Zwei Psychos in einem Bett
Pinguine fliegen nur im WasserGreta und Vincent, beide 36 Jahre alt, die sich in der Großstadt Berlin bis heute nicht begegnet sind, teilen ein gemeinsames Schicksal. Beide wurden als Kinder von ihren Eltern im Stich gelassen. Greta, ...
Greta und Vincent, beide 36 Jahre alt, die sich in der Großstadt Berlin bis heute nicht begegnet sind, teilen ein gemeinsames Schicksal. Beide wurden als Kinder von ihren Eltern im Stich gelassen. Greta, die Tochter zweier hochintelligenter Ärzte wird einfach zur Seite geschoben zu den Großeltern, die sie ebenfalls kaum beachten und erfährt nur von der polnischen Haushälterin Zuneigung, bis auch die viel zu früh stirbt. Der Deutsch-Vietnamese Vincent, dessen vietnamesische Mutter ihn mit 3 Jahren bei seinem deutschen Vater, der zunehmend seinen Depressionen verfällt, einfach zurücklässt, um sich nie mehr um das Kind zu kümmern. Beide sind aus ihrer Kindheit ganz unterschiedlich hervorgegangen: Greta, die bis vor Kurzem noch um die Anerkennung ihrer Eltern gekämpft hat, wurde zu einer menschenfreundlichen, offenen, vielleicht etwas schrillen Frau mit Menschenrettersyndrom, Vincent, hat gelernt seine Gefühle zu verleugnen und hat sich einen trügerischen Wohlstandsplatz in seiner Welt der Unternehmensberatung erkämpft.
Bis Vincents Welt von einem Tag auf den anderen ohne sein Zutun einstürzt und er alles verliert. Total abgefackelt landet er im Taxi der schrillen Greta und ehe er zu sich kommt, hat sie ihn mit ihrem Lebensrettersyndrom vereinnahmt. In ihrer Welt trifft er auf viele andere Menschen und auch Tiere, die Greta unter ihre Fuchtel genommen hat oder noch nimmt. Da ist Nachbar Kurt, der den gesellschaftlichen Normen nicht entspricht, aber von Greta gesehen und geachtet wird, da ist die wohlhabende, aber vereinsamte Nachbarin, aber auch der ausquartierte Dackel und die Schildkröte eines Obdachlosen und last but not least Matilda, die kleine Tochter von Gretas Cousin. Vincent, der bisher fast ohne Kontakte durch sein Leben ging, tiefere Gefühle aus Angst vor erneuter Zurückweisung vermieden hat, muss lernen, mit den vielen Lebewesen in seiner neuen Welt, in Gretas Welt zurechtzukommen. Mit Gretas Projekt zur Instandsetzung und Verhübschung ihrer von den Großeltern geerbten Villa trifft sie nicht nur Vincents Nerv, ganz allmählich rettet sie damit nicht nur Vincent sondern auch Kurt und die Gräfin aus der Nachbarschaft und schlussendlich sich selbst. Denn gemeinsam sind sie stark und können sich gegenseitig helfen.
Neben wichtigen Themen unserer Gesellschaft wie Vernachlässigung von Kindern durch ihre Eltern, Einsamkeit, Ausgrenzung von Menschen, die nicht den gesellschaftlichen Anforderungen entsprechen, die oft vor dem Hintergrund des aktuellen Weltgeschehens untergehen oder in Vergessenheit geraten, wirft die Autorin auch einen kritischen Blick auf die glänzende Welt der Unternehmensberatung, in der das einzelne Schicksal oft in der Anonymität versinkt. Dieses Buch zeigt, dass jeder Einzelne durch kleine menschliche Handlungen, ohne viel Aufwand und Kosten, einfach nur durch Innehalten und Aufeinanderachten eine Verbesserung dieser kalten, anonymen Welt bewirken kann.Ein schönes Buch zur Verbesserung unserer Welt, aufgelockert durch den Humor, den vor allem die kleine Matilda mit ihren altersklugen Sätzen aber auch Greta mit Begriffen wie Bullshit-Bingo oder Ümpf verbeiten.