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Veröffentlicht am 02.06.2026

Einfühlsam beschriebener Roman über Verlust, Freundschaft und Neuanfang

Laute Nächte
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Der Münchner Kenni ist die zentrale Figur und zugleich Ich-Erzähler des Romans „Laute Nächte“ von Anne Freytag. Seit dem Unfalltod seiner Freundin hat er den Halt im Leben verloren. Vorher hatten sie gemeinsam ...

Der Münchner Kenni ist die zentrale Figur und zugleich Ich-Erzähler des Romans „Laute Nächte“ von Anne Freytag. Seit dem Unfalltod seiner Freundin hat er den Halt im Leben verloren. Vorher hatten sie gemeinsam einen festen Plan: Sie hatten einen Camper hergerichtet, um damit drei Wochen lang auf Reisen zu gehen. Einige Zeit nach diesem einschneidenden Verlust zieht Kenni schließlich ohne große Erwartungen nach Wien, wo er ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft gemietet hat.

Anne Freytag gelingt es von Beginn an, Kennys Gefühlswelt authentisch darzustellen. Seine Orientierungslosigkeit und die Unfähigkeit, den Verlust zu begreifen oder angemessen damit umzugehen, werden glaubhaft vermittelt. In der WG lernt er drei sehr verschiedene Mitbewohnende kennen, die prägend für seine Zukunft sein werden. Da ist zunächst sein Vermieter Paul, der mit Tennis ein kleines Vermögen verdient hat und ihm nun genauso verloren erscheint, wie er selbst sich fühlt. Beiden gelingt es zunächst nicht, sich anderen gegenüber zu öffnen und über ihre Erfahrungen der vergangenen Zeit zu reden. Während Elif gesellig und lebensfroh ist, zieht Julia sich lieber in ihr Zimmer zurückzieht.

Die Autorin zeigt einfühlsam, wie es Kenni schrittweise gelingt, neben seiner anhaltenden Trauer, verdrängte Gefühle wieder zuzulassen und auf diese Weise langsam neue Freude am Leben zu finden. Als er sich schließlich dazu entschließt, die geplante Reise doch anzutreten, entscheidet Elif sich, ihn zu begleiten. Neun Jahre später finden sich seine früheren Mitbewohnenden zu einer Ausstellung seiner Arbeiten in Zürich ein. Der Abend bringt für Kenni erneut eine große Veränderung in seinem Leben, die er so nicht erwartet hätte.

In Rückblicken, aber auch in der Folgezeit setzt Kenni sich mit seiner immer noch vorhandenen Trauer zunehmend kritisch auseinander, wobei er seine Gefühle für Elif stets als Verrat an seiner verstorbenen Freundin sieht. Die Darstellung der inneren Zerrissenheit mit all ihren Höhen und Tiefen ist dabei authentisch und glaubhaft. Trotz des schweren Themas wirkt „Laute Nächte“ jedoch nie bedrückend, sondern lebt von der besonderen Dynamik der WG und den gemeinsamen Nächten, in denen Erfahrungen gemacht werden, die das Leben nachhaltig verändern können. Diesen Roman über Verlust, Freundschaft und Neuanfang empfehle ich den Roman weiter.

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Veröffentlicht am 28.05.2026

Außergewöhnliche Anfangssituation, die Neugier weckt

Tata
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Im Oktober 2010 erhält die in Paris lebende, achtunddreißigjährige Regisseurin Agnès Dugain einen Anruf von der Polizei aus der burgundischen Stadt Gueugnon. Im Telefonat wird sie über den Tod ihrer Tante ...

Im Oktober 2010 erhält die in Paris lebende, achtunddreißigjährige Regisseurin Agnès Dugain einen Anruf von der Polizei aus der burgundischen Stadt Gueugnon. Im Telefonat wird sie über den Tod ihrer Tante Colette Septembre informiert, deren letzte Angehörige sie ist. Agnès ist fassungslos, denn ihre Tante, die sie früher liebevoll „Tata“ nannte, ist bereits vor drei Jahren verstorben. Sie ist Realistin und weiß, dass niemand „wiederstirbt“. Mit dieser ungewöhnlichen Situation schafft die Autorin Valérie Perrin eine spannende Ausgangslage für ihren Roman, der den Kosenamen der Tante von Agnès trägt und im Untertitel bereits auf das zu erwartende Geheimnis hinweist.

Im Folgenden entfaltet sich eine komplexe Geschichte, die tief in die Vergangenheit der Regisseurin führt. Agnès wuchs im Südosten Frankreichs auf. Ihre Eltern waren bekannte Musiker, die ihre Tochter in den Ferien zu Colette schickten, die in Gueugnon eine Schusterwerkstatt betrieb. Soweit Agnès weiß, blieb ihre Tata unverheiratet und kinderlos. Bis zu ihrer kürzlich erfolgten Scheidung lebte die Regisseurin mit ihrem Mann und ihrer Tochter in den Vereinigten Staaten. Daher war sie bei der Beerdigung vor drei Jahren nicht anwesend. Jetzt jedoch begibt sie sich ins Burgund, um das Geheimnis ihrer Tante aufzudecken. In Gueugnon trifft Agnès auf drei Freunde aus der Kindheit, die bei ihrer Suche behilflich sind.

„Tata“ verbindet Elemente eines historischen Romans, einer Liebesgeschichte und eines Kriminalfall. Valérie Perrin erzählt abwechslungsreich, unter anderem durch wechselnde Erzählperspektiven und unterschiedlichen stilistischen Ebenen. Neben den Lebensgeschichten der beiden Protagonistinnen Agnès und Colette schildert die Autorin uch die bewegte Vergangenheit von Agnés‘ Eltern, ihrer Freunde sowie einer besonderen Person, die Colette viel bedeutete. Dabei werden berührende Themen angeschnitten, die zeigen, dass das Schicksal vor niemandem und nichts zurückschreckt und Familie nicht nur durch Blutsbande entsteht. Ab etwa der Mitte kommt es durch die ausführlichen Nebenhandlungen allerdings zu einiger Länge. Der Schauplatz im Burgund mitsamt den Bewohnenden wirkt besonders authentisch, weil die Autorin dort beheimatet ist.

Mit „Tata oder das Geheimnis meiner Tante Colette“ gelingt es Valérie Perrin durch ihre außergewöhnliche Prämisse Neugier zu wecken und eine durchgehend hintergründige Spannung zu erzeugen. Facettenreiche Figuren und ein vielseitiger Schreibstil sorgen für eine ebenso lebendige wie tiefgründige Unterhaltung, die ich gerne weiterempfehle.

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Veröffentlicht am 19.05.2026

Dorfleben auf vergnügliche Weise im überzeichnete Maße

Mirabellentage
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Im Roman „Mirabellentage“ von Martina Bogdahn erzählt die Pfarrhaushälterin Anna Nass, Anfang fünfzig, in der Ich-Perspektive von ihrem arbeitsreichen Leben im bayrischen Blumfeld. Der Pastor, für den ...

Im Roman „Mirabellentage“ von Martina Bogdahn erzählt die Pfarrhaushälterin Anna Nass, Anfang fünfzig, in der Ich-Perspektive von ihrem arbeitsreichen Leben im bayrischen Blumfeld. Der Pastor, für den sie tätig war und den sie seit ihrer Kindheit kannte, ist im Alter von nur siebenundfünfzig Jahren plötzlich verstorben. Genau wie sie ist er vor Ort in einer ländlichen Umgebung aufgewachsen, wobei er ein paar Jahre älter war. Beide haben die Natur geliebt, was sich auch in den schönen Schilderungen der Landschaft widerspiegelt. Zum Pfarrhaus gehört ein großer Garten in dessen Mitte ein Mirabellenbaum steht, der mit seinen Früchten dafür sorgt, dass jeder Besuchende des Hauses ein Glas Konfitüre erhält und dem Buch seinen Titel gibt.

In der Natur umherzustreichen war sowohl für Anna als auch für Josef befreiend von all den Erwartungen, die ihnen vom Elternhaus auferlegt wurden. Im Verlauf der Handlung erinnert sich die Haushälterin immer wieder an diese Zeit zurück, weswegen das aktuelle Geschehen stellenweise ins Stocken gerät. Selbst schwierigen Situationen gewinnt Anna eine humorvolle Seite ab. Der gesamte Text wird von einem feinen Augenzwinkern begleitet, die Beschreibungen sind oft überspitzt dargestellt. Die Dorfbewohnenden sind äußerst geübt darin, aufgrund von kleinsten Bemerkungen die sonderbarsten Mutmaßungen aufzustellen. Die Gerüchteküche kocht und die Fantasie lässt diese mit jeder Weitergabe der Vermutung übersprudeln. Martina Bogdahn bedient so manches Klischee des Landlebens, versteht es jedoch dabei auch, auf verschiedene Probleme hinzuweisen.

Der Tod des Pfarrers in der Gegenwart des Jahres 2010 und sein damit verbundener letzter Wille stellen Anna vor unerwartete Herausforderungen, aus denen sich weitere zahlreiche, amüsante Szenen ergeben. Doch sie steht zu ihrem Wort, auch wenn sie dabei über ihren Schatten springen muss. Auf dem Weg, die übernommene Aufgabe auszuführen, stellt sie fest, dass nur derjenige heimkommen kann, der zuvor weggegangen ist.

Der neue Priester, der wenig später ins Pfarrhaus einzieht, stammt aus Norddeutschland und sorgt erwartungsgemäß im Ort für neue Spekulationen, da er auf direktem Wege aus Rom eintrifft. Bald schon erweist er sich als recht selbständig, so dass Anna um ihre Anstellung bangt. Hinter ihrem Frohsinn kann sie die Notwendigkeit, sich ernsthaft Gedanken über ihre Zukunftsgestaltung zu machen, nicht verbergen.

In ihrem Roman „Mirabellentage“ schildert Martina Bogdahn das Leben der Pfarrhaushälterin Anna Nass im ländlichen Blumfeld. Sie greift dabei auf vergnügliche Weise im überzeichneten Maß die Eigenheiten des Dorflebens auf, deutet gleichzeitig aber auch problematische Seiten im ländlichen Zusammenleben an. Gerne empfehle ich diese unterhaltsame, warmherzige Geschichte an Lesende mit einem Sinn für das Komische weiter.

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Veröffentlicht am 12.05.2026

Es ist nie zu spät, an die Verwirklichung seiner Träume zu glauben

Zeit für meine Träume
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In ihrem Buch „Zeit für meine Träume“ zeigt Tessa Randau auf, dass es möglich ist, wieder Vertrauen zum Leben zu gewinnen, wie es auch im Untertitel heißt. Die Autorin erzählt novellenartig von einer zukunftsweisenden ...

In ihrem Buch „Zeit für meine Träume“ zeigt Tessa Randau auf, dass es möglich ist, wieder Vertrauen zum Leben zu gewinnen, wie es auch im Untertitel heißt. Die Autorin erzählt novellenartig von einer zukunftsweisenden Begegnung im Leben einer unbenannten 38-jährigen Frau, deren Ehemann sich erst vor Kurzem von ihr getrennt hat, weil er mit seiner neuen Freundin ein Kind erwartet. Besonders schwer lastet diese Situation auf ihr, da sie gemeinsam seit einiger Zeit einen bislang noch unerfüllten Kinderwunsch hegten. Von Enttäuschung geprägt, zieht sie sich weitestgehend aus ihrem sozialen Umfeld zurück, auch um ihrem Exmann nicht zu begegnen.
Als sie eines Tages die ältere Lotte trifft, die mit schweren Einkaufstaschen überfordert wirkt, bietet sie spontan ihre Hilfe an und trägt die Einkäufe zu ihr nach Hause. Dort lernt sie Lottes Mitbewohnende Anita und Jochen kennen. Die Seniorinnen und der Senior sind allesamt über siebzig Jahre alt, Jochen steht sogar kurz vor seinem 80. Geburtstag. Trotz persönlicher Schicksalsschläge und gesundheitlicher Beschwerden sind sie gutgelaunt und verströmen Lebensfreude. Sie unterstützen gegenseitig mit ihren unterschiedlichen Fähigkeiten und gönnen sich manche kulinarische Freude. Der jüngeren Frau zeigen sie, dass Familie nicht immer auf Blutsbande beruht, sondern auch auf Zusammenhalt und Vertrauen basieren kann.
Tessa Randaus Protagonistin bleibt so wie in den vorigen Büchern der Autorin namenlos und erzählt ihre Geschichte aus der Ich-Perspektive. Dadurch fällt es leicht, sich in ihre Gedanken- und Gefühlswelt hineinzuversetzen. Die Handlung ist gut nachvollziehbar, emotional berührend und lebensnah. Der Autorin gelingt es zu zeigen, dass Freundschaft neue Kraft vermitteln kann, selbst nach schweren Enttäuschungen.
Tessa Randaus Buch „Zeit für meine Träume – Wie ich lernte, dem Leben wieder zu vertrauen“ ist eine bewegende und ermutigende Erzählung über zweite Chancen im Leben. Sie vermittelt die Botschaft, dass es nie zu spät ist, an die Verwirklichung seiner Träume zu glauben. Sehr gerne empfehle ich die Novelle weiter.

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Veröffentlicht am 12.05.2026

Geschickte Verbindung von Historie und Fiktion

Ein Ort, der bleibt
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In der türkischen Bezeichnung des Botanischen Gartens Istanbul ist der Name des Gründers Alfred Heilbronn erhalten geblieben. Neben einem Handlungszweig, der in der Gegenwart spielt, reist Sandra Lüpkes ...

In der türkischen Bezeichnung des Botanischen Gartens Istanbul ist der Name des Gründers Alfred Heilbronn erhalten geblieben. Neben einem Handlungszweig, der in der Gegenwart spielt, reist Sandra Lüpkes in ihrem Roman „Ein Ort, der bleibt“ in der Zeitgeschichte zurück in die 1930er und 1940er Jahre, als der Garten angelegt und zu Bedeutung gekommen ist.

Neben dem Botanischen Garten stehen drei Frauen im Mittelpunkt der Handlung. Eine von ihnen ist Magda Heilbronn, Jahrgang 1889 und Ehefrau des Gründers. Obwohl sie nach der Geburt ihrer Kinder promovierte und einen Doktortitel in Philosophie erwarb, wurde ihr der erhoffte Lehrauftrag an der Universität ihres Wohnortes Münster verwehrt. Sie drängt ihren Mann, der Einladung zu folgen, ein Botanisches Institut in Istanbul aufzubauen.

Etwa zur gleichen Zeit strebt auch die einige Jahre jüngere, in Istanbul lebende Mehpare Basarman eine Habilitation an. Später wird sie zur geschätzten Assistentin von Alfred Heilbronn. Mit großer Sachkenntnis beschreibt die Autorin das Sammeln, Züchten und Pflegen von Pflanzen. Dabei wird spürbar, mit wie viel Begeisterung die Botanikinnen sich ihrer Aufgabe widmen.

Während Magda und Mehpare historische Persönlichkeiten sind ist Imke, die dritte Protagonistin des Romans, eine fiktive Figur. Eine befristete Anstellung als Stadtplanerin führt sie in der heutigen Zeit von Münster nach Istanbul. Dort arbeitet sie an einem Gutachten mit, das über die Zukunft des Botanischen Gartens entscheiden soll. Durch Imkes Perspektive greift Sandra Lüpke zudem die Situation von Frauen in der Türkei auf.

Dank ihrer sorgfältigen Recherche lässt Sandra Lüpkes sowohl die Zeit als auch die Schauplätze lebendig werden. Sie verdeutlicht die zunehmenden Repressalien, die jüdische Wissenschaftler in Deutschland nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten hinzunehmen hatten und lenkt damit den Blick auf ein wenig bekanntes Kapitel der Geschichte. Es werden Magdas Sorgen angesichts des Aufbruchs in ein fremdes Land mit einer anderen Kultur deutlich. Gleichzeitig zeigt die Autorin, wie schwierig es für Mehpare ist, sich in einem von Männern dominierten Wissenschaftsbetrieb zu behaupten, obwohl in der noch jungen Republik offiziell eine Gleichstellung angestrebt wurde.

In ihrem Roman „Ein Ort, der bleibt“ erzählt Sandra Lüpkes von einer heute kaum bekannten Episode der Geschichte: der Emigration deutsch-jüdischer Wissenschaftler
innen in die Türkei während der Zeit des Nationalsozialismus. Gleichzeitig thematisiert sie auch die Fragen nach Zugehörigkeit sowie den Platz der Frau in der Gesellschaft. Geschickt verbindet die Autorin historische Fakten mit fiktionalen Elementen und verbindet Vergangenheit und Gegenwart auf überzeugende Weise. Gerne empfehle ich das Buch weiter.

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