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Veröffentlicht am 15.05.2023

Geisterhafter, unterhaltsamer und turbulenter Fußballspaß mit sehr witzigen Figuren

Die Geisterkicker - Falsches Spiel und Eis am Stiel (Band 2)
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Für Jan und seine Geisterkicker läuft es eigentlich rund. Mit viel Glück und ein bisschen geisterhafter Magie gewinnen sie das Achtelfinale der Juniorenmeisterschaft und stehen nun im Viertelfinale. Und ...

Für Jan und seine Geisterkicker läuft es eigentlich rund. Mit viel Glück und ein bisschen geisterhafter Magie gewinnen sie das Achtelfinale der Juniorenmeisterschaft und stehen nun im Viertelfinale. Und nicht nur das: Der neue, recht gewöhnungsbedürftige Sponsor spendiert den Kickern eine Fahrt ins Trainingslager nach Italien. Leider ist die Begleitung des dubiosen Lorenzo Bussoni, der sich selbst zum Co-Trainer ernennt, obligatorisch. Natürlich wollen sich Fußballgeist Toni Torwartschreck und sein bester Freund-Feind Bernd diese Reise nicht entgehen lassen und kommen heimlich mit. Vielleicht findet sich auf der Reise ja sogar Tonis vermisster verfluchter Fußballschuh?

Sonja Kaiblinger schreibt witzig und kindgemäß in Ich-Form aus Jans Sicht in Gegenwart. Viel wörtliche Rede gestaltet den Text lebendig. Die Geschichte ist aufgrund eines größeren Zeilenabstand gut lesbar, einige Sätze sind in blau und Großbuchstaben gedruckt, was äußerlich für Abwechslung sorgt. Besonders motivierend sind die reichlichen lustigen und bunten Comiczeichnungen von „der Anton“. Ein schönes Extra stellen die Geisterkickersticker zum Sammeln auf der letzten Seite dar.
Das Buch richtet sich an Kinder ab acht Jahren.

In Hauptfigur Jan können sich die kleinen Leser sicher gut hineinversetzen. Er ist neugierig, abenteuerlustig und sehr sympathisch. Bestimmt würden viele Kinder sofort mit Jan tauschen und hätten auch gerne solch unterhaltsame Geisterfreunde, mit denen es nie langweilig wird. Die liebenswerten Kabbeleien zwischen Bernd und Toni sind immer wieder amüsant zu lesen. Die beiden bekommen in Italien geisterhafte Verstärkung der besonderen Art. Während Trainerin Frau Krupp nach außen hin etwas ruppig wirkt, hat sie aber doch das Herz am rechten Fleck. Ganz im Gegensatz zum neuen schmierigen Co-Trainer Lorenzo Bussoni, der dunkle Geheimnisse zu hüten scheint und Toni merkwürdig bekannt vorkommt. Insgesamt eine bunte, interessante Figurentruppe, die Unterhaltung garantiert.

Ob das Trainingslager effektiv wird? Klärt sich Tonis Fluch auf? Und was hat Bussoni zu verbergen?
„Die Geisterkicker- Falsches Spiel und Eis am Stiel“ ist ein witziges, turbulentes, etwas anderes Fußballabenteuer mit originellen Figuren und Gespenstermagie. Ein großer Lesespaß für alle, die Fußball- und Geistergeschichten mit Humor und Phantasie mögen, auch Lesemuffel werden sich durch das Thema und die lustigen Bilder motivieren lassen. Die liebenswerten Charaktere werden den Lesern bestimmt gleich ans Herz wachsen. Noch besser kann man der Geschichte folgen, wenn man auch den Vorgänger kennt.

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  • Spaß
Veröffentlicht am 15.05.2023

Mädchenhaft glitzerndes Freundschaftsabenteuer in einer magischen Welt

Sternenschweif, 75, Das Regenbogen-Einhorn
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Dass Lauras graues Pony Sternenschweif auch eine andere Seite hat, darf keiner wissen. Wenn Laura den richtigen Zauberspruch aufsagt, verwandelt es sich in ein Einhorn. Mit Sternenschweif erlebt Laura ...

Dass Lauras graues Pony Sternenschweif auch eine andere Seite hat, darf keiner wissen. Wenn Laura den richtigen Zauberspruch aufsagt, verwandelt es sich in ein Einhorn. Mit Sternenschweif erlebt Laura im phantastischen Arkadia magische Abenteuer.
Laura freut sich schon sehr auf ihren nächsten Aufenthalt in Arkadia. Doch diesmal steht er unter keinem guten Stern. Irgendwas stimmt nicht, die Bewohner Arkadias streiten vermehrt. Eigentlich müsste das Regenbogeneinhorn für Versöhnung und Harmonie sorgen, doch das taucht nicht auf. Laura und Sternenschweif machen sich auf die Suche nach dem Regenbogeneinhorn. Ob sie es finden und die gute Stimmung nach Arkadia zurückbringen?

Die Geschichte ist in einfachen, klaren, kindgemäßen Sätzen formuliert. Dabei ist die Schrift groß gedruckt, der weite Zeilenabstand macht sie auch für Leseanfänger gut lesbar. Viele pastellig-bunte, mädchenhaft-süße Bilder sorgen für Abwechslung und Motivation. Die Geschichte richtet sich an Kinder, bevorzugt an Mädchen ab sieben Jahren.

Viele kleine Mädchen träumen davon, auf dem Rücken eines Einhorns eine märchenhafte Welt zu entdecken. Für Hauptfigur Laura wird dieser Traum Wirklichkeit. Mit ihr können sich die Leserinnen bestimmt gut identifizieren. Laura gibt nicht auf und glaubt an Wunder, was sie ihre Ziele oft erreichen lässt. In Arkadia trifft Laura auf viele phantastische, zauberhafte Wesen, die die Geschichte vielfältig und abwechslungsreich gestalten: Einhörner, Elfen oder Trolle. Natürlich wird es da nicht langweilig.

Ob Laura und Sternenschweif die Freundschaft und Harmonie nach Arkadia zurückbringen? Die beiden erleben ein besonderes, traumhaftes Abenteuer und lassen sich dabei auch durch Tiefschläge nicht entmutigen. Ihre starke Freundschaft hilft ihnen.
Bestimmt trifft die Geschichte den Geschmack von vielen kleinen Mädchen, die durch das spezielle Setting zum Lesen angeregt werden. Mir persönlich ist die Rahmenhandlung allerdings zu klischeehaft und kitschig, zu „rosa“. Das mag jedoch mein persönlicher Geschmack sein. Ich kann das Buch dennoch allen Erstleserinnen, die Einhörner, Pferde und Glitzerwelten mögen, empfehlen.

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Veröffentlicht am 14.05.2023

Die Berge aus Frauensicht

Bergfreundinnen
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Schon immer üben Berge eine magische Anziehung auf die Menschen aus. Auch die „Bergfreundinnen“ Katharina Kestler, Antonia Schlosser und Katharina Heudorfer verbindet eine besondere Leidenschaft für die ...

Schon immer üben Berge eine magische Anziehung auf die Menschen aus. Auch die „Bergfreundinnen“ Katharina Kestler, Antonia Schlosser und Katharina Heudorfer verbindet eine besondere Leidenschaft für die Berge. Ihr Buch „Vom Gipfelglück und anderen Abenteuer“ befasst sich mit einer speziell weiblichen Sicht auf die Berge. Da geht es in acht Kapiteln um Anfänge, vor allem um Neuanfänge, um Selbsteinschätzung der eigenen Kraft und Leistungsfähigkeit, um Angst, um Bergerlebnisse mit Kindern, um Bergsport mit der Periode, um Identität und Klischees, aber auch um Gefahren und den Tod. Im vorletzten Kapitel stellen die Autorinnen ihre Lieblingstouren vor, zum Wandern, Mountainbiken oder Tourenskigehen. Am Ende werden die sieben Bergsportarten Wandern, Klettersteig gehen, Bouldern und Klettern, Hochtouren, Skitouren, Mountainbiken und Gleitschirmfliegen in kurzen Steckbriefen präsentiert.
Die Autorinnen berichten von ihren eigenen Erfahrungen, treffen aber auch andere Frauen zum Interview wie Jacqueline Fritz, die mit einem Bein zum Wandern und Bergsteigen kam oder Gela Allmann, die einen Sturz 800 m in die Tiefe überlebte, und führen mit ihnen interessante Gespräche.

Die Texte lesen sich angenehm leicht und sind unkompliziert und gut verständlich formuliert. Im Mittelteil finden sich einige Farbfotos von den Autorinnen oder ihren Interviewpartnerinnen, die durch kurze Bildunterschriften näher erklärt werden.
Das Buch berührt inhaltlich viele verschiedene Themen und Aspekte rund um die Berge. Die Berge bedeuten Abenteuer, Überwindung, Angst, Gefahr und Glück. In den Bergen sind wir mit existenziellen Fragen des Lebens konfrontiert, mit Höhen und Tiefen, mit Extremen. Das wird in vielen Kapiteln wiederholt deutlich. Berge markieren Anfänge und Abschiede, können für Gemeinsamkeit und Einsamkeit stehen, Berge fordern uns mental und körperlich heraus, bringen uns an die Grenzen. In den Bergen unterwegs lernen wir viel über uns selbst.
Obwohl ich sonst eigentlich nur Romane lese, hat mir dieser Ausflug in die Berge sehr gut gefallen, hat in mir Sehnsucht nach diesem einzigartigen, unbeschreiblichen „Berggefühl“ geweckt. Ich habe nach dem Lesen des Buchs große Lust, die Berge einmal wieder selbst zu erleben, mich anzustrengen, an meine Grenzen zu gehen, ein Ziel vor Augen zu haben, einen Gipfel zu besteigen. Auch wenn ich kein Adrenalinjunkie bin, kann ich gut nachvollziehen, wovon die Autorinnen, die teilweise Extremsport betreiben, schreiben, kann verstehen, was sie umtreibt. Ein interessantes, informatives, motivierendes, vielseitiges Buch für alle Frauen, die die Berge lieben, für Bergfreundinnen eben.

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Veröffentlicht am 11.05.2023

Witziges Ferienabenteuer daheim mit originellen, liebenswerten Figuren, drolligen Bilden und viel Charme

Chaoskrümel & Nervensäge – Die Hühner sind los! (Chaoskrümel & Nervensäge 1)
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Voll unfair! Die Sommerferien sind da, Bennis große Schwester Tilda darf ins Federballferiencamp. Und Benni muss zu Hause bleiben. Doch dann quartiert sich bei Benni Anita, ein ganz besonderer Feriengast, ...

Voll unfair! Die Sommerferien sind da, Bennis große Schwester Tilda darf ins Federballferiencamp. Und Benni muss zu Hause bleiben. Doch dann quartiert sich bei Benni Anita, ein ganz besonderer Feriengast, ein. Mit Anita wird es nicht langweilig, auch wenn sie Flügel und einen Schnabel hat. Denn Anita ist schließlich das klügste Huhn der Welt.

Das Buch ist in kindgemäßer, witziger und lebendiger Sprache geschrieben. Viele komisch-absurde Dialoge machen die Geschichte besonders abwechslungsreich und unterhaltsam zu lesen. Sally Savolainens drollige, bunte Illustrationen passen wunderbar zur Geschichte, die netten, ausdrucksstarken Bilder sorgen für viel Spaß.
Zum Vorlesen eignet sich das Buch für Kinder ab fünf Jahren, aber auch ältere Kinder hören sicher noch gerne zu.

Benni hat es faustdick hinter den Ohren. Sie ist lebhaft, einfallsreich und aufgeweckt, hat einen starken Willen und kann auch mal eine ganz schöne Diva sein. Benni ist eine niedliche und auch ziemlich realistische Figur, in der sich jüngere Kinder sicher wiederfinden können. Ihre ältere Schwester Tilda ist nicht ganz so frech wie Benni, hat aber auch ihre liebenswerten Macken und viel Temperament.
Auch die anderen Figuren wirken sympathisch, die Schwestern Pfannkuch, die die besten Torten backen, oder die äußerlich so ungleichen Polizisten Plautzberger und Pliervogel. Und dann gibt es natürlich noch Anita, die immer gut für eine besondere Show ist.


„Chaoskrümel und Nervensäge die Hühner sind los“ spricht Themen an, die den kleinen Lesern sicher auch bekannt sein dürften: Geschwisterliebe- und -rivalität, das Gefühl der Jüngeren, für manches noch zu klein zu sein oder Einsamkeit und Langeweile. Das alles wird auf liebenswerte Art und ganz natürlich und selbstverständlich in die Handlung eingeflochten. Herausgekommen ist dabei eine witzige, turbulente, charmante Vorlesegeschichte mit viel Herz und hinreißend netten Hauptfiguren. Die beiden finnischen Autorinnen machen schön deutlich, dass der Alltag für ein Kind ganz schnell zum Abenteuer werden kann, auch in den Ferien daheim. Ihre liebenswerten Figuren muss man einfach mögen. Auf die Fortsetzung sind wir in der Familie schon sehr gespannt.

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Veröffentlicht am 02.05.2023

Eine persönliche und gesellschaftliche Tragödie - schonungsloses Sittenbild einer modernen Gesellschaft

Die spürst du nicht
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Die beiden befreundeten österreichischen Ehepaare Binder und Strobl-Martinek verbringen einen gemeinsamen Urlaub in einem Ferienhaus mit Pool in der Toskana. Die vierzehnjährige Sophie-Luise, Tochter von ...

Die beiden befreundeten österreichischen Ehepaare Binder und Strobl-Martinek verbringen einen gemeinsamen Urlaub in einem Ferienhaus mit Pool in der Toskana. Die vierzehnjährige Sophie-Luise, Tochter von Elisa Strobl-Martinek und ihrem Mann Oskar, wird von ihrer Schulfreundin Aayanna begleitet, die mit ihrer Familie aus Somalia geflüchtet ist. Aayanna kann nicht schwimmen und es kommt zu einem tragischen Unfall, der nicht nur Elisa, die für die Grünen im Landrat sitzt, zum Verhängnis wird.

Daniel Glattauer nimmt als Erzähler mehrere Perspektiven ein, spielt mit der Sprache und schreibt auf ganz verschiedene Arten, mal sachlich, mal persönlich, mal ironisch, analysiert aber immer messerscharf. So formuliert der Autor beispielsweise Zeitungsberichte, Interviews oder Leserkommentare aus dem Internet, gibt Dialoge vor Gericht wieder oder schildert, was Sophie-Luise oder Elise erleben, teilweise liest sich das durch den bewussten Gebrauch des Präsens wie ein Drehbuch. Dem Autor gelingt es beeindruckend präzise, seine Sprache der jeweiligen Textform anzupassen.

Die Figurenkonstellation ist so abwechslungsreich wie Glattauers Sprache. Da sind zunächst die Mitglieder der privilegierten Familien Binder und Martinek, allen voran natürlich Elisa Strobl-Martinek die ihren Lebenssinn in einer politischen Karriere sucht, hohe Ansprüche an sich selbst und ihre Außenwirkung hat und der ihr eigener Ruf und geliebt zu werden viel wichtiger ist als Wahrheit und Moral. Tochter Sophie-Luise bewegt sich bevorzugt in digitalen Sphären und flüchtet immer mehr aus der Realität, denn in der „echten“ Welt fühlt sie sich doch nur alleine und unverstanden. Die dargestellten Beziehungen zwischen den österreichischen Protagonisten scheinen allesamt kompliziert und konfliktbehaftet, obwohl es den Charakteren in materieller Hinsicht an nichts mangelt.
Sehr interessante, wenn auch etwas überzeichnete Figuren sind die beiden Anwälte Johann Wilenitsch und Oliver Steinpichler, die gegensätzlicher in ihrem Auftreten nicht sein könnten.
Und dann gibt es natürlich noch die somalische Flüchtingsfamilie Hussien Ahmed deren Problem im Vergleich zu den der österreichischen Ehepaare wirklich existenziell und echt sind, die aber selbst kaum zu Wort kommen.

Meisterhaft bringt Daniel Glattauer auf den Punkt, wie eine verkommene, dekadente Gesellschaft mit einer realen, erschütternden Tragödie umgeht. Die im Buch dargestellten Reaktionen sprechen Bände. Da strotzen die Kommentare aus dem Internet vor Empörung, einfach um der Empörung Willen, während die eigentlichen Opfer in den Hintergrund geraten. Es geht nicht um die Tragödie selbst, denn die Menschen, die wirklich darunter leiden, sind ja fremd: „Die spürst du nicht“, sondern darum, feststehende Meinungen zu äußern und damit Recht zu behalten. Scheinheiligkeit, Doppelmoral oder Gutmenschentum, das sich rasch als Lüge entpuppt, zeichnen so manche dargestellte Reaktionen auf die Katastrophe aus. Viele, die zu Wort kommen, interessieren sich dabei nur für die eigene Wahrheit und Interpretation, ohne über den Tellerrand zu blicken. Am Ende glimmt dennoch ein kleiner Hoffnungsschimmer auf.
Für mich ein lesenswerter, schonungsloser, oft nachdenklich und beschämend stimmender Roman, der den Fokus auf diejenigen richtet, die zu oft übersehen werden.

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