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Veröffentlicht am 01.07.2026

Gut gemacht, Frau Hellberg!

Vega Varg – Das Schweigen der Insel
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„Das Schweigen der Insel“ ist der Auftaktband einer neuen Reihe, in der Vega Varg die zentrale Rolle spielt.

Schon das Cover unterscheidet sich deutlich von dem, was man üblicherweise bei skandinavischen ...

„Das Schweigen der Insel“ ist der Auftaktband einer neuen Reihe, in der Vega Varg die zentrale Rolle spielt.

Schon das Cover unterscheidet sich deutlich von dem, was man üblicherweise bei skandinavischen Krimis gezeigt bekommt. Kein farbenfrohes Häuschen am strahlenden blauen Wasser, sondern eine abgerockte Bretterbude in the Middle of nowhere. Gelb-braun-schwarze Düsternis.

Und auch Vega Varg, die Polizeichefin von Koster (zwei dünnbesiedelte Inselchen zwischen Schweden und Norwegen), unterscheidet sich deutlich von den Ermittlern/Ermittlerinnen, mit denen man es üblicherweise in den skandinavischen Krimis zu tun hat. Keine durchtrainierte Superwoman, sondern eine 62jährige Frau mit scharfem Verstand, die wenig Wert auf Äußerlichkeiten legt und mich schon nach den ersten Seiten an Ann Cleeves „Vera“ erinnert hat, obwohl Vega wesentlich empathischer mit ihren Mitmenschen umgeht.

Eine Leiche wird gefunden. Es ist Fredde, ein Kindheitsfreund ihrer beiden Söhne (beide auch bei der Polizei), der als Kind regelmäßig bei ihnen am Tisch saß, wenn es in seinem Zuhause mal wieder dicke Luft gab. Und dann verschwindet auch noch eine Person aus der Gruppe derjenigen, die den Toten gefunden haben, was zur Folge hat, dass Unterstützung aus Oslo anrückt. Lepold Posse, nicht nur Kollege sondern auch bester Freund...

Ja, es dauert etwas, Åsa Hellberg lässt sich Zeit mit ihrer Geschichte, was aber bei einem Reihenauftakt nicht ungewöhnlich ist, muss der Leser/die Leserin doch sowohl die Personen als auch das Setting erstmal kennenlernen. Ihre Erzählweise ist völlig unaufgeregt, fast schon entspannt, und dass sie Routine hat, merkt man. Hat sie ja bereits erfolgreich bewiesen.

Gelungen sind die Perspektiven der verschiedenen Beteiligten, die zur besseren Unterscheidung mit dem jeweiligen Namen kenntlich gemacht sind, was Zuordnungschaos vermeidet. Aber auch die Familienkonstellation Vegas ist interessant, denn wann hat man das schonmal, dass eine ganze Familie bei der Polizei beschäftigt ist und sich der Verbrechensaufklärung widmet?

Ich lese seit Jahrzehnten Krimis und freue mich immer wieder, wenn mich ein/e Autor/in mit Wendungen überrascht, die ich nicht vorhersehen konnte. Und auch die Perspektiven der verschiedenen Beteiligten, die zur besseren Unterscheidung mit dem jeweiligen Namen kenntlich gemacht wurden, fand ich gelungen, weil damit das Zuordnungschaos vermieden wird.

Gut gemacht, Frau Hellberg, und ich freue mich schon auf weitere Fälle mit Vega Varg!

Veröffentlicht am 01.07.2026

Homo homini lupus est

Insel der Ratten
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Wenn alle Gesetze ihre Gültigkeit verloren haben und der Kampf um die Ressourcen auf der Zielgeraden ist, was geschieht dann? Werden wir in einer Welt enden, in der jeder gegen jeden kämpft? Wo Egoismus ...

Wenn alle Gesetze ihre Gültigkeit verloren haben und der Kampf um die Ressourcen auf der Zielgeraden ist, was geschieht dann? Werden wir in einer Welt enden, in der jeder gegen jeden kämpft? Wo Egoismus und Rücksichtslosigkeit für das Überleben unabdingbar sind, das Recht des Stärkeren gilt? In der der Mensch des Menschen Wolf ist?

Die Pandemie und das große Sterben sind vorüber. Jetzt geht es drunter und drüber in der Stadt ohne Namen: Brennende Autos, Maschinengewehrsalven, angsterfüllte Schreie, Sirenen, marodierende Banden. Ein Dschungel, beklemmend aktuell, weil vor dem inneren Auge sofort Bilder aus den amerikanischen Megacitys aufploppen. Nicht umsonst hat Nesbø die Westküste Amerikas zum Handlungsort gewählt, verbindet man doch gerade mit Kalifornien Wohlstand, Easy Living und Toleranz. Nichts davon zu sehen. Und es wird noch furchterregender, weil die niedersten Instinkte der Menschen an die Oberfläche drängen.

Nesbø arbeitet mit zwei Perspektiven. Zum einen Colin, steinreicher Unternehmer, der bereits das Weite gesucht hat, zum anderen Will, ehemals Anwalt und sein Freund, dessen Tochter von Colins Sohn entführt wurde. Und ja, es ist vorhersehbar, dass es zwischen diesen beiden zum Showdown kommen wird…

Wollen wir in einer Gesellschaft leben, in der die alten Werte und Regeln ihre Gültigkeit verloren haben, Anarchie die Oberhand gewinnt und der der Kampf ums Überleben die Gesetze des Zusammenlebens außer Kraft setzt? Das ist die Frage, die man sich stellt, wenn das schmale Büchlein zuklappt.

Rau, und mehr als drastisch in den Beschreibungen, konfrontiert uns Nesbø mit dieser Frage und lässt uns damit auch in unser Innerstes blicken.

Veröffentlicht am 30.06.2026

Historischer Roman oder Krimi?

Die Queen von Mayfair
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Wir befinden uns im viktorianischen London, ein Setting, das wir bereits aus dem vorherigen Roman des Autors Alex Hay kennen. Dort treffen wir auf Quinn Le Blanc, eine geniale Trickbetrügerin, eher bekannt ...

Wir befinden uns im viktorianischen London, ein Setting, das wir bereits aus dem vorherigen Roman des Autors Alex Hay kennen. Dort treffen wir auf Quinn Le Blanc, eine geniale Trickbetrügerin, eher bekannt als die „Queen von Mayfair“, die hier den ganz großen Coup im Visier hat. Der dicke Fisch, den sie zu fangen gedenkt, ist der Duke of Kendal, vermögender Spross einer wohlhabenden Adelsfamilie. Unterstützt wird sie dabei von Silk, einem Gauner, mit dem sie schon lange zusammenarbeitet. Fünf Tage haben sie Zeit, um ihren wasserdichten Plan, der aus fünf Schritten besteht, durchzuziehen. Aber ganz so einfach, wie gedacht ist es dann doch nicht, haben sie doch den fatalen Fehler begangen und die Gegenseite unterschätzt.

Hay erzählt multiperspektivisch, lässt in alternierenden Kapiteln die Beteiligten zu Wort kommen. Aber leider macht er dennoch den gleichen Fehler, den ich bereits im Vorgänger moniert habe, er konzentriert sich zu sehr auf die Vorbereitungen plus entsprechender Twists, was leider zu Lasten der Charakterentwicklung der Hauptfiguren geht. Das mag ja in Ocean’s Eleven funktionieren, aber „Die Queen von Mayfair“ ist in erster Linie ein historischer Roman, kein Krimi. Aber in den Beschreibungen des viktorianischen London plus seiner adligen Gesellschaft brilliert der studierte Historiker. Diese sind außerordentlich gut gelungen und erzeugen in der Tat die entsprechenden Bilder im Kopf des Lesers.

3,5 von 4, wohlwollend aufgerundet, verbunden mit der Hoffnung, dass die Gewichtung bei seinem nächsten Roman besser klappt.

Veröffentlicht am 27.06.2026

Leseempfehlung mit Einschränkungen

Schlafende Vulkane
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Michael Hjorth ist ein Autor, der gerne und erfolgreich im Tandem schreibt, man denke an die mehrbändige Sebastian Bergman Reihe mit Hans Rosenfeldt. Nun also ist Bjarni Thorsson, ein isländischer Regisseur ...

Michael Hjorth ist ein Autor, der gerne und erfolgreich im Tandem schreibt, man denke an die mehrbändige Sebastian Bergman Reihe mit Hans Rosenfeldt. Nun also ist Bjarni Thorsson, ein isländischer Regisseur und Autor, sein „Partner in Crime writing“, was durchaus Sinn macht, ist ihre Co-Produktion „Schlafende Vulkane“ doch in Island verortet. Obwohl…typisch für Island ist vor allem das Cover des Buches, die Landschaft könnte, mit Ausnahme der Vulkane, überall im Norden Europas sein.

Und auch das Thema des Thrillers wurde bereits von anderen Autoren weitaus einfühlsamer, gelungener bearbeitet, obwohl ich mich dennoch frage, warum immer wieder Frauen die Opfer sind und man mit den Beschreibungen der Misshandlungen so ins Detail gehen muss. Andeutungen würden durchaus genügen, aber offenbar verlangen die Leser*innen danach.

Überzeugen konnte mich lediglich die Dreierkonstellation der Ermittler, deren Dynamik der Zusammenarbeit besonderen Schwung verleit: Helga, die „Schwedin“, eher unerfahren bei ihrem ersten Fall, Yvette, die clevere Kriminaltechnikerin mit ihrer bisher noch unbekannten Backstory und Bjarki aka „Grettir, der Naturbursche, auf den – wie könnte es anders sein - beide Frauen ein Auge geworfen haben.

Der Handlungsverlauf ist, insbesondere durch die Zwischenkapitel aus Sicht des Täters, vorhersehbar und demzufolge recht unspektakulär, was leider auch auf Kosten der Spannung geht und vor allem in der Schlusssequenz unnötig in die Länge gezogen wird. Wir wissen doch alle, dass in den üblichen Krimis/Thriller das Gute siegen und der Mann im Team die Kollegin aus den Fängen des Täters befreien wird.

Leseempfehlung mit Einschränkungen. Mal schauen, was der nächste Band bringt.

Veröffentlicht am 26.06.2026

Dit is' Berlin

Hope Joanna
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Horst Evers kannte ich bisher nur als Kabarettist, gelesen hatte ich noch nichts von ihm. Aber kann einer, dessen Markenzeichen hintergründiger Humor ist, auch Krimi? Ja, er kann, auch wenn das Ergebnis ...

Horst Evers kannte ich bisher nur als Kabarettist, gelesen hatte ich noch nichts von ihm. Aber kann einer, dessen Markenzeichen hintergründiger Humor ist, auch Krimi? Ja, er kann, auch wenn das Ergebnis eher als ein etwas schräges Produkt daherkommt.

Das Cover, ganz im Stil des Sozialistischen Realismus des Arbeiter- und Bauernstaats gehalten, hat mich angesprungen und sticht ohne Frage aus der Masse der Neuerscheinungen heraus. Und dann noch der Titel „Hope Joanna“. Wer da nicht sofort einen Ohrwurm hat und mit den Füßen wippt…

Die Story fängt dann ja auch so, wie man es von einem Krimi gewohnt ist, an. Zwei Tote, gebissen von einer Giftschlange. Dazu ein brisanter Brief aus dem Nachlass plus ein geheimnisvolles Elixier. Und schon sind wir in medias res…ähm…mitten in der Hauptstadt. Und es wird ziemlich schräg und chaotisch, mit viel trockenem Humor in den Dialogen, insbesondere was Berlin und die „arm aber sexy“ Berliner angeht, aber durchaus auch mit gesellschaftskritischen Untertönen, die die aktuelle politischen Lage im Land aufgreifen. Das ist zwar nicht immer ganz hasenrein, aber Kabarett lebt ja bekanntlich von Übertreibungen. Und unterhaltsam ist es auf alle Fälle.

Worauf ich gerne verzichtet hätte, war die übersinnliche Schiene. Das hat meiner Meinung nach nicht gepasst. Aber ansonsten eine coole Story mit pointierten Dialogen und sympathischen Protagonisten.