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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.04.2024

Interessante & schnelle Lektüre

Wir werden jung sein
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"Wir werden jung sein" von Maxim Leo wirft durch seine Handlung große ethische Fragen auf. Was, wenn wir biologisch nicht mehr altern müssten, ewiges Leben erreichen könnten? Wer hätte überhaupt diese ...

"Wir werden jung sein" von Maxim Leo wirft durch seine Handlung große ethische Fragen auf. Was, wenn wir biologisch nicht mehr altern müssten, ewiges Leben erreichen könnten? Wer hätte überhaupt diese Möglichkeit - nur die Reichen und Mächtigen? In diesem Roman ist die biologische Verjüng eine "Nebenwirkung" von neuartigen Herzmedikamenten, die sich noch in der Probephase befinden. Deshalb bekommen vorerst auch nur vier Personen dieses Medikament, ein Jugendlicher mit Herzfehler, eine ehemalige Profischwimmerin, ein in die Jahre gekommener Geschäftsmann und eine junge Frau, die verzweifelt versucht ein Kind zu bekommen. Ihre Herzprobleme lösen sich und auch gegen die biologische Verjüngung spricht zuerst nichts, doch bald tauchen neue Probleme auf.
Maxim Leo hat für seinen Roman sehr viele Charaktere erschaffen, zwischen deren Perspektive von Kapitel zu Kapitel gewechselt wird. Größtenteils sind sie gut gezeichnet und ihr Verhalten verständlich und nachvollziehbar. Die ein oder andere Perspektive hätte man vermutlich weglassen können, ohne viel von der Geschichte zu verlieren, denn bei zu vielen Charakteren ist die Gefahr groß, dass man beim Lesen die Übersicht verliert. Ein weiteres Problem bei zu vielen Charakteren zeigt sich auch gegen Ende des Romans, denn hier fehlt plötzlich die Zeit, den Roman zu einem zufriedenstellenden Ende zu bringen. Handlungselemente folgen viel zu schnell aufeinander und es wirkt übereilt und unstimmig. Während ich es gut finde, dass die großen moralischen Fragen offen bleiben, bleibt trotzdem ein Gefühl der Unvollständigkeit nach dem Beenden des Buches.

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Veröffentlicht am 04.04.2024

Berührend

Demon Copperhead
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Barbara Kingsolver hat mit Demon Copperhead eine moderne David Copperfield Geschichte geschrieben - da ich David Copeprfield noch nicht gelesen habe, kann ich das nur schwierig beurteilen, dafür bin ich ...

Barbara Kingsolver hat mit Demon Copperhead eine moderne David Copperfield Geschichte geschrieben - da ich David Copeprfield noch nicht gelesen habe, kann ich das nur schwierig beurteilen, dafür bin ich unvoreingenommen an den Roman gegangen. Und vielleicht war das das Beste, das passieren konnte!
Der Protagonist, Demon, ist der Sohn einer drogenabhängigen Mutter, die Demon nichts von seinem biologischem Vater erzählt und auch noch einen Stiefvater ins Haus holt, der sie ständig schlägt. Demon hat eindeutig kein Glück im Leben, denn nach dem Tod seiner Mutter wird er von Pflegefamilie zu Pflegefamilie weitergereicht. Doch Demon ist ein sher sympathischer Junge, ein Charakter mit dem man sich sofort wohlfühlt, mit dem man mehr Zeit verbringen möchte. Das ist auch gut so, denn das Buch ist nicht gerade kurz. Trotzdem ist es nicht langweilig und plötzlich sind da nur mehr ganz wenige Seiten.
Demon Copperhead zeigt ein Schicksal, das vermutlich viel zu viele Kinder betrifft. Der Roman zeigt, wie wichtig Chancengleichheit, die nicht(!) existiert ist und wie das Sozialsystem Kinder vernachlässigen kann. Es ist eine Botschaft, dass wir etwas ändern müssen!

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Veröffentlicht am 25.03.2024

Göttlich!

Mein Name ist Lilith
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Nikki Marmery präsentiert uns in ihrem Roman "Mein Name ist Lilith" die Geschichte der ersten Frau (laut christlichem Glauben), die über die Jahrhunderte in Vergessenheit gedrängt wurde. Gedrängt? Ja, ...

Nikki Marmery präsentiert uns in ihrem Roman "Mein Name ist Lilith" die Geschichte der ersten Frau (laut christlichem Glauben), die über die Jahrhunderte in Vergessenheit gedrängt wurde. Gedrängt? Ja, von den großen Männern und der Kirche (die auch in Männerhand ist).
Lilith war die erste Frau Adams im Paradies, im ebenbürtig erschaffen, wollte sie sich im nicht unterordnen und verzichtete aufs Paradies. Damit Adam nicht allen sein musste, wurde ihm Eva an die Seite gestellt. Aus seiner Rippe geschaffen und diesmal klar ihm untergeben. Marmerys Roman verfolgt Liliths Leben, die Asherah anbetet, die Frau an Seiner Seite und die der festen Meinung ist, dass wir auf der Erde sind, um sie zu schützen, nicht um über sie zu herrschen.
Marmerys Schreibstil ist fesselnd und eindrucksvoll. Zu keiner Zeit quält man sich durch den Roman. Der Schreibstil wirkt zeitlos, ohne veraltet rüber zu kommen. So wie es für eine unsterbliche "Dämonin", wie sie gerne bezeichnet wird, passend ist.
Am Ende bleibt eine beeindruckende Geschichte und der Gedanke, dass diese Auslegung der Bibel und der von Lilith proklamierte Glaube gar nicht mal so schlecht klingen. Ich wäre dabei!

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Veröffentlicht am 24.03.2024

Eine wichtige (aber vergessene) Frau

Das verborgene Genie
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Marie Benedict hat es sich wieder einmal zur Aufgabe gemacht, ihren Leser:innen eine (nicht so) bekannte Frau und ihr Lebenswerk näher zu bringen. Dieses Mal geht es um Rosalind Franklin, die Frau, die ...

Marie Benedict hat es sich wieder einmal zur Aufgabe gemacht, ihren Leser:innen eine (nicht so) bekannte Frau und ihr Lebenswerk näher zu bringen. Dieses Mal geht es um Rosalind Franklin, die Frau, die das Geheimnis um die DNA gelüftet hat und zu Lebzeiten nicht die Anerkennung bekommen hat, die sie verdient hätte.
Benedicts biographical fiction Bücher zeichnen sich dadurch aus, dass sie ganze Leben in einer angenehmen Länge präsentieren, ohne dass das Pacing darunter leidet. Die Ereignisse im Buch wirken werden gehetzt, noch langatmig erzählt und am Ende hat man das Gefühl, dass die Geschichte zur Gänze erzählt wurde. Auch schafft es Benedict die Geschichte verständlich zu erzählen und trotzdem den Leser:innen nicht das Gefühl zu geben, dass sie dumm sind. Gerade bei dem Thema der wissenschaftlichen Forschung an Dingen wie der DNA ist es schwierig, die richtige Waage zwischen wissenschaftlicher Sprache und allgemeiner Verständlichkeit zu finden.
Trotzdem konnte es mich nicht so sehr überzeugen, wie der Roman über Hedy Lamarr, vielleicht aber einfach nur deshalb, weil ich von Lamarr schon davor fasziniert war und Franklin für mich unbekannt war.

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Veröffentlicht am 15.03.2024

Heiß diskutiert

Yellowface
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Ich habe R.F. Kuang durch "Babel" kennengelernt, ein historischer, dark acadamia , Fantasyroman. Yellowface ist wohl so ziemlich das Gegenteil, außer dass es wieder um eine "geschlossene Gesellschaft" ...

Ich habe R.F. Kuang durch "Babel" kennengelernt, ein historischer, dark acadamia , Fantasyroman. Yellowface ist wohl so ziemlich das Gegenteil, außer dass es wieder um eine "geschlossene Gesellschaft" von oft hochnäsigen Personen geht, dieses Mal eben Autor:innen.
Oft habe ich das Problem, dass die Romane von Autor:innen austauschbar sind, dass sie eigentlich immer ein Muster verwenden und nur neue Farben zum Ausmalen nutzen. Doch nicht bei R.F. Kuang, sie schafft es nicht nur, komplett neue und einzigartige Charaktere zu kreieren, sie schafft es auch, dass ihr Schreibstil zu diesen Charakteren, der Zeit, in der das Buch spielt und dem Thema passt. June Hayward ist eine junge Autorin in unserer Zeit und dementsprechend ist Yellowface modern geschrieben. Zu keiner Zeit wirkt June künstlich oder falsch, zumindest sprachlich. Es ist zwar ein Stil, an den zumindest ich mich erst mal gewöhnen musste, aber das wichtige: Er hat gepasst! Er liest sich schnell und er ist angenehm.
Inhaltlich war ich in den ersten 3/4 sehr interessiert, ich wollte unbedingt weiterlesen, konnte nicht erwarten, was als nächstes passiert und wie June ihren Kopf dieses Mal aus der Schlinge zieht. Am Ende wurde es jedoch zu kompliziert. Zu viele Ansätze, die sich miteinander vermischt haben und nicht richtig auserzählt wurden, mischen sich zu einem Gewirr, dass man kaum noch lösen kann.
June mag ein Charakter sein, der von Anfang an nicht vertrauenswürdig und unsympathisch ist, aber sie ist eine Protagonistin, die "funktioniert". Dieser Roman braucht June, so wie sie ist. Ab und zu klappt es eben, auch wenn die Ich-Erzählerin nicht gemocht wird. Das braucht aber ganz viel Fingerfertigkeit der Autorin.
Am Ende bleibt doch ein Gefühl der Unzufriedenheit, etwas das fehlt. Es fühlt sich nicht abgeschlossen an und man denkt sich: "Was ist jetzt Yellowface?"
Großer Pluspunkt: Das Buch spricht sehr viele wichtige Themen in der Verlagswelt an und regt hitzige Diskussionen an. Meine Empfehlung ist deshalb, es nicht alleine zu lesen.

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