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Veröffentlicht am 05.05.2020

Packend wie ein Krimi: Mysteriöse Entwicklungen in Saaks lassen Enni unter Verdacht geraten

Die Unausstehlichen und ich 2
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Enni hat gerade angefangen, sich in Saaks zu Hause zu fühlen, da passieren merkwürdige Dinge. Alles beginnt damit, dass Mo, der Rasentraktor, plötzlich verschwindet. Dann wird Liliths Zimmer verwüstet. ...

Enni hat gerade angefangen, sich in Saaks zu Hause zu fühlen, da passieren merkwürdige Dinge. Alles beginnt damit, dass Mo, der Rasentraktor, plötzlich verschwindet. Dann wird Liliths Zimmer verwüstet. Natürlich gerät Enni erneut unter Verdacht und Schulleiterin Halbach möchte sie lieber heute als morgen von der Schule verweisen. Aber nicht nur das, Enni muss sich auch noch Sorgen um Noah machen. Der ist von zu Hause ausgerissen und niemand weiß, wo er steckt.

Vanessa Walder erzählt die Geschichte aus Ennis Sicht. Die Autorin hat einen besonderen Schreibstil: klar, flüssig, verständlich, aber ziemlich rotzfrech, auch wenn alle Flüche und unfeinem Ausdrücke geschwärzt werden. Aus Enni sprechen die Lebenserfahrung und Reife einer Erwachsenen, dabei ist sie gerade mal elf Jahre alt. Maximiliane Häcke liest Vanessa Walders Geschichte sehr lebendig und gut betont. Meine neunjährige Tochter und ich waren von ihrem Vortrag sofort gefesselt und haben das Zuhören sehr genossen.

Enni ist wirklich eine sehr spezielle Hauptfigur. Sie hat in ihrem Leben soviele schlimme Dinge gesehen, ist von einer Pflegefamilie zur nächsten gereicht worden, dass sie sich nicht einmal selbst vorkommt, als sei sie erst elf. Immer wieder sieht sie rot und droht die Kontrolle zu verlieren. Aber in Saaks hat sie mit Dante, Karan und Lucky tolle Freunde gefunden. Freunde, die das Universum zusammenhalten. Auch einige der Erwachsenen wie Köchin Luisa oder Dr. Mergen setzen sich sehr für Enni ein. Natürlich sind nicht alle auf Ennis Seite, Schulleiterin Frau Halbach ist Enni ein Dorn im Auge und auch der dubiose Hausmeister Ahmet Armut hat ihr gegenüber Vorbehalte. Vanessa Walders Charaktere sind allesamt sehr interessant, oft auch recht ambivalent. Fast jeder - allen voran Enni - scheint ein Geheimnis, eine dunkle Seite zu haben.

Die Geschichte ist fast so packend wie ein Krimi. Wer hat Mo versenkt? Wo ist Noah? Man möchte unbedingt weiter hören. Bis zum Ende konnten wir uns dem Sog der Geschichte nicht entziehen.

Wir sind begeistert von der mitreißenden Story. Ennis Klugheit, ihrer klaren Sicht der Dinge hat uns beeindruckt, auch wenn sie mir an einigen Stellen doch ein wenig zu extrem dargestellt wird und dann nicht mehr hundertprozentig authentisch wirkt. Sprecherin Maximiliane Häcke liest so gut, interpretiert Ennis Worte so treffend, dass ich gar nicht entscheiden kann, ob mir nun das Buch oder das Hörbuch besser gefällt.
Wer eine abgeschlossene Geschichte erwartet, wird vom zweiten Teil der Geschichte enttäuscht sein, am Ende bleiben einige Rätsel ungelöst. Für uns ist es aber absolut unvorstellbar, den nächsten Teil nicht zu lesen/ hören.

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Veröffentlicht am 30.04.2020

Sei vorsichtig mit deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen....

Anna & Anto
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Anna ist schon seit langem heimlich in Maxim, den besten Freund ihres Zwillingsbruders Anto, verliebt und wünscht sich sehr, ihm endlich näher zu kommen. Dann erfüllt sich ihr Wunsch aber auf völlig andere ...

Anna ist schon seit langem heimlich in Maxim, den besten Freund ihres Zwillingsbruders Anto, verliebt und wünscht sich sehr, ihm endlich näher zu kommen. Dann erfüllt sich ihr Wunsch aber auf völlig andere Weise als erhofft. Sie steckt plötzlich im Körper ihres Bruders Anto fest und der wiederum hat mit ihr Gestalt getauscht und ist nun Anna. So hatte sich Anna das nun nicht vorgestellt. Jetzt kann sie zwar mehr Zeit mit Maxim verbringen, muss dafür aber ein Junge sein und außerdem hat sie noch das blöde Babyprojekt ihres Bruders am Hals.

Gerlis Zillgens schreibt erfrischend, flüssig, gut verständlich und vor allen Dingen sehr witzig. Die Geschichte ist aus Anna Perspektive erzählt. Anfangs vergingen die Seiten wie im Flug. Kompliziert wurde es allerdings nach dem Körpertausch. Da war es dann nicht immer eindeutig, wer jetzt eigentlich wer ist, weil Körper und Geist ja nun nicht mehr zusammengehörten. Selbst Anna nannte ihren Bruder, der ja eigentlich nun Annas Gestalt hat, „Anto“. Logisch, dass da auch der Leser nicht immer hundertprozentig mitkommt und zunehmend verwirrt wird. Eine irritierende Herausforderung, die aber großen Spaß machte.

Anna ist vierzehneinhalb und steckt mitten in der Pubertät. Sie wird sehr authentisch und realistisch beschrieben, einfach total sympathisch. Als sie plötzlich im falschen Körper gefangen ist, empfand ich großes Mitleid mit ihr. Ihre Gedanken und Gefühle angesichts dieser absurden Situation waren für mich sehr einsichtig und stimmig. Durch den Körpertausch kommt sie ihrem Bruder Anto so nah wie nie. Denn wer kann schon von sich behaupten, den Körper eines anderen selbst einmal gehabt zu haben?
Die verschiedenen weiteren speziellen Figuren sorgen für viele saukomische Momente: Annas völlig überdreht Eltern, Mias überkritische Mutter, die indiskrete Biologielehrerin Frau Kleingedank-Mücke oder die ziemlich seltsame Oma, der Anna so vertraut wie niemandem sonst. Annas Bruder Anto bleibt dagegen sehr im Hintergrund und wirkt etwas blass.

In der Geschichten geht es nicht nur sehr verwirrend zu, sondern auch ziemlich spannend. Wie entwickelt sich Annas Beziehung zu Maxim? Wird jemand im näherem Umfeld erkennen, was los ist? Und wird sich am Ende alles in Wohlgefallen auflösen? Bis zum Schluss war „Anna und Anto“ sehr packend zu lesen und ich habe durchgehend mit Anna mitgefiebert und gelitten.

Ein Körpertausch unter Geschwistern!? Was für ein abstruser Gedanke! Am Anfang konnte ich mir nicht so recht vorstellen, wie aus der fast klamaukig wirkenden Grundidee eine stimmige Geschichte werden könnte. Ich kannte die Idee des Körpertauschs aus der Komödie „Big“ mit Tom Hanks. Gerlis Zillgens Körpertauschs-Abenteuer bleibt aber nicht an der skurrilen und lustigen Oberfläche. Im Verlauf drängten sich wirklich existenzielle Fragen auf: „Wer bin ich eigentlich wirklich?“ „Definiert nicht der Körper entscheidend unser Sein?“ Da ging es dann zwischendurch - zumindest in meinem Kopf- ziemlich philosophisch zu. Kein Wunder, dass sich beim Lesen so mancher Knoten im Gehirn bildete. Ein auf den ersten Blick wirklich ungewöhnliches originelles und witziges Kinderbuch, das ganz bewusst Klischees enthält, aber eben auch eines, das bei genauer Betrachtung viele Themen wie Sexualität, Liebe und Freundschaft berührt und dabei ganz schön zum Nachdenken anregt. Es ist eben nicht alles, wie es auf den ersten Blick scheint.

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Veröffentlicht am 30.04.2020

Nicht alles ist erklärbar- nettes modernes Märchen mit kleinen Schwächen

Die kleinen Geheimnisse des Herzens
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May Rosevere lebt in einem kleinen idyllischen Dorf in Cornwall und freut sich schon darauf, bald ihren 111. Geburtstag zu feiern. Von einer Bekannten wird sie genötigt, an einem ungewöhnlichen „Leihoma“-Projekt ...

May Rosevere lebt in einem kleinen idyllischen Dorf in Cornwall und freut sich schon darauf, bald ihren 111. Geburtstag zu feiern. Von einer Bekannten wird sie genötigt, an einem ungewöhnlichen „Leihoma“-Projekt teilzunehmen und sich regelmäßig mit der 86-jährigen Julia zu treffen. Anfangs sind die beiden Damen nicht gerade begeistert von der Aussicht, Zeit miteinander zu verbringen, zumal sie Vorbehalte der jeweils anderen gegenüber haben. Die Gründe dafür liegen in der Vergangenheit. Julia leidet zudem noch immer sehr unter dem Tod ihres Manns Don und meidet ohnehin die Gesellschaft anderer. Die beiden Frauen raufen sich zusammen und beginnen schließlich doch, gemeinsam alte Briefe aus dem Nachlass von Don zu lesen. Schon bald finden sie daran Gefallen und nähern sich so einander an. Als Julias Erinnerungen zunehmend lückenhafter werden und sie gar fürchtet, dement zu sein, droht Mays unglaubliches Geheimnis, das sie all die Jahre sorgsam gehütet hat, ans Tageslicht zu kommen....

Der Roman ist in einem angenehmen, schön zu lesenden Erzählstil verfasst: Klar und anschaulich, aber auch ein wenig blumig und nicht unbedingt modern, so wie sich auch Großmütter ausdrücken könnten. Das passt sehr gut zum Inhalt, schließlich geht es auch hauptsächlich um ältere Damen. Die Kapitel sind aus der Sicht von May, Julia und später Julias Enkelin Emily geschrieben. Das sorgt für Abwechslung und gestaltet den Text interessant und kurzweilig.

Ich mag Cecilia Andersons Figuren May und Julia. Julia wirkt anfangs durch ihre Trauer etwas passiv, aber zum Ende hin wird sie trotz ihrer Erinnerungslücken immer tatkräftiger und zupackender. May hingegen scheint viel jünger als 110 Jahre . Sie ist alles andere als gutmütig, verhält sich mitunter fast ein wenig rücksichtslos und egoistisch. Der Kontakt mit Julia zwingt sie zum Nachdenken, sie zeigt schließlich Einsicht und ändert ihre Einstellung. Die besondere Dynamik, die aus der ungewöhnlichen Beziehung der zwei Charaktere entsteht, gefällt mir recht gut. Andere Figuren wie Julias Enkelin Emiliy oder Nachbar Andy wirken neben der alles „überstrahlenden“ Protagonistin May allerdings recht blass und oberflächlich.

„Die kleinen Geheimnisse des Herzens“ ist, was die Handlung betrifft recht stimmig und meist nachvollziehbar aufgebaut. Die Spannung steigert sich bis zum Schluss, das Ende kam für mich allerdings zu schnell und wirkte nicht nur überhastet, sondern auch vergleichsweise unspektakulär. Für mich hätte der Schluss ruhig noch etwas ausdifferenzierter und überraschender ausfallen können. Es bleiben für mich außerdem noch einige Fragen unbeantwortet.

Wie auf dem Klappentext angedeutet, ist der Roman „etwas anders“ als andere Bücher. Das trifft es zweifelsohne: Im Buch geht nicht alles hundertprozentig erklärbar und realistisch zu, aber gerade das macht die Geschichte so besonders und irgendwie „liebenswert“, eine Art modernes Märchen mit einer Prise Magie. Ich habe „Die kleinen Geheimnisse des Herzens“ jedenfalls trotz der kleinen Mängel genossen und fühlte mich gut unterhalten.

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Veröffentlicht am 30.04.2020

Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Golden Cage. Die Rache einer Frau ist schön und brutal (Golden Cage 1)
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Fayes Leben scheint nach außen ziemlich perfekt. Sie ist mit Jack Adelstein verheiratet, der Mitinhaber von Compare ist, einem der erfolgreichsten Unternehmen Stockholms. Die beiden sind in der Welt der ...

Fayes Leben scheint nach außen ziemlich perfekt. Sie ist mit Jack Adelstein verheiratet, der Mitinhaber von Compare ist, einem der erfolgreichsten Unternehmen Stockholms. Die beiden sind in der Welt der Reichen und Schönen zu Hause und haben eine bezaubernde kleine Tochter. Doch der Schein trügt. Faye fühlt sich wie im Goldenen Käfig gefangen. Jack begehrt sie schon lange nicht mehr und bringt ihr nur noch Verachtung entgegen. Die Situation beginnt immer mehr zu eskalieren und gipfelt schließlich in einem Mord.....

Dass Camilla Läckberg schreiben kann, ist hinlänglich bekannt. Auch ihr erster Thriller liest sich sehr flüssig und gut verständlich. Die Autorin nimmt Fayes Perspektive ein, schreibt aus ihrer Sicht, zu jeweils unterschiedlichen Zeitpunkten. Hauptsächlich spielt die Handlung in der Gegenwart, aber mitunter stehen auch Fayes Erinnerung aus der Vergangenheit im Fokus. Stellenweise war für mich nicht ganz eindeutig, welche Situation in Fayes Leben aktuell geschildert wird, aber im Laufe der Geschichte wurde alles dann klarer und die einzelnen Handlungsstränge entwirrten sich zu einem einzigen.

Faye ist ein sehr interessanter Charakter, nach außen wirkt sie wie die perfekte Frau eines erfolgreichen Geschäftmanns. Aber nach und nach beginnt die Fassade zu bröckeln: Faye fühlt sich in ihrer Ehe gefangen und ist schon längst nicht mehr glücklich. Sie hat in der Vergangenheit schlimme Dinge erlebt und trägt das eine oder andere dunkle Geheimnis mit sich herum. Im Laufe der Handlung zeigt sich, dass noch viel mehr in Faye steckt als eine brave repräsentative Ehefrau, auch vor kriminellen Taten schreckt sie nicht zurück.....

„Golden Cage“ ist kein klassischer Thriller. Er kommt ohne viel Blutvergießen aus. Das eigentlich spannende an der Handlung ist Fayes Entwicklung: Wer ist Faye? Wie weit wird Faye gehen? Was hat sie zu verbergen? Läckbergs Roman ist packend und kurzweilig, solide Unterhaltung. Für mich kommt er aber nicht an die Qualität ihrer Krimis um Erika Falck und Patrick Hedström heran. Ich bin ein ausgesprochen großer Fan der Fjällbacka-Reihe. „Golden Cage“ hat mir die Wartezeit auf einen neuen Fall aus der schwedischen Provinz aber definitiv ein wenig verkürzt.

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Veröffentlicht am 24.04.2020

Von behutsam wachsenden Beziehungen und dem Zauber der Blumen

Im Garten deiner Sehnsucht
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Die Botanikerin Iris Maynard verliert kurz nacheinander erst ihren Ehemann Jonathan, der als Soldat im Zweiten Weltkrieg getötet wird, und danach ihre Tochter Mary, die völlig unerwartet stirbt. Seitdem ...

Die Botanikerin Iris Maynard verliert kurz nacheinander erst ihren Ehemann Jonathan, der als Soldat im Zweiten Weltkrieg getötet wird, und danach ihre Tochter Mary, die völlig unerwartet stirbt. Seitdem hat sie sich von der Außenwelt isoliert und verbringt ihre Zeit nur noch allein in ihrem Garten und widmet sich sich der Pflege ihrer Blumen. Als 2003 nebenan, in das Haus ihrer Großmutter neue Mieter, die Ingenieurin Abby Peterson, mir ihrem Mann, dem im Irakkrieg schwer traumatisiertem Cory, und ihrer Tochter Lily einziehen, kommt nicht nur Leben in das Nachbarcottage. Ganz langsam entwickelt sich eine Beziehung zwischen den neuen Nachbarn und diese bringt nicht nur Iris ihre längst verlorene Hoffnung zurück.....

„Im Garten deiner Sehnsucht“ lässt sich flüssig und ohne Anstrengungen lesen. Autorin Viola Shipman nimmt mal Abbys, mal Iris Perspektive ein und passt ihren Schreibstil der jeweiligen Figur an. Iris‘ Sprache, ihre Wortwahl erinnert ohne Zweifel an die einer älteren Frau. Dadurch wirkt die Erzählweise auf mich authentisch und stimmig.

Shipman hat zwei starke, gebildete Frauen als Hauptcharaktere gewählt, die ich recht realistisch und nachvollziehbar finde. Iris hat in ihrem Leben schon sehr viel Leid erfahren müssen, hat sich deshalb komplett aus der Gesellschaft zurückgezogen und einen riesigen, fast undurchdringlichen Zaun um ihr Haus errichten lassen, um sich nun ausschließlich auf ihre große Leidenschaft, das Gärtnern, zu konzentrieren. Sie macht auf andere den Eindruck einer harten Frau, aber dem fröhlichen, aufgeweckten Nachbarsmädchen Lily gelingt es langsam, Iris’ Fassade zu durchbrechen. Lillys Mutter Abby ist Chemieingenieurin und muss sich im Beruf unter Männern behauptet, die sie oft nicht ernst nehmen. In Gesprächen mit der lebenserfahrenen Iris erkennt sie nach und nach, wovon sie wirklich träumt. Auch Cory, Abbys Mann, erhält von Iris einen entscheidenden Anstoß, seine Situation zu ändern. Die Charaktere befinden sich jeweils in einer schwierigen Lage und unterstützen sich gegenseitig, ihre Probleme anzugehen. Dafür braucht es wie beim Gärtnern Geduld und Behutsamkeit. Bei all ihrer Unterschiedlichkeit wächst die Beziehung zwischen den Nachbarn - einem zarten Pflänzchen gleich- immer weiter und trägt bald Blüten bzw. Früchte.

„Im Garten deiner Sehnsucht“ hat insgesamt ein sehr ruhiges Erzähltempo, ist definitiv ein Roman der leisen Töne. Spannung wollte dabei für mich zunächst kaum aufkommen. Gerade am Anfang passiert recht wenig, es wird mehr als ausführlich die aktuelle Situation der Figuren beschrieben, ohne dass sich dabei viel ereignet. Da herrschte für mich stellenweise doch etwas „gepflegte Langeweile“. Erst als mir die Figuren vertrauter wurden, konnte ich mich besser auf die Geschichte einlassen, die bei allem ernsten und traurigen Hintergrund am Ende doch sehr viel Zuversicht und eine bedeutsame Botschaft vermittelt: Sie zeigt anschaulich, wie bereichernd es sein kann, den Mut aufzubringen, seine Komfortzone zu verlassen und sich neuen Herausforderungen zu stellen.
Es lohnt sich also auf jeden Fall durchzuhalten, weiterzulesen und über gewisse Längen und manchmal etwas zu rührselig geratene Szenen hinwegzusehen. Das Besondere an Shipmans Roman sind die vielen Passagen, in denen Iris von ihren Blumen erzählt. Der Leser erfährt dabei sehr viele Interessantes über das Gärtnern und verschiedene Pflanzen wie Taglilien oder Hortensien, die mir teilweise aus dem eigenen Garten bekannt sind. Nicht umsonst tragen Lily und Iris die Namen von Blumen. Ich konnte Iris’ Leidenschaft für die Pflanzen regelrecht spüren und sehr gut nachempfinden. Insbesondere Gärtner und Blumenliebhaber werden bei dieser ruhigen, soliden, aber durchaus gehaltvollen Lektüre auf ihre Kosten kommen.

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