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Veröffentlicht am 09.08.2020

Prall gefüllte, bunte Märchenschatztruhe für die Kleinsten

Edition Piepmatz: Es war einmal ...: Meine Märchen
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Wer kennt sie nicht die großen Märchenklassiker „Rotkäppchen“, „Der Froschkönig“, „Hänsel und Gretel“, „Frau Holle“, „Die Bremer Stadtmusikanten“, „Dornröschen“, „Schneewittchen und die sieben Zwerge“, ...

Wer kennt sie nicht die großen Märchenklassiker „Rotkäppchen“, „Der Froschkönig“, „Hänsel und Gretel“, „Frau Holle“, „Die Bremer Stadtmusikanten“, „Dornröschen“, „Schneewittchen und die sieben Zwerge“, „Aschenputtel“ von den Brüder Grimm und Hans Christian Andersens „Das hässliche Entlein“ und „Die Prinzessin auf der Erbse“?

Für dieses großformatige stabile Pappbilderbuch aus der Ravensburger „Edition Piepmatz“ hat Sandra Grimm die beliebten Märchen für Kleinkinder ab zwei Jahre umgeschrieben. Die Märchen sind stark gekürzt und in einfacher, für jüngere Kinder gut verständlicher Sprache formuliert. Der knappe Text mit seinen kurzen Sätzen überfordert die Kinder nicht und macht es ihnen leicht, konzentriert zuzuhören. Als gelungen empfand ich, dass bekannte Originalzitate beispielsweise Rotkäppchens Dialog mit dem Wolf: “Warum hast Du so große Augen?“ „Damit ich die besser sehen kann“ usw. original im Text übernommen wurden. Diese Sätze können die kleinen Zuhörer sicher bald genau mitsprechen, was für zusätzliche Motivation sorgt.

Frau Annika hat die Märchen mit passenden sehr farbenprächtigen Bildern illustriert. Die Bilder sind groß, klar und strukturiert, erzählen das Wesentliche der Geschichte und erleichtern den Zuhörern so das Verständnis. Vor allem sind sie aber individuell und hübsch anzusehen, einfach gefällig.

Für mich eine gelungene umfangreiche Zusammenstellung der bekanntesten Märchen, kindgerecht und ansprechend aufbereitet. „Es war einmal...Meine Märchen“ wird für meine Kinder sicherlich ein Dauerbrenner werden und stellt ohne Zweifel eine Bereicherung für jedes Bücherregal von anderen kleinen Märchenliebhabern dar.

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Veröffentlicht am 09.08.2020

Die Tierwandler sind zurück, noch aufregender und spannender als der Vorgänger

Die Tierwandler 2: Alle Hasen fliegen hoch
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Die Tierwandler sind mit einem neuen Abenteuer zurück:
Alle freuen sich auf das kommende Sommernachtsfest der Bärenfeldschule, vor allem die AG Sport für besondere Talente, denn Lehrer Herr Olsson plant ...

Die Tierwandler sind mit einem neuen Abenteuer zurück:
Alle freuen sich auf das kommende Sommernachtsfest der Bärenfeldschule, vor allem die AG Sport für besondere Talente, denn Lehrer Herr Olsson plant nach dem Fest eine Übernachtungsparty für alle Tierwandler. Auch sonst ist viel los: Die Zeichen mehren sich, dass Wilhelmine die nächste sein wird, die sich verwandelt. Doch die will eigentlich lieber ungestört an ihrer neuesten Erfindung, einer Popcornwurfmaschine, arbeiten. Während Merle und Finn mit ihrer Tierwandlergestalt schon prima zurecht kommen, schafft es Einstein zwar ohne Schwierigkeiten, sich in einen Feldhasen zu verwandeln, aber die Rückverwandlung in seine Menschengestalt klappt leider nicht so einwandfrei. Das bringt ihn in eine ziemliche brenzlige Situation, aus der er ohne Hilfe nicht wieder herauskommt. Und als wäre das nicht genug, steht er unter Druck. Wenn er in der Mathearbeit keine Drei schreibt, darf er am Übernachtungsfest von Herrn Olsson nicht teilnehmen.

Diesmal hatten wir keinerlei Schwierigkeiten, sofort in die Geschichte hineinzufinden. Autorin Martina Baumbach machte mir das Vorlesen mit ihrem flüssigen, gut verständlichen und kindgemäßen Schreibstil leicht. Kinder ab acht Jahre können das Buch schon alleine lesen, zum Vorlesen ist es für Sechsjährige geeignet. Imke Sönnichsens hübsche passende Illustrationen lockern den Text angenehm auf.

Während im ersten Band noch Merle und Finn im Fokus der Geschichte standen, geht es im zweiten Band mehr um Wilhelmine und Rufus alias „Einstein“. Wilhelmine hat eigentlich gar keine große Lust, ihre Tiergestalt kennenzulernen. Das intelligente und einfallsreiche Mädchen widmet sich lieber ihren neuesten Erfindung und empfindet die Verwandlung als ein wenig störend und beängstigend. Doch bald schon hat sie sich mit der neuen Seite an sich arrangiert.
Einstein hingegen ist nicht gerade der Schnellchecker, in der Schule, vor allem in Mathe ist er immer zu langsam und hat Probleme. Außerdem ist er manchmal etwas tollpatschig, kann seine Geschwindigkeit als Feldhase noch nicht einschätzen. Einstein ist sehr viel alleine zu Hause, weil sein Vater viel arbeiten muss.
Meinen Kindern und mir hat es gut gefallen, dass nun andere Kinder im Vordergrund stehen. Ein spannendes Konzept, in jedem Band der Serie andere Figuren genauer vorzustellen, die alle unterschiedliche Probleme und in ihrer Tiergestalt mit individuellen Herausforderungen zu kämpfen haben. Gleichzeitig ist es aber auch schön, dass die anderen bekannten Personen weiterhin dabei sind, Herrn Olsson, Melusine und Direktorin Bockelmann z.B. mögen wir nämlich sehr gerne und über Hausmeister Ploschkes komödiantische Einlagen mussten wir öfter sehr schmunzeln.

In welches Tier wird sich Wilhelmine wohl verwandeln? Wird Finn aus seiner Gefangenschaft befreit werden? Und kommt der misstrauische Herr Ploschke tatsächlich hinter das Geheimnis der Tierwandler? Diese verschiedenen Handlungsstränge sorgten für durchgehende Spannung. Am Ende gipfelt alles in einem kleinen Cliffhanger.
„Die Tierwandler - Alle Hasen fliegen hoch“ bewerteten alle Mitleser hier als fesselnder, unterhaltsamer und einfach „noch besser als der erste Band“. Nebenher erfährt der Leser zudem interessantes Sachwissen über Tiere, z.B. was Wiesel fressen oder dass Feldhasen talentierte Hochspringer sind.
Wer wird als nächster, seine Tierwandlergestalt annehmen? Wir können die Fortsetzung schon jetzt kaum erwarten.

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Veröffentlicht am 05.08.2020

Ein bisschen Bullerbü, ein bisschen Krachmacherstraße und ganz viel einzigartige Edda

Edda aus dem Moospfad 2. Geburtstag in geheimer Mission
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Bald ist es soweit! Edda hat Geburtstag und wird sieben Jahre alt. Weil sie und ihr Freund Matti auf dem Sperrmüll eine alte Computertastatur finden, mit der man spitzenmäßig Agenten spielen kann, richten ...

Bald ist es soweit! Edda hat Geburtstag und wird sieben Jahre alt. Weil sie und ihr Freund Matti auf dem Sperrmüll eine alte Computertastatur finden, mit der man spitzenmäßig Agenten spielen kann, richten sie sich eine noch spitzenmäßigere Agentenecke ein. Und jetzt weiß Edda auch, wie sie ihren Geburtstag feiern möchte. Es soll ein Agentengeburtstag werden. Doof nur, dass Mama unbedingt möchte, dass Edda ihre neue Mitschülerin Milele zum Geburtstag einlädt. Und die hat Edda doch gekniffen, obwohl Edda gar nichts Böses gemacht hat. Aber Edda wäre nicht Edda, wenn sie für dieses Problem nicht auch eine kreative Lösung finden würde. Und dann ist er plötzlich da, der Geburtstag....

Jasmin Schaudinn schreibt aus Eddas Sicht. Und das macht sie kindgemäß, lebendig und sehr erfrischend. Edda wendet sich direkt an den Leser und erzählt ungefiltert und wie ihr der Schnabel gewachsen ist, alles, was ihr gerade durch den Kopf geht ist, mit bestechender Kinderlogik und viel (Wort-)Witz.

Edda ist wirklich ein besonderes Mädchen. Sie zeigt, was sie fühlt und sagt, was sie denkt. Edda ist meistens fröhlich, natürlich, unverstellt, willensstark, konsequent, kreativ, phantasievoll, einfallsreich, temperamentvoll, witzig, schlagfertig, gewissenhaft und vor allem total sympathisch. Sie hat eine absolut klare Vorstellung von dem, was richtig und was falsch ist. Meine Kinder und ich haben die Kleine jedenfalls sofort ins Herz geschlossen. Und ihre Familie ebenso, auch wenn die großen Brüder manchmal genauso nerven wie die im echten Leben...

Edda könnte definitiv auch in unserer Nachbarschaft leben, mit großer Wahrscheinlichkeit steckt sogar in jedem Kind ein wenig Edda. Das Mädchen erlebt auf alle Fälle Dinge, die jedes Kind erleben könnte. Das macht die Geschichte aus der Lebenswirklichkeit der Leser authentisch und glaubwürdig. Es muss nicht immer ein exotisches Abenteuer sein, der Alltag schreibt auch tolle Geschichten. Wenn man genauer hinschaut, kann der nämlich auch wirklich wunderbar zauberhaft sein, ganz ohne Magie. Einfach weil man den Moment und das Schöne genießt, tolle Sachen mit seinen Freunden und der Familie spielt und weil man alten Tastaturen die Chance gibt, etwas ganz anderes zu sein als nur Müll.
Wir haben mit Edda bis zu ihrer Geburtstagsfeier gefiebert und hätten ihr gerne durchaus auch noch länger Gesellschaft geleistet.

Es gibt sie noch Bücher, die einiges zu sagen haben, ohne plump den moralischen Zeigerfinger zu erheben. „Edda aus dem Moospfad“ ist so ein Glücksfall an Kinderbuch, für Erstleser ab sieben und Zuhörer ab fünf Jahren geeignet. Da geht es um Freundschaft, Familie, geheime Wünsche, viele Gefühle, Heimlichkeiten, Konflikte, Armut, Kompromisse und Rassismus. Dies alles wird beiläufig und selbstverständlich thematisiert, ohne zwanghaft oder gewollt zu wirken.
Ein wunderbarer Haufen, diese Moospfadkinder. Wir hoffen, hoffen, hoffen, „dass ihnen noch viele Abenteuer passieren. Denn sonst wär das Leben ja nur halb so lustig“. Alle, die „Edda aus dem Moospfad“ noch nicht kennen, müssen das schleunigst nachholen. Glaubt mir, Ihr verpasst sonst wirklich was!

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Veröffentlicht am 02.08.2020

Klassische Strandlektüre mit temporeichem Start, aber im Verlauf abflachender Handlung

Die Liebe fällt nicht weit vom Strand
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„Glück kann man nicht in einer fernen Zukunft finden, sondern nur im Jetzt, und dafür muss man eben auch mal das eine oder andere Risiko eingehen.“

Sophie, ist 29 und arbeitet am Empfang der Hamburger ...

„Glück kann man nicht in einer fernen Zukunft finden, sondern nur im Jetzt, und dafür muss man eben auch mal das eine oder andere Risiko eingehen.“

Sophie, ist 29 und arbeitet am Empfang der Hamburger Filmverleihfirma Triversal. So richtig großen Spaß macht ihr der Job aber nicht. Eigentlich träumt sie von einem mintgrünen Foodtruck, mit dem sie durch die Gegend fahren, aber auch Cateringaufträge übernehmen möchte. Durch Zufall muss Sophie bei einer Präsentation einspringen und ehe sie sich versieht, wird ihr das Marketing für einen neuen Kinofilm, der an der Nordsee spielt, übertragen. In Dänemark verfolgt sie vor Ort die Dreharbeiten, außerdem warten dort weitere Überraschungen. Obwohl Sophie seit längerem eine Beziehung mit Tim führt, lernt sie einen anderen Mann kennen, der ihr kräftig den Kopf verdreht. Und dann erhält sie auch noch ein weiteres Jobangebot auf Zeit, das so gar nichts mit Management, aber viel mehr mit Sophies Träumen zu tun hat.

Franziska Jebens schreibt in der ersten Person -aus der Perspektive Sophies- flott, humorvoll und verständlich, aber nicht sehr fokussiert. Immer wieder schweifen Sophies Gedanken ab, sie widmet sich Tagträumen oder hält Zwiesprache mit ihrem Bauch. Diese Einschübe machten es manchmal anstrengend für mich, dem Geschehen zu folgen.

Sophie steckt in der Krise. Die Beziehung mit Tim ist ebensowenig erfüllend wie ihr Job und sie vermisst zudem ihre Mutter. Die Hauptfigur wirkt etwas chaotisch, aber nett und sympathisch. Sie verhält sich für meine Begriffe ein wenig zu passiv, hat nur ihrem Vater zuliebe BWL studiert und möchte es auch Freund Tim immer nur Recht machen, ohne dabei ihre eigenen Bedürfnisse zu berücksichtigen. Sophie beschränkt sich aufs Träumen, „beim Träumen kann nicht viel schiefgehen“. Auch der unverhoffte Marketingjob „passiert“ ihr einfach so. Das Leben fährt Achterbahn mit Sophie, schließlich macht es sie zu einer Person, die sie nicht sein will. Aber es existiert durchaus eine Handbremse, die Sophie selbst betätigen kann, wenn sie denn möchte... Mir hat die Figur Sophie zu wenige Ecken und Kanten, sie bleibt etwas blass.
Mit Claudette und Claudio hat sie verlässliche, treue Freunde an ihrer Seite, die sie stärken. Andere Figuren wie Sybille, Tina oder Herr Mock sind mir zu extrem, zu einseitig dargestellt, durchweg unsympathisch, völlig überzeichnet und nicht wirklich realistisch. Nick erscheint hingegen zu „glatt“ und ähnlich farblos wie Sophie. Die Randfigur „Runner Steven“ sticht mit seiner angenehm mitfühlenden und „wissenden“ Art heraus, erinnert mich jedoch stark an Petra Hülsmanns Taxifahrer Knut. Insgesamt sehr viele durchschnittliche Figuren, denen etwas mehr Tiefe und Originalität nicht geschadet hätte.

„Die Liebe fällt nicht weit vom Strand“ startet sehr witzig und temporeich- genau wie Sophies Morgen im ersten Kapitel-, doch leider kann die Autorin das Erzähltempo nicht aufrechterhalten. Für mich wurde die Story immer platter, viele Handlungsstränge wurden nicht sorgfältig herausgearbeitet, vieles ging zu schnell. Diese überhasteten Entwicklungen vor allem in der Liebe und in Sophies Karriere empfand ich leider nicht als überzeugend.

Der Roman hat mich trotz einiger Längen und Schwächen im Stoff recht gut unterhalten. Sophie entwickelt sich und lernt: „Das Leben ist zu kurz, um immer nur das zu tun, was man sollte“ und es ist nie „verkehrt, seinem Herzen zu folgen, auch wenn es vielleicht nach außen hin, nicht unbedingt das Sinnvollste zu sein scheint und alle dich für verrückt erklären“.

„Wie macht das Meer das bloß, dass ich in seiner Nähe immer gleich Frieden verspüre, und mein Bauch nicht nur die Klappe hält, sondern sich sogar ruhig anfühlt?“
Auch wenn der Strand und das Meer nicht die gewichtige Rolle spielen, die der Titel erwartet lässt, ist der Roman für mich ein klassischer, leichter „Strandwegleser“ für träge Lesestunden in der Sonne.

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Veröffentlicht am 31.07.2020

Tragische Liebes- und Lebensgeschichte der Josephine von Brunsvik - mitreißend und sehr berührend

Frau Beethoven
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„Es waren zwei Königskinder, die hatten einander so lieb, sie konnten beisammen nicht kommen, das Wasser war viel zu tief“...

1799 reist die ungarische Adlige Josephine von Brunsvik auf Wunsch ihrer Familie ...

„Es waren zwei Königskinder, die hatten einander so lieb, sie konnten beisammen nicht kommen, das Wasser war viel zu tief“...

1799 reist die ungarische Adlige Josephine von Brunsvik auf Wunsch ihrer Familie gemeinsam mit Mutter und Schwester Therese nach Wien, um sich dort auf dem Heiratsmarkt zu präsentieren und einen passenden, reichen Ehemann für sich zu finden. Da Klavierspielen eine Kunst ist, die bei potentiellen Bräuten gerne gesehen wird, spielt sie beim bekannten Komponisten Ludwig van Beethoven vor, um ihn als Klavierlehrer zu gewinnen. Der willigt sofort ein, Josephine zu unterrichten, ist er doch mehr als begeistert von ihren musikalischen Fähigkeiten und von ihr selbst. Schon bald wird Josephine zur Hochzeit mit einem anderen genötigt, doch Beethoven geht ihr nicht aus dem Kopf. Auch der geniale Musiker wird seinen „Engel“ nie vergessen...

Nur ein paar Seiten von Verena Maatmanns Roman genügten und schon war ich vollkommen gefangen in Josephines Geschichte und ihrer Welt. Der Schreibstil der Autorin ist nicht nur gut verständlich und gefällig, sondern wirkt angenehm nostalgisch und somit passend für einen Roman, der im 19. Jahrhundert spielt.

Josephine von Brunsvik ist eine tragische Figur. Völlig unbedarft und unerfahren trifft sie in Wien ein, wo sie unter die Haube gebracht werden soll. Sogleich verliert die talentierte Klavierspielern ihr Herz an den Ausnahmekomponisten Beethoven. Doch diese Liebe ist nicht standesgemäß. Eine Kette dramatischer Ereignisse setzt sich in Gang und Josephine „zieht das Unglück an wie ein Magnet“. Trotzdem sich Josephine nicht immer vernünftig und rational verhält, wird sie für mich plausibel und stimmig dargestellt. Gefangen in ihrer Rolle, hat sie keine Möglichkeit, eigenständig zu entscheiden. Ich empfand großes Mitleid für die Protagonistin, die soviel Schmerz erfahren muss.
Ludwig van Beethoven habe ich hier ganz neu kennengelernt. Ich kannte ihn aus anderen Darstellungen als störrisch, eigenwillig und unzugänglich. Doch Josephine gegenüber zeigt er eine ganz andere Seite von sich: höflich, zuvorkommend, charmant. Die beiden entwickeln eine wirklich besondere Beziehung, sie verstehen sich ohne Worte, vor allem über die Musik.
Sehr angetan war ich auch von Josephines Schwester Therese, die sich stets aufopferungsvoll um ihre jüngere Schwester kümmert und wie ein Fels in der Brandung immer für sie und ihre Familie da ist.

Dass die Hauptfiguren Josephine und Beethoven reale und keine erfundenen Persönlichkeiten sind, macht den Roman für mich hochinteressant, glaubwürdig und authentisch. Vieles hat genauso stattgefunden, einiges könnte so passiert sein.
Ob Josephine in Wirklichkeit Beethovens „eine“ unsterbliche Geliebte gewesen ist, werden wir vermutlich nie erfahren. Verena Maatmann hat aus dem Stoff, aus Josephine von Brunsviks unglücklicher Biographie, einen aus meiner Sicht überaus packenden, aufwühlenden und beeindruckenden Roman geschaffen. Sie zeigt darin deutlich und sehr anschaulich auf, wie sehr Frauen in der Vergangenheit unter der Gesellschaftsordnung zu leiden hatten. Beethoven bringt im Text diesen Umstand treffend auf den Punkt: „Wir sind Sklaven unserer Zeit. Würden wir hundert Jahre später leben, wäre es möglich, dass wir heirateten, da bin ich sicher“.
Auch Beethovens großartige Musik ist immer wieder Thema dieses lesenswerten Buches. Ich hatte nach der Lektüre das Bedürfnis, mir sein „Andante favorini“ einmal ganz in Ruhe anzuhören. Und plötzlich hatte dieses wunderschöne Stück eine ganz neue Bedeutung für mich.

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