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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.04.2020

Inspizierende Persönlichkeit

Ich weiß, ich war's
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Ich war von "so schön wie hier kann's im Himmel gar nicht sein" so unglaublich begeistert. Ich habe mit Schlingensief mitgefiebert und mitfreut und mitgelitten. Oft hat er mir aus dem Herzen gesprochen. ...

Ich war von "so schön wie hier kann's im Himmel gar nicht sein" so unglaublich begeistert. Ich habe mit Schlingensief mitgefiebert und mitfreut und mitgelitten. Oft hat er mir aus dem Herzen gesprochen. Und dieses Niveau noch einmal zu erreichen, schafft "ich weiß, ich war's" einfach nicht. Interessante Passagen haben sich mit uninteressanteren abgewechselt. Provokateur, Vordenker, Künstler durch und durch und ein überaus sensibler Mensch: Christoph Schlingensief schreibt zwar über sich selbst, dass er nicht der geworden ist, der er sein wollte. Aber mit dem was er geleistet hat, blieb er dennoch sich selbst treu. Schlingensief hält Rückschau auf seinen Lebensfindungsprozess und sein Künstlerdasein, das geprägt ist von kreativer Schaffenskraft und ständiger Selbstreflexion. Dabei hat der Künstler immer das große Ganze im Blick. Sehr interessantes Buch. Spannende Einblicke in das Leben des Christoph Schlingensief. Lesenswert!

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Veröffentlicht am 24.04.2020

Klassiker unbedingt lesen

28 Tage lang
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Warschau zu Zeiten des 2. Weltkrieges. Besetzt von den Nazis wird das Ghetto errichtet und tausende von Juden dort eingepfercht.
Mira ist eine von ihnen, gerade mal 16 Jahre alt agiert sie als Schmugglerin ...

Warschau zu Zeiten des 2. Weltkrieges. Besetzt von den Nazis wird das Ghetto errichtet und tausende von Juden dort eingepfercht.
Mira ist eine von ihnen, gerade mal 16 Jahre alt agiert sie als Schmugglerin um ihre Mutter und die kleine Schwester Hannah durchzubringen. Ist es schon schlimm genug wie sie dort leben müssen kommt das Grauen noch um ein vielfaches mehr. Die ersten Deportationen beginnen, das Ghetto wird geräumt und Mira muss sich entscheiden, kämpfen oder resignieren und aufgeben.

In diesem Buch erzählt Mira alles aus ihrer Sicht. Ihre Angst beim Schmuggeln entdeckt zu werden, der tägliche Kampf um Essen und Trinken, die Mitbewohner in dem Haus, ihre Liebe zu Martin und über Amos, der Mitglied einer Untergrundbewegung ist.
Viele der Protagonisten sind fiktiv dargestellt und doch gab es bestimmt einen Mann oder eine Frau die Pate standen für die Erlebnisse und Geschichten. Ganz bestimmt gab es auch eine Mira.

Viele der Protagonisten in diesem Buch sind aber real, es gab sie, sie haben einen großen Teil dieses Buches mitgeprägt, Rubinstein der kluge Irre oder Janusz Korczak (aus seiner Feder stammen die Geschichten des kleinen König Macius) der seine 200 Waisenkinder nicht alleine in den Tod gehen ließ. Nachdem ich bisher die lustigen Bücher von Safier gelesen habe, wusste ich nicht was mich bei "28 Tage lang" erwarten würde. Ich habe es innerhalb von sechs Stunden ausgelesen. Das müsste ja eigentlich schon alles sagen, oder!?
Es war richtig gut geschrieben, spannend und interessant. Teilweise klappte mir der Kiefer runter vor Entsetzen (vor allem weil man ja weiß dass diese "Umstände" wahr sind/waren) und es war sehr bedrückend. Ein tolles, beeindruckendes Buch! Das Ghetto in Warschau - durch die Erlebnisse eines 16-jährigem Mädchen wird dieser Teil der Geschichte dem Leser auf spannende und eindrucksvolle Art nahe gebracht. Schwere Kost, aber ein gelungener Beitrag, damit dieses schwarze Kapitel der Geschichte nicht in Vergessenheit gerät!

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Veröffentlicht am 24.04.2020

Lustige Lyrik

Holger, die Waldfee
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Bin in einer Talkshow auf Lars Ruppel aufmerksam geworden. Diese Art von Gedichten ist sehr witzig und ganz speziell. Richtige Geschichten werden hier erzählt - und wenn man schon begeistert klatschen ...

Bin in einer Talkshow auf Lars Ruppel aufmerksam geworden. Diese Art von Gedichten ist sehr witzig und ganz speziell. Richtige Geschichten werden hier erzählt - und wenn man schon begeistert klatschen will, dann wird noch eins drauf gesetzt. Lässt sich schwer beschreiben - muss einfach gelesen werden. Diese meisterlich gedichteten Interpretationen landläufiger Redensarten, über deren Herkunft und Bedeutung man sich in der Regel keine Gedanken macht, zaubert einem ein Lächeln nach dem anderen ins Gesicht. Der deutsche Poetrie-Slam-Meister 2014 kann es halt. Wärmstens zu empfehlen und ein (fast) immer passendes kleines Geschenk.

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Veröffentlicht am 24.04.2020

Konnte mich nicht ganz überzeugen

Saligia
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Keira ist mit ihren 16 Jahren keine normale Jugendliche, denn sie trägt die Todsünde der Ira in sich, die Todsünde des Zorns.
Als Außenseiterin zieht sie sich immer weiter zurück und dennoch findet sie ...

Keira ist mit ihren 16 Jahren keine normale Jugendliche, denn sie trägt die Todsünde der Ira in sich, die Todsünde des Zorns.
Als Außenseiterin zieht sie sich immer weiter zurück und dennoch findet sie sich immer wieder aufs neue in Situationen wieder, die ihre Schuldgefühle zum Vorscheinen bringen. Denn Keira's Zorn überträgt sich auf andere, war Keira womöglich für den Tod ihres Vaters verantwortlich?
Als kurze Zeit später der unbekannte Elliot auftaucht und ihr von anderem Saligia berichtet die alle für eine Todsünde stehen, nimmt ihr Leben auf der Canterbury school eine ganz neue Wendung, eine tödliche. Die Grundidee ist auf alle Fälle originell. Hochmut, Habgier, Lust, Zorn, Völlerei Neid und Trägheit - jeder Saligia trägt eine der sieben Todsünden in sich und hat dementsprechende Fähigkeiten und Charakterzüge. Da im Buch häufig die lateinischen Begriffe dafür wie Superbia, Luxuria, Ira usw. genutzt werden, sind Notizen hilfreich. So fällt die Zuordnung leichter.

Das Ganze wird abwechselnd aus der Perspektive von Keira und von Saligia-Sucher Elliot erzählt. Der Schreibstil liest sich zwar flüssig, fällt aber auch sehr einfach, anspruchslos und nüchtern aus. So richtig anfreunden konnte ich mich damit nicht. Dem Buch hätten ein paar Seiten mehr nicht geschadet, hätten doch die Figuren so ein bisschen detaillierter gezeichnet werden können. Bis zum Schluss hatte ich meine Probleme, die Zimmernachbarinnen Keiras auseinander halten zu können, da sich auf mich so vollkommen austauschbar gewirkt haben (und das, obwohl sie doch alle angeblich verschiedene Todsünden tragen sollten).

Ich möchte nicht behaupten, dass mich der Plot nicht hätte überraschen können, aber insgesamt konnte mich das Buch einfach nicht genug fesseln, um die Vorfreude auf einen (dank des üblen Cliffhangers zum Schluss offensichtlich geplanten) zweiten Bandes zu schüren.

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Veröffentlicht am 24.04.2020

Historischer Hörgenuss

Pandolfo
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Mailand 1493: Der reiche Händler Bernardinio Bellapianta findet auf dem Markt den schwer verletzen jungen Pandolfo in einem Abfallhaufen. Er nimmt ihn mit in seinen Palast und lässt ihn dort gesundpflegen. ...

Mailand 1493: Der reiche Händler Bernardinio Bellapianta findet auf dem Markt den schwer verletzen jungen Pandolfo in einem Abfallhaufen. Er nimmt ihn mit in seinen Palast und lässt ihn dort gesundpflegen. Pandolfo leidet unter zunächst Amnesie, nach und nach wird seine Geschichte offenbart.
Auch die Geschichte seines Gönners Bernardinio und von dessen Zwillingsbruder, einem kauzigen Erfinder, wird erzählt. Pandolfo ist wirklich ein schönes Buch - jedenfalls für diejenigen, die echte, historische Abenteuerromane mögen. Dieses Genre hat meiner Meinung in den letzten Jahren schwer gelitten: kitschige Liebesromane, in denen der historische Hintergrund nur Kulisse ist, gibt es dutzendweise. Leider sind sie häufig nicht gründlich recherchiert und erzählen uns auch allzu oft relativ krude Geschichten. Diesen Vorwurf kann man diesem
Autor nicht machen, finde ich. Pandolfo ist ein sympathischer Held, begleitet wird er von interessanten Weggefährten, die Liebe spielt eine Rolle, aber nur am Rande. Römling bewegt sich sicher auf dem historischen Parkett, sein Buch hat mir gefallen.

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