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Veröffentlicht am 30.04.2021

Der Tiefpunkt der Reihe

Französisches Roulette
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Überschreiben könnte man die dünne Story mit „Die bösen Russen und ihre internationalen Verflechtungen“. Ausgangspunkt für Brunos Ermittlungen ist der Tod eines Bauern, der seinen gesamten Besitz einer ...

Überschreiben könnte man die dünne Story mit „Die bösen Russen und ihre internationalen Verflechtungen“. Ausgangspunkt für Brunos Ermittlungen ist der Tod eines Bauern, der seinen gesamten Besitz einer dubiosen Versicherungsgesellschaft - mit Verbindungen zu einem russischen Oligarchen - im Austausch gegen Wohnrecht in einem luxuriösen Seniorenheim überschrieben hat. Dann ist da noch der alte Rockstar, der sein prächtiges Chateau verkaufen möchte. Aber zuvor kommt dessen Familie noch einmal für einen gemeinsamen Urlaub zusammen, wobei der Sohn, welch Überraschung, seine russische Freundin mitbringt.

Leider verlieren sich die Zusammenhänge immer wieder in Banalitäten und langatmigen Beschreibungen der Kontakte, die Bruno zu den Damen in seinem Umfeld unterhält. Ausritte mit Pamela, Schwimmlektionen für Florence‘ Kinder und natürlich der unvermeidliche Besuch der alten Flamme Isabelle. Dazwischen erfahren wir in aller Ausführlichkeit, wie man einen Hühnerstall baut, wie sich der Weinbau im Périgord verändert hat und wie das mit dem Nachwuchs bei den Bassets funktioniert. Und als ob das noch nicht genug wäre, folgen in regelmäßigen Abständen en détail beschriebene Mahlzeiten und Menüfolgen mit den dazugehörigen Rezepten.

Walker hat viele Jahre als politischer Journalist gearbeitet und offenbar noch Kontakte zu ehemaligen Kollegen, deren Erkenntnisse und Meinungen zu russischen Aktivitäten er unbedingt, wie im Nachwort zu lesen, in diesen Roman einarbeiten wollte. Er wäre besser beraten gewesen, auf dieses ideologische Geschwurbel zu verzichten.

Wenn ich einen Kriminalroman lese, möchte ich unterhalten werden. Gerne darf am mich dabei mit gesellschaftspolitischen Problemen konfrontieren, auf Missstände aufmerksam machen und so zum kritischen Hinterfragen anregen. All dies leistet dieses Buch leider nicht. Im Gegenteil, es ist ein Ärgernis und für mich der Tiefpunkt der Reihe.

Veröffentlicht am 27.04.2021

Mann gegen Mann

Der Abstinent
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Durch die Industrialisierung ist Manchester im 19. Jahrhundert eine Stadt im Aufwind. Die Textilfabriken versprechen Arbeit und ziehen Einwanderer aus allen Ecken des Königreiches an. Auch viele Iren folgen ...

Durch die Industrialisierung ist Manchester im 19. Jahrhundert eine Stadt im Aufwind. Die Textilfabriken versprechen Arbeit und ziehen Einwanderer aus allen Ecken des Königreiches an. Auch viele Iren folgen dem Ruf, müssen aber bald feststellen, dass sich ihre Hoffnungen auf ein besseres Leben nicht erfüllen. Sie werden für die niedrigsten Arbeiten eingesetzt und kärglich entlohnt, ihre Lebensumstände sind erbärmlich, Diskriminierungen an der Tagesordnung. Unmut macht sich breit, im Untergrund versammelt die Irisch-Republikanische Bruderschaft ihre Anhänger um sich. Die Polizei hat alle Hände voll zu tun, denn es kommt immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, die mit aller Härte niedergeschlagen und bestraft werden.

1867 werden im Morgengrauen drei irischen Rebellen in Manchester hingerichtet, denen man den Mord an einem Polizeibeamten anlastet. Ein von der englischen Obrigkeit unterschätztes Fanal, das einen verheerenden Kreislauf der Gewalt in Gang setzt. Auf englischer Seite steht James O'Connor, der titelgebende „Abstinent“, ein irischer Außenseiter aus Dublin, strafversetzt zur Manchester Division, der diese im Kampf gegen seine Landsleute unterstützen soll. Ein Informant berichtet ihm von einer Racheaktion der Fenians, die offenbar einen Veteranen aus dem US-Bürgerkrieg ins Boot geholt haben. Sein Name: Stephen Doyle. Seine Profession: Skrupelloser Auftragsmörder. Zwischen diesen beiden Männern entspinnt sich ein tödliches Katz-und-Maus Spiel, indem insbesondere O'Connor einmal mehr Verluste beklagen muss.

Was die beiden Protagonisten angeht, belässt es McGuire weitgehend bei Andeutungen. Biografische Details erfährt man peu à peu, die Trostlosigkeit beider Existenzen erschließt sich aus dem Kontext. Wie bereits in seinem 2016 für den Booker Prize nominierten Roman „Nordwasser“ überzeugt der Autor vor allem durch seine atmosphärischen Beschreibungen jenseits von Militärparaden und Afternoon-Tea. Die düsteren Ecken der viktorianischen Industriestadt, den Gestank, die verratzte Kneipen und die Rattenkämpfe zur Unterhaltung. Er zeigt die Armut, den täglichen Überlebenskampf und die daraus entstehende Gewalt, die die Bedeutung von Menschenleben auf ein Minimum reduziert. Lesen!

Veröffentlicht am 22.04.2021

Sizilien auf dem Teller

Echt sizilianisch kochen
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Italienische Küche hat so viel mehr als Pasta mit Tomatensugo und Pizza zu bieten. Das wird jede/r bestätigen können, der schon einmal abseits touristischer Pfade in dem Land „wo die Zitronen blühen“ unterwegs ...

Italienische Küche hat so viel mehr als Pasta mit Tomatensugo und Pizza zu bieten. Das wird jede/r bestätigen können, der schon einmal abseits touristischer Pfade in dem Land „wo die Zitronen blühen“ unterwegs war. Marinella Sammarco ist Sizilianerin mit Leib und Seele und Wahl-Stuttgarterin. Sie ist keine ausgebildete Köchin, sondern hat ihr Handwerk von ihrer Oma auf dem Bauernhof und „learning by doing“ von Angelo, ihrem Mann gelernt, mit dem sie nach verschiedenen Stationen mittlerweile in Stuttgart das Restaurant „Il Ritorno“ führt.

Ihr Kochen ist geprägt von den traditionellen Rezepten der Inselküche, die sich schon durch die Einflüsse der unterschiedlichen Völker, die sich im Lauf der Geschichte in Sizilien niedergelassen haben, von der klassischen italienischen Küche unterscheiden. Aber sie ist auch aufgeschlossen für deren Veränderung, wechselt zwischen Tradition und kreativer Innovation, und das schlägt sich auch in der Gestaltung ihres Kochbuchs nieder, das neben Rezepten angefüllt ist mit ihren individuellen Beschreibungen und jeder Menge Tipps.

Zwei große Blöcke bestimmen die Auswahl der vorgestellten Gerichte: Tradizione und Innovazione, die sie auch innerhalb der in italienischen Restaurants üblichen Speisefolge beachtet. Antipasti, Primi Piatti, Secondo Piatti sowie Dolci. Natürlich sind die Klassiker vertreten, aber es gibt auf viel Neues zu entdecken, sei es in der Art der Zubereitung oder auch bei den verwendeten Gewürzen. Ansprechende Fotos runden die Beschreibung der benötigten Zutaten sowie die detaillierten Angaben zur Zubereitung ab.

Gerade in der aktuellen Situation ein höchst willkommenes Koch- und Lesebuch, mit dem man sich ohne großen Aufwand ein Stück Sizilien auf den Teller holen kann. Sehr empfehlenswert!

Veröffentlicht am 20.04.2021

Männliche Abgründe

Weiter Himmel
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Endlich! Neun Jahre hat es bis zur Rückkehr von Jackson Brodie gedauert, obwohl er im fünften Band der Reihe nur eine Nebenrolle einnimmt. Mittlerweile führt der Ex-Polizist, Privatermittler und Teilzeitvater ...

Endlich! Neun Jahre hat es bis zur Rückkehr von Jackson Brodie gedauert, obwohl er im fünften Band der Reihe nur eine Nebenrolle einnimmt. Mittlerweile führt der Ex-Polizist, Privatermittler und Teilzeitvater ein ziemlich unspektakuläres Leben in Yorkshire, spricht noch immer mit seinen Hund und setzt sich mit seinem pubertierenden Sohn auseinander. Einige Kilometer weiter gehen in Whitby die drei gutsituierten Freunde Tommy, Andy und Steve unter dem Deckmantel der Wohlanständigkeit ihren schmutzigen Geschäften nach.

Soweit der Rahmen innerhalb dessen Kate Atkinson eine Story entwickelt, deren Bezug zu einem realen Missbrauchsskandal offensichtlich ist. In den Jahren zwischen 2012 und 2015 wurden im Zuge der „Operation Yewtree“ damals ein Pädophilenring gesprengt und zahlreiche prominente Personen verhaftet, angeklagt und verurteilt.

„Weiter Himmel“ ist kein Kriminalroman, obwohl die Autorin schon allein aufgrund der Thematik Anleihen bei diesem Genre macht. Sie zeigt uns die Abgründe, die innerhalb wohlanständiger Familien lauern, und das macht sie äußerst geschickt. Es dauert, bis ein roter Faden erkennbar ist und alle Akteure ihren Platz finden. Auf den ersten hundert Seiten gibt es viele Andeutungen, Informationen, deren Relevanz sich erst allmählich erschließt. Manch eine/r mag es als Detailverliebtheit bezeichnen, aber was mich immer wieder begeistert ist die Sorgfalt, mit der die Autorin den Charakter der jeweiligen Person ausarbeitet. Jede/r hat eine Vergangenheit, Geheimnisse, eine persönliche Geschichte, die sein/ihr Handeln im banalen Alltag prägen und nachvollziehbar machen. Besonders deutlich wird das im Fall von Crystal und Harry.

Atkinson ist eine ausgezeichnete Autorin und versteht es, ein ernstes Thema mit Fingerspitzengefühl in eine gut durchdachte Handlung einzuarbeiten. Passend dazu die Schilderungen einer Region, die schon bessere Tage gesehen hat, sowie die melancholischen Rückblicke in die Vergangenheit der Akteure. Dazu eine gehörige Prise englisch-trockener Humor, und fertig ist ein großartiger Roman, den ich in einem Rutsch gelesen habe.

Veröffentlicht am 19.04.2021

Indisches Fast Food im besten Sinne

Einfach indisch – Kochen mit 7 Zutaten
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Indisches Essen? Sehr lecker. Indisch kochen? Sehr aufwendig. Komplexe Zutatenlisten, gespickt mit Gewürzen, deren Beschaffung endlos Zeit in Anspruch nimmt, sowie Kochzeiten, die es fast unmöglich machen, ...

Indisches Essen? Sehr lecker. Indisch kochen? Sehr aufwendig. Komplexe Zutatenlisten, gespickt mit Gewürzen, deren Beschaffung endlos Zeit in Anspruch nimmt, sowie Kochzeiten, die es fast unmöglich machen, auf die Schnelle eine warme Mahlzeit auf den Tisch zu bringen. Aber dies gehört nun glücklicherweise seit Monisha Bharadwajs „Einfach indisch – Kochen mit 7 Zutaten“ der Vergangenheit an, denn die mehrfach ausgezeichnete Kochbuch-Autorin hat ihre Rezepte den Anforderungen der Zeit angepasst und eine Vielzahl von Gerichten kreiert, deren Zubereitung sich weitgehend problemlos in den Alltag integrieren lässt.

Vorausschicken muss man allerdings noch, dass es zusätzlich drei Basis-Zutaten gibt, die zwar in den Auflistungen nicht vorhanden sind, aber häufiger in den Zubereitungsempfehlungen auftauchen, als da wären Sonnenblumenöl, Salz sowie Ingwer-Knoblauch-Paste, für deren Herstellung es eine Anleitung gibt. Auf DIY kann/muss man auch bei dem öfter verwendeten und nicht überall erhältlichen indischen Frischkäse Panir (oder Paneer) zurückgreifen. Hier fehlt leider das Rezept (Vollmilch plus Zitronensaft), ist aber in anderen indischen Kochbüchern oder im Internet zu finden.

Zur Einleitung gibt es eine kleine Gewürzkunde sowie einen Blick in den Vorratsschrank. Die Rezepte sind nach ihren Eigenschaften gegliedert: Frisch, Tröstlich, Schnell, Herzhaft, Süß. Einzig One Pot und Vegan tanzen hier aus der Reihe. Currys und Eintöpfe mit viel Gemüse überwiegen, die Zutatenlisten sind durch die Verknappung auf 7 Komponenten übersichtlich und die Zutaten preiswert(oft Hülsenfrüchte). Die Zubereitung ist gut beschrieben und unkompliziert, erfordert keine besonderen Kenntnisse. Der Zeitaufwand ist übersichtlich, und so steht nach maximal 60 Minuten ein leckeres indisches Essen auf dem Tisch. Indisches Fast Food im besten Sinne. Guten Appetit!