Ein neues Licht am Lesehimmel
To Tempt a GodDas Glückt wollte es, dass ich das Buch in einer Leserunde lesen konnte. Anna Benning kannte ich bisher von Dark Sigils (empfehlenswert) und für mich ist diese Welt hier rund um Aurora noch etwas ansprechender ...
Das Glückt wollte es, dass ich das Buch in einer Leserunde lesen konnte. Anna Benning kannte ich bisher von Dark Sigils (empfehlenswert) und für mich ist diese Welt hier rund um Aurora noch etwas ansprechender zu lesen.
Wir folgen Aurora, welche in einer Welt lebt, die von Göttern beherrscht wird. Sie versucht eigentlich nur ihrem kranken Bruder zu helfen und landet so näher an den hohen Götteretagen als gewollt. Die allmächtigen Wesen bespassen sich mit Menschen, deren Aufenthalt ein kurzes Ablaufdatum hat und ständig auf Messers schneide steht. Zwischen Widerstand und drei sympathischen Göttern merkt sie bald, dass nicht alles so einfach in gut und böse einzuteilen ist, wie bisher gedacht.
Die Hauptperson Aurora wirkt sympathisch. Selbstsicher und zielstrebig aber auch mit Zweifeln und Fehlern wie wir alle. Im Verlauf der Geschichte verändert sie ihre Ansichten in einem nachvollziehbaren Tempo entsprechend der gegebenen Informationen. Zudem entwickelt sich ihre Romanze über einen angenehmen zeitlichen Rahmen, welche auch nicht übertrieben sexualisiert wird. In den gut 500 Seiten wirkt Aurora als Person stimmig. Die Charaktere in ihrem Umfeld lernen wir meistens nicht ganz so tief kennen, aber genug um das Interesse zu wecken und Theorien aufzustellen. Die eine Ausnahme gibt es natürlich mit ihrem Gegenstück in Liebesfragen. Von ihm erfahren wir etwas mehr über die Motive und Momente der Vergangenheit. So wirkt auch er auf den Leser plausibel und in sich stimmig. Er wirkt nie bevormundend und nimmt Aurora ernst, ist aber für ein Schmunzeln zu haben. Die Beziehung der beiden wirkt angenehm gesund und unterstützend.
Anna Benning hat eine sehr interessante Welt geschaffen, welche Elemente aus Fantasy und Dystopien wirkungsvoll vermischt. Zur anfänglichen Orientierung ist zusätzlich eine Karte mitgedruckt. Mit ihrem Schreibstil fesselt sie Leser:innen ans Buch. Die Seitenzahlen wachsen während einer lockeren Lesesession ziemlich schnell in die Höhe ohne, dass man es wirklich merkt. Sie findet die richtigen Worte, um auch unangenehme Momente, unsympathische Charaktere und Ungerechtigkeiten im System nahe zu bringen und entsprechende Emotionen während dem Lesen auszulösen.
Kleine Teile der Geschichte sind etwas vorhersehbar (das liegt wohl an den klassischen Elementen einer Dystopie/Fantasy) und auch der Klappentext spoilert leider schon ein bisschen, aber die Lektüre war trotzdem sehr unterhaltsam und ich bin gespannt auf den 2. Band!
Das Buch verdient 4.5 Sterne und ich würde es für eine lockeres Leseabenteuer in einem neuen Weltensystem weiterempfehlen. Wer Fantasy mag und sich manchmal die Dystopie Ära der 2010er Jahre zurücksehnt, findet hier sicherlich einige Stunden Ruhe.