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Veröffentlicht am 27.08.2025

Die Entstehung der "Provisions of Oxford"

Drachenbanner
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"Drachenbanner" ist der siebte Band der Waringham-Saga von Rebecca Gablé. Zeitlich ist er dabei zwischen "Teufelskrone" und "Das Lächeln der Fortuna" im Zeitraum 1238 - 1265 einzuordnen. Es beginnt damit, ...

"Drachenbanner" ist der siebte Band der Waringham-Saga von Rebecca Gablé. Zeitlich ist er dabei zwischen "Teufelskrone" und "Das Lächeln der Fortuna" im Zeitraum 1238 - 1265 einzuordnen. Es beginnt damit, dass der junge Bedric den Tod seines Vaters verkraften muss, der bei Baumfällarbeiten ums Leben kommt. Verantwortlich für Mutter und Schwester muss er als leibeigener Bauerssohn ab sofort den Vater ersetzen. Eng verbunden ist er dabei mit Adele von Waringham, mit der er als Kind aufgewachsen ist. Doch deren Welten könnten nicht unterschiedlicher sein. Sie eine Adlige, er Leibeigener. Und doch ist ihr Band der Liebe so groß, dass sie nicht voneinander lassen können. Aber dies muss ihr Geheimnis bleiben. Während Adele an den Hof der Königsschwester Eleanor Plantagenet muss, träumt Bedric von seiner Freiheit. Im Zentrum dieses Bandes steht der Kampf von Simon de Montfort, 6. Earl of Leicester und Ehemann von Eleanor Plantagenet, um die "Provisions of Oxford". Er war Anführer der ersten Revolution auf englischem Boden und Einführung des ersten repräsentativen Parlament in England. Dies gilt neben der Magna Charta als wichtigste historische Errungenschaft der frühen Demokratie in England. König Henry III. und dessen Sohn Prinz Edward waren indessen seine Widersacher. In diesem historischen Rahmen erlebt der Leser die Entwicklung von Waringham und Bedrics Aufstieg zum Ritterschlag. Rebecca Gable erzählt die Story dabei in vier zeitlich großen Kapiteln, die wiederum dann unterteilt sind. Dabei geschieht dies oftmals sehr mitreißend, dann aber streckenweise auch mit Längen. Hier hätte ich mir teils ein wenig Straffung gewünscht. Aber überwiegend nimmt einen der Roman wieder auf ein Kapitel englischer Geschichte mit und unterhält einen dabei auch noch gut. Für mich in Summe wieder ein gelungener Band der Saga, der sich gut in die komplette Reihe integriert.

Veröffentlicht am 10.08.2025

Ein geschändetes Grab und ein beängstigender Verdacht

Düstergrab
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"Düstergrab" ist der sechste Band der Elbmarsch-Reihe von Romy Fölck. Frieda Paulsen steht am Grab ihres ehemaligen Schulkameraden bei der Beerdigung im kleinen örtlichen Friedhof in der Marsch. Da ist ...

"Düstergrab" ist der sechste Band der Elbmarsch-Reihe von Romy Fölck. Frieda Paulsen steht am Grab ihres ehemaligen Schulkameraden bei der Beerdigung im kleinen örtlichen Friedhof in der Marsch. Da ist ihr noch nicht bewusst, dass sie schon einen Tag später erneut an dieses frische Grab gerufen wird. Denn anscheinend wurde dies über Nacht erneut ausgehoben und geschändet. Als polizeiliche Maßnahme muss daher exhumiert werden. Doch als der Sargdeckel gehoben wird, erwartet sie ein ungewöhnlicher Anblick. Denn der Sarg ist nicht wie vermutet leer, sondern die Leiche eines jungen Mädchens liegt auf Friedas Schulfreund und wurde mit Blumen in den Händen darin drapiert. Der Beginn eines ungewöhnlichen Falles. Kurz darauf überschlagen sich die Ereignisse, als auf offener Straße Friedas Kollege in ihrem Beisein von einem Heckenschützen angeschossen wird. Zwei Fälle oder doch miteinander verwoben? Romy Fölck entführt den Leser in diesem Krimi in der Welt der Glaubensgemeinschaften. Im speziellen hier in das Leben der Hutterer. Dabei gibt sie kleine Einblicke in deren Lebensweise und verknüpft dies mit der Geschichte von verschwundenen Zwillingsschwestern. Die eine das Opfer, aber was wurde aus der Schwester? Der angeschossene Kollege dazu als Parallelstrang der Erzählung. Und so kommen in diesem sechsten Band der Reihe auch alle Hauptfiguren der vorigen Bände wieder zum Zug. Die Kommissarin Paulsen wird aber immer nachdenklicher ob ihrer eigenen Zukunft. Immer mehr hinterfragt sie diese, welchen Weg soll sie in Bezug auf Beruf und Familie einschlagen. Dieser sechste Band wirkt daher oftmals wie ein Abschluss der Reihe, lässt aber trotzdem noch einigen Spielraum für mehr. In Summe hat mir an diesem Krimi gut gefallen, dass die Tatzusammenhänge sehr lange verborgen bleiben und sich die Auflösung erst sehr spät präsentiert. Doch war für mich diese Auflösung ein klein wenig konstruiert, vielleicht wäre hier etwas weniger mehr gewesen. In Summe für mich aber trotzdem an angenehm zu lesender Krimi, der die Elbmarsch-Reihe gut ergänzt.

Veröffentlicht am 03.08.2025

Im Kampf der Mächtigen steht Liebe gegen Hass

Die Wege der Macht
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"Die Wege der Macht" ist der fünfte Band der Clifton-Saga von Jeffrey Archer. Dieser Band umfasst dabei den Zeitraum 1964 - 1970. Während Harry Clifton als erfolgreicher Schriftsteller sich für den inhaftierten ...

"Die Wege der Macht" ist der fünfte Band der Clifton-Saga von Jeffrey Archer. Dieser Band umfasst dabei den Zeitraum 1964 - 1970. Während Harry Clifton als erfolgreicher Schriftsteller sich für den inhaftierten russischen Kollegen Babakow engagiert, muss seine Frau Emma sich einem Verleumdungsprozess stellen. Ihre alte Widersacherin Lady Virginia, Ex-Frau von Emmas Bruder Giles, hat sie verklagt. Diese schmiedet weiterhin an einem Komplott, die Familien Clifton und Barrington zu vernichten. Strategisch positionieren sich dabei ihre Mitverschwörer in den jeweiligen politischen und wirtschaftlichen Positionen. Es bleibt also weiterhin eine Herausforderung, diesen Widersachern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Jeffrey Archer führt in diesem Band nahtlos die Geschehnisse der Vorgänger weiter. Dabei stehen in der ersten Hälfte des Buches mehr die Geschehnisse rund um Sebastian Clifton und Giles Barrington im Vordergrund, während in der zweiten Hälfte sich dies mehr Richtung Harry und Emma Clifton bewegt. Über die gesamte Story hinweg aber schlüssig miteinander verwoben und die Familiensaga wird dadurch konsequent um weitere sechs Jahre fortgesetzt. Der Prolog ist dabei eine kurze Wiederholung der Ereignisse am Ende von Band 4. Dies dient gut um gleich wieder in die Geschehnisse reinzukommen, wäre für mich aber nicht zwingend notwendig gewesen. Ebenso hat die Story diesmal im Mittelteil einige Längen, gerade bei ständigen Wiederholungen während des Prozessgeschehens. Hier hätte ich mir eine inhaltliche Straffung gewünscht. In Summe gibt es aber wieder einige neue und spannende Wendungen, die auch viel Raum für zukünftige Ereignisse lassen. Geld und Macht, politische Irrungen und Wirrungen, Liebe und Hass, all dies vereint Jeffrey Archer auch wieder in diesem Band. Am Ende wie immer ein Cliffhanger. Abschließend für mich nicht der beste Band der Saga, aber trotzdem ein absolut lesenswerter. Auch nach "Die Wege der Macht" bin ich neugierig wie es im sechsten Band weitergehen wird und wie sich die Geschichte der Cliftons und Barringtons Anfang der 1970er Jahre weiterentwickelt.

Veröffentlicht am 27.07.2025

Tatort Darknet - Das Netz vergisst nicht

Dunkles Netz
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"Dunkles Netz" ist der 25. Band der Julia-Durant-Reihe von Andreas Franz (Daniel Holbe). In diesem Jubiläumsband bekommt es die Frankfurter Kommissarin mit zwei Morden zu tun, die auf den ersten Blick ...

"Dunkles Netz" ist der 25. Band der Julia-Durant-Reihe von Andreas Franz (Daniel Holbe). In diesem Jubiläumsband bekommt es die Frankfurter Kommissarin mit zwei Morden zu tun, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Eigentlich fällt sogar der eine auch in das Zuständigkeitsgebiet auf der anderen Mainseite in Offenbach. Aber schnell werden doch Zusammenhänge erkennbar und so trifft Durant auch zügig wieder auf ihren Kollegen Peter Brandt. Die Spuren führen zu Sugardaddys und es scheint viel mehr hinter den Morden zu stehen, als anfangs gedacht. Seit vierzehn Bänden führt nun Daniel Holbe diese Reihe fort, nachdem er 2011 das Erbe des verstorbenen Andreas Franz übernommen hat. Die Reihe erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit und auch ich lese sie seit dem ersten Band. Gemeinsam mit der Ermittlerin und ihren Kollegen bin auch ich älter geworden. 1996 betrat Julia Durant zum ersten Mal die Ermittlerbühne in "Jung, blond, tot". Heute stellt sie eine Kommissarin dar, die im Laufe ihrer Fälle vieles durch- und erlebt hat. Dies spiegelt sich auch in diesem Band wieder. Viel persönliches packt Daniel Holbe in die Story mit rein, Durant ist nicht nur tough, sondern sehr wohl eine Frau, die ihre Gefühle immer mehr zeigt, als vielleicht in früheren Bänden. Mir gefällt dies aber sehr gut, denn es zeigt auch die Entwicklung der Ermittlerin in all den Jahren. Seitens dieses Falles tappt man als Leser lange im Dunkeln, nur langsam kommt Licht ins Darknet. Die Thematik des Pädophilen-Netzwerks hätte man natürlich verschieden darstellen können. So mancher Autor vielleicht wesentlich brutaler und blutiger. Mir gefällt aber die Herangehensweise von Holbe, denn einen guten Krimi muss nicht immer Brutalität auszeichnen. Julia Durant und ihre Kollegen ermitteln klassisch, teils ein wenig am Rande der Legalität, aber auch mit Empathie für die eigentlichen Opfer. Daher ist für mich "Dunkles Netz" ein gelungener 25. Fall zur "Silberhochzeit", bei der mir die agierenden Personen im Laufe der Jahre ans Leserherz gewachsen sind und sie bis heute nichts von ihrer Ausstrahlung verloren haben. Auch diesmal wieder ein guter und solider Krimi, der kurzweilig zu lesen war und bei dem ich gut in die Story eintauchen konnte.

Veröffentlicht am 20.07.2025

Ein Wettlauf gegen die Zeit

Die Akte Adenauer
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"Die Akte Adenauer" ist der erste Band der Philipp-Gerber-Reihe von Rolf Langroth (einem Pseudonym des Autors Jörg Kastner). Es ist Wahlkampf 1953, Konrad Adenauer von der CDU möchte erneut zum Bundeskanzler ...


"Die Akte Adenauer" ist der erste Band der Philipp-Gerber-Reihe von Rolf Langroth (einem Pseudonym des Autors Jörg Kastner). Es ist Wahlkampf 1953, Konrad Adenauer von der CDU möchte erneut zum Bundeskanzler gewählt werden. Einer seiner schärfsten Rivalen um die Stimmen für den Bundestag Herbert Wehner von der SPD. Doch erst wird in Bonn ein Ermittler vom noch jungen BKA hinterrücks erschossen und dann geraten die Politiker selbst ins Visier. Eine Organisation, die "Wölfe Deutschlands" scheinen eine Liste mit Todeskandidaten abzuarbeiten. Der junge Philipp Gerber, einst unter den Nazis mit seinen Eltern nach Amerika geflüchtet und dann für die Staaten im Krieg gewesen, wird von amerikanischen Geheimdienst CIC zum BKA berufen. Er soll die Hintergründe herausfinden und die Täter stellen. Gemeinsam mit der jungen Journalistin Eva Herden gerät er immer mehr in die Verstrickungen und muss den Fall lösen, denn die Zeit spielt gegen ihn. Der Autor nimmt den Leser in diesem Krimi mit auf die Reise in das Deutschland Anfang der 1950er Jahre. Die junge Bundesrepublik steht noch auf wackligen Beinen. Adenauer mit seinem proamerikanischen Kurs auf der einen Seite, die Sowjets als neue Gegenspieler der USA auf der anderen Seite. Aber es gilt auch mit der nationalsozialistischen Vergangenheit fertigzuwerden, denn viele sind nicht von heute auf morgen plötzlich aufrechte Demokraten. Diese Zeit fängt der Autor in diesem Roman gut ein, baut darin eine spannende Story rund um seinen Ermittler Phil Gerber auf. Bis auf das dieser etwas zu viele Raucherpausen einlegt, was für mich ein wenig störend war, gefällt mir Gerber doch in seinem Zwiespalt bzgl. seiner deutschen Herkunft und seiner Tätigkeiten für die Amerikaner. Ein klein wenig unverwundbar, aber dies sind Helden ja meist. Auf alle Fälle ist "Die Akte Adenauer" ein runder Auftakt dieser Reihe und las sich flüssig. Der Spannungsbogen ist gelungen und der Krimi ist kurzweilig. Genau das was man von einem gelungen Krimi erwartet.