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Veröffentlicht am 17.05.2025

Ich bleibe im Zwiespalt zurück…

Blood of Hercules
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Alexis wächst in einer Welt auf, in der blutrünstige Titanen Menschen angreifen und die Götter selbst miteinander im Krieg liegen und sich nicht für die Menschen und deren Belange interessieren. Alexis ...

Alexis wächst in einer Welt auf, in der blutrünstige Titanen Menschen angreifen und die Götter selbst miteinander im Krieg liegen und sich nicht für die Menschen und deren Belange interessieren. Alexis lebt mit ihrem Pflegebruder Charlie bei Pflegeeltern, die nicht nur drogenabhängig sind, sondern ihre Pflegekinder auch mittels körperlicher Gewalt erziehen. Nachdem die Mutter bei einem Angriff ums Leben kommt und der Vater dafür verhaftet wird, leben Alexis und Charlie auf der Straße. Sie schafft es dennoch, die Schule zu beenden und wird bei ihrem Abschlusstest durch einen Blutnachweis als „Mischblut“ eines Spartaners identifiziert. Alle Abkömmlinge eines spartanischen Hauses müssen sich mit 19 Jahren zunächst einem Kampf auf Leben und Tod im Kolosseum in den Dolomiten stellen, und nur die überlebenden zehn Spartaner dürfen sich der Feuerprobe stellen. Nie musste Alexis härter um ihr Leben kämpfen als jetzt…
Ich musste die Geschichte etwas sacken lassen, bevor ich meine Rezension schreiben konnte. Denn sie ist intensiv, erschütternd, aufwühlend, brutal, leiderfüllt, aber auch auf ihre eigene Art sarkastisch und witzig. Dennoch konnte sie mich nicht vollends überzeugen. Und das hat folgende Gründe:
ACHTUNG SPOILER!

1. Genremäßig würde ich es im Bereich Dystopie und Fantasy einordnen, mit kleinen Einschlägen von Dark Academia, aber auf gar keinen Fall in irgendeiner Weise im Romance Bereich! Nichts könnte ferner sein als der Liebesbegriff in dieser Geschichte…
2. Die Tropes, die der Verlag hier zuordnet, passen für mich auch nicht so recht. „Reverse Harem“ sehe ich zum Beispiel nicht, da es für mich eine bewusste Entscheidung für eine romantische Beziehung mit mehreren Männern beinhaltet. Alexis hat hier jedoch nie ein Mitspracherecht, wer ihr – auf völlig verquere und nahezu krankhafte Weise – den Hof macht. Es ist also alles andere als auf Freiwilligkeit und eigenem Willen basierend, was für mich das Trope des „Reverse Harem“ ausmacht. „Dark Reverse Harem“ könnte ich noch etwas nachvollziehen, wobei auch hier der Romantik-Aspekt nicht gegeben ist. Und „Morally Grey“ ist der Love Interest auch nicht mehr, eher pechschwarz mit lauter Red Flags auf den Körper tätowiert…
3. Das Ausmaß an Misogynie in dieser Geschichte und die Menge an Red Flags sind für mich kaum auszuhalten. Hier wird eine toxische Männlichkeit dargestellt, die selbst für die Dark-Genres echt zu viel ist. Bis auf zwei Beziehungen sind alle im Buch aufgezeigten Verbindungen in irgendeiner Form toxisch. Die (Gewalt-)Fantasie in Verbindung mit Frauen, die hier immer als schwach und minderwertig dargestellt werden, sind grenzwertig, wie ich finde – auch, wenn es der Protagonistin mehr oder weniger gefällt. Man mag von patriarchalen Strukturen mit veralteten Gesellschaftsauffassungen und Bevormundung von Frauen halten, was man möchte, aber mir war es hier schlicht und ergreifend zu viel. Es geht recht derb und brutal zu, stellenweise wird sogar eine Art Freude am Töten bzw. Verletzen deutlich.
4. Das hier als Vorlage verwendete antike Götterpersonal hat kaum etwas mit den historischen griechischen Göttern zu tun. Dessen sollte man sich bewusst sein und sich frei von bereits bekanntem Wissen dazu machen, denn sonst tut man sich schwer, in die Geschichte hineinzufinden. Jedenfalls ging es mir so.
5. Die Protagonistin Alexis hat mir vom Grundgerüst her gefallen. Sie ist loyal ihrem Bruder gegenüber, sie ist zäh, erfinderisch, zielstrebig, zeitgleich aber auch psychisch und physisch fragil, traumatisiert (was kein Wunder ist bei der Kindheit) und ja, vielleicht auch suizidgefährdet. Aber die Kombination aus allem lässt sie sehr authentisch wirken, ich konnte mich mehrmals gut in sie hineinfühlen. Alles, was sie am Leben hält, ist ihr Wille und ihr Zynismus, mit dem sie hin und wieder für Lacher gesorgt hat. Was mich jedoch durchgängig störte – und das ist ein generelles Problem dieser Geschichte, ohne das das Konzept der Autorin jedoch wohl auch nicht aufgehen würde – ist der Mangel an Kommunikation. Alexis hätte so viele Situationen auflösen können, wenn sie nur einmal ihre Gedanken laut ausgesprochen hätte! Das hat mich zur Weißglut getrieben… So wirkte sie leider oftmals wie ein verhuschtes, verschüchtertes kleines Mädchen, dass Angst vor Männern hat – was nicht ferner von der Realität sein könnte! Sehr schade…
6. Die Menge an Leerstellen in diesem Buch hat mich teilweise gestört. Zum Beispiel Alexis‘ blindes Auge: Sie wurde mehrfach von Ärzten untersucht, aber keiner hat herausgefunden, dass sie links blind und gehörlos ist? Niemand hat sie auf die Geräusche angesprochen, die sie von sich gegeben haben muss, wenn sie mit ihrer Schlange Nyx gesprochen hat? Außerdem kam es durch das vermehrte Auftreten von Zeitsprüngen durch Ohnmachten oder Blackouts von Alexis zu einer Zeitraffung, die unnötig gewesen wären, wenn es im Feuerprobenalltag mehr Abwechslung gegeben hätte. Stellenweise gab es wirklich Längen in der Geschichte durch Wiederholungen und immer gleiche Abläufe.
7. Der letzte Kritikpunkt richtet sich mehr an den Verlag als an die Geschichte an sich, denn die Menge an Rechtschreibfehlern, die nicht aufgefallen sind, sind wohl eher einer Ungenauigkeit im Lektorat geschuldet.
Positiv hervorheben möchte ich jedoch den Schreibstil der Autorin, denn die 600 Seiten lasen sich zügig und trotz meiner Kritikpunkte fesselnd durch. Bei der Covergestaltung könnte man Verbesserungen vornehmen, die dem Inhalt etwas gerechter werden, aber das stört mich nur zweitrangig.
Ich bin dennoch gespannt auf den zweiten Band, will ich doch schließlich wissen, wie es Alexis weiter ergeht!

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Veröffentlicht am 04.04.2025

Die Spurenfinder bekommen Verstärkung!

Die Spurenfinder und das Drachenzepter
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Ein Jahr nach den Geschehnissen des ersten Bandes wird Elos von Bergen - samt seiner Kinder Ada und Naru (von denen wir nun wissen, dass es nicht seine leiblichen Kinder sind) - von König Fredlaff an den ...

Ein Jahr nach den Geschehnissen des ersten Bandes wird Elos von Bergen - samt seiner Kinder Ada und Naru (von denen wir nun wissen, dass es nicht seine leiblichen Kinder sind) - von König Fredlaff an den Hof in Iriandria berufen. Denn dem Herrscher ist sein Drachenzepter aus der Schatzkammer abhandengekommen, das einen hohen symbolischen Wert für das Königreich Dreibrücken besitzt. In der Hauptstadt treffen die Spurenfinder dann auf weitere, vom König engagierte Spurensucher, die mit teilweise sehr fragwürdigen Methoden ans Werk gehen. Doch dass das verschwundene Drachenzepter erst die Spitze des Eisberges von Intrigen und Geheimnissen ist, zeigt sich schnell. Können die von Bergens dem Rätsel erneut auf die Spur kommen?
Ich muss gestehen: Band 2 konnte mich nicht so sehr begeistern wie der erste Teil. Es fehlte mir etwas an Wortwitz und an den bissigen Schlagabtauschen zwischen den Kindern untereinander, aber auch mit Elos. Der Autor (und die Autorinnen!) konnte seine größte Stärke, nämlich das Spiel mit Worten, hier nicht so stark einbringen, wie es noch im ersten Band der Fall war. Zudem verlief die Spannungskurve bis kurz vor Ende doch recht flach, was ich ebenfalls etwas schade fand. Zudem war der rote Faden hin und wieder hinter Abzweigungen verschwunden, die die Geschichte doch gelegentlich nahm und damit kurz vom Haupterzählstrang fortführte. Man musste schon bei der Sache bleiben, um die Haupterzählung inmitten der Binnenerzählungen nicht aus den Augen zu verlieren.
Wir Leser*innen erhalten mehr Einblick in Elos‘ nicht immer ganz so blütenreine Vergangenheit und treffen dabei auf alte Bekannte und neue Gesichter. Auch das Geheimnis um Adas und Narus Herkunft wird ein klein wenig aufgedeckt. Es ist aber definitiv noch Potenzial für einen dritten Band vorhanden!
Zur Printausgabe: Bernd Kissel hat auch den zweiten Band mit seinen Bleistift-Illustrationen aufgewertet. Bei den Darstellungen handelt es sich vorrangig um Abbildungen der in der Geschichte auftretenden Figuren, die er mit großer Liebe zum Detail zum Leben erweckt. In Kombination mit der Darstellung der Kleidung und/oder der Umgebung wird das frühneuzeitliche Bild dieser Geschichte erst richtig rund. Auch das Cover passt von der Gestaltung zum ersten Band, sodass beide Bücher nebeneinander im Regal stimmig zusammenpassen.
Zum Hörbuch: Marc-Uwe Kling hat auch diesen Band wieder selbst eingesprochen, wodurch die Geschichte in jedem Fall eine Aufwertung erfährt. Für mich sind Hörbücher von Marc-Uwe Kling ein absolutes Muss, denn keiner kann seine eigene Geschichte besser interpretieren als der Autor selbst. Die Figuren waren direkt wiedererkennbar und auch neuen Charakteren verlieh Kling ihr eigenes Timbre.

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Veröffentlicht am 30.03.2025

Lerne die Spellcrafter von London kennen!

Spellcraft, Band 1 - Die Magie der silbernen Flamme
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Lucy Fairwright ist eine normale 12jährige, die bei ihrer Großmutter in London lebt. Naja, ‚normal‘ bis auf die Tatsache, dass sie eine Spellcrafterin ist, die mit ihrem magischen Atem Glas in viele nützliche ...

Lucy Fairwright ist eine normale 12jährige, die bei ihrer Großmutter in London lebt. Naja, ‚normal‘ bis auf die Tatsache, dass sie eine Spellcrafterin ist, die mit ihrem magischen Atem Glas in viele nützliche Dinge verwandeln und ihnen dabei einen Funken Magie einhauchen kann. Auf dem Großen Workshop will Lucy ihre erste Lehrlingsarbeit vorstellen – einen Löffel, der anzeigt, wenn der ihn Haltende lügt. Doch es kommt ganz anders: Lucys Großmutter wird aus ihrem Büro auf spektakuläre Weise entführt! Man vermutet, dass es der Eisenorden auf die Glasbläsermeisterin abgesehen hat, denn der Orden hasst alles, was mit Magie und den Spellcraftern zu tun hat und verwendet Eisen gegen sie, da dieses Metall die magischen Fähigkeiten hemmt. Gemeinsam mit ihrem besten Freund Renly begibt Lucy sich auf eigene Faust auf die Suche nach ihrer Großmutter und deckt dabei gefährliche Geheimnisse der magischen Gemeinschaft auf, denn sie bekommen es sehr schnell mit einer aus purer Aethermagie bestehenden Kreatur zu tun…
Nachdem die Autorin in ihrer ersten Jugendbuch-Reihe in die Tiefen der Erde, nach Catacombia, abgetaucht ist, reisen wir nun in eine magische Parallelwelt von London. Der Einstieg in die Geschichte erfolgt ohne Umschweife und sehr ausführlich. Für mich persönlich sehr gut nachvollziehbar, für jüngere Leser (Altersempfehlung des Verlags ab 10 Jahren – ich empfehle jedoch 12 Jahre) aber vermutlich etwas zu komplex und umfangreich. Ich hätte mir ein Glossar gewünscht, das die drei Talente der Spellcrafter aufzählt, die jeweiligen Wappen dazu, die drei goldenen Regeln der Spellcrafter usw. Ich denke, das wäre sehr hilfreich und würde der Überschaubarkeit zuträglich sein.
Schon nach nur wenigen Seiten steigt die Spannungskurve stark an und bleibt auch bis zum Ende konstant hoch. Der Schreibstil war schnell lesbar, gut verständlich und flüssig. Die Kapitellängen finde ich für das angesprochene Publikum auch vertretbar lang.
Ein echter Zugewinn für diese Geschichte ist das Figurenensemble. Lucy durchlebt eine Figurenentwicklung, die an manchen Punkten vielleicht etwas zu schnell, aber dafür doch authentisch genug ist, um vertretbar zu sein. Den größten Schatz dieser Geschichte stellt aber ihr bester Freund Renly dar, denn er ist ein strahlendes Beispiel für einen besten Freund: Er ist durchweg loyal, hilfsbereit, kreativ und immer zur Stelle, wenn man ihn braucht – auch, wenn er schreckliche Angst hat. Ein wunderbares Vorbild für junge Leser! Aber auch die weiteren Figuren ergeben ein schlüssiges Ganzes, denn trotz ihrer charakterlichen Divergenzen ist jede Figur für sich genommen einzigartig und ein wichtiger Baustein dieser Geschichte. Ein schlichtes schwarz-weiß Denken, Gut gegen Böse, Magier gegen „Dimmer“ (= Nicht-Magier) gibt es hier nur auf den ersten Blick… Es ist daher auch nicht verwunderlich, dass die Hauptthemen dieser Geschichte Freundschaft, Zusammenhalt, interdisziplinäre Zusammenarbeit und die Überwindung von gesellschaftlichen Grenzen sind.
Mir hat „Spellcraft“ viel Spaß beim Lesen gemacht. Die ein oder andere Frage blieb offen, weshalb es einen Stern Abzug gibt. Aber ich freue mich auf Band 2 im Herbst!

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Veröffentlicht am 23.03.2025

Eine fantastische Reise in die Welt der Mantikore, Dryaden, Ratatoskas und Drachen

Impossible Creatures – Das Geheimnis der unglaublichen Wesen
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Christopher muss die Ferien bei seinem Großvater in Schottland verbringen. Dieser warnt ihn davor, die Baumgrenze des Waldes zu überschreiten, denn dort sei es gefährlich. Aber natürlich hält sich Christopher ...

Christopher muss die Ferien bei seinem Großvater in Schottland verbringen. Dieser warnt ihn davor, die Baumgrenze des Waldes zu überschreiten, denn dort sei es gefährlich. Aber natürlich hält sich Christopher – neugierig, wie er nun einmal ist – nicht an das Verbot und gerät dadurch unerwartet in das Abenteuer seines Lebens. Denn er findet an einem See ein verletztes Greifenjunges, das er mit zur Hütte seines Großvaters nimmt. Dieser berichtet ihm daraufhin widerwillig von der geheimen Welt des Archipels, dessen Hüter Christophers Opa ist. Dass die Wesen in unsere Welt gelangen konnten, heißt nichts Gutes, denn der Weg zwischen den Welten sollte derzeit nicht offen sein. Als kurz darauf auch noch ein Mädchen namens Mal(um) aus dem See tritt und Christopher um Hilfe bittet, entscheidet er sich für eine Reise ins Archipel. Denn dort schwindet die Magie, Glimourie genannt, und alle dort lebenden Wesen und Menschen sind dadurch in Gefahr. Wird es den beiden gelingen, die Magie zu retten?

Was für eine wunderbare Geschichte ich hier lesen durfte! Sie beinhaltet alles, was ein Buch großartig macht: Spannung, Magie, starke Figuren, Botschaften zum Nachdenken, aber auch Tiefgründigkeit und ja, auch Trauer. Die Themen dieses Trilogie-Auftaktes sind: Freundschaft, Loyalität, die Schönheit des Lebens, Willensstärke, Zusammenhalt, aber auch Verlust, Trauer und Ängste, Machtgier und nicht zuletzt Arten- und Umweltschutz. Katherine Rundell gelingt hier ein stimmiges, in eine unglaublich fantastische Welt eingebettetes Gesamtbild einer tollen Geschichte, die – so finde ich jedenfalls – für Leser*innen ab 12 Jahren geeignet ist. Die Verlagsempfehlung ab 10 Jahren kann ich nicht ganz unterschreiben, da ich denke, dass es kinder- und charakterabhängig ist. Es gibt einige recht blutige und brutale Szenen im Buch, außerdem mehrere dramatische Verluste, die bei eher ängstlichen oder sensiblen Kindern schon intensiv nachwirken könnten. Die Kapitellängen variieren ein wenig, sind jedoch nach meinem Empfinden für jüngere Leser passend, da nicht zu lang.

Ein großer Pluspunkt dieser Geschichte sind die wunderbaren Figuren. Jede für sich ist stark und einzigartig. Christopher ist der besonnene, durchdachte, kreative, wissbegierige Part, der stets lösungsorientiert denkt und unglaublich loyal zu seinen Freunden steht. Die andere Seite der Medaille stellt Mal dar, eher impulsiv, sicherheitsbedürftig, aber dennoch mutig, wenn es darauf ankommt. Sie benötigt Routinen, die ihr Struktur und Sicherheit geben, sie hängt sich stark an ihre Partner – ob nun magisches Wesen oder Mensch. Mal und Christopher ergänzen sich in meinen Augen wunderbar. Das Figurenensemble runden der etwas eigenbrötlerische Seefahrer Nachthand, die bezaubernde Meeresforscherin Irian, das zu Übertreibungen neigende Ratatoska-Weibchen Ratwin und ein trotz seiner geringen Körpergröße sehr einschüchternde Mini-Drache Jacques ab. Jede Figur für sich ist sympathisch und ein Gewinn für diese Geschichte!

Das Weltensetting ist atemberaubend und sehr komplex. Im Buchdeckel vorn und hinten befindet sich die Abbildung einer Karte des Archipels (erstellt von Virginia Allyn), die mir im Leseprozess sehr geholfen hat, da ich so die Route der Schiffcrew immer mitverfolgen konnte. Außerdem ist vor Beginn der Story das Bestiarium von Christophers Großvater abgedruckt. So lernt der Leser/die Leserin bereits vieles über die im Verlauf auftauchenden Wesen vorab. Die Zeichnungen dazu wurden von Tomislav Tomić erstellt und passen für mich treffend zu den Beschreibungen der Autorin.

Dieser Band stellt eine in sich abgeschlossene Geschichte dar. Im Herbst 2025 erscheint der zweite Band, der sicherlich an diesen Teil anknüpfen wird. Bis dahin wird diese Erzählung sicher in mir nachhallen, denn besonders das Ende war intensiv und recht unerwartet.

Wer Narnia, die Reckless-Reihe und die Drachenreiter Bücher von Cornelia Funke mag, wird sich in der magischen Welt von Katherine Rundell ebenfalls zuhause fühlen!

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Veröffentlicht am 02.03.2025

Neue Probleme in Everwish

Wishkeeper, Band 2 - Die Reise nach Silversands
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Lexi, Milo und Talon warten seit Tagen darauf, neue Inklinge im Park zu finden, um gemeinsam mit ihnen zurück nach Everwish reisen zu können. Als es ihnen endlich gelingt, auf Inklinge zu treffen, sind ...

Lexi, Milo und Talon warten seit Tagen darauf, neue Inklinge im Park zu finden, um gemeinsam mit ihnen zurück nach Everwish reisen zu können. Als es ihnen endlich gelingt, auf Inklinge zu treffen, sind die drei beunruhigt: Die geflügelten Wunschwesen sind grau – und nicht bunt, wie sonst. Hat das etwas mit den aus Everwish entflohenen Horroxern zu tun? Sie gelangen dennoch alle zurück in das Wunschland und zu Cascadia, dem mächtigen Baum am Eingang von Everwish. Lexi und Milo übernehmen ihre unvollendete Aufgabe vom letzten Besuch und bringen die Crimsons aus Silversands, der Heimat der Fireflashs, nach Flavia zu ihren Artgenossen. Talon hingegen zieht es zu den Neverlingen nach Eterna, da sich dort die Horroxer vor ihrer Flucht aufgehalten haben. Und sein schlechtes Bauchgefühl soll sich bewahrheiten, denn in Eterna ist nichts mehr, wie es ein einmal war…
Der zweite Band dieser Reihe schließt direkt an den ersten Teil an und setzt in der erzählten Zeit nur wenige Tage später an. Der Ablauf ist bereits aus dem Vorgängerband bekannt und mir war klar, dass wir wohl zunächst die Heimat der Crimsons beschrieben bekommen werden. Dieser Abschnitt zog sich ein wenig hin, auch wenn Flavia und die Lebensweisen der Crimsons schön beschrieben waren. Womit ich nicht gerechnet hatte, war der sprunghafte Anstieg der Spannungskurve nach den Ereignissen in Flavia! Es wird sogar richtiggehend dramatisch in Everwish! Mir gefiel die schnelle und spannende Erzählweise sehr gut und die Autorin hat mich damit etwas überrascht, denn ich hatte erwartet, dass uns Eterna in ähnlicher Form dargestellt wird, wie es mit den anderen Gebieten der Fall war. Aber weit gefehlt!
Hatte ich im November beim ersten Band noch einige Probleme, die Wunschwesen auseinander zu halten, fiel es mir im zweiten Band deutlich leichter – jedenfalls was das Aussehen betrifft. Welche Wünsche zu welchen Wunschwesen werden, konnte ich ohne meine Mitschriften nicht mehr rekonstruieren. Wie auch schon im Vorgängerband hätte ich mir hier als Leser*in eine Übersicht sehr gewünscht. Leider schien es für diese Reihe nicht mehr umsetzbar gewesen zu sein.
Was mich versöhnlich gestimmt hat, ist die Tatsache, dass wir endlich mehr Einblick in die Innenwelt des Wishkeepers Milo gewinnen konnten. Im ersten Band war er sehr verschlossen und eher ein Einzelgänger. Doch nun offenbart er sich – nicht ganz freiwillig – seinen Mitkeepern. Meinem Empfinden nach könnten allerdings die Themen, die die Kinder belasten, also Depressionen der Mutter bei Lexi, Leistungsdruck bei Milo durch den Vater, und Wohlstandsverwahrlosung bei Talon, expliziter angesprochen werden. Ich denke, dass die Altersklasse der lesenden Kinder das durchaus verstehen kann und sollte. Die Themen werden mir zu wenig aufgearbeitet für das Maß an Präsenz, das sie in dieser Geschichte innehaben. Denn auch, wenn die Kinder hin und wieder in eine Wunschwelt – im wahrsten Sinne! – fliehen können, so bleiben ihre Probleme zuhause doch weiterhin bestehen, wenn sie nicht angesprochen und angegangen werden.
Das Cover, der Buchschnitt und auch die Illustrationen sind wieder einmal ein echter Augenschmaus! Was Alessia Trunfio hier grafisch geschaffen hat, ist wirklich wunderbar und ein wahrer Zugewinn für die Reihe! Ihre Umsetzung der Beschreibung der Wunschwesen deckt sich sehr mit meiner Fantasie – und das geschieht nicht sehr häufig. Man bräuchte eigentlich ein sich drehendes Regal, um die Bücher in ihrer vollen Pracht genießen zu können!
Ich freue mich nun sehr auf den Abschlussband der Reihe und hoffe, dass unsere drei Wishkeeper Tremoris aufhalten können!

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