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Veröffentlicht am 27.03.2019

Eine Erzählung voller Drama über Liebe, Hass, Trauer und verpassten Chancen

Eine irische Familiengeschichte
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Das Cover des Romans „Eine irische Familiengeschichte“ von Graham Norton lässt ahnen, in welch einzigartiger, aber auch abgeschiedener Landschaft ein Teil der Erzählung spielt. Wie der Titel bereits andeutet, ...

Das Cover des Romans „Eine irische Familiengeschichte“ von Graham Norton lässt ahnen, in welch einzigartiger, aber auch abgeschiedener Landschaft ein Teil der Erzählung spielt. Wie der Titel bereits andeutet, umfasst die Schilderung Ereignisse über mehrere Jahrzehnte hinweg. Sie beginnt in dem kleinen fiktiven irischen Ort Buncarragh, der nördlich von Kilkenny liegt. Hier ist die Protagonistin Elizabeth Keane aufgewachsen.

Elizabeth kommt nach dem Tod ihrer Mutter Patricia nach Irland zurück, um dort den Nachlass ihrer Mutter zu regeln. Sie lebt seit vielen Jahren in New York als Dozentin an der Universität, ist geschieden und hat einen 17-jährigen Sohn. Beim Stöbern im Haus ihrer Mutter findet sie Briefe an den ihr unbekannten Vater Edward aus einer Zeit vor ihrer Geburt. Sie erinnert sich nicht an ihn. Patricia hat ihr erzählt, dass er starb, als sie noch ein kleines Kind war. Das Testament ihrer Mutter birgt eine Überraschung, denn sie wird Besitzerin des Anwesens von Edward in Muirinish, dem sogenannten „Castle House“, das auf einer Klippe am Rand der Keltischen See steht. Elizabeth macht sich auf die Suche nach den Hintergründen der Briefe und lernt dabei mehr über die schwierige Beziehung ihrer Eltern zueinander.

Graham Norton erzählt eine berührende Geschichte über zwei Zeitebenen. Gleich zu Beginn machte er mich neugierig mit einer Begebenheit, aus der sich bereits das Spannungsverhältnis von Edward zu seiner bei ihm lebenden Mutter herauslesen lässt. Die Abfahrt eines Krankenwagens ließ mich nichts Gutes ahnen. Es dauerte sehr lange, bis ich die Szene in den Kontext der Erzählung einordnen konnte. Bis dahin lernte ich abwechslungsreich gestaltete Charaktere in einem Roman voller Tragik kennen. In der Vergangenheit kämpft der arglose Edward um die Gunst von Patricia, die ihr Leben bisher der Pflege ihrer kranken Mutter gewidmet hat. Doch die weiteren Jahre ihres 32-jährigen Lebens möchte sie nun nach deren Tod an der Seite eines Ehemanns verbringen.

Die Bekanntschaft mit Patricia führt Edward die Schwierigkeit im Zusammenleben mit seiner Mutter, die die Schatten der Vergangenheit nicht ablegen kann, vor Augen und veranlasst ihn zu einer Überreaktion. Manche Geschehnisse zum damaligen Zeitpunkt erschienen mir ein wenig überzogen. In der Gegenwart verfolgte ich die Suche von Elizabeth nach den Geheimnissen ihrer Eltern, die mich durch ständige Wechsel der zeitlichen Perspektive ungeduldig auf die Auflösung warten ließ. In einer Nebenhandlung erzeugt der Autor rund um den Sohn von Elizabeth eine weitere bewegende Story.

„Eine irische Familiengeschichte“ von Graham Norton ist eine Erzählung voller Drama über Liebe, Hass, Trauer und verpassten Chancen, die vor der grünen irischen Landschaft mit schroffen Steilküsten spielt und mich gut unterhalten hat. Gerne empfehle ich den Roman an Leser von bewegenden Büchern mit Familiengeheimnissen weiter.

Veröffentlicht am 24.03.2019

Emotional ergreifende, ungewöhnliche Erzählung zur wechselhaften Geschichte Russlands

Luftgänger
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Ein vereister See mitten in einem verschneiten Wald als Titelbild des Romans „Luftgänger“ von Jewgeni Wodolaskin spiegelt die Kälte und Einsamkeit wieder, die der Protagonist Innokenti Petrowitsch Platonow ...

Ein vereister See mitten in einem verschneiten Wald als Titelbild des Romans „Luftgänger“ von Jewgeni Wodolaskin spiegelt die Kälte und Einsamkeit wieder, die der Protagonist Innokenti Petrowitsch Platonow in seinen jungen Jahren erfahren hat. Als Kind hat er mit seinem Cousin Sewa Drachen fliegen lassen und sich für die Aeronautik interessiert. Gerne hätte er sich vom Aufwind tragen lassen und wäre durch die Luft gegangen. Er war derjenige, der lenkte, Sewa stand hinter ihm. Doch wie sich später in der Geschichte herausstellen wird, hat sein Cousin in einer wichtigen Situation eine Entscheidung getroffen, die seinen weiteren Lebensweg maßgeblich beeinflusst.

Platonow, etwa dreißig Jahre alt, erwacht im Krankenhaus aus der Bewusstlosigkeit. Geiger, der behandelnde Arzt, stellt sich ihm vor und fragt ihn nach seiner Erinnerung. Obwohl ihm die Frage seltsam erscheint, stellt er fest, dass er sich nur an Unbedeutendes erinnert. Schrittweise kehren Szenen und Eindrücke zurück an eine Zeit der ersten Jahrzehnte im letzten Jahrhundert: Eine Kindheit in St. Petersburg zur Zarenzeit, eine erste aufkeimende Liebe während des Russischen Bürgerkriegs und schließlich der Aufenthalt im Straflager auf den Solowki-Inseln. Obwohl sein Umfeld sorgsam vorbereitet wurde, bleibt ihm nicht lange verborgen, dass Jahrzehnte seitdem vergangen sind. Geiger bestätigt ihm, dass inzwischen das Jahr 1999 geschrieben wird. Nach und nach löst sich im Folgenden durch weitere Erinnerungen das scheinbare Paradoxon langsam auf.

Schon bald nach Beginn der Erzählung wurde mir genauso wie dem Ich-Erzähler Platonow bewusst, dass es etwas Störendes zwischen den Erinnerungen und dem Erwachen als junger Mann in der Gegenwart gibt. Bis zur Auflösung verblieb eine gewisse Spannung im Hintergrund. Deutlich überlagert wurde sie jedoch von der bewegenden und berührenden Geschichte des Protagonisten. Mit der zunehmenden Rückkehr seiner Erinnerungen erfuhr ich als Leser immer mehr über seine Kindheit, Jugendzeit, als Student und schließlich als Strafgefangener. Gleichzeitig beginnt seine Rekonvaleszenz im Jahr 1999, die verbunden ist mit einer schrittweisen Rückkehr in den Alltag. Noch während Platonow um seine Gesundheit kämpft, holt die Vergangenheit ihn ein. Er erlebt eine Begegnung auf die er nicht zu hoffen gewagt hat und die bei mir unterschiedliche Gefühle auslöste. Ich habe mich für Platanow gefreut, war aber auch erstaunt und habe ihn in der Situation aus bestimmten Gründen ebenfalls ein wenig bemitleidet. Zum Schluss habe ich jedoch vergeblich darauf gewartet zu erfahren, was aus denjenigen wurde, die ein ähnliches Schicksal wie Platonow erlitten hatten.

Der Roman besteht aus zwei Teilen. Im ersten Romanabschnitt hält der Protagonist in Tagebuchform die für ihn wichtigsten Gedanken fest. Im zweiten Teil schreiben auch zwei Bezugspersonen der Hauptfigur ein Tagebuch. Die Fassungen der drei verschiedenen Personen verschmelzen immer mehr. Dadurch wird deutlich, dass die Vergangenheit Platonows nicht nur ihn, sondern ein ganzes Land betrifft. Seine Erlebnisse stehen stellvertretend für viele und sollen nicht in Vergessenheit geraten. Sein Leben zeigt, dass nicht immer die Pläne derjenigen überleben, die die Macht innehaben. Doch Alternativen dazu sind fragil, unbekannt und stoßen daher auf Befremdung. Am Ende bleiben einige Fragen offen.

„Luftgänger“ von Jewgeni Wodolaskin ist eine emotional ergreifende Erzählung, die in die wechselhafte Geschichte des Russlands zu Beginn des 20. Jahrhunderts führt. Die Gestaltung der Schilderung ist außergewöhnlich und daher besonders lesenswert. Gerne empfehle ich das Buch weiter.

Veröffentlicht am 13.03.2019

Anschauliche Lektüre über ein wenig bekanntes Kapitel deutscher Geschichte

Rheinblick
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Der Roman „Rheinblick“ von Brigitte Glaser brachte mich handlungsmäßig nach Bonn in das Jahr 1972. Sonja und Hilde, die Protagonistinnen der Geschichte, genießen gerne den Blick über den Rhein auf den ...

Der Roman „Rheinblick“ von Brigitte Glaser brachte mich handlungsmäßig nach Bonn in das Jahr 1972. Sonja und Hilde, die Protagonistinnen der Geschichte, genießen gerne den Blick über den Rhein auf den Drachenfels im Siebengebirge, wie er auf dem Cover zu sehen ist. Ich war auch schon mehrfach hier zu Besuch, weil ich die Gegend sehr mag.

Die 23-jährige Logopädin Sonja Engel wohnt in einer Wohngemeinschaft mit den Studenten Kurt, Max und Tine. Im November 1972 wird ein zunächst geheimnisvoller Politiker eingeliefert, den sie nach einer Stimmband-OP betreuen soll. Es ist der gerade neu gewählte Kanzler Willy Brandt ist. Es stellt sich die Frage, ob er für eine Weile ohne Stimme seine Geschäfte in seinem Sinne fortführen kann oder ob es vielleicht Parteigenossen gelingen wird, sich einen Teil seiner Macht zu eigen zu machen.

Unterdessen herrscht das alltagsübliche Treiben in der Gaststätte „Rheinblick“ von Hilde Kessel. Nach dem Tod ihres Ehemanns vor zwei Jahren führt sie das Lokal alleine weiter. Hier treffen sich Politiker aller Couleur, deren Mitarbeiter und viele Bonner Bürger zum Essen, auf ein Kölsch und zum Gedankenaustausch. Hilde hat sich als diskret erwiesen und wird von manchem Gast ins Vertrauen gezogen. Doch jetzt findet sie sich in einem politischen Intrigenspiel um Postengerangel im Kanzleramt wieder.

Brigitte Glaser schafft es, ein realistisches Bild der Geschehnisse zur Kanzleiwahl und den darauffolgenden Tagen im November 1972 entstehen zu lassen. Neben den historisch verbrieften Persönlichkeiten, wie beispielsweise Brandt, Schmidt, Bahr und Wehner lässt sie auch fiktive Figuren agieren, die ihre eigenen Ecken und Kanten haben. Sonja und Hilde blicken manchmal auf die vergangenen Jahre zurück und haben sich aus ihren Erfahrungen heraus weiterentwickelt. Jedoch wird auf dem politischen Parkett nach wie vor integriert, gehasst und gegeneinander ausgespielt. Die beiden Frauen sind auf ihre Weise damit verknüpft und obwohl das Ränkespiel ihnen bewusst ist, besteht die Schwierigkeit nicht nur darin, unbehelligt aus einer solchen Situation herauszufinden sondern vor allem erscheint es nahezu unmöglich, sich davon fernzuhalten.

Neben der Darstellung der politischen Lage schreibt die Autorin auch über erste Erfolge der Emanzipation von Frauen und über deren Ansehen in der Gesellschaft. Sie schildert das Zusammenleben in einer Wohngemeinschaft und das studentische Leben. Neben der Hoffnung auf Genesung des Kanzlers bindet sie eine zarte Liebesgeschichte in den Roman ein und lässt in einer Nebenhandlung einen Mord aufklären der verbunden ist mit dem düsteren Kapitel der Misshandlung von Kindern in Heimen. Ebenso trägt ein kurzer Einblick in den Journalismus einer Zeitschrift zur abwechslungsreich ausgestalteten Erzählung des Romans.

Im Anhang findet sich ein Soundtrack, denn die Geschichte wird von Brigitte Glaser mit entsprechender Musik, die damals gehört wurde, unterlegt und viele werden sich beim Lesen an die Lieder erinnern. Anhand einer Literaturliste findet der Leser passende Lektüre über die damaligen Politiker und ihre Zeit, in einem Glossar sind die wichtigste Begriffe aus Wirtschaft und Politik erklärt sowie biografische Daten berühmter Staatsmänner aufgeführt.

„Rheinblick“ ist eine anschauliche Lektüre über ein wenig bekanntes Kapitel der deutschen Geschichte, nämlich der Stimmbanderkrankung von Willy Brandt unmittelbar an seine Kanzlerwahl 1972. Brigitte Glaser lässt die Ereignisse gekonnt authentisch präsent werden und baut nebenher noch durch die Handlungen eine gewisse Spannung auf und hält sie bis zum Schluss. Ich wurde von dem Roman bestens unterhalten und empfehle ihn gerne weiter.

Veröffentlicht am 08.03.2019

Eine Frau auf der Suche nach dem, was sie wirklich will

Frühlingserwachen
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Der Roman „Frühlingserwachen“ erzählt von dem Alter Ego gleichen Namens der Autorin Isabelle Lehn. Mit dem Erwachen des Frühlings assoziiere ich den Beginn des jährlichen Aufblühens der Natur. Für die ...

Der Roman „Frühlingserwachen“ erzählt von dem Alter Ego gleichen Namens der Autorin Isabelle Lehn. Mit dem Erwachen des Frühlings assoziiere ich den Beginn des jährlichen Aufblühens der Natur. Für die Protagonistin Isabelle Lehn, 36 Jahre alt, Schriftstellerin, geschieden und in einer Beziehung, ist es kein neuer Anfang. Eher sieht sie „rot“ und ist wütend auf sich selbst, wenn sie auf das schaut, was sie bisher im Leben erreicht hat, symbolisiert auch durch die Farbgestaltung des Covers. Die junge Frau, die dort abgebildet ist, scheint sich lieber in ihrer Kleidung verstecken zu wollen, doch ihr Blick richtet sich offen und erwartungsvoll auf den Lesenden. Wendet man das Buch, stellt sich die Abbildung förmlich auf den Kopf und auch die Hauptfigur sinnt darüber nach, ob sie durch verschiedene Entscheidungen ihre Zukunft gründlich verändern könnte.

Isabelle wünscht sich ein Kind, ist sich aber nicht schlüssig darüber, ob es ihr in der Folge gelingen wird, die Maßstäbe tatsächlich zu erreichen, die sie sich für eine Erziehung setzt. Seit vielen Jahren arbeitet sie an ihrem Roman und hofft natürlich darauf, dass er veröffentlicht wird. Sie ist unzufrieden aufgrund des Nichterreichten beziehungsweise nicht genug Erreichten und stagniert in einer depressiven Phase. Die verordneten Tabletten wirken gegen ihre Unruhe, vermindern aber auch ihren Antrieb. Wie bei vielen Dingen in ihrem Leben, weiß sie nicht, welchem Umstand sie mehr Bedeutung beimessen soll. Ihrer Meinung nach befindet sie sich in einem Alter in dem ihre Entscheidungen wichtige Auswirkungen für den Rest ihres Lebens haben werden. Isabelle fragt sich, ob es immer nur zwei Seiten einer Medaille gibt, schwarz oder weiß, hell und dunkel oder lohnt sich es sich auch mit Alternativen und Kompromissen zu leben?

Isabelle Lehn schreibt einen Text bei dem an keiner Stelle klar wird, wie autobiographisch er ist. Doch die Frage bleibt stets im Hintergrund und forderte mich von Beginn an dazu auf, mehr über die Autorin im Internet zu erfahren. Neben der eigentlichen Handlung, in der der Schreibprozess eines Romans geschildert wird, ebenso wie die Kinderwunschbehandlung der Protagonistin und die Psychotherapiestunden gegen die Depressionserkrankung, konnte ich mehr über die Gefühlswelt der Hauptfigur erfahren, die in der Ich-Form erzählt. Ohne Hemmungen schreibt sie über ihre Beziehungen zu Männern, ihr feinsinniges Verhältnis zu ihren Freundinnen und ihrer ungebrochenen Bindung zu Familienangehörigen. Begleitet wird der Text immer wieder mit Ausflügen in die Literatur, die auf vielfache Weise in den Alltag von Isabelle einfließt und einwirkt.

Auf ihre ganz eigene Weise ist die Protagonistin des Romans „Frühlingserwachen“ bestrebt, einen Weg zu finden, sich selbst zu verwirklichen. Sie sucht dabei nach einem geeigneten Maßstab, an dem man seine Zufriedenheit messen kann, um sich letztlich der Ironie des Schicksals hinzugeben. Ausdrucksstark erzeugt die Autorin Bilder im Kopf, die gerade durch die Möglichkeit der Nähe zur Realität authentisch wirken. Gerne empfehle ich den Roman weiter.

Veröffentlicht am 05.03.2019

Jugendliebe und Selbstfindung - berührend mit einem Touch Mystik

Nichts als Liebe im Universum
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„Nichts als Liebe im Universum“ von Cat Jordan ist ein Jugendbuch ab 14 Jahren und es beschreibt die kurze, aber sehr bewegende Romanze zwischen dem 17-jährigen Matthew, von allen Matty genannt und der ...

„Nichts als Liebe im Universum“ von Cat Jordan ist ein Jugendbuch ab 14 Jahren und es beschreibt die kurze, aber sehr bewegende Romanze zwischen dem 17-jährigen Matthew, von allen Matty genannt und der scheinbar von einem anderen Stern gekommenen Priya. Im Original ist das Buch mit „Eight days on Planet Earth“ betitelt, denn genau so lange dauert es, bis Priya das Leben von Matty durch ihre Anwesenheit in seiner Nähe stark verändert. Entsprechend viele Kapitel gibt es im Buch, die außerdem in weitere Abschnitte eingeteilt sind denen eine Tageszeit zugeordnet ist.

Matty lebt auf einer Farm in Pennsylvania, die sein Großvater früher geführt hat. Mattys Vater vernachlässigt den Betrieb und widmet seine Zeit lieber der Beschäftigung mit Außerirdischen, die vor Jahren auf einem Feld hinter der Farm mit ihrem Raumschiff abgestürzt sein sollen. Ausgerechnet an dem Tag, an dem der Vater seine Familie verlässt, begegnet Matty auf eben jenem Feld einem sehr schlanken, weiß-blonden Mädchen, das behauptet von einem anderen Stern zu kommen und die Aufgabe besitzt, Informationen über die Erde und seine Bewohner zu sammeln.

Priya behauptet Matty gegenüber, dass sie von einem anderen Stern kommt. Obwohl im Klappentext deutlich geschrieben steht, dass sie kein Alien ist, wollte ich ebenso wie Matty daran glauben. Geschickt spielt die Autorin hier mit Elementen, die Priyas Aussage unterstützen.

Matty durchlebt gerade ein Wechselbad der Gefühle. Seine Beziehung zum Vater hat sich in den letzten Jahren verschlechtert, es gab so gut wie keine gemeinsamen Aktivitäten mehr. Matty stellt sich auf die Seite seiner Mutter, ohne die Gründe seines Vaters für sein Verschwinden genauer zu kennen. Er selbst wurde von einer langjährigen Freundin vor kurzem zurückgewiesen als er eine Beziehung beginnen wollte. Vielleicht denkt er, dass er dadurch den Kummer seiner Mutter sehr gut nachvollziehen kann. Er versucht, sie gefühlsmäßig wieder aufzurichten.

Seine Begegnung mit Priya bringt sein Weltbild durcheinander, denn er hat sich gedanklich von den Verschwörungstheorien gelöst, denen sein Vater nachgeht. Und nun spiegelt das Mädchen alles das wieder, was er hinter sich gelassen hat. Seine Skepsis bleibt und dennoch kommen sich die beiden immer näher durch die Hilfsbereitschaft von Matty und seinem wieder geweckten Interesse am Weltraum. Zunächst bleibt es fragwürdig, ob Priya für Matty nur ein Trost für das Fehlen des Vaters und ein Zeitvertreib für die Ferien ist oder Liebe. Aber mit dem Vergehen der wenigen Tage klärt sich die Frage nachdrücklich. Im Laufe der Geschichte gewinnt Matty durch den Umgang mit Priya einige grundlegende Erkenntnisse über das Leben an sich und das Zusammensein.

„Nichts als Liebe im Universum“ ist nicht nur eine Liebesgeschichte sondern beschreibt auch eine Selbstfindungsphase des Protagonisten bei der er emotional wächst. Über dem ganzen Roman liegt ein mysteriöser Touch, der fasziniert und über das Leben außerhalb unseres Planeten nachdenken lässt. Das Ende der Geschichte kommt rasch und bringt eine unerwartete Wendung mit sich, die tief berührend ist und alles verändert. Unbedingte Leseempfehlung!