Profilbild von Jecke

Jecke

Lesejury Star
offline

Jecke ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Jecke über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.09.2017

✎ Maria W. Peter - Invita 1 Fortunas Rache

Fortunas Rache
0

Schon etwas länger lag dieses Buch ungelesen in meinem Regal und ich habe es immer ein wenig vor mir hergeschoben. Zum einen, weil ich zwar andere Werke der Autorin bereits kenne und mag, diese jedoch ...

Schon etwas länger lag dieses Buch ungelesen in meinem Regal und ich habe es immer ein wenig vor mir hergeschoben. Zum einen, weil ich zwar andere Werke der Autorin bereits kenne und mag, diese jedoch in einem ganz anderen Umfeld spielen und ich mit dem 3. Jahrhundert ehrlich gesagt erstmal nicht so viel anfangen konnte. Es hat mich nicht direkt abgeschreckt, aber ich hatte etwas "Staubiges" erwartet.
Zum anderen waren immer Band 1 und 3 bei mir - Band 2 fehlte jedoch. Nun ist auch dieser eingezogen und ich kann sie in der richtigen Reihenfolge lesen.

Durch Maria W. Peters Schreibstil war ich sofort in der Geschichte drin. Einmal angefangen zu lesen, habe ich das Buch kaum aus der Hand gelegt, denn die Seiten sind wirklich dahingeflogen. Jedoch habe ich mich während des Lesens öfter gefragt, ob die Ausdrucksweise tatsächlich der des 3. Jahrhunderts entspricht.
Meine Befürchtung, dass das Ganze aufgrund seiner zeitlichen Einordnung ein wenig trocken / staubig sein könnte, hat sich absolut nicht bewahrheitet.

Den Charakter der Invita habe ich mir anders vorgestellt und wurde in diesem Punkt daher überrascht. Zwar habe ich nicht immer alle Eigenschaften von ihr in Einklang miteinander bringen können, aber an dieser Stelle hoffe ich einfach, dass sie in den nächsten Bänden noch wächst.
Die anderen auftretenden Personen sind leider etwas klischeebehaftet, dennoch fügen sie sich ins Gesamtbild gut ein.

Wirklich gefehlt hat mir indes ein wenig die Beschreibung der Umgebung. Man wird in das Umfeld Invitas eingeführt, dennoch hätte ich mir mehr Charakteristiken des Triers zu dieser Zeit gewünscht. Vielleicht ist aber auch dies Bestandteil der nächsten Bände.

Wer bereits andere Romane der Schriftstellerin kennt, weiß, dass der Zufall in - ich möchte behaupten - allen Exemplaren seinen Platz findet. So auch hier.
Ich habe schon Gänsehaut bekommen und mein Atem hat sich beschleunigt, wenn sich die Protagonistin in haarsträubende Situationen manövriert hat. Jedoch habe ich auch ständig auf den Augenblick gewartet, in dem das Schicksal um die Ecke kommt.

Obwohl es als historischer Roman deklariert wird, würde ich es eher in die Sparte 'Krimi' einordnen, denn ich bin der Überzeugung, Leser dieses Genre werden ebenfalls Gefallen an der Geschichte finden.

©2017

Veröffentlicht am 29.08.2017

✎ Sina Flammang - Mädchen aus Papier

Mädchen aus Papier
0

Ich weiß gar nicht mehr, was / wer mich auf dieses Buch aufmerksam gemacht hat. Aber als ich den Klappentext gelesen hatte, war ich ein wenig angefixt. Zum einen wird in einem Jugendbuch ein Thema bearbeitet, ...

Ich weiß gar nicht mehr, was / wer mich auf dieses Buch aufmerksam gemacht hat. Aber als ich den Klappentext gelesen hatte, war ich ein wenig angefixt. Zum einen wird in einem Jugendbuch ein Thema bearbeitet, welches nicht so oft Gehör findet. Zum anderen habe ich bei "Richtung Süden" natürlich sofort an meine neue Heimat gedacht - und lag zumindest damit gar nicht so falsch.

Sina Flammangs Schreibstil ist sehr poetisch. Sie schildert Situationen so liebevoll, dass man am liebsten gern selbst direkt zum Beispiel hinauslaufen und sich das Ganze anschauen mag.

"Der Himmel knurrt leise, er klingt hungrig, und ich ziehe den Kopf ein, als müsse jeden Moment
eine große Schlabberzunge aus den Wolken schießen und mich von der Straße lecken." (S. 9)

Das hat das Lesen zumindest zeitweise zu einem echten Vergnügen gemacht.

Auch wurden die Person sehr präzise gezeichnet, sodass man sie gerne auf dem Weg begleitete. Ich denke, Jugendliche werden sich in dem einen oder anderen Charakter wiederfinden und der Geschichte bequem folgen können.

Leider verliert sich die Autorin stellenweise in wirklich nervige Wiederholungen, die dann irgendwann auch versucht habe, zu überlesen.

Dann fand ich den Ausflug, der im Klappentext groß angekündigt wird, erstens sehr kurz und zweitens, um ehrlich zu sein, auch ziemlich überflüssig. An dieser Stelle wollte die Autorin für mich zu viel und ist einfach übers Ziel hinausgeschossen bzw. eigentlich erst gar nicht angekommen.
Ich hatte mir von diesen Szenen einiges erhofft und wurde dahingehend maßlos enttäuscht. Vielleicht hatte ich an dieser Stelle einfach die falschen Erwartungen.

Dafür hat sie ein anderes Thema, welches nicht direkt irgendwo genannt wird, toll eingeflochten und umgesetzt.

Die Familiensituation, als Annika wieder da ist, wird ganz gut eingefangen. Maris Gefühle werden anschaulich rüber gebracht. Und dennoch fehlte es mir ein wenig an Emotionen. Durch Mari, die aus der Ich-Perspektive erzählt, erwartet man Gefühle pur. Mir jedoch war manches einfach zu schwammig, nicht krass genug.

Sina Flammang hat definitiv das Potenzial, eine sehr gute Schriftstellerin zu werden - das beweisen die Satzkonstellationen und die Worte, die sie für ihre Geschichte wählt. Ich denke auch, dass sehr viele Ideen in ihr schlummern, die sie gekonnt umzusetzen weiß. Meiner Meinung nach wollte sie all diese Einfälle zu gebündelt wiedergeben. Das Buch bietet eindeutig Stoff für mehrere Jugendbücher.

Mit gemischten Gefühlen würde ich eine bedingte Leseempfehlung aussprechen. Mir hat einfach zu viel gefehlt und ich hatte andere Erwartungen an die Lektüre.

©2017

weitere Zitate:

"Deshalb hat aus Clementines Sicht alles immer zwei Seiten: eine gute und eine gute. Und wenn eine Seite doch mal droht, schwarz anzulaufen, dann reibt sie sie eben wieder sauber." (S. 117)

"Die Welt [...] steht auf dem Kopf. [...] Wir wissen ja nicht, wo oben ist und wo unten. Kein Wunder, dass man manchmal den Boden unter den Füßen verliert, einfach so." (S. 271)

"Die Worte fallen wie Steine aus meinem Mund. Ich würde sie gerne zurückschaufeln, aber die Lawine ist losgetreten." (S. 281)

Veröffentlicht am 26.08.2017

✎ Almut Hielscher & Uta König - Mord am Waterberg

Mord am Waterberg
0

Als mir dieses Buch vorgestellt wurde, habe ich nicht lange gezögert, um zuzusagen, denn der Klappentext hatte mich sofort gepackt. Ich erwartete einen spannenden Krimi mit historischem Hintergrund.

Leider ...

Als mir dieses Buch vorgestellt wurde, habe ich nicht lange gezögert, um zuzusagen, denn der Klappentext hatte mich sofort gepackt. Ich erwartete einen spannenden Krimi mit historischem Hintergrund.

Leider kam die Ernüchterung beim Lesen dann sehr schnell. Obwohl der Schreibstil einfach und gut zu lesen ist, konnte er mich dennoch nicht an die Seiten fesseln. Zu viele Dinge wurden in die Geschichte gepackt. Zu viele Verwinkelungen wollte man schaffen, die auf mich überladen und stellenweise wenig glaubhaft wirkten. Ein unterhaltsamer Krimi sieht für mich etwas anders aus.

Ich hätte gerne noch mehr von der Vergangenheit erfahren, tiefere Einblicke in das Heute der Namibier erhalten und dafür auf einiges aus der Gegenwart von Katrin verzichtet. Mir wurde zu sehr an der Oberfläche gekratzt und Unwichtiges unnötig lange verfolgt.

Interessant waren die Stellen, als wir Einblicke in ein Tagebuch erhalten und Briefe von früher zu lesen bekommen. Außerdem finde ich die Zeitlinie am Ende des Buches ansprechend, in der die Ereignisse "Von Deutsch-Südwest-Afrika zur Republik Namibia" von 1842 bis heute (März 2017) beschrieben werden.

Die Kulisse und der geschichtliche Aspekt ist ein für mich persönlich wirklich ungewöhnlicher und interessanter Stoff für ein Buch. Hier wurde dies leider nicht genug umgesetzt. Es reicht nicht, die Geschichte in einer Zeitlinie chronologisch hinten an die Geschichte zu pappen. Eingewebt und spannend erzählt, reizt solch ein Thema Leser viel eher.

Ich hatte mir etwas anderes erwartet und gebe daher keine Leseempfehlung.

©2017

Veröffentlicht am 22.08.2017

✎ Monika Feth - Das blaue Mädchen

Du auf der anderen Seite
0

Ich bin eher durch Zufall auf diese Autorin aufmerksam geworden, denn Celine fragte, ob wir mal was von ihr gemeinsam lesen möchten, da sie die Autorin und deren Thriller bereits kennt und mag.
Ich habe ...

Ich bin eher durch Zufall auf diese Autorin aufmerksam geworden, denn Celine fragte, ob wir mal was von ihr gemeinsam lesen möchten, da sie die Autorin und deren Thriller bereits kennt und mag.
Ich habe mich dann jedoch erstmal für einen Einzelband der Schriftstellerin entschieden, da ich den Schreibstil kennenlernen und nicht schon wieder eine Reihe anfangen wollte.

Wenn man sich von vornherein klar macht, dass dies ein Buch für junge Jugendliche (ab 12 Jahre) ist, dann sieht man vielleicht auch über das ein oder andere hinweg.

Den Schreibstil fand ich angenehm und angemessen. Es wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, sodass man unterschiedliche Einsichten bekommt. Die Gefühle der einzelnen Personen werden gut rübergebracht. Es ist natürlich nichts wirklich Tiefsinniges, aber dieses Werk wurde, wie gesagt, auch für jüngere Leser geschrieben.

Wie es in einer Sekte zugehen kann, wurde toll beschrieben, wobei ich mir hier mehr wirklich Krasses gewünscht hätte. Man hört und liest darüber sehr viel und die Sekte im Buch kam mir schon hart, aber irgendwie nicht hart genug rüber.

Die Geschichte ist sehr vorhersehbar und hat kaum spannende Momente oder Wendungen. Auch bleiben Ereignisse im Raum stehen, die sich der Leser selbst weiterspinnen kann.

Zum Schluss ging mir dann alles einfach zu schnell. Zwar hat das Werk eine gute Länge für dieses Alter, trotzdem hätte ich mir an der ein oder anderen Stelle mehr Hintergrund gewünscht.

©2017

Veröffentlicht am 20.08.2017

✎ Carlos Ruiz Zafón - Friedhof der vergessenen Bücher 1 Der Schatten des Windes

Der Schatten des Windes
0

Vor Jahren schon einmal - vielleicht, als es gerade herauskam - habe ich dieses Buch gelesen. Da ich mich jedoch so gar nicht mehr daran erinnern konnte, was es in mir auslöste, habe ich beschlossen, es ...

Vor Jahren schon einmal - vielleicht, als es gerade herauskam - habe ich dieses Buch gelesen. Da ich mich jedoch so gar nicht mehr daran erinnern konnte, was es in mir auslöste, habe ich beschlossen, es noch einmal zu lesen.

Zuerst hat mich die Seitenzahl abgeschreckt, denn dicke Büchern bedeuten manchmal viel Geschwafel und wenig Inhalt. Carlos Ruiz Zafón jedoch erschafft genau das Gegenteil: Ich habe mich durch die Geschichte tragen lassen und war teilweise von Seite zu Seite faszinierter.

Der Autor beschreibt ein Barcelona, welches von Bildern im Kopf lebt. Auch die Charaktere sind vielschichtig und tiefgründig - keiner bleibt im Hintergrund. Dabei setzt er jedoch nicht auf Gefühlsduselei, sondern grast die komplette Palette ab: grausam, wundervoll, geheimnisvoll, lieb, naiv, unheimlich, ...

Und so sieht es auch mit der Geschichte an sich aus: Liebe, Krimi, Historisches - kaum ein Genre wird ausgelassen und trotzdem wirkt es nicht überladen, sondern eins fügt sich ins andere hinein und alles zusammen ergibt ein tolles Gesamtbild.

Ein Buch, welches ich nun (hoffentlich) nicht mehr so schnell vergessen und vor allem einigen empfehlen werde - auch wenn es selbst nach über 10 Jahren noch immer in aller Munde scheint.

Bisher war ich unschlüssig, ob ich die anderen Bände auch noch lesen mag, aber nachdem ich selbst gemerkt habe, dass ich aus dem Schwärmen gar nicht mehr herauskomme, wäre es doch eigentlich schade, wenn ich mir Zafóns tollen Schreibstil entgehen lassen würde.

©2017