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Veröffentlicht am 18.06.2024

Krimi? Eher Milieustudie

Mittsommerlügen
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Mittsommer 1983
Die lebenslustige alleinerziehende Marie feiert ausgelassen mit ihren Freunden das Mittsommerfest. Am nächsten Morgen ist sie verschwunden. Es wird davon ausgegangen, dass die junge Mutter ...

Mittsommer 1983
Die lebenslustige alleinerziehende Marie feiert ausgelassen mit ihren Freunden das Mittsommerfest. Am nächsten Morgen ist sie verschwunden. Es wird davon ausgegangen, dass die junge Mutter ihr Leben im kleinen Dorf sowie ihre Tochter Teresa freiwillig verlassen hat. Ihren Mantel und ihre Geldbörse sind mit ihr verschwunden und eine kurze Abschiedsnotiz wurde in ihrer Küche gefunden. Marias Mutter Greta glaubt als Einzige nicht an diese Theorie, lehnt es aber trotzdem ab, sich um ihre Enkelin zu kümmern.
Nach zahlreichen Pflegefamilienaufenthalten kehrt Teresa fünfzehn Jahre später wieder zu ihren Großeltern zurück.


Dieser spannende und interessante Plot konnte mich, von Malin Hedin niedergeschrieben, leider nicht überzeugen.
Die Hälfte des Buches nahm die Vergangenheit ein. Was passierte am Mittsommerabend 1983 und wie haben die einzelnen Nachbarn und Freunde auf Marias Verschwinden reagiert? Insbesondere die Reaktion oder auch das sonderbare Verhalten der Mutter nahmen einen großen Teil der Beschreibungen ein. Als Leser konnte man schnell feststellen, dass niemand in diesem Dorf die Wahrheit sagt, jeder hat ein Geheimnis und jeder verdächtigt jeden. In der zweiten Hälfte lernen wir endlich die kleine Tochter Teresa kennen, auch ihr Martyrium durch zu viele Pflegefamilien und keinen Platz, wo sie geliebt und geborgen wäre.
Auffallend ist, dass sehr ausführlich die Eindrücke und Gedanken der Protagonisten gegenseitig beschrieben werden. Wobei auch die Zerrissenheit der beteiligten Personen verdeutlicht wird, mal liebt, begehrt man sein Gegenüber und hasst ihn/sie Minuten später.
Erst im letzten Viertel baut sich so etwas wie Spannung auf. Ich habe es dankend angenommen und den letzten Rutsch in einem durchgelesen.
Das Ende war stimmig, wenn auch nicht überraschend, aber ok. Mit ihrem Epilog hat die Autorin bei mir einige Punkte gut gemacht.
Trotzdem komme ich nur zu einer mittelmäßigen Wertung.

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Veröffentlicht am 05.06.2024

Bewegende Schicksale, packend erzählt

Die Frauen der Familie Carbonaro
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Das Buch ist ein faszinierender Roman, der die Geschichte der Familie Carbonaro über mehrere Generationen hinweg erzählt. Der Autor schafft es, den Leser in die Welt dreier Generationen von außergewöhnlichen ...

Das Buch ist ein faszinierender Roman, der die Geschichte der Familie Carbonaro über mehrere Generationen hinweg erzählt. Der Autor schafft es, den Leser in die Welt dreier Generationen von außergewöhnlichen Frauen einzuführen und ihre Lebensgeschichten einfühlsam darzustellen.
Anfänglich hatte ich Probleme mit den wechselnden Perspektiven von Pina, Anna und Maria und den Wechseln des zeitlichen Hintergrunds, aber nach und nach konnte ich das Eintauchen in die Familie Carbonaro richtig genießen.
Es sind starke Frauen, die um ihre Familie kämpfen und um Selbstbestimmung. Ihre inspirierende und emotionale Geschichte, hat mich von Anfang bis Ende gefesselt.
Die Lebensgeschichte der drei Frauen bettet Giordano in den geschichtlichen Hintergrund ein. Der Roman nimmt den Leser mit auf eine Reise durch die Geschichte Italiens und Europa, von den turbulenten Zeiten des Aufstiegs des Faschismus über den Herausforderungen des Zweiten Weltkriegs bis hin zum Wirtschaftswunder. Giordano verwebt geschickt historische Ereignisse mit den persönlichen Geschichten der Protagonistinnen, was dem Buch eine besondere Tiefe und Authentizität verleiht.
Ich kann dieses Buch jedem empfehlen, der gerne historische Romane mit starken Frauen liest und in eine andere Zeit und Welt eintauchen möchte.

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Veröffentlicht am 01.06.2024

Düstere Auswirkungen

Wenn sie lügt
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Es hätte der perfekte Sommer sein sollen, der letzte, bevor der Ernst des Lebens beginnt.
Dieser Sommer wird für die eingeschworene Clique, bestehend aus Norah, Goran, Peggy, Rolaf und Daniel, zum Albtraum ...

Es hätte der perfekte Sommer sein sollen, der letzte, bevor der Ernst des Lebens beginnt.
Dieser Sommer wird für die eingeschworene Clique, bestehend aus Norah, Goran, Peggy, Rolaf und Daniel, zum Albtraum und treibt sie auseinander.
Erst nach 19 Jahren kehrt Goran in sein Heimatdorf Waldesroda zurück, um Norah beizustehen, die seit geraumer Zeit Drohbriefe erhält. Die Briefe scheinen von David, Norahs früheren Freund, der zum Mörder wurde, verfasst worden zu sein. Aber David ist lange tot.



Als Erstes begeistert mich das Cover und der Farbschnitt. Chapeau!
Das Buch leuchtet den Leser direkt beim Betreten der Buchhandlung an.
„Wenn sie lügt“ ist nach „Das Loft“ und „Die Verborgenen“ das dritte Buch von Linus Geschke, das ich gelesen habe. Zwei Dinge haben die Bücher meiner Meinung nach gemeinsam. Zum einen erleben wir in der Gegenwart die Nachwirkungen einer Tat oder eines Fehlers in der Vergangenheit. Zum anderen entwickeln diese spannenden Thriller sich durch Rückblenden, indem immer wieder kurze Szenen aus der Vergangenheit beleuchtet werden, durch Berichten aus verschiedenen Perspektiven und aus Gedankenschnipseln des oder der Täter. Obwohl ich darin ein gewisses Muster sehe, sind die drei Thriller so verschieden, wie sie nur sein können. Und das ist gut so. Jeder Thriller spielt in einen anderen Kosmos und überrascht mit neuen Entwicklungen.
Irgendwie erscheinen mir die Thriller von Linus Geschke immer mit leichter Hand geschrieben, aber durchgängigem Spannungsbogen. Man kann das Buch kaum aus der Handlegen und rätselt ständig, wer der Täter bzw. der Briefeschreiber sein könnte. Bis auf eine oder zwei Ausnahmen: Nach einigen Kampfszenen musste ich das Buch schließen und kräftig durchatmen. Es gibt diesmal mehr blutige Szenen und Leichen, als ich es aus den vorherigen Geschkes Standalones gewohnt bin. Trotzdem hat mich dieser Thriller wieder begeistert.
Die Protagonisten wurden gut ausgearbeitet und sind mir schnell ans Herz gewachsen. Die fortschreitenden Enthüllungen haben zum Miträtseln eingeladen und den Leser in die Richtung der Auflösung geführt. Das tat meiner Spannung, oder sollte ich sagen, meiner Anspannung keinen Abbruch.
Abschließend muss noch erwähnt werden, dass ich selten so ein lesenswertes „Nachwort und Danksagung“ gelesen habe. Das belegt, dass der knallharte Journalist und Thriller-Autor ein richtig sympathischer Zeitgenosse ist.
Danke, ich freue mich auf mehr.

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Veröffentlicht am 27.05.2024

Einfühlsam und berührend

Dieses schöne Leben
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„Den Tod versteht sie, nur aus dem Leben wird sie noch nicht schlau.“
Clover ist Sterbebegleiterin. Nach dem viel zu frühen Tod ihrer Eltern, wächst sie wohlbehütet bei ihrem Großvater auf. Da sie sich ...

„Den Tod versteht sie, nur aus dem Leben wird sie noch nicht schlau.“
Clover ist Sterbebegleiterin. Nach dem viel zu frühen Tod ihrer Eltern, wächst sie wohlbehütet bei ihrem Großvater auf. Da sie sich immer schon für die Sterberiten anderer
Kulturen interessiert, reist sie um die Welt, um die unterschiedlichen Riten kennenzulernen. Während einer ihrer Erkundungsreisen stirbt ihr Großvater, allein.
Fortan lebt sie in seiner Wohnung, wie in einem Museum und begleitet sterbende Menschen bis zum Schluss. Ihr eigenes Leben blendet sie stets aus.


„Um einen schönen Tod zu sterben, musst du ein schönes Leben leben.“
Dieser Satz, von Leo, dem alten Nachbar und Freund von Clover und ihrem Großvater, hat mich beeindruckt und zum Nachdenken angeregt. Einige Passagen in diesem wundervollen Roman lassen mich innehalten und nachfühlen.
Mikki Brammer hat einen sehr berührendes Buch geschrieben, zu einem Thema, das viel zu oft verschwiegen wird.
Wir beobachten die 36-jährige Clover, die aus Angst vor Bindung und Verlust, ein sehr zurückgenommenes Leben führt. Langsam und einfühlsam werden die Verschiebungen und Auflösung ihrer Zweifel, Ängste und Lebenseinstellung beschrieben und regen die Leser zur Reflektion ihrer eigenen Einstellungen an. Clovers Gedanken zur Sterbebegleitung, lassen mich über die Sterbebegleitung meiner 91-jährigen Mutter nachdenken sowie über meine eigene und die meines Mannes.
Eine absolute Leseempfehlung für dieses Buch!

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Veröffentlicht am 20.05.2024

Cors kann Thriller und wie...

Krähentage
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Gleich der erste Arbeitstag der neuen Ermittlungsgruppe „Gruppe 4“ will keine Ende nehmen. Mila Weiss und Jakob Krogh, die gemeinsam die Gruppe leiten, werden innerhalb von 24 Stunden gleich zu zwei Tatorten ...

Gleich der erste Arbeitstag der neuen Ermittlungsgruppe „Gruppe 4“ will keine Ende nehmen. Mila Weiss und Jakob Krogh, die gemeinsam die Gruppe leiten, werden innerhalb von 24 Stunden gleich zu zwei Tatorten gerufen. Die beiden brutale Verbrechen scheinen nichts miteinander zu tun zu haben, aber gruseliger Weise wurde die alte tote Dame nach ihrem Tod noch lebend gesehen.



Wenn in nächster Zukunft ein junger Mann oder eine junge Frau zu mir sagt: „Sie haben ein schönes Leben“ werde ich wohl immer noch Gänsehaut bekommen und das Weite suchen.
Krähentage ist ein Thriller mit großem Gruseleffekt und hohem Triggerpotenzial. Schlüsselsätze und Krähensichtungen bringen mich und ich vermute, auch andere Leser, in diese gruselige und bedrohliche Stimmung um den Serientäter in diesem Buch.
Der sympathisch wirkende Autor Benjamin Cors hat sich beherzt in die dunkle und kranke Seite der menschlichen Seele begeben. Obwohl wir Leser früh den Täter kennenlernen, sackt der Spannungsbogen, der direkt nach der ersten Überschrift „Geburt“ straff nach oben gespannt wird, nie ab. Der rund 400 Seiten umfassende Thriller entwickelt sich gleich im ersten Kapitel zum Pageturner, den man nicht mehr aus der Hand legen möchte. Und er ist spannend bis zur allerletzten Seite.
In diesem ersten Band einer neuen Serie hat der Autor eine äußerst interessante Ermittlertruppe, die Gruppe 4, zusammengestellt. Die sechs Ermittler versprechen unterhaltsame und spannende Ermittlungsarbeit in den zukünftigen Fällen. Schon die ersten Fälle zeigen, dass jeder einzelne ein Spezialist auf seinem Gebiet ist, aber niemand ist perfekt. Sie machen Fehler, lernen daraus und setzen sich doppelt für den Erfolg ein. Außerdem wurden sie genau und sehr unterschiedlich gezeichnet, so dass ich mir noch viele interessante Hintergrundgeschichten vorstellen kann. Ich mag jeden einzelnen aus der Gruppe 4 und freue mich auf weitere Fälle.
Neben dem brillant erzählten Kriminalfall werden uns auch die möglichen Ursachen für diese grausamen Mordfälle aufgezeigt, aber natürlich nicht entschuldigt.
Krähentage bietet rundum gute und thrillige Unterhaltung mit Suchtpotenzial. Benjamin Cors kann Thriller und überzeugt seine Fangemeinde.
Chapeau!

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