

Hier wird das ganze Alphabet zum Sprachspielplatz. Reime von A bis Z werden die Kinder zum Lachen bringen und dazu anregen, selbst Reimwörter zu erfinden. Dabei ist es nicht nur erlaubt, sondern auch erwünscht, dass die Reime keinen Sinn ergeben, denn schließlich wollen die großen und kleinen Dichter Spaß haben. Natürlich schulen die Reimwörter auch das Sprachgefühl und, wie Erwachsene sicher noch aus ihrer Kindheit wissen, gereimte Bilderbücher kannten sie schnell auswendig. Daher haben mein Enkel und ich das Buch mehrmals gelesen, die Buchstaben auf den einzelnen Seiten gesucht und die phantasievollen Illustrationen bewundert. Das Buch wird für Kinder ab vier Jahren empfohlen, doch auch jüngere Kinder werden schon vergnügt mitschauen.

Besonders gefallen haben meinem Enkel und mir die großen, dem Alter sehr gut angepassten und fröhlichen Illustrationen. Auch die Buchstaben haben wir gut gefunden und konnten so gleich weitere Reime mit dem selben Buchstaben suchen. Wie haben nicht nur viel gelacht, sondern auch die Freunde meines Enkels haben begeistert mitgereimt, so dass mit Hilfe des Buches ein neues, lustiges Spiel entstanden ist. Wir können “Sag mal Ananas” allen Erwachsenen, die gerne möchten, dass sich das Sprachgefühl und die Kreativität der Kinder verbessert und dabei die gute Laune nicht zu kurz kommt, nur wärmstens empfehlen.

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Veröffentlicht am 18.03.2026

Diesseits und jenseits des Flusses

Der Fährmann
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Dieser Fluss, das ist die Salzach, die Österreich von Deutschland trennt.
Der die an ihrem Ufer liegenden Dörfer seit jeher durch ein Fähre verbindet, und durch Hannes, den Fährmann.

Diesen Fluss nimmt ...

Dieser Fluss, das ist die Salzach, die Österreich von Deutschland trennt.
Der die an ihrem Ufer liegenden Dörfer seit jeher durch ein Fähre verbindet, und durch Hannes, den Fährmann.

Diesen Fluss nimmt Regina Denk als Grundlage für ihren Roman, der in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg beginnt und das Leben von drei Kindern prägt. Annemarie und Elisabeth, die gerne am Fluss spielen, ungeachtet seiner Gefahren. Hannes, den nur eine beherzte Hand aus den Fluten der Salzach rettet und der Gott gelobt, nie mehr Unrechtes zu tun. Eine Freundschaft entsteht, die auch der Fluss nie wird trennen können.

Annemarie ist Wirtstochter auf deutscher Seite, arbeitet bereits als Kind im Gasthaus der Eltern, lernt, dass man zu den Gästen immer freundlich zu sein hat. Lernt, dass man sich gegen sexuelle Übergriffe nicht wehrt, lernt, dass man willfährig ist. So auch dem Steiner Josef gegenüber, einem Großbauern aus Österreich. Den Elisabeth heiraten soll und der in der Ehe zu einem gewalttätigen Tyrann wird, seine Frau misshandelt, aber seine Geliebte Annemarie nicht aufgibt. Und auch zu ihr brutal ist, um seinen Willen zu bekommen.

Ein Hauptthema in Regina Denks ungewöhnlich dicht gewebter und mit großer Erzählkunst geschriebener Geschichte ist die Situation der Frauen am Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts. Die, obwohl von den Männern geschunden, auch bei den eigenen Müttern keine Zuflucht finden. Ein paar Ohrfeigen, einige blaue Flecken, das müsse man in Kauf nehmen und dem Mann recht schön tun. Eine aussichtslose Zwangslage für Annemarie und Elisabeth, die immer wieder bei Hannes Zuflucht suchen. Hannes, der Elisabeth seit seiner Kindheit liebt und erkennt, dass seine Gefühle erwidert werden. Hannes, der keine Familie haben darf, da seine Arbeit so gefährlich ist. Annemarie, die sich wünscht, dass Hannes sie lieben würde.

Als der erste Weltkrieg ausbricht, gibt es Hoffnung für Elisabeth. Josef meldet sich zum Militär. Hoffnung, dass er nie zurückkommt, auf Befreiung von Gewalt und Misshandlung. Hoffnung, dass ihre Kinder nicht mehr unter dem brutalen Vater leiden müssen. Doch die Salzach, der Fluss, der noch nie vermocht hat, Elisabeth und Hannes zu trennen, holt sich einen von Elisabeths Söhnen und über die Salzach wird ihr schwer kriegsversehrter Mann zurückgebracht, dessen Wut und Raserei keine Grenzen mehr kennt. Als Hannes sein Gott gegebenes Versprechen bricht ist es die Salzach, die helfen wird, ein Geheimnis zu bewahren.

Regina Denk hat mit “Der Fährmann” einen Roman von großer Kraft und Tiefe geschaffen. Selten werden Brutalitäten explizit beschrieben, dennoch sind die Lesenden hineingezogen in das Geschehen, fühlen die Angst der Frauen, empfinden ihren Ekel und Abscheu, genau wissend, dieser unerträglichen Situation nicht entrinnen zu können. Diese Realitätsnähe, die klare Sprache und das Aufzeigen der Bruchlinien zwischen Lebenswunsch und Wirklichkeit machen den Roman zu einem außergewöhnlichen Leseerlebnis. Jedes Kapitel ist mit dem Namen der jeweiligen Hauptperson und ihrem Alter überschrieben, was die Einordnung des Geschehens erleichtert. Dazwischen gibt es Einschübe, das “Anderswo” wird beschrieben. Anderswo, das ist das, was der Fluss bewirken kann, der Wunsch, in diesem Wasser zu versinken, ihm die geheimsten Wünsche anzuvertrauen und sich wegtragen zu lassen in eine andere Zeit und eine andere Welt. Es ist der Fluss, dessen Kraft die Lesenden schon auf dem Buchumschlag von Regina Denks Roman erkennen und der, unbeeindruckt von den Schicksalen der Menschen, selbst zu ihrem Schicksal wird.

“Der Fährmann” ist ein wirkmächtiges Buch, dem man sich als Lesender nicht entziehen kann, das die Schicksale der Protagonisten mit dem Fluss verbindet, dessen Wasser ihn immer wieder zu einem anderen macht, und der doch immer wieder derselbe bleibt. Ich war von diesem außergewöhnlichen Roman sehr beeindruckt, dieses Buch sollte man gelesen haben.

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