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Veröffentlicht am 10.11.2018

Wo Reacher draufsteht, ist Reacher drin!

Im Visier
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Jack Reacher ist auf dem Weg nach Seattle. In einem Bus. Von Langeweile geplagt, greift er nach einer Armypostille, die jemand auf einem Sitz liegengelassen hat und findet darin eine an ihn gerichtete ...

Jack Reacher ist auf dem Weg nach Seattle. In einem Bus. Von Langeweile geplagt, greift er nach einer Armypostille, die jemand auf einem Sitz liegengelassen hat und findet darin eine an ihn gerichtete Kleinanzeige, in der er zur Kontaktaufnahme aufgefordert wird. Der französische Präsident ist nur knapp dem Anschlag eines Snipers entgangen. Aber was hat Reacher damit zu tun? Nun, da auch er ein ausgebildeter Scharfschütze ist, kann er die Verdächtigen beurteilen. Und zu allem Überfluss ist unter ihnen auch ein alter Bekannter, John Kott, den er vor Jahren verhaftet hat und der mittlerweile wieder auf freiem Fuß ist. Und man kann davon ausgehen, dass der Attentäter den französischen Präsidenten noch immer im Visier hat. Die nächste gute Gelegenheit würde der G8-Gipfel in London bieten. Schnelles Handeln ist angezeigt. Und so macht sich Reacher mit der noch recht unerfahrenen CIA-Agentin Casey Nice auf den Weg, um seine Mission zu erfüllen.

„Im Visier“, Band 19 der Reihe, verlegt Lee Child den Schwerpunkt der Handlung nach Europa, England und Frankreich. Quasi ein Heimspiel für ihn, den gebürtigen Engländer und Teilzeit-Franzosen. Aber eigentlich ist der Handlungsort ja auch egal. Und auch in Europa funktioniert die Reacher-Story einwandfrei, da Child nicht auf die aus den Vorgängern bewährten Zutaten verzichtet. Ein Mann auf einer Mission, eine hübsche Frau an seiner Seite, zahlreiche Bösewichte, die dem Protagonisten und seiner Begleitung an die Wäsche wollen, Schießereien, Prügeleien, ein Plot, der konsequent auf den Showdown hin ausgerichtet ist - wo Reacher draufsteht, ist Reacher drin. Man liebt ihn, oder man hasst ihn.

Philosophischen Tiefgang sucht man hier vergebens, dafür bekommt man eine unterhaltsame Superman-Geschichte geboten. Und nichts anderes habe ich erwartet.

Veröffentlicht am 10.11.2018

Story nicht schlecht, aber leider emotionslos und distanziert erzählt

Endstation Tokio
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Die verschiedenen Länder Europas sowie die Vereinigten Staaten bildeten jahrzehntelang den geografischen Hintergrund für Kriminalromane und Thriller. Dann erweiterte sich das Spektrum um Südafrika, in ...

Die verschiedenen Länder Europas sowie die Vereinigten Staaten bildeten jahrzehntelang den geografischen Hintergrund für Kriminalromane und Thriller. Dann erweiterte sich das Spektrum um Südafrika, in den vergangenen Jahren kam noch Australien dazu. Die asiatischen Länder waren bisher eher schwach vertreten. Seit einiger Zeit nun kann man beobachten, dass Japan der neueste Trend ist. Vermehrt tauchen japanische Autoren in diesem Genre auf und rücken Japan samt seiner kulturellen Eigenheiten in den Fokus. Im Gegensatz dazu gibt es die englischsprachigen Autoren, die ihre Protagonisten im „Land der aufgehenden Sonne“ mit der Gewalt der organisierten Kriminalität konfrontieren, ansonsten aber Land und Leuten, und noch weniger dieser Kultur, Beachtung schenken.

Zu dieser Gruppe gehört auch der englische Autor James Buckler, der für seinen Erstling „Endstation Tokio“ die japanische Hauptstadt als Kulisse verwendet: nach einem tragischen Ereignis kehrt Alex Malloy seinem Heimatland den Rücken und versucht einen Neuanfang in Japan. Dort lernt er die ehrgeizige Kuratorin Naoko kennen, verliebt sich in sie und geht mit ihr eine unheilvolle Beziehung ein, denn Naoko hat ihre eigenen Pläne, die Alex das Leben kosten könnten.

Buckler hat nicht nur für Film und Fernsehen sondern auch einige Zeit als Englischlehrer in Japan gearbeitet. Ersteres schlägt sich in seinen bildhaften Schilderungen sowie seiner gut lesbaren Art des Schreibens nieder. Welche Eindrücke seine japanischen Jahre bei ihm hinterlassen haben, kann nur vermutet werden. Er zeigt uns in seinem Roman das Land und die Menschen durch die Brille des Europäers, der sich einigermaßen verunsichert, wenn nicht sogar verstört in einer für ihn fremden Kultur zurechtfinden muss. Auf mich hat das leider eher emotionslos und distanziert gewirkt, obwohl die Story an sich eigentlich nicht schlecht war. Schade!

Veröffentlicht am 06.11.2018

Tolle Rezepte und jede Menge Infos

Huhn & Hähnchen
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Schon Henri IV. versprach im sechzehnten Jahrhundert „jedem Bauer am Sonntag ein Huhn im Topf“, denn Hühnerfleisch mag jeder. Es ist unglaublich variabel und kann deshalb in den verschiedensten Geschmacksrichtungen ...

Schon Henri IV. versprach im sechzehnten Jahrhundert „jedem Bauer am Sonntag ein Huhn im Topf“, denn Hühnerfleisch mag jeder. Es ist unglaublich variabel und kann deshalb in den verschiedensten Geschmacksrichtungen und Zubereitungsarten auf den Teller gebracht werden. Und damit es nicht immer nur Hühnersuppe oder Grillhähnchen gibt, lohnt es sich, einen Blick in das neue Kochbuch von Tareq Taylor „Huhn & Hähnchen. Vielseitig und weltweit geliebt“ zu werfen.

Das Buch ist voll mit Rezepten aus aller Welt, die einem schon beim bloßen Anschauen der wunderschön fotografierten Gerichte das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen. Aber das erste, was mir positiv ins Auge gefallen ist, war die ausführliche Warenkunde, die dem Rezeptteil vorangestellt ist. Ich kaufe mein Geflügel häufig in Frankreich ein (wir wohnen eine Fahrstunde von der Grenze entfernt), da dort die Auswahl an ordentlich aufgezogenem Federvieh wesentlich größer ist als auf unserem Wochenmarkt. Schwarzfeder-, Bresse-, Hof- und Mais-Hühner, Poularden und Stubenküken, alles vorhanden. Und all diese stellt Taylor auf einer Skala von 1 bis 10 anhand der Textur und des Geschmacks vor. Daneben gibt es natürlich auch noch eine detaillierte Schritt-für-Schritt Anleitung für das richtige Tranchieren.

Es folgen die Rezepte, wobei sich Internationales wie Pollo al limone, Udon, Cocos Chicken Curry etc. mit Klassikern wie Hähnchen-Schnitzel oder Hähnchen Kiew abwechselt. Taylor startet mit den Basics „Brühen, Fonds und Saucen“. Danach geht es um „Suppen und Eintöpfe“, „Reis- und Nudelgerichte“, „Aus Ofen und Pfanne“, „Gegrilltes“ sowie „Brote, Salate und Fast Food“ für Übriggebliebenes. Dazu sind noch doppelseitige Erläuterungen zu „Früchte und Nüsse“, „Gewürze“, „Knusprige Haut und andere Tricks“ und „Fett“, jeweils in ihrem Verhältnis zu Hühnerfleisch, zu finden. Die Zubereitungen an sich sind gut erklärt, die Zutaten separat aufgeführt und in jedem ordentlich sortierten Supermarkt erhältlich. Und damit der Hobbykoch eine Ahnung davon hat, wie das Endergebnis aussehen sollte, runden appetitanregende Fotos der jeweiligen Gerichte die Rezepte ab.

„Huhn & Hähnchen“ ist ein wunderschönes Kochbuch, voll mit tollen Rezepten, jeder Menge Infos und Anregungen, das ich gerne weiterempfehle

Veröffentlicht am 05.11.2018

Komplizierte Beziehungen

Wer Strafe verdient
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In Kürze, weshalb ich auch darauf verzichte, näher auf den Inhalt einzugehen:

Ich kann die vielen negativen Rezensionen nicht nachvollziehen. Von Elizabeth George darf man keinen gemütlichen englischen ...

In Kürze, weshalb ich auch darauf verzichte, näher auf den Inhalt einzugehen:

Ich kann die vielen negativen Rezensionen nicht nachvollziehen. Von Elizabeth George darf man keinen gemütlichen englischen Landhauskrimi der Sorte Mord-Ermittlung-Entlarvung des Täters erwarten. Und das Ganze am besten auf 250 Seiten, damit es schnell runtergelesen werden kann. Aber das hat sie ja bereits hinlänglich in den Vorgängerbänden der Reihe bewiesen. Ihr Anliegen ist es, das komplizierte Beziehungsgeflecht im Umfeld des Verbrechens darzustellen, und das gelingt ihr auch in "Wer Strafe verdient" perfekt. Ja, und das benötigt Raum - in diesem Fall stark über 800 Seiten. Natürlich sind nicht alle Informationen für die Aufklärung relevant, aber so kann sich der Leser ein wesentlich besseres Bild von den Umständen machen, die zu dem Verbrechen führen. Und auch die Befindlichkeiten und persönlichen Probleme der Protagonisten von Scotland Yard - Havers, Lynley und Ardery - gehören meiner Meinung dazu, steht es doch außer Frage, dass diese die Ermittlungsarbeit gehörig beeinflussen.

Für mich war dieser Band jedenfalls wieder das beste Beispiel für einen aus der Masse hervorstechenden englischen Whodunit, der wieder einmal mehr beweist, dass Elizabeth George zurecht als Queen of Crime zu bezeichnen ist. Punkt!

Veröffentlicht am 05.11.2018

Dorf-Idylle meets Drogenkrieg in der kanadisch-amerikanischen Grenzregion

Hinter den drei Kiefern
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Three Pines, ein idyllisches Dörfchen in Kanada im November. Da ist nichts zu spüren von der Wärme und der verzaubernden Szenerie, die der Indian Summer mit sich bringt. Es ist kalt, grau und unwirtlich. ...

Three Pines, ein idyllisches Dörfchen in Kanada im November. Da ist nichts zu spüren von der Wärme und der verzaubernden Szenerie, die der Indian Summer mit sich bringt. Es ist kalt, grau und unwirtlich. Und über allem liegt ein Hauch von Bedrohung, ausgelöst durch eine schwarz verhüllte Gestalt, die am Morgen nach Halloween plötzlich auftaucht und annähernd reglos auf dem Dorfplatz steht und in das Bistro starrt. Verkörpert er den Tod, und wenn ja, was will er? Matheo, der freie Journalist, bringt Licht ins Dunkel. Die Gestalt entstammt der spanischen Mythologie, es ist ein Cobrador del Frac, der das Gewissen verkörpern los, Schuldner aufspüren und sie ihrer gerechten Strafe zuführen soll. Stellt sich nur noch die Frage, hinter wem er her ist und warum.

Armand Gamache, Hauptfigur und mittlerweile Chef der Sûreté von Québec, sind die Hände gebunden. Herumstehen ist nicht illegal, er kann nicht einschreiten. Erst als Reine-Marie eine Leiche im Keller der Kirche entdeckt, nimmt er die Ermittlungen auf und öffnet damit die Büchse der Pandora.

„Hinter den drei Kiefern“ ist der mittlerweile dreizehnte Band der Gamache-Reihe der Kanadierin Louise Penny, die bei uns leider noch nicht den großen Durchbruch geschafft hat (bisher liegen inklusive dieses Bandes erst fünf Bücher der Reihe in deutscher Übersetzung vor). Das mag darin begründet sein, dass diese Kriminalromane weder gemütliche Urlaubskrimis mit Regio-Touch noch blutige Fast Food-Serienkiller Reißer sind. Der Leser muss geduldig und aufmerksam sein, muss die verschiedensten Informationen aufnehmen und speichern, um sie im richtigen Moment des intelligenten, verschachtelten Plots abrufen zu können, in dem sie gekonnt Vergangenes und Gegenwärtiges mischt. Dazu kommt, dass ihre Hauptfigur kein Superheld à la James Bond ist, der sich schießend und prügelnd um Aufklärung bemüht. Am ehesten ist Gamache Vargas‘ Adamsberg vergleichbar, beide eher von der stillen, nachdenklichen Sorte, aber mit einem messerscharfen Verstand ausgestattet, die mit Intuition und Fingerspitzengefühl ihre Fälle zum Abschluss bringen.

Dorf-Idylle meets Drogenkrieg in der kanadisch-amerikanischen Grenzregion. Lesen – unbedingt!