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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.08.2025

Auf den Punkt gebracht

Der Vermietungsassistent
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"Der Vermietungsassistent" ist mit 86 Seiten klar gestaltet und auf den Punkt formuliert. Das spart Zeit bei der Recherche und gleichzeitig hab ich den Eindruck, dass alle Themen, die für mich als Vermieter ...

"Der Vermietungsassistent" ist mit 86 Seiten klar gestaltet und auf den Punkt formuliert. Das spart Zeit bei der Recherche und gleichzeitig hab ich den Eindruck, dass alle Themen, die für mich als Vermieter relevant sind, behandelt werden.
Auch wenn ich sonst gebundene Bücher lieber mag, fand ich in diesem Fall die Ebook-Version praktikabler. Durch integrierte Links kann man schnell zu den entsprechenden Stichworten wechseln, falls etwas unklar ist oder man es näher vertiefen möchte. Aber auch ein Wechsel zu den entsprechenden PDF-Versionen der entsprechenden Formulare ist unkompliziert möglich.
Die Inhalte sind leicht verständlich formuliert. Wer einen Ratgeber für Vermieter sucht, der alle Themen kurz und bündig vermittelt, sowie sämtliche notwendigen Formularen, die man als Vermieter so benötigt, enthält, ist mit dem Buch von Otto Bretzinger gut beraten.

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Veröffentlicht am 02.08.2025

Satire zur deutschen Gegenwartspolitik

Das Geschenk
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Gaea Schoeters, aus Belgien stammend und Tochter eines Politikers, hat mit "Das Geschenk" einen Roman zur deutschen Gegenwartspolitik geschrieben. Mit seinen 144 Seiten ist das Büchlein eigentlich schnell ...

Gaea Schoeters, aus Belgien stammend und Tochter eines Politikers, hat mit "Das Geschenk" einen Roman zur deutschen Gegenwartspolitik geschrieben. Mit seinen 144 Seiten ist das Büchlein eigentlich schnell gelesen, beinhaltet aber soviele Themen und Gedanken, so dass es zumindest bei mir die eine oder andere Pause gebraucht hat.
Nach der Verabschiedung eines umstrittenen Gesetzes zum Verbot von Elfenbeineinfuhr sendet der Präsident aus Botswana 20000 Elefanten nach Berlin und das Schicksal nimmt seinen Lauf... Im Vordergrund steht der deutsche Kanzler und der politische Alltag mit all seinem Lobbyismus, Taktieren, Ringen um Werte und Macht. Für mich ging es stellenweise etwas zu rasant durch die Themen, da hätte ich mir manchmal noch etwas mehr Tiefe gewünscht. Auch das Thema mit den Elefanten in Berlin und Umgebung hätte man vielleicht noch etwas mehr auserzählen können.
Wer politische Satiren mag, wird in dem Büchlein einiges an "Hirnfutter" finden. Es regt in jedem Fall an, auch andere Perspektiven, die man vielleicht vorher gar nicht so sehr auf dem Schirm hatte, einzunehmen.

"Alles hängt davon ab, was du willst: Das Richtige tun oder an der Macht bleiben. Beides zusammen wird heutzutage immer unvereinbarer, das war früher anders."(S.129)

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Veröffentlicht am 02.08.2025

Weg heraus aus einer psychosomatischen Erkrankung

Junge Frau mit Katze
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"Lügen über meine Mutter" hatte mir sehr gefallen und so war ich gespannt und neugierig auf den neuen Roman von Daniela Dröscher. Stand im ersten Band die Beziehung der Protagonistin zu ihrer Mutter und ...

"Lügen über meine Mutter" hatte mir sehr gefallen und so war ich gespannt und neugierig auf den neuen Roman von Daniela Dröscher. Stand im ersten Band die Beziehung der Protagonistin zu ihrer Mutter und die elterliche Ehe im Vordergrund, geht es jetzt um Elas Beziehung zu sich selber. Angestellt als Doktorandin, zusammen mit ihrem Kater in einer kleinen 1-Zimmer-Wohnung unter dem Dach lebend, bestimmen ausgeprägte psychosomatische Symptome ihren Alltag.
Dabei ist die Sprache wie auch beim ersten Teil einnehmend und sehr zugänglich. Mit genauem Blick schildert Daniela Dröscher die Hilflosigkeit und Ängste der Protagonistin aber auch ihres Umfeldes angesichts ihrer vielen Beschwerden, durch die "der Körper laut spricht, wo die Seele schweigt". Es hat stellenweise für den Leser fast etwas Zermürbendes, Ela bei den zahlreichen Arztbesuchen zu begleiten, ohne dass eine tiefere Auseinandersetzung mit ihren darunter liegenden Konflikten und Gefühlen stattfindet. Mit den eingeschobenen Zitaten einer ihrer japanischen Lieblingsautorinnen konnte ich persönlich wenig anfangen bzw. lösten sie bei mir eher ein Gefühl von Distanz aus.
In jedem Fall habe ich die Darstellung des Leidensweges ausgelöst durch eine psychosomatische Erkrankung als stimmig erlebt. Während mich "Lügen über meine Mutter" wirklich berührt hat und ich emotional nah an den Figuren dran war, blieb bei "Junge Frau mit Katze" für mich Wesentliches nicht ausgesprochen. Aber vielleicht liegt es auch in der Natur einer psychosomatischen Erkrankung, dass der Kern ("das Eigentliche, das Wesentliche") so schwer zu greifen und zu benennen ist. Ich bin sehr gespannt auf ihre folgenden Bücher.

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Veröffentlicht am 25.07.2025

Tieftraurig und zugleich mit einer sehr einnehmenden Atmosphäre geschrieben

Das Geschenk des Meeres
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Wer sich die Frage "Ebook oder gebundenes Buch?" stellt, dem würde ich in diesem Fall eindeutig zum Buch raten. Das Cover nimmt mit seinen dunklen Blautönen wunderbar die Stimmung auf. Der dunkelpinke ...

Wer sich die Frage "Ebook oder gebundenes Buch?" stellt, dem würde ich in diesem Fall eindeutig zum Buch raten. Das Cover nimmt mit seinen dunklen Blautönen wunderbar die Stimmung auf. Der dunkelpinke Farbton des Autorinnamens findet sich im Lesebändchen wieder. Sehr gerne hab ich den Roman allein schon wegen der Optik in die Hand genommen oder mich an seinem Anblick auf dem Tisch liegend gefreut.
Überhaupt hab ich das Lesen sehr genossen. Auch wenn der Roman, der am Anfang des 20. Jahrhunderts in einem schottischen Fischerdorf spielt, durchaus etwas Düsteres und Tragisches hat, beschreibt Julia R. Kelly mit soviel Atmosphäre das Leben der Dorfbewohner und deren Beziehungen, dass ich beim Lesen richtig in der Geschichte aufgegangen bin und mich jedes Mal gefreut hab, wenn ich weiterlesen konnte. Dabei wechselt die Erzählung zwischen dem Damals und Heute, wobei die Übergänge geschickt ineinander wechseln, so dass der Lesefluss nicht gestört wird. Getragen wird die Geschichte von Beschreibungen des Meeres und des Küstenwetters, das mal rauh und wild, dann wieder glitzernd und hell Teil des Lebens der Bewohner ist. Wer einen Roman sucht mit interessanten psychologischen Verflechtungen und Tiefe sowie viel, viel Atmosphäre, dem kann ich den Roman sehr empfehlen.

"...Und deshalb spricht sie nicht über sich wie die Frauen am Ofen, denn wenn man spricht, findet man Dinge über sich heraus, Dinge wie die Wesen in den Prielen, von deren Existenz man nichts ahnte, bis das Meer sie freigelegt hat." (S.213)

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Veröffentlicht am 13.07.2025

Denkanstöße zu gesellschaftlichen Verantwortung und Möglichkeiten von Medien

Gesellschaftsspiel
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Das Cover ist klar gestaltet und zeigt die 3 Hauptfiguren des Romans - die beiden Schwestern Isabelle und Annika, sowie deren Tante Dagmar. Die 3 verbindet am Anfang wenig. Erst der Tod deren Mutter bzw. ...

Das Cover ist klar gestaltet und zeigt die 3 Hauptfiguren des Romans - die beiden Schwestern Isabelle und Annika, sowie deren Tante Dagmar. Die 3 verbindet am Anfang wenig. Erst der Tod deren Mutter bzw. Schwester führt sie wieder zusammen. Parallel zu diesem Handlungsstrang möchte ein großer Tech-Investor und Spieleentwickler in deren Heimatstadt Weimar eine App einführen, die den Bewohner mehr politische Mitbestimmung und Einflussnahme ermöglicht.
Der Roman ist nah an den aktuellen politisch-gesellschaftlichen Themen dran. Zwischen den Kapiteln gibt es immer wieder Einschübe aus diversen Medien, die sehr gut den zum Teil aufgepeitschten, in der Anonymität des Internets radikal formulierten Ton wiedergeben. Wie gehen die beiden Stränge am Ende zusammen auf? Für mich tatsächlich leider nicht ganz. Vermutlich bin ich mit anderen Erwartungen in den Roman gestartet, z.B. wie sich die Frauen in einer möglichen Utopie/Dystopie weiterentwickeln.
Annika arbeitet in der Tech-Branche, Isabelle ist Lehrerin für Politik und Dagmar unterrichtet Soziologie an der Hochschule. So hatte ich bei manchen Dialogen oft den Eindruck eher ein Sachbuch zu lesen. Die Figuren und deren Beziehungsleben blieben für mich kühl und irgendwie blass. So sitzen die 3 Frauen wenige Tage nach dem Tod der Mutterin/Schwester in der Sauna zusammen und diskutieren die gesellschaftliche Neuordnung und sind am Ende froh, wieder zueinander gefunden zu haben. Ahja... vieles bleibt im Kopf, wird aber wenig fühlbar. Die Auseinandersetzung mit der zu erwartenden Trauer, möglicherweise auch Ambivalenz gegenüber der Verstorbenen und insgesamt eine emotionale Tiefe in der Figurenzeichnung wird man beim Lesen eher wenig finden.
Andererseits merkt man dem Roman die Expertise der Autorin mit der Tech-Branche und Medien sowie ihre intensive Auseinandersetzung mit deren gesellschaftlichen Verantwortung/Möglichkeiten an. Wenn man es so liest, wird man als Leser mit vielen Denkanstößen belohnt und bekommt einiges an Diskussionsstoff.

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