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Veröffentlicht am 27.05.2026

Zwangspause im Elternhaus

Pause
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Die 36jährige Hanna ist Illustratorin und lebt zusammen mit ihrem Freund in Berlin. Nach einer Panikattacke während eines Geschäftstermins erwacht sie im Krankenhaus – Burn-out diagnostizieren die Ärzte. ...

Die 36jährige Hanna ist Illustratorin und lebt zusammen mit ihrem Freund in Berlin. Nach einer Panikattacke während eines Geschäftstermins erwacht sie im Krankenhaus – Burn-out diagnostizieren die Ärzte. Da in ihrem Freundeskreis niemand sich die Zeit nehmen will sie abzuholen, holen sie ihre Eltern ab und nehmen sie mit in die Heimat nach Lüneburg. Plötzlich lebt sie wieder in ihrem alten Kinderzimmer, das jetzt Vaters Büro ist, und wird von der Mutter umsorgt. Doch anstatt den Aufenthalt dort zu genießen und sich zu erholen, ärgert sich Hanna über die Fürsorge ihrer Eltern, nimmt Anstoß an deren Schweigsamkeit und fühlt sich von ihrer Familie nicht ernst genommen, da keiner sie auf ein schon länger zurückliegendes traumatisches Erlebnis anspricht …

Lena Kupke, geb. 1986 in Aachen, ist eine deutsche Autorin, Schauspielerin und Stand-up-Comedian. Sie studierte an der Universität Bonn Anglistik und Geschichte und erwarb den Bachelor-Abschluss. „Pause“ (2026 – dtv Verlagsgesellschaft) ist ihr Debütroman.

Der Schreibstil der Autorin ist klar und gut lesbar. Sie lässt Hanna in Ich-Perspektive erzählen, wodurch wir ihre schwankende Gefühlswelt unmittelbar und beinahe autobiografisch miterleben können. Ihr wankelmütiger Charakter, ihre innere Zerrissenheit und ihr Verhalten allgemein empfand ich jedoch für eine 36jährige Frau äußerst seltsam, solche Gemütsschwankungen sind meiner Erfahrung nach bei Jugendlichen zu finden. Während langer Strecken des Romans meinte ich über eine 19Jährige zu lesen - die oft witzig gemeinten Beschreibungen kamen aus diesem Grund bei mir nicht an. Insgesamt fand ich die Geschichte ziemlich konstruiert und in die Länge gezogen, das Thema Depression bzw. Burn-out wird kaum erwähnt und Hannas „traumatisches Erlebnis“ hat wohl beinahe jede 2. Frau irgendwann schon erlebt. Erst am Ende des Buches zeichnet sich für Hanna eine mögliche gute Perspektive für die Zukunft ab, falls sie überhaupt in der Lage ist, diese Gelegenheit zu ergreifen.

Fazit: Eine unterhaltsame Geschichte, die jedoch mehr die jüngere Generation ansprechen dürfte - für mich war’s kein besonderes Leseerlebnis!

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Veröffentlicht am 22.05.2026

Ein Ort der Zuflucht für Frauen

Das Haus der Frauen
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Nach dem Freitod eines Mandanten erlitt die erfolgreiche Pariser Rechtsanwältin Solène einen Zusammenbruch – Burn-out diagnostizierten die Ärzte. Nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus riet ihr Psychiater ...

Nach dem Freitod eines Mandanten erlitt die erfolgreiche Pariser Rechtsanwältin Solène einen Zusammenbruch – Burn-out diagnostizierten die Ärzte. Nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus riet ihr Psychiater zu einer ehrenamtlichen Tätigkeit, um anderen Menschen zu helfen und sich dabei wieder nützlich zu fühlen. Über eine Anzeige erhält sie eine Stelle im »Haus der Frauen«, in dem Obdachlose, Gestrandete, Flüchtlinge und misshandelte Frauen Unterschlupf gefunden haben. Dort soll Solène den Bewohnerinnen helfen, Briefe, Anträge oder Gesuche zu schreiben. Nach anfänglichem gegenseitigen Misstrauen wird sie im Kreis der Frauen aufgenommen - ihr Leben bekommt wieder einen Sinn. Sie beginnt sich für die Geschichte des Hauses und ihrer Begründerin, Blanche Peyron, zu interessieren …

Laetitia Colombani, geb. 1976 in Bordeaux, ist eine französische Schauspielerin, Regisseurin, Drehbuchautorin und Schriftstellerin. „Der Zopf“ (La Tresse, 2017) war ihr erster Roman, der 2019 im S. Fischer Verlag erschienen ist. Die Autorin erhielt dafür 2017 den Prix Ulysse und 2018 den Globe de cristal in der Kategorie „Bester Roman“. „Das Haus der Frauen“ (Les Victorieuses, 2019) folgte und war ebenso erfolgreich. Laetitia Colombani lebt in Paris.

Das „Palais de la femme“ ist ein Gebäude im 11. Arrondissement von Paris. 1926 wurde es von dem Ehepaar Blanche und Albin Peyron erworben und der Heilsarmee überschrieben. Das Haus besteht aus 630 Räumen und beherbergt auch heute noch in Not geratene Mädchen und Frauen.

Im Mittelpunkt dieses Romans stehen zwei Frauen aus unterschiedlichen Zeiten. Gekonnt verbindet die Autorin das Leben der historischen Persönlichkeit Blanche Peyron und der fiktiven Anwältin Solène in zwei Handlungssträngen, die ineinander übergreifen und zeigen, dass Frauen, die soziale Ungerechtigkeit und Gewalt erfahren haben, schon früher der Hilfe bedurften. Der Schreibstil ist sehr ansprechend und macht das Buch gut lesbar, wobei ich Solènes Entwicklung leicht vorhersehbar fand, während der historische Teil um Blanche für mich viel emotionaler und authentischer wirkte. Obwohl die persönlichen Schicksale der Frauen oft nur angedeutet werden, berühren sie doch tief und hinterlassen den Leserin etwas gedrückter Stimmung.

Fazit:* Ein warmherziges Buch mit historischem Hintergrund, das ich wärmstens empfehlen kann.

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Veröffentlicht am 20.05.2026

Bergtour zur Trauerbewältigung

Wir gehen mal los
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Seit dem Tod seiner Mutter hat sich Amedeo in sich selbst zurückgezogen, hat Angstzustände und hält sich von allem fern. Stets hat er Kopfhörer auf den Ohren, die Augen verbirgt er hinter seinen langen ...

Seit dem Tod seiner Mutter hat sich Amedeo in sich selbst zurückgezogen, hat Angstzustände und hält sich von allem fern. Stets hat er Kopfhörer auf den Ohren, die Augen verbirgt er hinter seinen langen Haaren, vernachlässigt die Schule und geht seinem Vater aus dem Weg. Dieser hofft, nach einem Gespräch in der Schule, auf einer Zweitages- Bergtour seinem Sohn wieder näher zu kommen. Zunächst versucht Amedeo während des Aufstiegs zum Punta Liberté das Gerede des Vaters zu überhören, seine Höhenangst zu vergessen und ist in seinen Gedanken bei seiner Mutter. Doch dann passiert etwas das ihn zwingt über sich hinauszuwachsen, seine Ängste zu überwinden, hellwach zu sein und Verantwortung zu übernehmen …

Die Autorin Raffaella Romagnolo wurde 1971 in Casale Monferrato/Piemont geboren. Sie ist Lehrerin für Geschichte und Italienisch und schreibt seit 2007 auch Romane, für die sie bereits für den Premio Strega nominiert war. Heute lebt die sie in Rocca Grimalda im Piemont.

„Wir gehen mal los“ (2026 Diogenes) ist ein Roman, in dem es um einen Vater-Sohn-Konflikt geht. Beide, Ingenieur Giandomenico Ghisleri und sein Teenagersohn Amedeo, sind gefangen in der Trauer um die tote Ehefrau und Mutter, den einstigen Mittelpunkt der Familie. Sie haben keine Gemeinsamkeit mehr, bis der Vater seinen Sohn auffordert, mit ihm eine Bergtour zu unternehmen, bei der er hofft, dass sie wieder zueinander finden.

Der Autorin gelingt es großartig, auf einfühlsame Weise die Trauer und Verzweiflung zu vermitteln und diese in eine überraschend spannende Geschichte einzubinden. Es wird wenig gesprochen zwischen den beiden, umso mehr erhalten wir jedoch Einsicht in ihre Gedanken und Gefühle. Man ahnt während des Lesens die nahende Katastrophe, kann sie aber nicht abwenden. Das Ende ist wunderbar passend, still und verhalten wie die ganze Geschichte.

Fazit: Ein großartiges Buch, das ich sehr gerne weiterempfehle!

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Veröffentlicht am 18.05.2026

Rückblick am Lebensende

Das Mosaik der Frauen
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Als der Syrer Said Mardini im März 1971 am Flughafen in Frankfurt ankam, war er seiner Verhaftung in Damaskus nur knapp entkommen. Er setzte sein begonnenes Literaturstudium in Heidelberg fort, wo er auch ...

Als der Syrer Said Mardini im März 1971 am Flughafen in Frankfurt ankam, war er seiner Verhaftung in Damaskus nur knapp entkommen. Er setzte sein begonnenes Literaturstudium in Heidelberg fort, wo er auch durch seine Tätigkeit als Simultandolmetscher ein gutes Auskommen hatte. Drei Jahrzehnte später meldet sich ein ehemaliger Freund Saids, der Leiter des Heidelberger Krankenhauses Professor Klaus Rosenbaum, mit der Bitte um Hilfe. Ein reicher, schwer herzkranker Patient aus Syrien, Nadim Suri, wolle vor seinem Tod einem Schriftsteller seine Lebensgeschichte erzählen, damit dieser sie veröffentliche. Zehn Tage lang sitzt Said an Nadims Krankenbett und hört sich seine Erinnerungen an. Dieser erzählt aus seinem bewegten Leben, wie er in Damaskus als Sohn eines christlichen Syrers und einer deutsch-jüdischen Mutter aufwuchs, von seiner ersten Liebe, seiner Flucht über Beirut nach Deutschland und von den vielen Frauen, die sein Leben bereicherten. Dabei schweift er oft ab, erzählt von zufälligen Bekanntschaften, von einstigen Freunden und sinniert über politische Zustände seines Heimatlandes und anderer Arabischer Länder nach. Doch erst an seinem Totenbett wird er erfahren, was wahre Liebe ausmacht …

Der 1946 in Damaskus geborene Autor Rafik Schami lebt seit 1971 in Deutschland. Er setzte in Heidelberg sein in Damaskus begonnenes Chemiestudium fort und schloss es 1979 mit der Promotion ab. Seine schriftstellerische Tätigkeit begann er mit Märchen und Fabeln, bevor er zu Romanen wechselte. Heute gehört er zu den bedeutendsten Autoren deutscher Sprache. Für seine Werke, die bisher in 35 Sprachen übersetzt wurden, erhielt er zahlreiche Preise und Auszeichnungen. Schami hat die Staatsbürgerschaften von Syrien und Deutschland. Er ist seit 1991 verheiratet, hat einen Sohn und lebt seit vielen Jahren als freier Schriftsteller in der pfälzischen Gemeinde Marnheim im Donnersbergkreis.

Dass Rafik Schami ein Meister der Erzählkunst ist, hat er auch in seinem neuesten Roman „Das Mosaik der Frauen“ (2026, Hanser-Verlag) wieder bewiesen. In seinem unverkennbaren Schreibstil, bildreich, mit viel Sprachwitz und voller Abschweifungen, die oft interessanter sind als die eigentliche Handlung, lässt er Nadim Suri aus seinem Leben und von seinen Frauen berichten. Jede dieser Frauen erhält ein eigenes Kapitel für sich, einige davon sind tragisch, andere wiederum liebevoll, sodass sich nach und nach ein vielschichtiges Mosaik des Lebens ergibt. Ganz nebenbei macht der Autor auch auf die Verhältnisse in seinem Heimatland Syrien aufmerksam. Man spürt, wie die Menschen durch verschiedene Religionen, Patriachat in den Familien und Diktatur der Regierung geprägt werden und versteht besser, warum viele ihre Heimat verlassen.

Fazit: Kein Buch mit klassischer Handlung, sondern eine interessante, anspruchsvolle und informative Geschichte, die nachdenklich und betroffen macht. Sehr empfehlenswert!

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Veröffentlicht am 14.05.2026

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Afghanische Reise
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2006, kurz nach dem Ende der Kriegshandlungen und dem Sturz der Taliban, reist Roger Willemsen kreuz und quer durch Afghanistan, von Kabul bis in den Norden nach Kunduz. Begleitet wird er von Nadia Karim, ...

2006, kurz nach dem Ende der Kriegshandlungen und dem Sturz der Taliban, reist Roger Willemsen kreuz und quer durch Afghanistan, von Kabul bis in den Norden nach Kunduz. Begleitet wird er von Nadia Karim, einer in Deutschland im Exil lebenden Afghanin, deren Hilfe ihm das Land näherbringt und die Gepflogenheiten der Menschen verständlich macht. Herausgekommen ist dabei weder eine klassische Reisereportage, noch ein politisches Sachbuch, sondern es ist ein ganz persönlicher Bericht über ein Land, das gerade einen fragilen Frieden erlebt.

Roger Willemsen, geb. 1955 in Bonn, gest. 2016 in Wentorf bei Hamburg, war ein deutscher Publizist, Kolumnist, Fernsehmoderator und Filmproduzent. Neben regelmäßigen Veröffentlichungen und kritischen Berichten in einigen Magazinen und Zeitungen, schrieb er mehrere Bücher und Reiseberichte. Für seine vielseitigen Tätigkeiten erhielt er zahlreiche Preise und Auszeichnungen. Willemsen war nicht verheiratet und blieb kinderlos.

In seiner bildstarken, präzisen Ausdrucksweise gelingt es dem Autor, uns Leserinnen seine Reise und seine vielfältigen Erlebnisse nahe zu bringen und mit erleben zu lassen. Er beschreibt nicht nur Gewalt und Zerstörung, sondern begegnet den Menschen im Alltag, lobt ihre Gastfreundschaft und ihren Humor. Ohne politisch zu analysieren beobachtet er, spricht mit Taliban-Funktionären und Soldaten, mit Frauen die die Burka abgelegt haben, mit Händlern und Nomaden – wodurch ein vielschichtiges Bild Afghanistans entsteht. Berührend sind die Momente der Hoffnung und Zuversicht, zumal man aus heutiger Sicht weiß, wie tragisch sich das Land weiterentwickelt hat und nun wieder von den Taliban kontrolliert wird.

Fazit:* Ein Reisetagebuch aus dem Jahre 2006 – aus heutiger Sicht aktueller denn je. Meine Leseempfehlung!

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